Kirche und Menschenrecht – ein Gegensatz?

Auf katholisch.de findet sich ein Artikel mit der Überschrift „Die Kirche – Anwältin für die Menschenrechte[1]; im Text heißt es: „Die Kirche weiß sich der Menschenwürde verpflichtet, die in unveräußerlichen Menschenrechten politisch-rechtlich Anerkennung und Schutz findet.“  Die Würde des Menschen bilde zudem den Kern kirchlicher Moralverkündigung.
Klingt gut, doch bis heute hat die RKK weder die Menschenrechtserklärung des Europarates noch die Menschenrechtscharta der UNO anerkannt. Den Hintergrund der Ablehnung bilde die Überzeugung der Päpste, dass sich eine menschliche Gesellschaft nach den Prinzipien Gottes und nicht der Menschen zu organisieren habe.

Verständnis der Kirche: Das „ius divinum“ sei unmittelbar auf den Willen Gottes zurückführbar und als solches überzeitlich, dem übrigen kirchlichen und menschlichen Recht übergeordnet. Es könne somit weder von weltlichen noch von kirchlichen Gesetzgebern verändert und aufgehoben werden.
[Als göttliches Recht (lat.: ius divinum) werden Rechtsnormen bezeichnet, die nach einer Religion auf Rechtssetzungen Gottes oder einer göttlichen Instanz zurückführbar sind (etwa auf die Zehn Gebote) und die daher unabänderlich gelten. Seit dem 11. Jahrhundert unterscheidet man nicht nur zwischen „weltlichem“ (staatlichem) und „geistlichem“ (kirchlichem) Recht, sondern auch innerhalb des geistlichen Rechts zwischen veränderbaren und unveränderlichen Rechtssätzen.
Dem entgegen fassen Menschenrechtserklärungen jene unmittelbar geltenden Rechte zusammen, die einzelne Personen vom Staat oder sämtlichen anderen Autoritäten einfordern können, seien sie nun säkular oder geistlich.] Vor diesem Hintergrund tat sich vor allem die Kirche des 19. und der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts schwer damit, Menschenrechtserklärungen anzuerkennen.

Das Abschlussdokument des Zweiten Vatikanischen Konzils enthielt zwar weitreichende Zugeständnisse der modernen Gesellschaft gegenüber, betonte jedoch weiterhin das Primat des göttlichen Naturrechts. Zuvor hatte sich Papst Johannes XXIII. überzeugt gezeigt, ‚Menschenrechtserklärung‘ (der UN) solle die Basis für alle menschlichen Organisationen sein.

„Mit dem Pontifikat von Johannes Paul II., vor allem aber von Benedikt XVI. setzte sich innerhalb der Amtskirche wieder jene orthodoxe Konzeption des göttlichen Naturrechts als allem menschlichen Recht übergeordnet durch.“[2]

Ob nun von Papst Franziskus neue Impulse bezüglich der Gewichtung von Natur- und Menschenrecht erwartet werden darf? . „Er sagte es klar: Die Kirche darf nicht wollen, dass sich die Menschen ihrem Recht unterordnen, sondern sie muss die Frohe Botschaft verbreiten.“ Sicher scheint: Das Dogma des göttlichen Naturrechts abschaffen wird auch Franziskus nicht.

Indessen forderte die Vereinigung „Wir sind Kirche“ im März 2011 von der RKK explizit „die Anerkennung der Menschenrechte, wie sie von der UN formuliert worden und wie sie inzwischen fast alle Staaten der Welt anerkannt und ratifiziert haben“.[3]
Fälle des Pflichtzölibats, der Verweigerung der Frauenordination sowie die sexuelle Diskriminierung der Homosexuellen (Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität) wurden als menschenrechtswidrig kritisiert.

Quellen:

  1. Die Kirche – Anwältin für die Menschenrechte„, katholisch.de
  2. Der Vatikan und Menschenrechte„, DLF, Jan.2015)
  3. Der Vatikan und die Menschenrechte„, Karl Weiss, 03/2011

Literaturhinweis

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