Stichwort: Guillaume Bélibaste

Dieser Eintrag dient als Ergänzung des Beitrages „Das gelbe Kreuz – die Katharer“ und greift auf den Wikipedia-Artikel über Guillaume oder Wilhelm Bélibaste zurück.

Wilhelm Belibaste, lat. Guilielmus Belibasta, okz. Guilhèm Belibaste, frz. Guillaume Bélibaste, (* um 1280 in Cubières-sur-Cinoble; † 1321 in Villerouge-Termenès) war der letzte Parfait der Katharer in Okzitanien und starb auf dem Scheiterhaufen.
Belibaste entstammte einer Schafzüchterfamilie aus dem Corbières, deren Mitglieder alle Anhänger der Katharer waren. Um 1305 tötete er bei einem Streit den Hirten Bartholomeus Garnerii (Barthélémy Garnier) aus Villerouge (Vilaroja). Er wurde vom Vogt des Erzbischofs von Narbonne zum Tode verurteilt, konnte aber fliehen und ließ Frau und Kind zurück, die beide wenige Jahre später (vor 1311) verstarben. Der Besitz der Familie war vermutlich wegen Häresie eingezogen worden.

Wilhelm schloss sich den umherwandernden katharischen Asketen an. Seine Ausbildung erhielt er von den Brüdern Pierre und Guillaume Autier); auch den Perfectus Raymond aus Castelnau hat Belibaste auf Reisen begleitet. Den für einen Parfait obligatorischen Lebenswandel in vollkommener Reinheit – ohne Geschlechtsverkehr, Fleischgenuss, Lügen und Schwören – hat Belibaste allerdings nachweislich vor allem in späterer Zeit nicht immer eingehalten.

Im Frühjahr und Sommer 1309 fanden an zahlreichen Orten im Languedoc Razzien statt, bei denen Verstecke entdeckt und viele Anhänger der Katharer eingekerkert, verhört, enteignet und zu unterschiedlichen Strafen verurteilt wurden. Auch Philipp von Alayracho und Wilhelm Belibaste wurden gefangen genommen und in das „Mur“, das Inquisitionsgefängnis von Carcassonne, eingesperrt, aus dem ihnen jedoch die Flucht gelang.

Wilhelm Belibaste hielt sich über mehrere Jahre Spanien versteckt und ließ sich nach mehreren Ortswechseln und einem etwa dreijährigen Aufenthalt in Tortosa im Jahr 1315 in Morella im Königreich Valencia nieder, wo es in den umliegenden Dörfern mit Schwerpunkt im nahe gelegenen Ort San Mateu eine kleine Exilgemeinde okzitanischer Katharer gab. Er übte das Handwerk des Wollkammmachers aus und unterhielt dazu eine eigene Werkstatt.

Belibaste lebte in diesen Jahren mit der ebenfalls aus Okzitanien stammenden Raymonde Marty und deren Tochter Wilhelma (Guillelma) sowie zeitweilig auch ihrer Schwester Condor (genannt Bianca) zusammen, die seinen Haushalt führten. Sie waren ebenfalls wegen Ketzerei aus der Grafschaft Foix geflohen.
Im Frühjahr 1321 ließ sich Belibaste von diesem Bekannten zu einer Reise in die Grafschaft Foix überreden, um an einer Hochzeit teilzunehmen und nach Möglichkeit seinen ‚reinen‘ Zustand als katharischer Geistlicher wiederherstellen zu lassen.
Von einem Spitzel denunziert, wurde er zunächst in der Burg von Castellbò bei Urgel festgesetzt und anschließend an die Inquisition in Carcassonne ausgeliefert. Er wurde abgeurteilt und im Herbst desselben Jahres in Villerouge in Anwesenheit des Erzbischofs von Narbonne auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Belibaste war der letzte katharische Asket, der im Languedoc hingerichtet wurde. Bei der Nachricht von seiner Ergreifung verließen die katharischen Exilanten in Katalonien und Valencia fluchtartig ihre Wohnsitze und tauchten andernorts unter. Ohne Perfecti, die als Wanderprediger den Gläubigen das nach katharischem Glauben für die Erlösung der Seele notwendige Consolamentum spendeten, war die katharische Religion in Okzitanien nicht überlebensfähig und starb in den folgenden Jahrzehnten unter der anhaltenden Verfolgung durch die RKK vollends aus.

Siehe auch:

Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.