Alles nur geträumt? Gedanken zu den Matrix-Filmen

Als ich den Film Die MATRIX zum vierten oder fünften Mal anschaute, fiel mir so einiges auf, was ich früher wohl übersehen habe. Inzwischen dient mir der Film als visuelle Veranschaulichung der zentralen Holofeeling-Aussage, wonach die von uns wahrgenommene Außenwelt nur scheinbar existiere, d.h. von unserem Bewusstsein nach außen projiziert werde. Die Matrix vermittelt zugleich das Konstrukt einer multidimensionalen Persönlichkeit analog zur Sichtweise von Seth (bzw. Jane Roberts):
Die Matrix (= unsere wahrgenommene Realität) steht für den Teil unseres Bewusstseins, den wir als Ganzes (alles was ist) erkennen. Wir können allenfalls erahnen oder vermuten, dass darüber hinaus noch viel mehr existiert, das ebenfalls Bestandteil unseres Selbst ist.

„Stell dir vor du träumst und wachst nie wieder auf – woher willst du dann wissen, wo der Traum ist, und wo die Realität ist?“, fragt Morpheus ziemlich zu Beginn des Films und entlarvt die bisherige Welt des Thomas Anderson als Welt als „neurointeraktive Simulation“.
Damit wird für Neo eine unglaubliche Ahnung zur Wahrheit, die er bis dahin als Hirngespinst beiseite schob: Er lebt in einer Scheinwelt, die sich nicht außerhalb von ihm abspielt! Kommt der Zuschauer zwischen den Ballerszenen zum Nachdenken, so wird ihm klar: Es könnte genau so sein wie im Film, und wir würden den Unterschied wohl nicht bemerken! Denn wir finden nur Bezugspunkte innerhalb unserer materiellen Realität. Das bedeutet, wir haben letztlich keine Möglichkeit, mit Sicherheit zu verifizieren oder zu widerlegen, ob alles von uns Wahrgenommene ein Traum (oder eine Art holografische Projektion) ist.

Mit einer Ausnahme: Cogito, ergo sum!Wir können mit einiger Sicherheit sagen, dass wir selbst (unser Bewusstsein) nicht ausschließlich Teil unseres eigenes Traumes sind. Denn: Wären wir selbst nur Traumgestalten, wer (und wo) ist dann derjenige, der uns träumt?
Wie für die Filmfiguren ist auch für jeden Menschen wichtig, die so real erlebte Scheinwelt nicht mit einer jener Trainingssimulationen zu verwechseln, wo Handlungen wie auch begangene Fehler ohne schmerzhafte Konsequenzen bleiben: „In deinem Kopf wird es real – unser Körper kann ohne Geist nicht leben.“ Dass unser Tun in uns nachwirkt, ist unerlässlich um aus Erfahrung zu lernen, zu verinnerlichen.
Ich bin kein Philosoph oder ähnliches, deshalb vermag ich derlei Fragen nicht von allen Seiten in unendlicher Tiefe zu beleuchten. An die Stelle von sicherem Wissen tritt meine Intuition; sie sagt mir, es kann durchaus sein, dass unsere wahrgenommene Welt durch uns selbst erschaffen wird. Im Film sind andere Menschen innerhalb der Matrix nur mentale Projektionen – womit ich mich allerdings schwer tue, vielleicht ein Ego-Problem, denn ich käme mir wohl ganz schön armselig vor, müsste ich erkennen, dass ich seit über 40 Jahren nur Selbstgespräche geführt habe;-)
Natürlich bin ich keinesfalls der erste, der Überlegungen zur tieferen Bedeutung und Intention des Films Die Matrix anstellt.

Vielfach wurden Parallelen zum biblischen Geschehen gezogen:
Anderson/Neo = Jesus, der die in einem Projektionssytem gefangenen Menschen befreit. Beide sind hier, um den Menschen eine Welt zu zeigen, in der alles möglich ist ‚Wie es dann weitergeht, das liegt ganz an euch.‘
Morpheus = der Wegbereiter wie Johannes der Täufer, zugleich aber auch eine Vaterfigur
Trinity /= Geist Gottes („Steh auf!“) oder auch Maria Magdalena
Cypher /= Luzifer, der die Menschen an jeder Weiterentwicklung und geistiger Befreiung zu hindern sucht

Das Ziehen solche Parallelen zur Bibel erzeugt meiner Ansicht nach zusätzliche Widersprüche, anstatt welche aufzulösen. Zwar ist die Szene von Neo’s Tod ist recht offensichtlich: Er gibt sein Leben für die Rettung seines Freundes hin, und damit zur Errettung der gesamten Menschheit und durch Glauben und Liebe von Trinity vollzieht sich seine Auferstehung. Mein Unbehagen mit dem Bibel-Vergleich hängt damit zusammen, dass in dem Film eine starre Gut-/Böse-Differenzierung vorherrscht. Und essentielle Fortschritte kommen iin der Filmhandlung ausschließlich unter Gewaltanwendung zustande – dies steht in einem einen Gegensatz zu den Lehren, die ich für mich aus der Bibel ziehe.

Das Verdienst des Films liegt m.E., aber weniger in seinem Bezug zur biblischen Überlieferung als darin, die Menschen auf unterhaltsame Weise zu motivieren, sich mit einer der Kernfragen unseres Daseins auseinander zu setzen: Was ist Realität?
Die Illusion, wir nähmen die uns umgebende Wirklichkeit objektiv wahr, können wir jedenfalls vergessen! Sämtliche Reize von außen werden durch einen zweistufigen Filter geleitet: Unsere Sinnesorgane übermitteln uns ohnehin nur einen kleinen Ausschnitt dieser Umgebung. Von der Bandbreite elektromagnetischer (visueller, fühlbarer) und akustischer Reize verarbeiten unsere Sinnesorgane nur einen kleinen Anteil (etwa 2-5 Prozent, heißt es). Diese Reize werden durch unser Gehirn aufbereitet und nochmals selektiert: Auch von den zahllosen Impulsen, die unsere Sinnesorgane registrieren, dringt wiederum nur ein kleiner Teil bis in unser Bewusstsein.
So gesehen, erstellt unser Gehirn ein Modell dessen, was wir wahrnehmen – dabei spielen auch Erfahrungswerte eine große Rolle, Das was ‚wirklich‘ um uns herum geschieht, unterscheidet sich also ganz erheblich von unserem persönlichen Wirklichkeitsmodell. Man kann also sagen, dass jedes bewusste Individuum sich seine eigene Realität erschafft.

Nicht wenige Anzeichen lassen vermuten, unsere Realität werde im wesentlichen durch unsere Gedanken erschaffen. Doch wird durch diese Betrachtungsweise, nach der unsere wahrgenommene Realität nicht mehr als eine große Illusion sei, die Frage nach dem Ausgangspunkt unserer geistigen Identität nur verlagert: Falls unsere Welt nur ein großer Traum ist, wo befindet sich dann der Träumer? Wo ist die wirkliche Welt, sei sie materieller oder geistiger Natur? Die Matrix beschreibt unsere wahre Realität n durchaus nachvollziehbarer Weise. Wenn unsere Wahrnehmung sowie unsere Gedanken aber nicht von einem Alien-Computer stammen (was ich mal hoffe:), müssen wir selbst weit mehr zu unserer seelischen Evolution beitragen, als in passiver Erwartungshaltung auf eine Erlösung zu warten:
Morpheus: Ich will deinen Geist befreien. Ich kann dir die Tür zeigen, aber durchgehen musst du alleine!
Das nachfolgende Video greift einige interessante Überlegungen zu dem Film auf, wenn auch auf eigenwillige Weise

Anmerkung: Dieser Beitrag wurde Ende 2010 unter http://sadlove.de/wordpress/?p=1153 erfasst und ging nach dem unfreiwilligen Umbau dieses Blogs zunächst verloren.

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