Diskussion über das Zölibat (ZDF)

Volker Panzer im Gespräch mit den Theologen Eugen Drewermann, Friedrich Schorlemmer und Klaus Berger

Im Grunde ist die Frage nach dem Für und Wider des Zölibats eine ‚vereinsinterne‘ Angelegenheit der katholischen Priesterschaft. Verurteilungen ‚von außen‘ sind von daher bedenklich – doch sie bleiben nicht aus, angesichts der schleppenden Aufarbeitung von Kirchenskandalen um pädophile Priester.

Dass man heute- ungeachtet des inzwischen erarbeiteten psychologischen Wissens über potenzielle Schäden als Folge einer erzwungenen Lebensweise ohne Sexualität und Familie – am Zölibat festhält, resultiert erkennbar aus der Furcht vor einem dammbruchartigen Identitätsverlust ‚des Katholischen‘.

Apropos katholisch…bekanntlich ist die verordnete Ehelosigkeit und Keuschheit für den römisch-katholischen Klerus weder Gegenstand eines unverrückbaren Domas noch wird sie ausdrücklich in der Bibel gefordert. Weshalb dieses Element priesterlicher Lebensweise dennoch bewahrt wird, erläutert der Theologe Josef Ratzinger in seinem Buch ‚Salz der Erde‘:

„…der Zölibat [schließt sich] an ein Wort Christi an: Es gibt die, heißt es da, die um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichten und mit ihrer ganzen Existenz Zeugnis für das Himmelreich ablegen.

Die Kirche ist sehr früh zur Überzeugung gekommen, daß Priestersein bedeutet dieses Zeugnis für das Himmelreich zu geben. Sie konnte dabei sachlich analog auf eine alttestamentliche Parallele anderer Natur zurückgreifen. Israel zieht im Land ein. Die elf
Stämme kriegen jeder sein Land, sein Territorium. Allein der Stamm Levi, der Priesterstamm, bekommt kein Land, bekommt kein Erbe; sein Erbe ist Gott allein. Das bedeutet praktisch, daß seine Angehörigen eben von den Kultgaben leben und nicht, wie die anderen Stämme, von der Bewirtschaftung eines Landes. Der wesentliche Punkt ist: Sie haben kein Eigentum…“

Der Verzicht auf Ehe und Familie sei aus dieser Sicht so zu verstehen:

„Ich verzichte auf das, was das menschlich eigentlich nicht nur normalste, sondern auch wichtigste ist. Ich verzichte darauf, selber am Lebensbaum weiteres Leben hervorzubringen, ein eigenes Lebensland zu haben, und lebe im Glauben daran, daß mein Land wirklich Gott ist – und mache dadurch für die anderen auch glaubwürdig, daß es ein Himmelreich gibt.“

Kann dieser Weg, die eigene Glaubwürdigkeit zu festigen, heute noch von der Gesellschaft nachempfunden werden? Es scheint, dass wir hier in Deutschland dem Katholizismus sehr viel kritischer gegenüberstehen als die Menschen in vielen anderen christlich geprägten Ländern. Nicht nur in Südamerika wird alles Katholische z.T. mit einer Selbstverständlichkeit akzeptiert, die hierzulande an die Adenauer-Ära erinnert.

Eugen Drewermann erinnert an die wirtschaftliche Motivationslage, welche im Mittelalter zur verbindlichen Verordnung des zölibatären Lebens für geweihte Diener der Kirche geführt habe:

Im Zuge der Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts erfolgte der Übergang vom Gebot der  Enthaltsamkeit zur allgemein verbindlichen Ehelosigkeit der Priester. 1022 ordnete Papst Benedikt VIII. an, dass Geistliche künftig nicht mehr heiraten durften. Verstöße wurden mit Kirchenstrafen belegt; bereits verheirateten Geistlichen sollten Amt und Besitz entzogen werden.
Formal begründet wurde dies mit der ‚kultischen Reinheit‘ als Erfordernis zur Zelebration der Heiligen Messe täglich. Von pragmatischer Bedeutung war allerdings, dass bei verheirateten Klerikern Kirchenbesitz an deren Kinder vererbt worden wäre. So wurde auch festgelegt, dass die Kinder der Kleriker als ‚Kirchenhörige‘ unfrei waren.

Wenn die Fortsetzung des Zölibats heute allein mit der ‚Nachfolge Christi‘ wird, dann ist dies zumindest nicht die ganze Wahrheit.

Das Für und Wider der verbindlichen Ehe- und Beziehungslosigkeit für den katholischen Klerus wird in der nachfolgenden TV-Diskussion facettenreich erörtert: 

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