Vladimir Megre – Anastasia

Naturbezogenes Lebenskonzept oder nur eine wundervolle, doch utopische Illusion?

Es gibt sie wirklich – Anastasia, die schöne Einsiedlerin aus der russischen Taiga, die alleine auf einer Lichtung in einem naturbelassenen Wald leben soll… Jedenfalls will der Autor der nach ihr benannten Reihe, Wladimir Megre, seine Leser dies glauben lassen – und mehr noch: Sie, Anastasia, werde die Menschheit mit ihrem Lebenskonzept von einem Leben im Einklang mit der Schöpfung, in Ursprünglichkeit und voller Liebe erretten.

Auch wenn ich gerne eine Weile in ihre lichte Welt des Schönen eintauche und mich für eine Weile ganz gefangen nehmen lasse von fürsorglichen Bärinnen und Wölfen, die zeitweise ihr Raubtierwesen ignorieren …bis jetzt bin ich innerlich noch unentschieden, was die Romanfigur Anastasia letzlich in mir auslöst. Ob es nun wirklich um eine reale Person handelt – sei es als jugendlich-attraktive oder altersweise Eremitin – ist dabei unerheblich.
Bei esoterischen Inhalten, wozu ich das der Protagonistin zugeschriebene Gedankengut zähle, kommt es primär auf die inhaltliche ‚Botschaft‘ an und weniger auf den ausschmückenden Handlungsrahmen. (Sofern ein Buchautor seine Kernaussagen in die Handlung einer Liebesgeschichte einbindet, ist dies legitim und schadet nicht, auch nicht den Verkaufszahlen seiner Bücher.)

Zum Hintergrund der Romanhandlung:

Der russische Unternehmer Wladimir Megre begegnet Anastasia erstmals im Jahre 1994 auf seiner Schiffsreise auf dem sibirischen Fluss. Damals habe er nicht geahnt, wie sehr diese Begegnung „sein eigenes Leben und das von so vielen Menschen“ weitreichend beeinflussen würde. Aus seiner Bewunderung für die Einsiedlerin entsteht später eine eine tiefe Liebe. Doch stets fragt Wladimir sich, warum diese besondere Frau (“ein hohes, subsistierendes(1) Wesen”) gerade ihm ihre Liebe schenkt …als Leser stelle ich mir dieselbe Frage, weist Wladimir bisweilen doch unhöfliche, geradezu abstoßende Verhaltenszüge auf). Darauf antwortet Anastasia ihm einmal: „Gut, angenommen, ich bin ein hohes Selbst, doch du bist auch eins.”

Ein Sohn kommt zur Welt und lebt mit seiner Mutter mitten im Wald. Anlässlich seiner Besuche bei Mutter und gemeinsamen Sohn gewinnt Megre erstaunliche Erfahrungen von Natur und Ursprünglichkeit; ihm eröffnen sich tiefe Einblicke über die Zusammenhänge und Kausalitäten des Lebens. So leistet er Anastasias Bitte Folge, ihre Weisheiten aufzuschreiben und so vielen Menschen zugänglich zu machen…

In mindestens einem Aspekt sind Megre bzw. Anastasia so mancher Persönlichkeit voraus, die sich als ‚geistige FührerIn‘ sieht und als Guru von einer Fangemeinde geradezu verfolgt wird:
In dem Bewusstsein, dass Stolz und Eitelkeit die Gefahr der geistigen Erblindung
implizieren, sei jeder Personenkult unbedingt zu vermeiden. Auch sollten die Menschen ja ihr eigenes Leben gestalten, anstatt ehrfürchtig einer idealisierten Leitfigur zu lauschen…

Märchen und Mythen enthalten mitunter tiefere Lebensweisheit als nüchtern-wissenschaftliche Abhandlungen und Tatsachenberichte; sie vermitteln nicht selten konkrete Handlungsalternativen an. Je mehr ich über das Leben, Handeln und Denken dieser faszinierenden Wedrussin(2) lese (für geistreiche, anziehende Russinnen habe ich nun mal eine Schwäche:), um so eher bin ich gewillt, ihre Geschichte als wundervolles Märchen zu sehen…und zugleich als ihr Traum, der vielleicht zum Traum des Lesenden werden könnte, so er sich darauf einlässt.
Ein Märchen darf auch Ereignisse schildern, die sich mit meinem Vorstellungsvermögen von ‘Wirklichkeit’ nicht decken – etwa von einem bläulichen, intelligenten und gütigen Kugelblitz (warum muss ich jetzt an John Carpenter denken…?), uralten, singenden Zedern mit potenziell tödlichen Strahlen oder der Fähigkeit Anastasias, alle Menschen mit einem ‘Strahl’ zu beobachten und positiv zu beeinflussen…

Auf diese realitäts- oder mindestens alltagsferne(?) Weise vermögen Märchen – auch wenn der Gattungsbegriff aus literaturwissenschaftlicher Sicht falsch gewählt sein sollte – vieles zu bewirken – sie liefern Impulse und führen zu Einsichten, für die unsere so realitätsnahe Welt kaum noch Zeit und Raum lässt. Wann immer ich versuche, mir selbst zu erklären, was die menschliche Seele denn eigentlich nun sei, komme ich nicht sehr weit. Ja, sie ist unsichtbar und irgendwie ein Teil(?) von mir, der alles Bewusste und Unbewusste umfasst und möglicherweise den physischen Tod überdauert. Aber was sie ist…?
Megre vermittelt eine interessante Sichtweise dazu:

“… einmal sah ich eine Wölfin aus der Ferne. Sie sah mich nicht, doch meinen Blick vernahm sie und wedelte mit ihrem Schwanz vor Freude. Und bald verstand ich: Es genießen alle, ob groß, ob klein, wenn ich sie nur anschaue oder wenn ich an sie mit Liebe denke.
Noch wichtiger war die Erkenntnis: neben dieser Anastasia, mit den Händen, mit den Füßen, lebt eine andere, und sie ist größer als die erste, und sie ist unsichtbar. Und ich bin beide zugleich.“–

„,Der unsichtbare Mensch in einem Menschen heißt Seele’, kam mir zugleich die Antwort. ,Bewahre deine Seele gut und wirke durch sie dein ganzes Leben, meine Liebe.’ “

So enthalten die Anastasia-Erzählungen mehrere liebenswürdige, in sich abgeschlossene Geschichten – wie die von der Liebe eines Kirschbäumchens.

Weil liebe-volle Erzählungen wie diese sowie mehrere Lebenssituationen Megres (der ein beinahe ebenso ungeschickter Tolpatsch in Gefühls-/Beziehungs’dingen‘ zu sein scheint wie ich) mich an mein eigenes Leben erinnern, beschleicht mich bisweilen beim Lesen der Anastasia-Bücher der Eindruck, als seien diese ‘wie für mich geschrieben’. Unbestreitbar lösen viele Passagen aus diesen Büchern positive Empfindung aus – dies scheint auf viele Leser zutreffend zu sein.

Nicht alle Vorschläge (aus den Bänden 1 bis 3) müssen Fiktion bleiben – manche Anregungen Anastasias sind realisierbar – sie würden sich heilend auf unsere Umwelt auswirken. Besonderen Charme hat für mich ihr Wunsch, jeder Stadtbewohner möge doch wenigstens einen Baum (möglichst eine sibirische Zeder…hmm) pflanzen und liebevoll großziehen. Warum eigentlich nicht?

Das ‘Problem’ dabei (wenn man eines darin sehen will): um an die Samen (Zapfen?) einer sibirischen Zeder zu gelangen, führt wohl kein Weg an den Anastasia-Webshops vorbei, die einen schwunghaften Versandhandel mit allen möglichen Zedernprodukten (Zedernöl, Zedernzapfen, Zedernholz als Halskette…) betreiben – dabei kann von Selbstkostenpreis kaum die Rede sein.
Liegt nicht ein Widerspruch in der Darstellung Anastasias als selbstlose, das Ursprüngliche liebende Einsiedlerin und einem derart weitreichenden Merchandising? Dieser Eindruck entsteht zumindest, doch bringt die Veröffentlichung positiver Gedanken und Lebenshilfen oftmals einen Schwarm von Trittbrettfahrern mit sich, die eigene Interessen verfolgen. Ob der Autor selbst sich in dieser Weise bereichert, ist mir nicht bekannt. Es würde aber am Inhalt seiner Bücher nichts ändern.-

Andere Textstellen bewirken bisweilen unwilliges Kopfschütteln bei mir – etwa ihre stark verallgemeinernde Kritik an politischen Systemen der Vergangenheit und der Gegenwart (siehe z.B. ‘Der Dämon Kratie‘). Nicht dass solche Kritik an den Auswüchsen politischer Systeme in jedem Falle unangebracht wäre – unbestreitbar weisen die heutigen Formen der Demokratie (nicht nur in Russland) Schwächen auf, in einigen Ländern wird lediglich die Illusion vermittelt, das Volk übe politische Macht aus. Den meisten Menschen eröffnet sich nur minimaler Gestaltungstaum – etwa Auswahl einer von mehreren Konzeptionen und Wahllisten, die sie selten mitgestaltet haben. Die Teilhabe der ‚Masse‘ geht in solchen Systemen gegen Null.
Nur, wo liegt die realistische Alternative? Doch wohl allein in einer stetigen Verbesserung der bestehenden Entscheidungswege, aber bitte ohne ein Machtvakuum zuzulassen, das von destruktiven Kräften zu nutzen wäre.

Ein Schritt in eine bessere, heilere Welt wird durch Megre bzw. Anastasia aufgezeigt, wie ihn auch Erich Kästner einmal formulierte:

„Gebt jeder Familie ein Häuschen mit Garten und es wird keine Kriege mehr geben!“

Bei Megre heißen die Häuschen halt Familienlandsitze oder auch ‘Raum der Liebe’, diese Grundstücke mit Garten und Häuschen, auf denen sich je eine Familie selbst versorgt. Diese Lebensweise verdamme die Alten nicht zur Isolation bis zu ihrem langsamen Tod im Heim, sondern gewähre ihnen Teilhabe. Sie werden in die Familie einbezogen, die von ihrer Lebensweisheit und -erfahrung profitiere. Kindeserziehung nimmt eine wichtige Stellung in Megre’s Büchern ein; Hauptintention sind dabei offenbar die Rückkehr zu Natur und Ursprünglichkeit sowie ein größtmögliches Maß und kindlicher Freiheit und Motivation anstelle von Zwang und Enge.

Unrealistisch? Utopisch? Nicht unbedingt …aber ein weiter Weg, der nur in kleinen Schritten beschritten werden könnte (sofern dies von der Gesellschaft sowie den politisch Verantwortlichen überhaupt gewollt wäre). Intuitiv meine ich, dieser Weg ‘zurück zu den Wurzeln‘ im buchstäblichen und übertragenen Sinne sei richtig, doch zugleich stellen sich zwei Fragen:

Wie steht es mit unserer Einsicht? Sind wir denn überhaupt bereit, auf ‘Errungenschaften’ der Moderne konsequent zu verzichten? Löst nicht schon der Gedanke an eine längere Zeitspanne ohne Smartphone und Facebook großes Unbehagen oder gar Angstzustände aus?
Echter Verzicht wird wohl nur dann eine Option sein, wenn der Leidensdruck so sehr wächst, dass wir keinen anderen Ausweg für das Überleben unserer Spezies sehen – oder, wenn wir den Nutzen erkennen, den wir uns von einer weitreichenden Veränderung erhoffen dürften. Während ihrer Darlegung solcher Zukunftsvisonen vergaloppiert sich Anastasia leider zu oft in esoterisch-abgehobenen Schilderungen von über-sinnlichen Zusammenhängen, zu denen mir persönlich der Zugang fehlt.

Ähnlich verhält es sich mit Megre’s bzw. Anastasias Aussagen über Ethik und Sexualität. Letztere sei nur dann wirklich befriedigend, wenn sie mit dem ehrlichen, von beidseitiger Liebe getragenen Wunsch einhergehe, einem Kind das Leben zu schenken. Sexualität ohne das konkrete Ziel ein Kind zu zeugen sei demnach zu vermeiden, selbst zwischen Liebenden. Diese Überlegung ist für mich nicht nachvollziehbar – nahezu alle Mensch ticken nun mal anders. Der Wunsch und das körperliche Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Sexualität ist eines unserer beständigsten Wesensmerkmale – und nicht eine Vergiftungserscheinung von Zivilisation und Moderne.

Dennoch …wo Grundschüler die neuesten Gangbang-mit-Cremetörtchen-Vidz aus dem Web tauschen, da läuft etwas gewaltig schief. Das ist kein Reifungsprozess, sondern eine Überforderung – gefolgt von frühzeitiger Abstumpfung und einem m.E. komplett verkorksten Verständnis von Liebe und Sexualität. Nur hilft es nichts, über verschüttete Milch zu lamentieren: Weder lässt sich die Zeit nicht zurückdrehen und eine derart schädliche Entwicklung ungeschehen machen – der richtige Weg liegt vielleicht darin, uns der schädlichen Folgen bewusst zu werden und auf eine Normalisierung im Umgang mit unserer Körperlichkeit hinzuwirken. Auch das geht nicht von heute auf morgen.

Es macht auch wenig Sinn, einzelne Elemente aus Megre’s Konzept isoliert zu betrachten und aus unserer gegenwärtigen Situation heraus beurteilen zu wollen. In einem Interview (2006) griff der Autor den wunden Punkt auf:

Die Hauptaufgabe des Menschen besteht darin zu denken. Wir haben es uns abgewöhnt zu denken, das ist ein Problem der gesamten Menschheit.

An die Stelle des Denkens habe der heutige Mensch vielfach den Konsum und die Gier gesetzt – ein pauschaler, aber vielfach zutreffender Eindruck. Werbestrategen wollen uns einreden, Erfolg sei gleichbedeutend mit der Maximierung materiellen Eigentums – alles dreht sich um Vermögenszuwachs und Profit, idealerweise über den eigenen Bedarf hinaus. Die Politik betont das Primat der Wirtschaft, von der sie sich längst abhängig gemacht hat.
Megre’s Ratschlag: Wir sollten uns mehr Zeit nehmen, zu träumen und uns ein glückliches Leben erträumen. Ja, okay …doch zugleich sollten wir uns der Wirklichkeit stellen …nicht allein der Klimawandel ist eine Bedrohung.

Persönlicher Bezug?

Hat die Menschheit eine progressive oder eine regressive Entwicklung
hinter sich?

Gute Frage, die sich meines Erachtens nur auf der persönlichen Ebene eindeutig beantworten lässt: Zu viele Aspekte – u.a. technischer und landwirtschaftlicher Fortschritt, Lebenserwartung, Bildungsniveau, aber eben auch ein ethisch-moralisches Bewusstsein sowie Reste von Naturverbundenheit – stellen relevante Kriterien dar, die sich kaum anhand eines Zeitstrahls quantifizieren und insgesamt auswerten lassen.
Fast symptomatisch und als Teil einer möglichen Antwort auf diese Frage erschien mir ein Gedanke von Megre in Band 3 der Anastasia-Reihe:

Ich erinnerte mich, wie ich selbst meinen Hund in die
Hundeschule brachte. Ich habe selbst dafür bezahlt, dass
mein Hund u.a. lernt, einen Menschen anzugreifen.
Es wäre interessant zu wissen, ob es außer den Menschen
irgendwo noch eine Spezies gibt, die anderen Wesen
beibringen würde, gegen die eigene Gattung vorzugehen…

Nicht wenige Aspekte meines ‘normalen’ Lebens widern mich heute an – und dabei habe ich mich Jahrzehnte blindlings bemüht, ein funktionierendes Rädchen im System zu werden. Alles über Bord zu werfen, ist für mich selbst keine Option, denn auf manche ‘Errungenschaften der technokratischen Moderne’ möchte ich keinesfalls verzichten, z.B. auf das Internet als Informationspool und Gelegenheit zum weltweiten Austausch. Konkrete Handlungsimpulse, auch in Gestalt eines individuellen Kompromisses, könnte Gerhard Schönauer (Aussteigen, aber wie? PDF) liefern …jedenfalls beginnt sein Buch mit einem Zitat von Konrad Lorenz, das ich auch Anastasia abkaufen würde:

„Der hastende Mensch ist sicher nicht nur von Gier gelockt, die stärksten Lockungen würden ihn nicht zu so energischer Selbstbeschädigung veranlassen können,
er ist getrieben,
und was ihn treibt, kann nur die Angst sein.“

Das trifft wohl zu – denn fröhlich-egoistische Gier wäre kaum ein Anlass für dreißig(!) Prozent der Menschen im Westen, irgendwann in ihrem Leben einen Suizidversuch zu unternehmen. Überrascht, weil es so viele sind? Sollte etwas an unserer modernen Lebensweise derart ungesund für das seelische Befinden sein, dass jeder Dritte daran verzweifelt?

Sie ist ihrer ausgedachten Ausweglosigkeit zum Opfer gefallen.

Diese Aussage gab mir zu denken: Wie viele von uns lassen sich so lange mit negativen Impulsen und Nachrichten zudröhnen, bis ihnen auch der letzte Rest Optimismus für’s eigene, persönliche Leben abhanden kommt – und bald darauf auch ein Großteil ihrer einstigen Energie und Schaffenskraft?
Hinzu kommen Millionen von Menschen, die schrittweise vor der Realität flüchten – mit legalen/illegalen Drogen, Zwangshandlungen, einem anderen Kompensationsverhalten oder einem realitätsverweigernden Eskapismus.
Wie viele Personen in Ihrem Umfeld sind nach Ihrer Einschätzung mit ihren Lebensumständen zufrieden (nicht dasselbe wie sich abzufinden mit dem Unausweichlichen) und ‚relativ glücklich‘? Es gibt solche Menschen, sicher, aber besonders viele sind es nicht…
Wieder recht pauschal …ja, man sollte den Einzelfall betrachten – und dann? Hauptursachen für Suizidversuche sind vermutlich Krankheiten, Depressionen, subjektives Versagen bzw. Überfordertsein, Einsamkeit und vielleicht auch Zukunftsangst – meist dürfte eine Mixtur daraus zum Tragen kommen. Diese Symptome erweisen sich oft als Resultat einer Lebensweise, die mit savoir vivre nichts mehr zu tun hat. Den Ausdruck ‚ausgedachte Ausweglosigkeit‘ sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, meine ich: Sofern jemand nicht mit einer unheilbaren Erkrankung zu kämpfen hat oder den Verlust eines geliebten Menschen nicht verkraftet, ließe sich aus den meisten Krisensituation durchaus ein Ausweg finden, zumindest vom rationalen Standpunkt aus betrachtet.

Nochmal kurz zurück zu Megre und seinem Wunsch für die Menschheit. Wo er ähnlich handfeste Schritte anmahnt, wie er sie in seinem Leben vollzogen haben will, dürfte Megre viele seiner Leser überfordern.
Nicht zuletzt deshalb erliegt man leicht der bequemen Versuchung, das gesamte Buch als utopisches Märchen zu betrachten…denn damit erübrigt sich jede Frage nach persönlichen Entscheidungen und eigenem Handeln…

Eine politische „Anastasia-Bewgung“?

Offenbar hat sich Russland, der Ukraine, Weißrussland und Deutschland eine regelrechte Bewegung gebildet. Deren Anhänger versuchen, gemäß den Ideen Anastasias zu leben und die Schaffung von Familienlandsitzen zu fördern. Aus politischen Initiativen ist eine Reihe lokaler und regionaler Organisationen hervorgegangen. Die Bewegung werde „von Historikern und Religionswissenschaftlern sowie Vertretern der Russisch-Orthodoxen Kirche als totalitäre, destruktive Sekte oder neuheidnische Bewegung, die sich unter dem Deckmantel ökologischer Lösungen an ihren Anhängern betrügerisch bereichern will, kritisiert“ (vgl. Wikipedia)

Diesen Aspekt klammere ich bei meinen eigenen Überlegungen aus, denn ich vermag derartige Entwicklungen weder selbst zu beurteilen noch sind sie für mich relevant. Wie war doch gleich der biblische Ratschlag? „Prüft alles, das Gute behaltet.“

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Anmerkungen

  1. für sich lebend, unabhängig von anderen, autark(?)
  2. Anastasia wird als Vertreterin der alten Kultur der „Wedrussen“ dargestellt, die es bereits in der Alten Rus gegeben hätte und die auch heute als hochentwickelte, aber „nicht technokratische“ Kultur abgesondert von der restlichen Welt weiter bestehe.

 

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4 Antworten auf Vladimir Megre – Anastasia

  1. Sumana sagt:

    Du darfst auf deinem Landsitz auch Internet haben
    Kanns mit deiner Frau dein liebesleben haben
    Und musst vor allem nicht auf die Technokratie verzichten!
    Was aber von selbst pasieren wird wenn du erst auf dem land und mit der natur und der liebe zu wirklichen Menschen lebst,
    Ist das du nach und nach alles loslassen willst was dich von der einheit und klarheit wegzieht!
    Ich weis es weil ich im Kloster im Dschungel und in der Kindheit die Erfahrung gemacht habe das das was uns am tiefsten BerÜhrt ~ anrührt , uns auch am meisten geben kann und ErfÜllt!
    Doch mÜssen wir uns selbst die gelegenheit geben!
    (B du mit einem Garten anfÄngst und mehr und mehr in der NATUR ZEIT VERBRINGST, oder eben gleich aufs land ziehst und einer WG oder Gemeinschaft beitrittst.
    Den wenn wir ins wohnziemmer wollen und flur bleiben brauchen wir uns nicht wundern warum es so ungemÜtlich ist… 🙂

    Ich wÜrde mich freuhen wenn ganz viele aufs land ziehen! Den wenn werst mal viele da sind wird auch das leben bunter und alle werden mehr haben ohne mehr zahlen zu mÜssen.
    Revolution der sanften art!
    Baut die Unis aufs land und die pflanzt die BÄUME in die Stadt…
    Die Zukunft ist jetzt und dein leben wird deine Zukunft.
    Lasst und unsre hochtechnisierte

    • Legolas sagt:

      Hallo Sumana,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Zum Schluss ist offenbar ein Rest abgeschnitten – doch den Kontext verstehe ich auch so, denke ich.
      Und ich stimme dir zu: jeder von uns wird sich der eigenen Verantwortung stellen müssen, oder er/sie wird die Konsequenzen zu tragen haben.
      Auf der anderen Seite halte ich nichts von einer Flucht ‚Hals über Kopf‘. Bestehende Lebensaufgaben sind zu bewältigen, Probleme sollten gelöst und nicht verdrängt werden (damit sie einen nicht später ‚erschlagen‘).
      Und dann ist da noch der finanzielle Aspekt – damit meine ich nicht das Sich-Klammern an Wohlstand – sondern Verpflichtungen, denen man nachzukommen hat.
      So sehr mir die Idee der Familien-Landsitze zusagt, stehe ich selbst doch ganz am Anfang (auch was das Loslassen betrifft;). Einstweilen beschränke ich mich darauf, mich innerhalb der städtischen Umgebung verantwortungsbewusst gegenüber der Natur zu verhalten. Zumindest bemühe ich mich darum, bin mir aber auch darüber im Klaren, dass auch in meinem persönlichen Umfeld noch vieles im Argen liegt.

      Liebe Grüße, George

  2. Venezia sagt:

    interessant wie du das ganze so siehst.
    Ich selbst habe von allen menschen in meiner umgebung kritik bekommen, wenn ich über die ideen und ansichten anastasias gesprochen habe..
    Viele ansichten aus den büchern anastasias habe ich schon vorher gesehen. ich kann auf internet sehr gut verzichten..es lenkt zu sehr vom wesentlichen ab.. alles will einen ständig ablenken von der wahrheit schon immer…
    Mein größtes problem mit der gesellschaft ist, das der mensch grausam und gefühllos ist, keiner schaltet mal sein hirn ein und fragt sich was steckt hinter allem? hinter allem was wir essen, was steckt dahinter? einfach nur grausamkeit und tierleid selbst bei kleinigkeiten wo man nie meinen würde das dafür tiere zu tode gequält wurden, wie zb ziegaretten, waschpulver, schminke ect… tausende andere sachen noch…
    keiner verzichtet darauf, niemand sieht hin..
    Anastasia hat einfach recht, wir sind roboter die über die erde trampeln immer getrieben von zwägen und angst.
    Lg

    • Legolas sagt:

      Vielen Dank für deinen interessanten Kommentar, Venezia.
      Persönlich kann ich Anastasia nicht in allen Punkten zustimmen, beispielsweise ihre Auffassung, Sexualität diene nach dem Willen des Schöpfers allein der Erzeugung von Nachkommen. Doch dies ist kaum der Kern ihres Anliegens…

      Wie du bin auch ich der Auffassung, dass die menschliche Gesellschaft sich wie eine Horde von Ignoranten (oder programmierten Maschinen) gebärdet, die den Baum fällen, auf dem sie leben. Verzicht zugunsten unseres Überlebens? Klar, aber bitte für die anderen oder nur da, wo es kaum wehtut.

      Ich vermisse so etwas wie Ursprünglichkeit und Solidarität – statt dessen sind wir erschreckend lieblos geworden. Diesbezüglich werde auch ich mitunter als naiv oder weltfremd kritisiert. Anastasia, ob sie nun real ist oder nicht, zeigt eine ‚radikale‘ Kehrtwendung auf, zu der ich persönlich auch nicht in allen Aspekten bereit bin. Doch verlangt niemand von uns, wie sie auf einer Waldlichtung mit Wölfen, Bärinnen und Eichhörnchen zu leben;)

      Diese Überspitzung dient eher dazu, die Dinge aufzuzeigen, von welchen sich der Mensch allzu weit entfernt hat.
      Wenn aber in der Selbsterkenntnis der erste Schritt zur Besserung liegt, dann ist immerhin positiv, wenn diese Fehlentwicklung zunehmend bewusst wird. Fragt sich nur, wieviel Zeit der Menschheit noch bleibt…

      Lieben Gruß,
      George

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