Friedrich II (HRR) – Kaiser zwischen Kreuzzug und Ketzerverfolgung

Friedrich II. gilt als Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Herrschern des Mittelalters – bisweilen als „erster moderner Menschen auf dem Thron“ bezeichnet (→ Jacob Burckhardt).

Friedrich II. (1194-1250) aus dem Geschlecht der Staufer war ab 1198 König von Sizilien, ab 1211/12 deutscher König und von 1220 bis zu seinem Tod Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Nach einem erfolgreichen Kreuzzug trug er 1229 außerdem die Krone des Königreichs Jerusalem.

Der Sohn Kaiser Heinrichs VI. und dessen Gemahlin Konstanze von Sizilien wurde auf Wunsch des Vaters schon einen Tag vor seinem zweiten Geburtstag (1196) zum „rex Romanorum“ gewählt worden. 1220 folgte die Kaiserkrönung in Rom.

Friedrich II. mit seinem Falken. Die Abbildung stammt aus einem von Friedrich II selbst verfassten Werk über die Falkenjagd.

Friedrich II. wuchs multikulturell auf, als Enkel seines normannischen Großvaters Roger II. in der arabisch geprägten Umgebung Palermos. Er war hochgebildet und beherrschte mehrere Sprachen, hatte vermutlich sogar  einige Arabischkenntnisse.

Mit Friedrichs Tod beginnt aus Sicht der Geschichtswissenschaft die kaiserlose Zeit, das sogenannte Interregnum, das über 23 Jahre bis 1273 andauerte.

Der Kreuzzug Friedrichs II.

Papst Innozenz III. hatte bereits im Frühjahr 1213 zu einem neuen Kreuzzug zur Rückeroberung Jerusalems von den Muslimen aufgerufen. Anlässlich seiner Königskrönung 1215 hatte Friedrich sich gegenüber dem Papst zu einem Zug ins ‚Heilige Land‘ verpflichtet. Nachdem er seinen Aufbruch mehrfach verschieben musste, war der Kreuzzug von Damiette 1217 schon ohne ihn aufgebrochen und im Jahr 1221 verlustreich gescheitert.

1225 hatte Friedrich sein Kreuzzugsgelübde gegenüber dem Papst Honorius III. erneuert. Als er 1227 seinen Kreuzzug wegen eines Seuchenausbruchs im Heer der Kreuzfahrer wiederum verschob, wurde er von Honorius’ Nachfolger Gregor IX. mit dem Kirchenbann belegt – einer Verurteilung, die kirchenrechtlich einer Exkommunikation gleichkommt.

Friedrich II. (links) und al-Kamil

1228 schifft sich der Kaiser 1228 mit einer relativ kleinen Streitmacht nach Palästina ein. ‚Sein‘ Kreuzzug wurde der einzige, welcher friedlich und erfolgreich war. Zu einer Versöhnung mit dem Papst kommt es dennoch nicht gleich – erst 1231 wird der Bann gegen Friedrich aufgehoben, sein Verhältnis zum Papsttum besserte sich allerdings kaum.

Im Heiligen Land tritt der Kaiser mit orientalischem Pomp und seiner muslimischen Leibgarde auf und hebt sich damit völlig von allen zuvor erschienenen Kreuzfahrern ab. Gleich nach seiner Ankunft in Akkon (September 1228) nimmt er diplomatischen Kontakt zu den Muslimen auf.

Der Ayyubiden-Sultan von Ägypten al-Kamil befand sich nach der Ankunft eines weiteren Kreuzfahrerheeres in einer schwierigen Situation, denn er führte zeitgleich Krieg gegen seinen Neffen an-Nasir, dem er die Herrschaft Damaskus streitig machte.
Bereits 1227 hatte der Sultan daher sein Angebot von 1219 erneuert, er wäre unter bestimmten Bedingungen zu einer Rückgabe Jerusalems bereit. Beide Seiten fanden einen Kompromiss und schlossen den Frieden von Jaffa (18. Feb. 1229): Die Christen sollten Jerusalem, Bethlehem, Lydda und wohl auch Nazareth zurückerhalten. Die Muslime sollten den Jerusalemer Tempelberg mit der al-Aqsa-Moschee und dem Felsendom behalten, wo Christen aber von nun an Andachten halten durften.
Den Muslimen wurde dafür Freizügigkeit im Gebiet um Bethlehem sowie eine eigene Gerichtsbarkeit in Jerusalem zugestanden. Außerdem versprach der Kaiser, sein Heer, die Ordensritter und die Fürsten der Kreuzfahrerstaaten von weiteren Kriegshandlungen gegen die Territorien al-Kamils abzuhalten. Jerusalem blieb bis zur Rückeroberung der Stadt 1244 unbefestigt.

„Ketzergesetze“

Friedrich II wird bisweilen als ‚erster moderner Herrscher‘ stilisiert, doch hinsichtlich der Verfolgung, Aburteilung und Hinrichtung von Andersgläubigen („Ketzern“/“Häretikern“) befand der Kaiser sich ganz auf der Höhe der damaligen Zeit. Seine Zusage, den Papst bei der Ketzerverfolgung zu unterstützen, kann als entscheidende Voraussetzung für den späteren ‚Erfolg‘ der Inquisition angesehen werden. Friedrichs Ketzergesetze regelten die Bekämpfung der Häresie, einschließlich der Zulassung des Blutgerichts.

Insbesondere das Gesetz für die Lombardei sah die Verhängung verschiedener Strafen bis hin zur Todesstrafe für diejenigen Häretiker vor, die von der Kirche verurteilt und dem weltlichen Arm übergeben worden waren. Die weltlichen Behörden wurden verpflichtet, alle der Häresie Verdächtigen zu verhaften und vor Gericht zu stellen1

Erweiterung des Ketzerbegriffs und politische Instrumentalisierung

Helmut G. Walther vertrat ab 1974 die These2, die schrittweise erfolgte Ausbildung und Institutionalisierung der Inquisitionsgerichtsbarkeit gegenüber Ketzern sei ganz maßgeblich durch die kaiserliche und päpstliche Ketzerpolitik gegenüber den lombardischen Kommunen geprägt gewesen. Als Beweggrund habe wesentlich das Interesse der Päpste an der Durchsetzung ihrer eigenen Herrschaftsansprüche im Kirchenstaat im Vordergrund gestanden.

Die vom Papsttum betriebene politische Ausweitung des Ketzerbegriffs auf den hartnäckigen Ungehorsam gegenüber dem apostolischen Stuhl und die Ausdehnung der Verfolgung auf receptatores, fautores et defensores (= Sympathisanten im weitesten Sinne) der Ketzer in Zusammenhang mit der Katharerbekämpfung habe nun auch den weltlichen Herrschern die Möglichkeit eröffnet, Rebellion und Häresie gleichzusetzen.

«Papst und Kaiser verband (…) durchaus das gemeinsame Interesse, die allzu autonom gewordenen und handelnden Kommunen stärker kontrollieren zu können.2»

Friedrich II. – Kreuzzug, Inquisition und der Dt. Orden

Quellenangaben

  1. Vgl. Edikt von Padua, 1224
  2. Ziele und Mittel päpstlicher Ketzerpolitik in der Lombardei und im
        Kirchenstaat 1184 – 1252, Helmut G. Walther
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