Was ist Gottes Motivation für seine Schöpfung?

Was ist Gottes Ziel und Zweck vom Anbeginn seiner Schöpfung? Mein persönlicher Ausgangspunkt  dabei: hinter der naturwissenschaftlich beschriebenen Entstehung des Universums sowie der Evolution von Leben steht ein schöpferischer Geist, der sich indirekt durch seine Schöpfung offenbart.

Eine treffende, wenn auch pauschale Antwort habe ich bei Jürgen Becker gefunden, in einem kurzen Text über ein Wesen namens Llixgrijb:

„Stellen wir uns doch einmal einen Bereich vor, in dem es keine Höhe, Breite Tiefe oder Zeit gibt… Stellen wir uns ein Wesen vor, das in diesem Bereich lebt. Ein Wesen namens Llixgrijb.

Stellen wir uns vor, das arme Llixgrijb sitzt in einer Art extradimensionalem Einsturz gefangen… Es gibt kein Entrinnen. Aber Llixgrijb kann nicht sterben. Sein Bewusstsein dauert an, ganz auf sich gestellt und in alle Ewigkeit – wie immer in solch einem Bereich Ewigkeit aussehen mag – absolut paralysiert.

Wie würden wir uns in dieser Situation verhalten?
Wir würden Welten in unserem Geist erschaffen, Welten in uns selbst…
Llixgrijb schuf sich ein Universum…“

Okay, Gott mag sein Dasein in gewisser Weise als unvollkommen empfunden haben es verlangte ihn danach, wie es bei E. Cayce heißt, seinem Wesen von unendlicher Liebe Ausdruck zu verleihen. Diesen Wunsch habe er sich dann durch eine zunächst geistige Schöpfung erfüllt…

Eine (selbst empfundene) Unvollkommenheit des Göttlichen? Darin liegt keine Blasphemie, denn dieses Unvollkommene bezieht sich nicht auf das Wesen Gottes, sondern auf seinen Wunsch, dieses Wesen auszudrücken.
Aus „menschlicher“ Sicht erscheint der Gedanke verständlich, dass auch ein unendlich mächtiges, allwissendes Wesen das eigene Selbst in der Begegnung mit anderen Lebewesen zu erfahren wünscht…und vielleicht etwas empfindet, das wir als den ‚Wunsch nach sozialer Interaktion‘ oder Einsamkeit bezeichnen würden.

Offen bleibt, weshalb er die Welt und alles Leben so und nicht anders erschuf. Liegt der Grund dafür darin, dass Gott eben ‚die beste aller möglichen Welten‘ (Leibniz) hervorbrachte – selbst wenn wir dies aus unserer Beobachtungsposition nicht immer erkennen?

Leibniz stellt fest:
„Es gibt nicht Ödes, nichts Unfruchtbares, nichts Totes in der Welt, kein Chaos, keine Verwirrung, außer einer Scheinbaren, ungefähr wie sie in einem Teiche zu herrschen schiene wenn man aus einiger Entfernung eine verworrene Bewegung und sozusagen ein Gewimmel von Fischen sähe, ohne die Fische selbst zu unterscheiden“

Mit einer Ausnahme, scheint es: Gott lenkte die gesamte Evolution auf ein relativ intelligentes Lebewesen hin, welches ihm nun in der Mehrzahl entweder ablehnend und  kritisch oder ängstlich und mit ausgeprägtem Opportunismus begegnet?
Die Unvollkommenheit dieser ‚höchsten natürlichen Lebensform‘ ist nicht zu übersehen.

Eine Fehlinvestition? ‚Musste‘ er sich das antun? Die Menschheit in ihrer gegenwärtigen Verfassung erfüllt ihren Zweck und erfährt eine Sinngebung nur unter einer Voraussetzung – wenn sie ‚hier‘ ist, um zu lernen, zu erkennen und sich noch sehr viel weiter zu entwickeln. (Eine andere Wahl werden ihr die Gesetze der Evolution ohnehin nicht lassen.)

Wer mit der Spezies Mensch pauschal unzufrieden ist, mag ferner die Frage stellen, weshalb Gott nicht damit begnügte, sprachbegabte Primaten oder Hündchen zu erschaffen, die ihn unterwürfig anwinseln ihm alles nachplappern.  (Sage jetzt niemand: ‚wieso…diese Geschöpfe sehe ich täglich‘;)

Dass ihm derartiges Menschenbild vorschwebte, bezweifele ich – selbst wenn die eine oder andere Religion uns dies bis heute einreden möchte: Was empfinden die meisten Menschen, wenn ihnen andere ständig nach dem Mund reden und Schmeicheleien von sich geben? Sobald dieses Verhalten durchschaut wird, fällt die Reaktion ablehnend aus:

Wir wollen nicht hofiert, sondern um unserer selbst willen geliebt werden. Gibt es einen vernünftigen Anlass für die Annahme, Gott habe nicht denselben Wunsch?

Falls dem so ist, wird deutlich, weshalb wir nicht gleich ‚fertig‘ erschaffen wurden, d.h. mit einem Verhaltenskonzept, wie wir seinem Wunsche nach sein sollen:

  • Ehrliche, vorbehaltlose Interaktion ist nur da möglich, wo die Interagierenden aus eigenem (Selbst-)Bewusstsein und in freiem Willen handeln.
  • Daraus kann Liebe erwachsen, sie kann nicht erzwungen werden, sondern entsteht sondern nur in Freiheit (andernfalls ist es keine Liebe).

In diesem Zusammenhang hat Jakob Lorber einige interessante Thesen formuliert (auszugsweise zitiert):

„Eine Reihe von Gründen veranlassten Gott (=Jesus) , Geistwesen zu schaffen:

Bloßes Existieren für sich alleine brachte Gott (=Jesus) nie jene Befriedigung, die ihm die Gesellschaft mit lebendigen weiteren Wesen zu bringen vermag.
Es dient Gott zur Freude, wenn die freien Geschöpfe das werden, was sie bestimmungsgemäß werden sollen. In ihnen findet Gott seinesgleichen wieder, und ihr stetes Wachsen an Erkenntnissen aller Art und dadurch in aller Liebe, Weisheit und Schönheit ist Gottes ewige Lust und Seligkeit!

Es bringt Gott Freude, zu erleben, wie seine zunächst noch unvollkommenen Geschöpfe heranwachsen, mehr und mehr lernen und erkennen, wie sie selbständig tätig werden und sich allmählich vervollkommnen.

Wenn sie sich über eine mühsam neu erworbene Fähigkeit freuen, kann Gott sich daran mitfreuen. Seine unendliche Vollkommenheit bekommt erst dadurch den unschätzbarsten Wert, sofern sie von seinen Geschöpfen stets mehr und mehr angestrebt wird und sich teilweise auch in ihnen zunehmend zu erkennen gibt.

Gott will die Menschen dadurch immer seliger machen, daß sie durch die Vielfalt der Schöpfungswerke und durch immer neue Entdeckungen und Möglichkeiten erfreut werden. Sie sollen ihn als Schöpfer in seiner Weisheit und Macht bewundern und anbeten und dadurch in der Liebe zu ihm wachsen.

Alle Geistgeschöpfe sollen in Freiheit und Selbständigkeit in allem gottähnlich vollkommen werden.-„

Lorber geht weiter auf die Dualität bzw. Polarität unserer Welt ein, welche neben dem Göttlich-Vollkommenem auch das erfasst, was wir als unvollkommen, dunkel und böse ansehen. Die Erschaffung von Sonnen, Welten und Wesen habe einen Gegenpol vorausgesetzt:

„Wenn der ewige, allerfreiest weiseste und allmächtige Geist Gottes Sich nicht eben auch schon von Ewigkeit aus Sich heraus einen Gegenpol gesetzt hätte, so wäre es ihm als pur positivem Gott nie möglich geworden, Sonnen, Welten und all die zahllos vielen Wesen auf ihnen ins Dasein zu rufen.“

Um eine solche gewaltige Kommunikationsplattform samt dem schöpferischen Geist im Ansatz adäquate Kommunikationspartner (’nach seinem Bilde‘) entstehen zu lassen, bedarf es geeigneter Anlagen, die sich in einem Reifeprozess vollständig entfalten lassen.

Auch in den Büchern von Neale Donald Walsch [Gespräche mit Gott1)] ist von ’seinesgleichen‘ die Rede. Dennoch, eine vollständige Gleichsetzung von Gott und Mensch, von Schöpfer und Schöpfung, behagt mir nicht. Ich ziehe hier die Vorstellung vor, dass jedes bewusste Individuum der unentbehrliche Teil eines göttlichen Ganzen ist, selbst wenn es die Erinnerung an seine wahre Natur vorübergehend verloren hat.

Wirklich gott-gleich werden wir Menschen (=Teile von etwas größerem) schwerlich werden, doch mag der Sinn und das Ziel unserer Existenz(en) in einer fortschreitenden Vervollkommnung liegen – in dem wir aus Erfahrung und Einsicht lernen und unsere Fähigkeiten wie Potenziale erweitern. Und im Zuge dieser Vervollkommnung – die ohne Zweifel auch Rückschläge hinnehmen muss – mag es uns ermöglicht werden, Gott nicht mehr allein durch sein Wirken zu erfahren, sondern schrittweise in eine direktere, als weniger einseitig empfundene Kommunikation einzutreten.

So wird für mich „ein Schuh draus“ – die Schaffung von Universum, Erde, Flora, Fauna und zuletzt (bis jetzt) des Menschen erhält für mich einen Sinn, wenn Gott damit für sich selbst ein Ziel verfolgte – das wir Menschen kaum jemals vollständig erfassen werden – und wenn er zugleich eine Bestimmung bzw. ein Ziel für alle fühlenden, ihrer selbst bewussten Wesen gesetzt hat.

Freilich erschließt sich diese Zielgebung mir nur, wenn eine Aufspaltung der Schöpfung einschließlich aller Menschen in ‚Himmel und Hölle‘ ausbleibt. Unabhängig davon, ob sie ein bestimmtes Buch nicht gelesen haben, es nicht verstanden haben oder ihm nicht bzw. nur in Teilen Glauben schenken können.

„Wäre es denn nicht im höchsten Grade traurig für einen irdischen Vater, so er zum Beispiel zwanzig Kinder von großer Lieblichkeit hätte, alle aber wären Blinde und Taube, mit denen der liebevollste Vater nie ein Wort reden und sich ihnen auch als Mensch nicht zeigen könnte?! Stelle man sich solch ein Verhältnis nur so recht lebendig vor:

Einen überaus wohlhabenden Vater mit zwanzig der Gestalt nach gar wunderschön gebildeten Kindern beiderlei Geschlechts, aber alle taub und blind! Frage: Würde solch ein Vater nicht die größten Summen darauf verwenden, um seine sonst gar so lieben Kindern hörend und sehend zu machen?! Welche Trauer aber wird er empfinden, so es dafür in der ganzen Welt kein Mittel gäbe, um seine Kinder hörend und sehend zu machen?!

Nun, wir Menschen sind zwar hörend und sehend für uns gegenseitig und finden aneinander ein großes Vergnügen – manchmal sogar mehr als nötig -, daß wir sogar darüber des Schöpfers vergessen können; aber der heilig gute Schöpfer, der allweiseste Vater, müßte dieses seligsten Vergnügens für immer völlig entbehren, von Seinen Kindern je erkannt, gehört und gesehen zu werden! Das ginge für einen ewigen Vater voll der höchsten und reinsten Liebe zu Seinen Kindern gar nicht an“ (J. Lorber)

Anmerkung:

1) Die 3 Bände ‚Gespräche mit Gott‘ von Neale D. Walsch sind als Ebook hier zu finden – doch ich finde, der Kauf der Bücher lohnt sich.

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