Christlicher Fundamentalismus in Deutschland

„Gott serviert uns Menschen.“

Anders als die traditionellen Kirchen sind die sogenannten Evangelikalen im Aufwind. Dahinter verbirgt sich ein breites Spektrum verschiedenster Glaubensgemeinschaften wie Pfingstgemeinden, Freikirchen, Gemeinschaften der charismatischen Bewegung oder Gemeinden evangelischer Landeskirchen. Gemeinsam ist ihnen ihr Glaube an die Irrtumslosigkeit der Bibel und an Jesus Christus als den einzigen Retter. Wer Jesus ablehnt, sei verdammt, wie es in einer Erklärung des Dachverbandes der Freikirche, der Evangelischen Allianz, heißt.

„Radikale Christen in Deutschland – Mission unter falscher Flagge“

Nun zeichnet sich unser Land durch weitreichende Religionsfreiheit aus. Das Grundgesetz stellt (im Art. 4 Abs. 1,2) unumwunden klar: „(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“

Zugleich darf niemand zu religiösen Ritualen, Handlungen und Feierlichkeiten gezwungen werden. Doch was ist mit massiver Beeinflussung und Manipulation, der Kinder ausgesetzt werden? Wem von frühester Jugend an eingetrichtert wird, für Gott sei „Schwul und Lesbisch widerlich“, wird unweigerlich in eine Außenseiterrolle gedrückt. Insbesondere für den Fall, dass er/sie als Heranwachsende(r) eine gleichgeschlechtliche Neigung in sich selbst ausmacht. Die „radikale Hinwendung zu Gott“ bedeutet zugleich die (ausdrücklich verlangte) Absonderung – das Fehlen von Kontakten ’nach außen‘ mündet in Weltfremdheit.
Soweit jemand sich als Erwachsener bewusst und aus freiem Willen für diese Lebensweise entscheidet, ist dies seine Sache. Kindern ein derart verengtes, schwarz-weißes Weltbild aufzunötigen und sie damit in Gewissensnöte zu stürzen, ist hingegen unverantwortlich, ja verwerflich.

Christliche Zwangsverschleierung? Extremistische Sekten in Deutschland

„Satan unter meinen Füßen zertreten“… für einen ’normalen‘ Gläubigen ohne jede Übung im Exorzismus ein ziemlich gewagtes Vorhaben. Zu sehen, wie solche Vorsätze aufgesagt werden, wirft für mich die Frage auf: Merken die Urheber solcher ‚Gebete‘ überhaupt noch, was sie da sagen und wie unerreichbar ihr Anspruch an sich selbst (aus mehren Gründen) ist?
Vermutlich nicht. Auch in extremistischen Sekten wird dem Nachwuchs so früh wie möglich die eigene Glaubenslehre und -moral eingeimpft – die Bibel wird zu einem Verhaltenskodex verdreht, der Angst machen soll – was die Frage aufwirft:
„Werden die Kinder hier unter- oder abgerichtet?

 

Christlicher Fundamentalismus (ARTE Themenabend, 2006)

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde unter Christentum, Religionen abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.