Die Sterntaler und das himmlische Gold (Märchen)

Märchen haben mich nicht nur als Kind fasziniert, in Erinnerung sind mir insbesondere die grausamen Erzählungen geblieben – etwa jene Berichte von kleinen Kindern, die unbehütet und alleine ums Überleben kämpfen (müssen).

Doppelporträt der Brüder Wilhelm Grimm (links) und Jacob Grimm von Elisabeth Jerichau-Baumann, 1855

Die Brüder Grimm, deren Märchen ‚eigentlich für Wissenschaftler und interessierte Laien‘ gedacht waren, veröffentlichten das Märchen ‚Die Sterntaler‘ 1812 zunächst unter dem Titel „Das arme Mädchen“. Sein Inhalt ging zum Teil auf Achim von Arnims Novelle Die drei liebreichen Schwestern und der glückliche Färber zurück. [Diese Novelle findet sich u.a. um umfangreichen Archiv des Gutenberg-Projekts (→Text)].

Erfreut über das große Interesse von Kinder, gestalteten Jacob und Wilhelm Grimm die zweite Auflage um 1819 deutlich kindgerechter – als „Erziehungsbuch“. Die Erzählung vom armen Mädchen hieß nun „Die Sterntaler„.

Zum Inhalt:

Ein armes Waisenkind, das außer einem Stück Brot nichts besitzt, geht in die Welt hinaus. Unterwegs verschenkt es sein Brot, dann seine Mütze, sein Leibchen, sein Röckchen und schließlich auch sein Hemdchen an andere Bedürftige. Da fallen die Sterne als Silbertaler vom Nachthimmel, und es hat ein neues, feines Leinenhemdchen an, in das es sie aufsammelt. (vgl. Wikipedia)

Mit dem „Sterntaler“ formulieren die Gebrüder Grimm ein religiöses Gleichnis neu: ‚Wer bereit ist, auf irdische Güter zu verzichten, Barmherzigkeit zu zeigen und sich selbst zu entäußern, erhält reichen vom Himmel, sei es vor oder nach dem Tod. Wer uneigennützig gibt, dem wird gegeben.‘-

Tatsächlich gab es damals Taler, die vom Himmel zu kommen schienen und auf wundersame Weise in die Hände armer Menschen gelangten.Vor allem nach heftigen Regenfällen entdeckten Bauern in Süddeutschland immer wieder einzelne

Bild: Regenbogenschüsselchen aus Passau

Regenbogenschüsselchen aus Passau

Goldmünzen. Es handelte sich nicht um eine im Umlauf befindliche Währung, sondern um Goldstücke ohne Ziffern, jedoch mit geheimnisvollen Zeichen und einem hoch gebogenen Rand. Die glücklichen Finder nannten den kostbaren Besitz „Regenbogenschüsselchen„.
Damals glaubten die Menschen, am Ende eines jeden Regenbogens ruhe ein Goldschatz – ein Mythos, der auch den Brüdern Grimm wohlbekannt war. Es handelt sich um keltische Gold- und Silbermünzen bezeichnet, die in einem Raum, der sich vom Gebiet des heutigen Ungarn über Österreich bis nach Süddeutschland erstreckte, verbreitet waren. Sie wurden vermutlich von den keltischen Stämmen der Boier und Vindeliker und den Rheingermanen im Zeitraum von etwa 300 v. Chr. bis zur Zeitenwende hergestellt.

Der neue Titel des Märchens bezieht sich wohl eine seltene Münze, die im Volksmund „Sterntaler“ hieß. Prägen ließ sie Fürst Friedrich II. von Hessen: Der strahlende Stern des von Friedrich um 1770 gegründeten Ritterordens „Goldener Löwe“ bildete die Vorlage zum Motiv auf dem Geldstück.

Der Film aus der Reihe ‚ZDF Expedition‘ folgt dem Mädchen auf seinem spirituellen Weg. Er erzählt von Mythos und Magie der Sterne und des Goldes, die seit Urzeiten die Menschen bewegen. Der Weg des Mädchens gleiche dem Weg einer Novizin – vom Eintritt ins Kloster bis hin zur Weihe – ein Weg, der mit der symbolischen Übergabe aller weltlichen Güter an das Kloster beginnt…
Deutlich wird zugleich auch die christliche Vorstellung, dass Sterben lediglich den Übergang in eine bessere Welt bedeute. Offenbar war man damals kaum in der Lage, der verarmten Landbevölkerung diesseitige Hoffnungen glaubhaft zu vermitteln.

Statt dessen wurde selbst ein verfrühter Tod als freundlicher Gevatter dargestellt, welcher die Menschen aus ihrem ‚irdischen Jammertal‘ erlöse…

ZDF- Dokumentation aus der Reihe „Botschaften aus der Wirklichkeit“ (Teil 2)

  • Eine Verfilmung des Märchens findet sich beispielsweise hier.
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