Edgar Cayce – Unser Weg zurück

Falls für uns Menschen eine Rückkehr in einen zeitlosen Zustand des Glücks und der Vollkommenheit möglich ist, so wird diese Rückkehr weder von einer Mitgliedschaft im richtigen Verein noch von einem subjektiven Glaubenssystem abhängen.
Wenn überhaupt, dann besitzen objektive Gesetzmäßigkeiten dieser Rückkehr gleichermaßen Gültigkeit für alle Seelen, die jemals ‚in der Materie‘ gelebt haben. Nur ein solches System kann vollkommen, gerecht und damit ein Ausdruck göttlicher, unendlicher Liebe sein.

‚Gerecht‘, so die Kehrseite dieser Medaille, bedeutet zwangsläufig, jedes Individuum wird mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen und Handlungen konfrontiert werden. Andernfalls wäre jede moralische Orientierung ein zynischer Witz. Das christliche Konzept der Vergebung von Sünden impliziert Wiedergutmachung – Ausgleich, ehrliche Aussöhnung und Einsicht mögen bewirken, dass ‚reaktives Leiden‘ gemindert oder gar verhindert werden.

Aussagen bei Edgar Cayce zur Reinkarnation

Die Cayce-Readings können aufzeigen, dass unser gegenwärtiges Getrennt-sein von Gott eine Konsequenz unserer eigenen Entscheidungen ist (→Edgar Cayce über Reinkarnation, Karma und  ‘Erbsünde’).
Wie in der Bibel findet sich auch bei Cayce und Johann Greber die Zusicherung, dass es für jede Seele einen Weg der Rückkehr zu Gott gibt:

„Der Herr säumt nicht mit der Verheißung, wie etliche es für ein Säumen halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, dass jemand verloren gehe, sondern daß jedermann Raum zur Buße habe.“ (2 Petrus 3,9)

Für mich ist dabei die Suche nach Übereinstimmungen in Aussagen aus verschiedenen Quellen von Interesse – irrelevant scheint dagegen die Frage, ob Cayce kompatibel mit der christlichen bzw. katholischen Dogmatik ist.
Soll eine solche Rückkehr mit universalen Gesetzen wie dem Prinzip von Ursache und Wirkung einhergehen, darf sie die Ausübung unseres freien Willens niemals beeinträchtigen.
(Auch in diesem Punkt sind sich Verfasser wie J. Greber, E. Cayce oder H. Dienstknecht einig: Der freie Wille sei das wertvollste Geschenk Gottes an den Menschen – und damit für alle Zeiten unantastbar. Alle drei Autoren unterstellen allerdings auch jedem Menschen eine (zeitweilig latente) tiefe Sehnsucht nach dieser Rückkehr in einen vollkommenen Heilszustand, der zugleich Nähe zu Gott bedeute.

Rückkehr bedeutet nichts anderes als unsere Veränderung zu dem, was wir einst schon einmal waren – ein vollkommener Ausdruck der Liebe.

Wer für sich erkennt, dass er diese vollkommene Liebe in diesem Leben nicht wird in sich erschließen können, mag damit Recht haben – und doch muss es eine Lösung für ihn geben.
Bis dahin lautet unser notwendiges Ziel: Nach unserer Abkehr von Gott und der Hinwendung zum Ego müssen wir nun lernen, unser Leben durch geeignete Entscheidungen und Handlungen wieder in Einklang der Schöpferischen Kraft (=Liebe) bringen.

Das Verlangen vieler Menschen nach einem Weg zurück zu Gott bilde den wesentlichen Anlass für unsere wiederholte Inkarnation auf der Erde. Seelische Evolution (eigentlich die Wiederherstellung eines früheren Idealzustandes) impliziert nach Cayce die Notwendigkeit, dass wir in der ‚Stofflichkeit‘ die Konsequenzen der von uns getroffenen Entscheidungen erfahren.
Genau dies ist das Wesen der Kausalität: Unerfreuliche Resultate von Entscheidungen und Handlungen, die einerseits unser beschränktes Egos stärkten und andererseits die empfundene Trennung von Gott verschärften, lehren uns durch Erfahrung und Einsichten: Dies ist jedenfalls nicht der Weg, um wahrhaft glücklich zu werden.

Dabei werden wir nicht von Gott uns für unsere Missetaten bestraft, indem er uns schmerzliche Erfahrungen aufzwingt. Hierin widersprechen Cayce und Greber der offiziellen christlichen Lehre: Es gibt kein “So, das hast du nun davon… hättest mir besser mal Gehorsam gezeigt!” Solche emotionalen Reaktionen sind die eines angekratzten menschlichen Egos – nicht die einer allwissenden und allgütigen Schöpferkraft.)

Vielmehr erhalten wir so viele Chancen wie nötig, die unerwünschten Auswirkungen unserer lieblosen (aber auch unserer positiven) Entscheidungen wahrzunehmen und zu realisieren. Mit zunehmender Erfahrung werden wir bessere Entscheidungen kennen lernen und wir werden sensibler, unser Verhalten auf eine Frage hin abzuwägen:
Was würde die Liebe jetzt tun?

Dadurch werde auf lange Sicht eine Rückkehr in unseren vormaligen Status erst möglich. Nachdem wir die Stofflichkeit (Materie) für unsere egoistischen Zwecke missbraucht oder im Gegensatz zur Absicht Gottes benutzt haben, haben wir nun zu erlernen, dieses Medium auf eine Weise zu nutzen, die mit göttlicher Liebe vereinbar ist. Ein Meilenstein auf diesem langen Weg ist erreicht, wenn wir damit beginnen, mittels unseres freien Willens den zuvor begangenen Missbrauch desselben zu korrigieren.

Wozu sind ‚mehrere Leben‘ erforderlich?

Mit Reinkarnation im Sinne einer wiederholten Verkörperung der Seele sind Christen meist nur aus der Kenntnis anderer Religionen vertraut. Wozu sollten wir wieder und wieder zurückkehren müssen, anstatt unsere Lektion innerhalb eines einzigen Lebens zu lernen?
Eine mögliche Antwort: Es scheint, als reiche ein Leben nicht aus, denn nach den Cayce-Readings soll ein jeder von uns Rechenschaft ablegen für jede Tat, er als körperliche Wesenheit verübt hat! Das muss man vielleicht erst einmal verdauen: Haben wir potenziell so schwerwiegende Schuld auf uns geladen? Die Antwort auf diese Frage laute, bemessen am Einzelfall, in vielen Fällen JA!

„Wir viele haben sehr viele egoistische Entscheidungen über einen sehr langen Zeitraum hinweg getroffen und real werden lassen. Die Erwartung, dass wir uns mit den Auswirkungen all dieser Entscheidungen innerhalb einer Lebensspanne konfrontieren und sie bewältigen könnten, wäre nicht sehr realistisch.
So werden uns viele Leben gegeben, um den Weg zu Gott zurückzufinden, viele Gelegenheiten, die nötigen Lektionen zu lernen, und soviel Zeit, wie wir brauchen, um uns spirituell zu entwickeln und zu wachsen in der Fähigkeit und Stärke, Liebe auszudrücken. Die Geduld unseres Schöpfers mit uns ist wahrhaft unendlich.“

Nach Cayce beschränkt uns die Reinkarnation weder auf eine Körper- bzw. Lebensform noch auf einen Planeten – sondern sie gestattet uns, das Leben über eine Vielzahl verschiedener physischer Vehikel zu erfahren. Denn unsere wahre Identität steckt nicht in dem einen Körper und auch nicht in der einen Persönlichkeit, die uns während eines Lebens auf der Erde gehören.
(Es wäre sicher voreilig, den gesamten Reinkarnationsansatz zu verwerfen, weil die Erde augenscheinlich der einzige belebte Planet im Kosmos ist und nicht mehr als 4 raum-zeitlichen Dimensionen bekannt sind. Wichtiger als die Detailfragen nach Verortung und Dimensionen ist das Grundprinzip der Wiederverkörperung, welches in meinen Augen so viel plausibler ist als die ‚Auferstehung des Fleisches‘.)

In ganz ähnlicher Weise äußert sich auch Seth, der geistige Lehrer der Autorin Jane Roberts über multidimensionale Persönlichkeiten: ‚Seth‘ zufolge gehören alle Reinkarnationsleben allerdings zu unserer eigenen „geistigen Umwelt“, d.h. sie werden von unserem „Ursprungs-Selbst“ bewusst „erzeugt“ und nicht von von einer äußeren Instanz verhängt.
Wir selbst haben ein Drehbuch unserer Existenz geschrieben und die dafür nötige Szenerie gewählt.
Allerdings können wir auch selbst ändern und dieses Drehbuch umschreiben, denn die Einflüsse aus unseren „früheren“ Leben belasten nicht determinativ unser jetziges Leben – Seth lehnt die Karmalehre zumindest in diesem Bezug ab.

Durch die wiederholte Inkarnation in die Materie wird uns gezeigt: Unser Selbst (das, was wir sind) geht sehr weit über die Grenzen einer nur stofflichen Identität hinaus. Die sich wiederholende Erfahrung, den physischen Tod zu überleben, sei eine machtvolle Demonstration, dass der Körper nicht die Gesamtheit unseres Wesens ausmacht.

Rückschau statt Bestrafung

Das Wissen über die Reinkarnation (bzw. schon das Erahnen) widerlegt also unsere Neigung, uns mit den Handlungen einer einzigen Persönlichkeit zu identifizieren. Wir inkarnieren uns nicht sofort im Moment unseres Todes in einen anderen physischen Körper. Vielmehr gibt es ein Zwischenspiel, eine „Phase postinkarnativer Bewertung“, während der wir nicht-materielle Bereiche des Seins erfahren.
Diese Phase diene der (Selbst-)Beurteilung, wie wir die Gelegenheiten unseres gerade beendeten Lebens genutzt haben: Getroffenen Entscheidungen können überprüft werden, sodass wir zu erkennen, wann wir unseren Willen dazu gebrauchten, Gott näher zu kommen, und in welchen Fällen wir ihn egoistisch und ‚widerspenstig‘ einsetzten. Damit diese Rückbesinnung und -bewertung funktioniert, bleibt jede Entscheidung, die wir jemals getroffen haben, jede unserer Handlungen sowie alles, was uns jemals geschehen ist, im Unterbewussten als Erinnerung der Seele bestehen.

Auch wenn nach Cayce kein Strafgericht Gottes stattfindet und auch keine immer währenden Verdammung droht, sollte man sich diese Rückschau nicht als ‘Spaziergang’ vorstellen: Schon wer mit ‘schlechtem Gewissen’ an früheres Handeln zurückdenkt oder einen verpatzten Lebensabschnitt nochmals durchlebt, vollzieht damit einen durchaus unangenehme, schmerzhaften und doch so notwendigen Prozess der Selbsterkenntnis. In einem Augenblick das gesamte Leben prüfend Revue passieren zu lassen, mag um einiges schmerzhafter, aber auch lehrreicher zu sein.

Indem wir als Seelen ein Stadium spiritueller Erziehung durchlaufen, werten wir positive und negative Aspekte des vergangenen Lebens aus und gewinnen wertvolle Entscheidungshilfen für das nächste Leben. Unsere seelisch-spirituelle Entwicklung finde auch auf nicht-physischen Bewusstseinsdimensionen statt, wobei jede nicht-physische Sphäre ihre eigene Rolle beim Wachstum unserer Seele und ihrer Wiedervereinigung mit Gott zu spielen habe.
„Gott will nicht, daß auch nur eine Seele zugrunde geht“, und so gestatte er einem jeden, als Säugling ohne Erinnerung ‚wiedergeboren‘ zu werden und so eine neue Chance zu erhalten. Dieser Neuanfang ohne Erinnerung an frühere Leben erspart uns die ‚Fesselung‘ an vergangenen Fehler, d.h. unerträgliche Erinnerungen an frühere Taten. Natürlich haben wir uns nach wie vor mit den Konsequenzen dieser Fehler zu konfrontieren, aber wir verlieren weder den Respekt vor uns selbst noch die Hoffnung auf einen Ausweg. So dürfen wir das Leben jedesmal unter anderen Umständen und Bedingungen zu erfahren.

Das Cayce-Material bestätigt die Notwendigkeit des Reinkarnationsprozesses für unsere spirituelle Entwicklung und besagt, dass jede einzelne Inkarnation, ihren tieferen Grund hat, eine Rolle spielt innerhalb Gottes Plan für uns und für die Erde.

Zum Vergleich: ‚Seth‘ lehnt zwar die Existenz Gottes nicht ab, wohl aber dessen Einflussnahme auf die Gestaltung unserer ‚Reinkarnationsdramen‘:

„Das Damoklesschwert von Erbsünde, Kindheitserlebnissen oder Erfahrungen früherer Existenzen hängt aber nicht über euch (…) Euer Leben ist nicht in der Vergangenheit begraben, abgeschnitten von eurem jetzigen Selbst und eurer Zukunft.“

Doch auch Seth betont, dass einzelnen Inkarnationen der schöpferischen Weiterentwicklung des menschlichen Bewusstseins dienen und somit einen Lern- und Reifungsprozess darstellen. Allerdings ist nach dieser Interpretation das Gesamtselbst bei der Bewältigung dieser Mammutaufgabe auf sich alleine gestellt.

Seth bzw. Jane Roberts formuliert hier eine andere Sichtweise, als wie wir sie bei Cayce, Greber, Funcke, Dienstknecht und vielen Vertretern einer dem Christentum nahestehenden Reinkarnationslehre finden: Zum einen wählt Gott die unserem jeweiligen Reifegrad angemessen Inkarnationen für uns aus bzw. empfiehlt sie uns. Ferner habe er uns vor 2000 Jahren eine Orientierungshilfe mitgegeben:

Jesus als Vorbild für unsere Rückkehr

Das menschliche Leben von Jesus diene uns als Modell und Muster, heißt es bei Cayce, da es sei zum vollkommenen Ausdruck göttlicher Liebe auf Erden geworden sei. In diesem Zusammenhang wird von ‚Christus-Muster‘ und einem ‚Christus-Bewußtsein‘ gesprochen, das in jeden von uns unauslöschlich eingeprägt sei.

Hmm …obwohl ich den Vorbildcharakter Jesu fraglos anerkenne, halte ich daran fest, dass der Weg in einen jenseitigen Heilszustand für alle Individuen gleichermaßen zugänglich ist – unabhängig vom Glauben an Jesus … erst recht aber losgelöst von einer bestimmten Religion.

Auch der vorliegende Cace-Text weist auf mögliche Widerstände vieler Menschen hin, einen Glauben anzunehmen, dessen Prinzipien nicht mit ihrer eigenen Religion kompatibel erscheinen. Doch liefere die Inkarnation Jesu ein Beispiel für eine Wahrheit, die direkt oder indirekt alle philosophischen und religiösen Lehren beeinflusste, die besagen, dass Gott Der Eine ist.

„Wenn Gott der Eine ist, dann ist die Wahrheit seiner Beziehung zu den Menschen stets dieselbe.“

Sicherlich übersteigen die Handlungen und Taten Jesu unser aller Möglichkeiten bei weitem. Ein denkbarer Konsens über alle Glaubensrichtungen hinweg:
Jesu Leben (jedenfalls der idealisierten Darstellung der Bibel zufolge) kann als Beispiel für Liebe, Weisheit und Kraft angesehen werden – sowie als ein Vorbild, wie  ein Leben in Einklang mit dem Willen Gottes zu führen ist. Damit verbindet sich die Vorstellung, dass Jesus universelle Wahrheiten und Lebensregeln gelebt hat, denen jeder folgen könne, gleich welcher Religion er anhängt.-

Das Cayce-Materials unterstreicht nochmals unsere im wesentlichen nicht-stoffliche Natur: wir haben nicht Seelen, wir sind Seelen, und die Seele trägt unsere Individualität von einer Erfahrung zur nächsten. Eine Eigenschaft der Seele sei der Geist, jener „Funke des Göttlichen im Innern“, der uns Leben verleiht und die schöpferische Fähigkeit.

Ziel und Ende der Inkarnationskette

Aus dem Anlass unserer Reinkarnationen, dem Wunsch nach der Rückkehr zu Gott, erschließt sich, wann deren Ziel erfüllt ist:
Sobald wir die Konsequenzen aller egoistischer Entscheidungen erfahren und die Möglichkeit zu lernen erhalten haben, wie wir der göttlichen Liebe im stofflichen Universum Ausdruck verleihen können, beginnen wir die durch den Missbrauch unseres Willens erzeugten Mängel in uns zu überwinden.

Wiederverkörperung in der Materie hat ihren Zweck also erfüllt, sobald wir dieses Ziel verwirklicht haben. Von da besteht nicht länger der Notwendigkeit, in physischen Körpern wiedergeboren zu werden. Dieses Endziel liegt offenbar in sehr weiter Ferne, wie auch die Cayce-Readings bestätigen:
Nur selten erreiche ein Individuum das Stadium, von dem ab es nicht mehr zu weiteren Leben auf die Erde zurückkehren muss. Immerhin hätten einige Personen die Notwendigkeit zur Reinkarnation überwunden. (Wenn das Vorbild Jesu als Muster und Ziel dient, dann mag es allerdings noch sehr lange dauern, bis mehr als eine Handvoll der heute lebenden Menschen diesem Ideal nahe kommt.)
Um den zeitlichen Aspekt nicht einseitig zu strapazieren, sei am Rande nochmals auf ‚Seth‘ verwiesen – er erklärt, dass viele dieser fänden Leben gleichzeitig statt:

„Ihr versteht nichts von eurer eigenen multidimensionalen Realität; darum erscheint es euch sonderbar und unglaubwürdig, … dass ihr viele Leben gleichzeitig lebt. Es fällt euch schon schwer, euch vorzustellen, dass ihr an zwei Stellen zur gleichen Zeit sein könntet, geschweige denn, dass ihr in zwei oder mehr Zeiten oder Zeitaltern lebt … Die Seele wächst und entwickelt sich simultan mit den Erfahrungen ihrer Teilpersönlichkeiten“.-

(Diese Fähigkeit, an mehreren Orten und in mehreren Zeiten zu sein, stelle ich mir ähnlich vor wie einen Traum. Wenn wir träumen, überwinden wir diese raumzeitlichen Grenzen in gewisser Weise schon jetzt.)

Die Schwierigkeit beim Erreichen des Endziels liegt in der Gefahr des karmischen Prinzips von Ursache und Wirkung: Rückfälle (d.h. erneute egoistische Entscheidungen) sind jederzeit möglich und auch wahrscheinlich. Nur wenige von uns werden imstande sein, ständig zum Wohle anderer statt im eigenen Interesse zu denken, zu sprechen und zu handeln.
Auch setzt die Bereitschaft und das ehrliche Vertrauen, dem Wesen der Liebe nach zu handeln, ein ausgeprägtes moralisches Bewusstsein und viel Mut voraus.-
Bekanntermaßen lehren einige der christlichen Konfessionen einen anderen Heilsweg (→ Eschatologie), der deutlich attraktiver anmutet als die ‚endlose‘ Mühe und Plackerei des Reinkarnierens:
Tiefer Glaube an Gott und Jesus sowie ehrliche Reue werden vielfach als ausreichend erachtet, um nach dem Tode eine endgültige Befreiung von unserer (Erb-)Schuld zu erfahren. Integrität und ‚gute Werke‘ bewirken danach weit weniger als eine ehrliche Beichte am Sterbebett, gefolgt von der priesterlichen Absolution (Vergebung der Sünden).

Hier frage ich mich:
Warum sollte Gott so an uns handeln? Wie glaubhaft ist solch ein Akt der Gnade, welcher gläubigen Christen eine ‚Abkürzung‘ eröffnet, die ebenso treuen Juden, Muslimen oder einem wahrhaft selbstlosen Agnostiker usw. vorenthalten bleibt?
Meine Intuition sagt mir, dass göttliche Gerechtigkeit nicht Gleichmacherei, sondern Gleichbehandlung vorsieht, sodass an die Verdienste aller Menschen das gleiche Maß angelegt wird.

Es mag noch ein langer Weg sein, bis wir ans Ziel unserer individuellen Sehnsüchte gelangen. Entscheidend und tröstlich dabei ist: wir haben alles zur Verfügung, was wir brauchen, um dieses Ziel zu erreichen.

Anmerkung:

1) Reinkarnation ist nicht „un-christlich“, sondern allenfalls un-kirchlich: Es gibt zumindest handfeste Indizien dafür, dass die Reinkarnationslehre – in jedem Falle aber die Lehre von der Präexistenz der Seele vor dem gegenwärtigen Leben – zur Zeit der frühen christlichen Gemeinden noch fester Glaubensbestandteil war.
Aus der Bibel lässt sich kein eindeutiger Beweis für oder gegen die Reinkarnationslehre ableiten. Dies im einzelnen darzulegen, würde hier zu weit führen und erfordert auch bei weitem mehr theologisches Wissen und Verstehen, als ich aufzubringen imstande bin. Hinweise finden sich z.B. bei Jan Erik Sigdell (Die christliche Reinkarnationslehre)

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