Christentum: „Dreifaltigkeitslehre stammt nicht aus der Bibel“

Wie wurde die Trinitätslehre zu einem christlichen Dogma?

Viele Menschen, die auch in Deutschland vom Christentum zum Islam konvertieren, begründen ihre Entscheidung mit dem ‚klaren, eindeutigen Monotheismus‘, den der Koran vorgebe. Diese Motivationslage ist durchaus nachvollziehbar, denn viele Christen tun sich schwer mit dem Wesen eines einzigen Gottes, der sich aber in drei Personas (Vater, Sohn und Heiliger Geist) zeige.
Ein Text1 von Wolfgang Schneider befasst sich mit dieser Frage und dem historischen Verlauf ihrer ‚Dogmatisierung‘ und Klar, dass „es sich bei der Trinitätslehre nicht um eine in der Schrift offenbarte Wahrheit handelt“. Vielmehr werde von ihren Befürwortern argumentiert,

  • dass diese Lehre inzwischen zu einem Grundpfeiler des christlichen Glaubens geworden sei …und die vielen Millionen Christen, die an die Trinitätslehre geglaubt haben, nicht alle geirrt haben könnten,
  • dass die Trinitätslehre in den frühen Jahrhunderten n.Chr. aus der Notwendigkeit erstand, Irrlehren bzgl. der Person Jesu Christi zu begegnen und diese zu korrigieren.

Eine rational geführte Diskussion würde keines dieser Argumente gelten lassen, die jede Kritik an dieser Lehre ‚aus Vernunftsgründen‘ beiseite schieben wollen. Ausgangspunkt Schneiders ist also:

„Trinitarische Theologen gestehen ja selbst ein, dass diese Lehre selbst nicht in der Bibel zu finden ist. Diese Lehre wurde also nicht auf der Schrift aufgebaut, sondern scheint eine Mixtur von christlichen, heidnischen und philosophischen Elementen zu sein.“

Davon erfährt ein Schüler im Religionsunterricht nur wenig…und auch die Unterweisungen zur Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung stellen sich dieser heikle Tatsache kaum.

Wenn die komplizierte, häufig unverstandene Lehre von den drei Erscheinungsformen Gottes aber nicht von Jesus oder einem der Patriarchen und Propheten des A.T. stammt, darf man die Frage nach deren Zweck und Intention stellen. Denn es hat beinahe den Anschein, als habe man beabsichtigt, den direkten verstandesmäßigen Zugang der Menschen zur Wahrheit Gottes erschweren wollen – was ja durchaus plausibel wäre: Nur wenn man als ‚Laie‘ nicht in der Lage ist, Gott und seine Schöpfung zu begreifen, braucht man eine Institution (Kirche) als ‚den Weg zu Gott erhellende Vermittlungsinstanz’…

Überblick zu Entstehung und Entwicklung der Trinitätslehre

…folgt nun im o.a. Text, den ich hier nur kurz zusammenfasse: Im 2./3. Jhd. n.Chr. entstanden etliche Ideen und Lehren zum Wesens Gottes und Jesu, die sich allerdings weit von dem Zeugnis der Schrift entfernt hatten. Bis zum 4. Jhd. hatten sich zwei wesentliche Ideen und Konzepte entwickelt, die von Arius und Athanasius vertreten wurden. Beide ließen sich nicht durch die ‚in der Bibel offenbarten Wahrheit‘ begründen, so Schneider. Strittig in beiden Konzepten waren die Identität Jesu und die Frage, wie Gott durch Seinen Sohn unsere Erlösung bewirkt habe.

„Sowohl Arius wie auch Athanasius erkannten korrekt, dass Jesus Christus einzigartig ist und beide erkannten ebenfalls richtig, dass kein Mensch wie sie selbst das Erlöserwerk hätte vollenden können, weil ein solcher Mensch nicht ohne Sünde ist und somit nicht als Sündopfer zur Erlösung in Frage kam.“

Nun berichtet aber die Bibel, dass der Mensch Christus Jesus unser Mittler sei. Arius glaubte, dass Jesus ein Mensch war. Die Frage der notwendigen Vollkommenheit Jesu beantwortete er, indem er Jesus als das erste aller geschaffenen Lebewesen betrachtete, das bereits vor seiner Geburt (als Mensch) existierte, allerdings immer in einer Gott untergeordneten Position. Folglich habe der Vater vor Jesus existiert.

Gemäß diesem Verständnis war Jesus der vollkommene Erlöser, separat und unterschieden von dem wahren Gott, und Jesus war weder „völlig Gott noch völlig Mensch“. Athanasius dagegen machte Jesus zur „2. Person eines dreieinigen Gottes“. In dieser Vorstellung war Gott „Fleisch geworden“ und war somit das vollkommene Opfer. Diese von Athanasius vorgeschlagene Lösung finde sich allerdings nirgends in der Bibel, und sie widerspreche klaren Aussagen der Bibel. „Sie ergibt zwar einen „vollkommenen Erlöser“, aber „erreicht dies durch reine Fantasie“.
Die wahre Lösung dieses Problems habe Gott in ‚Seinem Wort‘ offenbart. Gott sei nicht zu einem Menschen geworden, sondern Er hatte einen Sohn! Laut Bibel war Gott der „physische“ Vater Jesu und Maria die „physische“ Mutter.

Diese einzigartige Eltern-Kombination ermöglichte es, dass Jesus mit der gleichen Vollkommenheit ausgestattet war, wie sie auch Adam ursprünglich hatte, und dennoch von der gleichen Rasse Adams war und somit das notwendige Sündopfer sein konnte … was übrigens weder ein Engel noch Gott selbst jemals hätte sein können…

Kaiser Konstantin ‚der Große‘ sah sich veranlasst einzugreifen, denn die heftige Kontroverse zwischen beiden Positionen habe die Einheit seines Reiches gefährdet. Diese Einheit hatte er 324 n.Chr. bewerkstelligt: Das gesamte Römische Reich war nach Konstantins Sieg über seinen Hauptrivalen Licinius unter einem Kaiser vereint.
Konstantin hatte das Christentum zur Staatsreligion erhoben, von daher war dessen innere Verfassung ein wesentlicher Stabilitätsfaktor seiner Herrschaft.

Kuscheln mit weltlichen Herrschern – ein zweischneidiges Schwert:

Konstantins Erlasse war für die christliche Kirche hatten zwar die grausame Verfolgung von Christen beendet – aber zugleich verlor die Kirche nun ihre Freiheit, Gott so anzubeten, wie sie es anhand der Schrift verstand und für korrekt erachtete. Denn nun der hatte der römische Kaiser das letzte Wort – für ihn war die Theologie nebensächlich, vielmehr sollte eine einigende Religion seinem Reich ‚Ruhe und Frieden‘ bringen.

In Sorge über politische Auswirkungen der Kontroverse zwischen Arius und Athanasius berief Konstantin 325 n.Chr. ein Konzil aller christlichen Bischöfe nach Nicäa, wo man sich im Mai traf. Er selbst führte den Vorsitz, obwohl er zu dieser Zeit nicht einmal getauft war.
„Der Wandel der Dinge muß für die bischöflichen Konzilsväter aufregend gewesen sein: Noch eben von der Polizei gehetzt, waren sie nun auf kaiserliche Einladung in kaiserlichen Postwagen oder Schiffen nach Nicäa gereist, wo der Kaiser ihnen Reise- und Aufenthaltsspesen zahlte und sie gleicherweise durch Demut und Prunkentfaltung zu beeindrucken versuchte.“2

Mit der Zurschaustellung seiner Macht verfolgte Konstantin zwei Ziele: das Christentum für sich zu gewinnen und als ein Instrument kaiserlicher Macht zu formen und zu organisieren. An seinem Führungsanspruch ließ der Kaiser keinen Zweifel:
„Auch ich bin ein Bischof. Ihr seid die Bischöfe für die inneren Angelegenheiten der Kirche, ich hingegen bin der von Gott erwählte Bischof, der die äußeren Angelegenheiten der Kirche zu leiten hat.“2

Konstantin erkannte das Christentum als eine bedeutende moralische Kraft. Als machtbewusster Pragmatiker zog er daraus den praktischen Nutzen, diese Kraft zu Erneuerung und Stabilisierung des korrumpierten römischen Imperiums einzusetzen. Dabei wäre ein in zahllose Strömungen zerfallendes Christentum kaum hilfreich gewesen – strikte Einheitlichkeit war vonnöten. Auch für die christlichen Klerikern war es zweckmäßig,“sich an die Autorität des Inhabers der weltlichen Macht anzulehnen und diese sogar zu stützen“.  

Schließlich bevorzugte Konstantin den von den Unterstützern des Athanasius vorgetragenen Kompromiss und ‚angeleitet‘ von seiner politischen Macht wurde das Bekenntnis von Nicäa seitens fast aller Bischöfen unterzeichnet. Lediglich Arius und zwei Bischöfe verweigerten ihre Unterschrift und wurden dafür verbannt.
Ein wichtiger Punkt: Die Lehre von der Erscheinungsform Gottes entstammt nicht nur nicht dem ‚Wort Gottes‘ – sie wurde von einem weltlichen Herrscher
final festgelegt, aus primär politischem Kalkül! Dies hindert katholische Lehrtradition bis heute nicht, jeden Zweifel an der sog. Dreifaltigkeit Gottes mit dem Anathema zu ahnden!

Der Ausgang des Ersten Konzils von Nicäa lässt erkennen, dass das Christentum unter der Kontrolle eben dieses Reiches stand. Das ursprünglich bei diesem Konzil in Nicäa verabschiedete Glaubensbekenntnis betont die „Gleichheit“ von Gott und Jesus und ‚erwähnt‘ den Heiligen Geist.

Ikone: 1.Konzil von Nicäa. Konstantin entrollt den Text
des Nicänischen Glaubensbekenntnis

Die ausformulierte Trinitätslehre wurde erst beim Konzil von Chalcedon 451 n.Chr. etabliert. Der von Konstantin erhoffte Erfolg ließ auf sich warten: Teilweise entstand großer Aufruhr unter den Gemeinden in den auf das Konzil folgenden Jahre. Diese werden in einigen Quellen als äußerst tragisch für die Christenheit bezeichnet, da nun Christen sich gegenseitig bekämpften und sogar umbrachten… wegen dieser in Nicäa „festgeschriebenen“ Lehre.

  • „Die Kirche hatte die Bibel als ihr einziges Maß für Glauben und Leben verlassen, weil sie sich einem Dogma verschrieb, das es in der Bibel gar nicht gibt!“

Zudem griffen die auf Konstantin folgenden Kaiser zum Teil die arianische Auffassung erneut auf. Die Kontroversen wurden schließlich beseitigt, als Theodosius I. sich auf die Seite der Trinitarier schlug und deren Position im Jahre 381 n.Chr. durch ein Konzil in Konstantinopel bestätigen ließ.

Die orthodoxe christliche Lehre ist in dieser Frage seither konstant. Insoweit sehen sich Kritiker der katholischen Glaubensauffassung im Recht: Der Triumph der Trinitätslehre beruht(e) folglich allein auf der Macht eines kaiserlichen Edikts, aber nicht auf Worten des Neuen Testaments.

Per Gesetz (Codex Iustiniani, Pdf), 534 n.Chr.– Buch I 1,1 ff. – „Von der höchsten Dreieinigkeit und dem katholischen Glauben und dass darüber öffentlich zu streiten sich niemand unterfangen soll„, ab Seite 50) wurde diese trinitarische Form des Christentums als allein gültige und erlaubte Form festgelegt – damit wurden alle anderen christlichen Glaubensformen illegal.

Von nun an hatten an ihrer Auffassung festhaltende Arianer Tod, Gefängnis, Beschlagnahme ihres Besitzes und den Ausschluss von öffentlichen Ämtern als Konsequenz zu tragen. Indes ließ sich die Diskussion über die Identität Jesu zu keiner Zeit ganz verhindern, vielmehr wurde und wird sie bis in unsere Gegenwart fortgesetzt. Auch wenn die Trinitätslehre seit gut 1600 Jahren die christliche Kirche dominiert, sollten wir nicht „Dominanz“ mit „Wahrheit“ gleichsetzen, erinnert Schneider.

Vielmehr sei gerade durch diese Lehre die Wahrheit von der Gnade Gottes und die Wahrheit über die Erlösung durch Jesus untergraben wurden und habe für viele Christen ihre wahre Bedeutung verloren. Wenn ich mir diese Instrumentalisierung des Christentums für politische Zwecke so ansehe, verwundert es kaum, dass Lektüre und Besitz der Bibel über viele Jahrhunderte für Laien verboten waren(!)… Heute aber, erinnert Schneider, habe jeder Interessierte die Möglichkeit, die klaren und deutlichen Antworten der Bibel selbst zu prüfen.

„Die frühen Christen glaubten an den uns in der Bibel offenbarten Gott, dieser Gott ist lediglich EINER (und nicht zwei oder drei oder mehr). Dieser Gott ist der Vater des Menschen Christus Jesus, welcher […]durch die Hingabe seines Lebens unsere Erlösung bewirkte.“–

Verschwörungstheorien sind mir meist nicht sonderlich sympathisch; sie neigen dazu, die eine ideologisch gefärbte Sichtweise durch eine andere zu ersetzen. Doch wundert es mich immer weniger, dass solche Theorien in unserer heutigen Zeit rasende Verbreitung finden.
Schließlich wurde den Menschen ‚im christlichen Abendland‘ und darüber hinaus Religions- und Glaubensfreiheit sowie die Kenntnis über ihre Glaubensgrundlagen so lange wie irgend möglich vorenthalten. Damit wurde ein weiterer Baustein für ein tiefes Misstrauen gegenüber Staat, Kirche und elitärer Obrigkeit gelegt, dem ich heute an jeder Ecke begegne…

Quellenangabe

  1. Wie wurde die Trinitätslehre zum ›“Grundpfeiler christlichen Glaubens‹?„,
    Wolfgang Schneider auf bibelcenter.de
  2. Gottes eigenes Konzil„, Spiegel, 1962
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2 Antworten auf Christentum: „Dreifaltigkeitslehre stammt nicht aus der Bibel“

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