Bibelstudium mit Plan und Software

‚Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl:
muss da die Schuld immer an dem Buch liegen?‘
Georg Christoph Lichtenberg

Eine Frage der Motivation?

”Bibelstudium ist absolut eine Sache der Motivation. Wenn wir etwas wirklich tun wollen, finden wir in unserem Leben auch die nötige Zeit dazu”, schreibt William MacDonald in seinem Einführungsbuch zur Bibel.

Tja, “keine Zeit” ist kaum ein sinnvolles (und meist ein wenig ehrliches) Argument – entscheidend sind die persönlichen Prioritäten an – und im Falle der Bibel auch ein wenig auf den eigenen Durchhaltewillen. Doch worin könnte die Motivation liegen, die Bibel vollständig zu lesen – noch dazu für jemanden, der schwerlich eine der üblichen spirituellen Schublade passt?
Auch wenn ich vieles in der Bibel kritisch sehe und mir eine subjektive Meinung dazu erlaube, interessiert mich der Inhalt dieses besonderen Buches, von welchem täglich 150.000 Exemplare verkauft oder verschenkt werden.

Von systematischem Bibelstudium verspreche ich mir ein tieferes Verständnis der Inhalte als von ziellosem Rumstochern.
Wenn auch mit Vorsicht zu genießen, ist die Bibel stellenweise auch als Geschichtswerk von Interesse – und sei es, um einen Vergleich mit außerbiblischen Quellen zu betreiben.

Ein weiterer Anlass, mit dem Studium der Bibel zu beginnen, kann in der Unzulänglichkeit der Sekundärliteratur liegen. Bücher über die Bibel gibt es mehr als genug – doch die meisten von ihnen sind verständlicherweise nicht neutral: den Autoren gelingt es selten, ihre eigenen Vorurteile außen vor zu lassen. Ob nun totale Begeisterung, bedingungslose Akzeptanz oder vor Sarkasmus triefende Ablehnung – all dies hilft mir nicht weiter, wenn ich die Inhalte kennen und dadurch zu einer eigenen Auffassung gelangen möchte.

Bis heute zieht sich sich mein Vorhaben, die gesamte Bibel zu lesen, ziemlich in die Länge: die gefühlt endlose Aufzählung teils verstörender Gesetze und Opferrituale bei Mose ist ‘geschafft’; nun bin ich bei Joel angelangt (habe aber die übersprungenen Klagelieder nachzuholen und Hesekiel kaum verstanden). Folglich liegt das NT noch in weiter Ferne…
Bibeltreue Kommentatoren versprechen außerordentliche persönliche Erfahrungen, die aus der Bibellektüre erwachsen sollen. Dergleichen erhoffe oder erwarte ich mir nicht, mystische Erlebnisse werden skeptischen Suchern eher selten zuteil…

  • Als hilfreich erweist sich die Stuttgarter Erklärungsbibel (SEB). Der Kaufpreis von 56€ (oder knapp 40€ für die elektronische Ausgabe im ‘MFChi’-Format, welche die Suche nach Querverweisen deutlich erleichtert + eigene Notizen ermöglicht) für den Wälzer ist zwar kein Schnäppchen, doch das Konzept erweist sich optimal, um mir die zum Teil erklärungsbedürftigen Inhalte zu erarbeiten:
    Jedes Buch der Bibel beginnt mit einem kompakten Einführungsteil; wesentlicher ist, dass auf jeden Abschnitt eine Erläuterung folgt. Diese befindet sich mitten im Text – m.E. ein Vorteil: anstatt ständig hin- und her zu blättern, kann man Kapitel für Kapitel in einem Fluß lesen (s. kurze Leseprobe, 5 S.).
  • Dem eher distanziert-respektvollen Betrachter kann auch die „Bibel für Dummies“ von Jeffrey Geoghegan eine ergänzende Hilfe sein – auch um bei vertretbarem Zeitaufwand (422 S.) einen Überblick sowohl der Textinhalte als auch historischer Hintergründe zu gewinnen.

Auf eine präzise (‚Interlinear‘-)Übersetzung einzelner Zeilen oder Worte kommt es mir zur Zeit nicht an – ich wünsche, den Text als Ganzes zu erfassen, was bei weit mehr als tausend Buchseiten schwierig genug ist.
Viele Bibel-Ausgaben lassen sich kostenlos (und legal) als PDF aus dem Web downloaden, sowohl reine Text-als auch kommentierte Editionen.

Bibelkommentare – Nutzen oder Schaden?

Die meisten Bibelkommentare enthalten nicht den eigentlichen Bibeltext, sondern eine subjektive Erläuterung des Verfassers. Sie können sicherlich dazu dienen, das Verständnis einzelner Passagen zu erschließen oder zu vertiefen. Keinesfalls aber ersetzen sie die Lektüre der Bibel selbst.
Die großen Unterschiede entstehen aus der Methodik (z.B. vers- oder themenbezogene Erklärungen) sowie der jeweiligen Sicht des Autors über den Charakter der Bibel: handelt es sich um gleichnishafte Erzählungen aus verschiedensten Überlieferungen, die insgesamt das Wesen Gottes vermitteln sollen? Oder ist die Bibel als ‘Gottes Wort’ wörtlich zu nehmen?

Bibelwissenschaftler und Historiker tendieren offenbar zur ersten Auffassung; daneben bestehen auch sachliche Meinungsunterschiede, z.B. im Hinblick auf die Bedeutung von Stammbäumen oder Wiederholungen größerer Erzählabschnitte (z.B. im Deuteronomium, dem 5. Buch des Moses).
Es ist nicht an einem Laien wie mir, die einzelnen Ausgaben zu beurteilen. Aus verschiedenen Kommentaren habe ich schon bei selektiver Nutzung manches gelernt (z.B. war mir der Begriff Deuterojesaja bislang völlig fremd). Andererseits kommt es auch vor, dass ich mich in verschiedenen Deutungsansätzen zu einer Bibelpassage ‚verzettele‘ – anstatt im Bibeltext weiter zu lesen.

Manches Unverständnis bleibt

…soweit es mich betrifft. Ob im Alten oder im neuen Testament, in beiden Teilen finden sich etliche Passagen, wo Menschen als ’spirituelle Außenseiter‘ und damit unausweichlich Verlorene dargestellt werden.

“Vom Unkraut unter dem Weizen
Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, daß man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!” (Mt 13,24-30)

Damit wird aus meiner Sicht unverhohlen ein Teil der Menschen mit dem verglichen, was wir unter Unkraut verstehen. Die übertragene Bedeutung legt offenbar nahe, dass einer großen Zahl von Menschen das spirituelle Endziel (Erlösung, Himmel, Nirwana oder wie auch immer) verwehrt ist. Und zwar weil bestimmte Grundvoraussetzungen (der ‘Samen’) von Anfang an nicht gegeben war. Damit kann und will ich mich kaum abfinden.

Ohne das hier weiter vertiefen zu wollen – wenn Gott als Inbegriff unendlicher, bedingungsloser Liebe aufgefasst werden darf und zugleich allmächtig ist, wird er seine Schöpfung letztlich nicht in einer Zweiteilung Gut-Böse bestehen lassen. Nicht ein einziges seiner Geschöpfe wird ihm für alle Zeit abhanden kommen, auch wenn die Rückkehr im Einzelfall deutlich länger dauert als bei Menschen, die ihre persönliche Schuld in einer kürzeren Folge von Lebenszyklen abzutragen haben. (Vgl. Ein Neues Weltbild)

Sicher bieten Teile der Bibel auch Anlass zu Kritik und Distanz, doch sollte man dabei den historischen Kontext nicht vergessen. Erst wenn geschilderte Handlungen aus gegenwärtiger Sicht noch für moralisch einwandfrei oder nachahmenswert gehalten werden, wird es m.E. wirklich problematisch. Offensichtlich hängt die Interpretation von Bibeltexten stets von der persönlichen Grundeinstellung und Überzeugungslage ab.

Mit oder ohne Software?

Mitunter scheint ein themenorientiertes Lesen der Bibelabschnitte ‘nach Plan‘ sinnvoller, als alle 1189 Kapitel mit 31.170 Versen nacheinander zu lesen. Hat man die Absicht, verschiedene Bibelstellen zu vergleichen oder einen bestimmten Text in mehreren Ausgaben nachzulesen, dann ist eine Bibelsoftware zweifelsohne eine große Hilfe.

Der Vorteil eines solchen Werkzeugs:

  • Volltext-Suchfunktion,
  • die sog. Konkordanz (eine Art automatisiertes Stichwort-Verzeichnis,
  • Möglichkeit zur Darstellung von Texten in tabellarischer Form, wodurch sich das gewählte Kapitel in mehreren Bibelausgaben nebeneinander anzeigen lässt.
  • Zudem erleichtern Verlinkungen es beispielsweise, den Bezug zwischen dem Bibeltext und parallel verwendeten Kommentaren herzustellen und Verweisen auf Parallelstellen zu folgen.

Für eine solche Bibelsoftware braucht man nicht unbedingt Geld auszugeben: es sind sowohl kostenpflichtige Werkzeuge erhältlich als auch solche unter GPL-Lizenz bzw. als Freeware. (Siehe auch: Übersicht Bibel-Software auf BibelCenter.de).
Es empfiehlt sich, über die eigenen Absichten fürs Bibelstudium nachzudenken:  Möchte man wirklich mehr als 4 oder 5 Bibelausgaben parallel zur Verfügung haben?

Einige Pakete habe ich mir näher angesehen:

  • The Word (in deutscher Sprache erhältlich)
    ist wohl das professionellste Freeware-Werkzeug zum Bibelstudium. Allerdings müssen – wie bei den nachfolgenden Tools auch – die aktuellsten Bibelversionen (z.B die Schlachter-Ausgabe v. 2000)  käuflich erworben und ergänzt werden.
    In der Bedienerführung ist das Werkzeug ebenso ausgefeilt und intuitiv wie das kommerzielle ‘MFChi’ – der Unterschied liegt eher darin, dass mancher Lesestoff (wie die SEB, die A.T.-Übersetzung von Buber oder eine synoptische Evangeliendarstellung nur für die kostenpflichtige Software zu haben ist.
  • Xiphos bietet ebenfalls Zugriff auf umfangreiches Material (etliche Bibelausgaben wie auch Kommentare und Glossare), aber Übersichtlichkeit und optische Aufbereitung gefallen mir persönlich nicht so gut wie z.B. The Word oder auch MyBible.
  • Bible-Workshop V 5.1 (Freeware-Version)
    Die Software BibleWorkshop wird eigentlich als kostenpflichtiges Programm vertrieben. Als Appetizer wird immerhin die o.a. Freeware-Version angeboten. Um sich ‚überhaupt mal‘ mit der Bibel zu befassen und eine Suchfunktion zu haben, ist diese Version völlig ausreichend. Sie enthält drei Bibliotheken (Lutherbibel 1912, Elberfelder Bibel 1871 und Schlachterbibel 1951) sowie einige Informationen und Anleitungen.
    Installation und Bedienerführung sind intuitiv und leicht zu handhaben, doch fallen auch einige Nachteile auf: So ist die Ansicht des gewählten Bibeltextes recht statisch auch ist die Ergänzung weiterer Bibelausgaben (in der Freewareversion) nicht möglich. Etwas misstrauisch ließen mich auch mehrere Meldungen meiner Firewall werden, die beim Betrieb dieser Software aufploppten – es traten aber keine Schwierigkeiten auf. 
  •    MyBible 1.6
    …bietet da schon deutlich mehr Flexibilität, obwohl die eigentliche Programmumgebung nur ca. 5 MB groß ist. Im Grunde handelt es sich um einen erweiterten XML-Reader, allerdings mit etlichen Features, Suchfunktionen, einem Lexikon und verschiedenen Ansichtsoptionen (Schriftgröße etc.). Hier können beliebig viele Bibelausgaben (als weitere ‚Zefania‘ XML-Module) eingebunden werden…dieser Schritt ist auch erforderlich, denn im Bundle wird allein die Lutherbibel von 1571 mitgeliefert. Doch das Hinzufügen von weiteren Bibelmodulen ist einfach und schnell erledigt: Auf sourceforge.net findet man hunderte Bibelausgaben, allein 35 verschiedene Module in deutscher Sprache.
    Interessant für mich sind neben den bekannten Bibeln (Schlachter, Tafel, Elberfelder usw.) auch das N.T. von Johann Greber (1931).
    Wer das große Latinum abgeschlossen und davon mehr als 10 Worte behalten hat, wird hier fündig (versch. Vulgata-Ausgaben).  MyBible 1.6 ermöglicht auch die gleichzeitige Textdarstellung (Browser- oder tabellarische Ansicht) verschiedener Bibelausgaben (s. Screenshot). Eigene Notizen können zusätzlich zu vorhandenen Hinweisen angelegt werden, zudem sind Querverweise zu anderen Bibelstelle als Hyperlink angegeben.
Screenshot MyBible

Screenshot MyBible

  • Die Volksbibel 2000 (Download hier, knapp 80 MB), kostenlos …präsentiert sich zwar mit einer etwas antiquierten Benutzeroberfläche, bietet dafür ebenfalls einige Vorteile: Sie enthält u.a. auch die hebräische Bibel (einschl. deutscher Übersetzung), mehrere deutschsprachige Bibelausgaben (Elberfelder, Schöningh u.a.) sowie eine Reihe von Bibelkommentaren und zusätzlicher Funktionen. Mein Eindruck ist, dass diese Software besonders gut dazu eignet, Textvergleiche anhand verschiedener Übersetzungen anzustellen.
Screenshot Volksbibel 2000

Screenshot Volksbibel 2000

  • CleverBibel ist ein relativ neues Bibelprogramm (für Windows und Linux), es ist zwar kostenpflichtig, bietet aber mit einem Anschaffungsspreis von unter 20,- € ein erstaunlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis:
    Neben drei aktuellen Bibelausgaben (Elberfelder csv, Schlachter 2000 und Menge) sind drei ältere, der hebräische bzw. griechische Text sowie fremdsprachige Bibelübersetzungen (englisch/amerikanisch, französisch und russisch) enthalten.
    Über ein Modulsystem können weitere Elemente wie Bibelkommentare, Strong-Lexika, Bibel-Atlanten und Studienmaterial eingebunden werden. Die kommentierenden Texte sind zum Teil kostenpflichtig und wohl ‚bibeltreuen‘, konservativen Verfassern zuzuordnen.
    Die Bedienerführung ist intuitiv und benutzerfreundlich.
Screenshot Clverbibel

Screenshot Clverbibel

Im Web finden sich etliche Video-Tutorials zu diesem Programm, z.B. hier.–

Wer die Bibel in englischer Sprache studieren möchte, findet ebenfalls etliche Module für MyBible (s.o.), als Alternative kommt auch Xiphos in Betracht.

  • Der Vollständigkeit halber seien auch Internet-Angebote wie „Die Bibel online“ (Luther, Schlachter und Elberfelder Übersetzung einschl. Volltextsuche) erwähnt. Hier kann man auf Wunsch die gesamte Bibel online lesen. Für meinen Geschmack sind solche Webportale gut geeignet, um kurze Bibelpassagen nachzulesen, während die Software-Angebote für längeres Lesen deutliche Vorteile haben. Um einen langen Text ‚richtig durchzuarbeiten‘, habe ich ihn gerne direkt vor mir und möchte auch auf eigene Randnotizen etc. verzichten.

Kommerzielle Softwareangebote bieten zum Teil einen deutlich erweiterten Funktionsumfang, was man bei Preisen bis weit über 250,- € wohl auch erwarten darf.

So schick und funktional diese Tools allesamt sind – vermutlich werden viele ein gutes, altes Buch aus richtigem Papier bevorzugen. Wirkliche (Geschwindigkeits-) Vorteile eröffnet softwaregestütztes Arbeiten dann, wenn man vergleichende Betrachtungen anstellen oder die vielen Querverweise auf andere Bibelstellen nachlesen möchte. Die bereits erwähnte SEB liegt als Verskommentar vor, d.h. zu jeder Passage im AT und NT existiert eine kurze Erläuterung.

Bibel-Leseplan

Die einschlägigen Webseiten stellen mehrere Pläne zum Lesen der Bibel vor, nachfolgend verweise ich auf zwei alternative Vorschläge. Meist wird empfohlen, ein begonnenes Kapitel jeweils vollständig zu lesen, damit der Sinnzusammenhang erhalten bleibt.
Der zeitliche Rahmen ist nicht ganz unwichtig: beim Lesen der Bibel soll kein Geschwindigkeitsrekord gebrochen werden – im Gegenteil: Das Motto solcher Pläne lautet meist ‚in einem Jahr die ganze Bibel lesen‘ oder so ähnlich. Bei rationaler Herangehensweise wird man sich zudem auch die ein oder andere Unterbrechung gestatten.

  • Der Leseplan von Michael Coley (auch als PDF) teilt die Bibel in Abschnitte für 52 Wochen auf, wobei jedem Wochentag ein Themenfeld zugeordnet werden kann:

Sonntag: Briefe Montag: ‚Das Gesetz‘ Dienstag: Geschichte Mittwoch: Psalmen Donnerstag: Dichtung Freitag: Prophetie Samstag: Evangelien Mit so einer Aufteilung nach Themenkategorien tue ich mich eher schwer, weil die zeitliche Abfolge komplett verloren geht. Da ich die Bibel, insbesondere das A.T., als geschichtliches Werk auffasse, halte ich es für wichtig, die Chronologie der Ereignisse möglichst beizubehalten.

  • Von daher kommt der chronologische Bibelleseplan auf Bibleriches.de/Bibelportal.de für mich eher in Betracht: Dieser Plan behält die geschichtliche Abfolge weitgehend bei und teilt die empfohlenen Textelemente auf 365 Tage auf.
  • Alternativ bietet sich der „Bibelleseplan 80“ an: Dieses Konzept führt „in 80 Wochen einmal durch das Alte Testament und zweimal durch das Neue Testament“. Mich stört hier der stetige Wechsel zwischen Altem und Neuen Testament.
  • Wer sich richtig viel (acht Jahre) Zeit lassen möchte, findet auf Joyma einen passenden Vorschlag.

Bei Interesse vielleicht selbst mal auf der Übersichtsseite blättern und den individuell geeignet erscheinenden Plan auswählen…

Welche Bibel ist wem zu empfehlen?

Wie so oft im Leben …es kommt darauf an. Empfehlen möchte ich als theologischer Laie lediglich, sich vor der Anschaffung einer Bibel zu informieren, welche Ausgabe geeignet ist. Nicht wenige Verlage bieten auch Leseproben an, mit deren Hilfe sich ein Gefühl für die jeweilige Wortwahl und Übersetzungsgenauigkeit gewinnen lässt.

Für Einsteiger, die sich mit der bisweilen etwas altbackenen Wortwahl ‘klassischer’ Ausgaben nicht anfreunden können, existieren seit einigen Jahren auch Alternativen in moderner bzw. vereinfachter Sprache. Als Beispiele seien die Gute Nachricht Bibel und die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) genannt.

Dagegen ist die sog. Volxbibel [Die Volxbibel. Neues Testament, übersetzt von Martin Dreyer 2008] für meinen Geschmack etwas zu flapsig, Diese Übersetzung entfernt sich weit vom griechischen/hebräischen Basistext und liest sich stellenweise beinahe wie ein Dialog auf dem Schulhof…was allerdings auch beabsichtigt ist:

“… sehr freie, dem eigenen Anspruch nach jedoch sinngemäße Paraphrase des biblischen Textes (z.B. statt „ihr seid das Salz der Erde“: „ihr seid wie ein Kühlschrank für diese Welt, denn ohne euch würde alles vergammeln“).
Von Umgangssprache und Jugendjargon durchsetzt, versucht die Volxbibel v.a. junge Menschen anzusprechen. Wegen der Freiheiten gegenüber dem Grundtext muss jedoch eher von einer verfremdenden Übertragung als von einer Übersetzung gesprochen werden.” [Auszug d. Beschreibung auf WiBiLex]

Weitergehende Empfehlungen halte ich für unangebracht – bei der Auswahl kommt es auf den persönlichen Hintergrund an. Einzelne Religionsgemeinschaften und -gruppierungen bieten ihre eigene Bibelübersetzungen an – die zwar (hoffentlich) nicht verfälscht sind, bei denen aber eine selektive Übersetzungsweise vielleicht nicht immer auszuschließen ist. So ist es z.B. kein Fehler zu wissen, dass z.B. die“Neue-Welt-Übersetzung“ von den Zeugen Jehovas herausgegeben wurde.

Unterschiede finden sich auch zwischen dem evangelischen und dem katholischen Bibelkanon.
Zwischen den einzelnen Bibelübersetzungen bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede in Stil/Wortwahl und Freiheit der Übersetzung bzw. Übertragung: Während manche Bibeln versuchen, möglichst nahe am ursprünglichen Text zu bleiben, bemühen sich andere primär darum, leicht verständlich zu sein.

Das leidige Urheberrechts-Thema

„…Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“
  Mt 10,8.

Von wegen…Geldgier herrscht überall – auch und gerade beim Vertrieb des weltweit am meisten gelesenen Buches. Um ihre Einnahmequelle auf Jahrzehnte zu erhalten, achten einige Anbieter sehr genau auf die Einhaltung von Copyright-Bestimmungen…und setzen dieses auch per Klage durch. Bei einem Buch vom Charakter der Bibel ist das eigentlich unglaublich. Wie dem auch sei: Die gesetzlichen Bestimmungen sollte man stets im Auge haben!

Was Bibellesen denn ‘bringt’..

Wie bereits angeklungen ist, hängen die Resultate ab von der persönlichen Ausgangslage und den jeweiligen Erwartungen. Für den ‚Erfolg‘ ist zudem nicht unerheblich, ob man einigermaßen konzentriert liest ist oder nur halbherzig zwischen zusammenhanglosen Stichworten hin- und her springt ist und auf halber Strecke entnervt aufgibt.

Mit vielen Büchern ist es wie mit einem Spiegel: jeder sieht etwas anderes darin. Dies dürfte insbesondere auch auf die Bibel zutreffen, wobei hier zwischen A.T. und N.T. nochmals zu unterscheiden ist.
Ich halte wenig von potenziell übertriebenen Erwartungen, die nicht selten enttäuscht werden.
Im Hinblick auf die Bibel sprechen manche von “ungeheurer Bereicherung” oder einem ‘innere Persönlichkeitswandel’ …gänzlich ausschließen mag ich dergleichen bei entsprechender Disposition natürlich nicht. Doch ich will es mal so ausdrücken: falls keine so tiefgreifenden Erlebnisse eintreten, hält dieses besondere Buch für die meisten Menschen manche Erkenntnis und vielleicht auch einige Überraschungen bereit – unabhängig vom religiösen Background.

Mindestens eine Erkenntnis dürfte wohl jeder interessierte Leser aus seinem Bibelstudium ziehen: Manchmal muss man mit unbeantworteten Fragen leben. Prof. Michael Rohde erläutert dies beispielhaft am Buch Hiob, dessen zentrale Fragestellung ‘Warum muss man leiden?’ weder logisch noch befriedigend beantwortet wird… (Für Hiob bricht seine Welt zusammen – nicht infolge eines Fehlverhaltens, sondern – so die Erzählung – wegen einer beinahe zynischen Wette zwischen Satan und JHWH, dem Gott des A.T.)

 

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Eine Antwort auf Bibelstudium mit Plan und Software

  1. skreutzer sagt:

    Beim Urheberrecht ist der entscheidende Punkt nicht, ob es etwas kostet oder nicht, sondern dass zur Erpressung von Preisen zwecks Protektionismus künstliche technische und/oder rechtliche Einschränkungen vorgenommen werden, welche in der gegenwärtigen Zeit einen großen Schaden anrichten. Matthäus 10,8 bezieht sich offenkundig auf Verkündigung, Heilung, Totenauferweckung, Reinigung von Aussätzigen und Dämonenaustreibung, außerdem sollte auch Vers 10 berücksichtigt werden. Darüber hinaus siehe Paulus sowohl in 2. Korinther 11,7, aber auch in Philipper 1,15-19 (wobei sich alle Stellen stets auf die Verkündigung beziehen, nie auf das geschriebene/gedruckte/digitale Buch). Momentan gibt es keine einzige deutsche moderne Bibelübersetzung, die unter freier Lizenzierung bereitgestellt wird (eine unter dem Namen „Offene Bibel“ befindet sich noch in Vorbereitung). Zum Thema „Manches Unverständnis bleibt“ sei angemerkt, dass eine solche Folgerung durch die eigene Misskonzeption („Gott als Inbegriff unendlicher, bedingungsloser Liebe“, „allmächtig“ und der daraus folgenden fragwürdigen Interpretation) sowie einer zweifelhaften Gleichnisauslegung (Matthäus 13,24-30) zustandekommen mag, letztendlich sollte aber besser z.B. Römer 3,10-26 herangezogen werden.

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