“Die Salafisten kommen”

Emotionalisierung statt Versachlichung – Provokation statt Verständnis

Bei Sandra Maischberger diskutierten im Mai 2012 die Schauspielerin Renan Demirkan, Journalist Michel Friedman, Imam Scheich Hassan Dabbagh, Ex-Viva-Moderatorin Kristiane Backer, „Spiegel“-Journalist Matthias Matussek und CDU-Politiker Wolfgang Bosbach.

Die Ausstrahlung rief etliche Zuschauerbeschwerden hervor und stieß auf ein lebhaftes Echo…die inhaltlichen Positionen lasse ich hier einmal unkommentiert, denn es werden vorwiegend die bekannten Vorhaltungen zum x-ten Mal mit heiligem Zorn, vollmundig und konfrontativ vorgetragen.
Interessanter ist es, das wenig vorbildliche Kommunikationsverhalten der meisten Gesprächsteilnehmer zu verfolgen – wobei ich mir allmählich die Frage stelle, wieso immer wieder die gleichen Figuren herangekarrt werden, sofern diese keine wirklich neuen Gedanken und Lösungsvorschläge beizutragen haben.

Frau Maischberger hatte es bestimmt nicht leicht in dieser inszenierten Manege, doch was sagt es über ihren Moderationsstil aus, wenn sie einem Gesprächsteilnehmer grundlos mit einem ‘Stopp!’ über den Mund fährt?
Aktives Zuhören und das ehrliche Bemühen, den Gesprächspartner und seine Sicht der Dinge zu verstehen, sind Mangelware. Statt dessen verhallen wechselseitige Appelle, doch bitte das Polemisieren zu unterlassen.
Erstaunlich gut kommt M.Friedmann weg, den ich wegen seiner extrovertierten Selbstinszenierung nicht sonderlich schätze. Doch er und Bosbach bringen die entscheidenden Parameter auf den Punkt:

  • Provokationen mit religiösem Background sind hässlich und mies, denn sie verletzen. Doch muss jeder Teilnehmer unserer Gesellschaft solche Provokationen aushalten, solange sie keine strafrechtliche Relevanz erlangen.
  • Gewalttätige Reaktionen jedweder Art in einer Kontroverse (nicht nur) über Religion sind tabu – und auch das bedrohlich wirkende Niederbrüllen des ‘Feindes’ ist kaum zu akzeptieren.
  • Das Aufrechnen alter Sünden führt zu nichts.
  • Man darf die Muslime nicht an den Salafisten messen – und man kann den Islam nicht am Verhalten der Muslime messen. (Wollte man dieses Maß anlegen, müssten Christen betreten schweigen.)

Friedmann bewahrt als einziger die Ruhe und verweist auf ein subtiles Instrument in diesem ‚Kulturkampf‘: ‘verbale Brandstiftung’, indirektes Anstiften zu einer Straftat und deren vermeintliche Legitimation durch eine religiöse ‘Lehre’. Gegen Ende mahnt er Geduld an, es brauche Zeit, um sich kulturellen Herausforderungen zu stellen.

Ansonsten bleiben mir Momentaufnahmen in Erinnerung:

  • Von Hassan Dabbagh („Jesus war ein Moslem gewesen:“ nur wahr, dass er gezielt politische Thesen mit religiösen Grundüberzeugungen vermischt. Manchmal ist ‘keine Antwort auch eine Antwort’ und die geeignetere Reaktion, als auf solche Tiraden anzuspringen.
  • Wie sinnvoll ist es eigentlich, der salafistischen Minderheit unter den ansonsten friedlich in Deutschland lebenden Muslime zur dauerhaften Präsenz in den Massenmedien zu verhelfen – wo doch vorgeblich nur ja kein ‘Feindbild Islam’ geschaffen werden soll?
  • Kann die kurzzeitig opportune Rhetorik des längst geschassten Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland, nicht endlich ad acta gelegt werden?
  • Die Worte “das können Sie alles in meinem neuen Buch lesen” ließe ich künftig zu gerne mit einer Vertragsstrafe belegen:)

Bei der Gelegenheit lohnt sich vielleicht noch ein Blick auf die diesbezügliche Ausgabe der Heute-Show

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