Die gnostischen Evangelien von Nag Hammadi

Die wichtigste Entdeckung der Geschichte?

Die Dokumentation ‚Das Christentum – Die gefundenen Evangelien‘ vermittelt einen Überblick zu dem 1945 entdeckten Schriften von Nag Hammadi am Fuß des Jabal al-Tarif, eines Felshangs in Oberägypten, etwa 140 km nördlich von Luxor.

Die Sammlung frühchristlicher Texte besteht aus dreizehn in Leder gebundenen PapyrusKodizes. Diese enthalten eine Sammlung von 47 unterschiedlichen Texten, von denen mehrfach enthalten sind. Die Manuskripte stammen aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, verfasst wurden die Texte vermutlich vorwiegend im 1. oder 2. Jahrhundert. Als Herkunft wird vorwiegend Ägypten angenommen, z.T.  gibt es aber auch Hinweise auf eine Herkunft aus Syrien. Die Sprache der Texte ist Sahidisch, ein Dialekt des Koptischen, doch handelt es sich wohl um Übersetzungen aus dem Griechischen handelt.
In der Nag-Hammadi-Bibliothek
finden sich Gebete, Briefe, Apostelakten, Apokalypsen, Himmelfahrten (Berichte), theologische Abhandlungen, Dialoge, Hymnen und interpretierende NacherzŠählungen der Urgeschichte.

„Sie stehen hinter den etwa zur gleichen Zeit gefundenen Qumran-Rollen in keiner Weise an Bedeutung zurŸück, wurden aber, bedingt durch unglŸückliche UmstŠände, erst 1977 in einer englischen GesamtüŸbersetzung der breiteren օffentlichkeit bekannt.“ (Lüdemann-Janßen)

Das Christentum – Die gefundenen Evangelien

Um die Bedeutung dieser Schriften nachzuvollziehen, ist es zweckmäßig ein wenig weiter auszuholen und eine wichtige Strömung im frühen Christentum kennen zu lernen, von deren Inhalten und Glaubensauffassung in der offiziellen Kirchendoktrin leider nur wenig zu finden ist:

Was versteht man unter Gnostizismus?

Das griechische Wort Gnosis bedeutet so viel wie Erkenntnis, Wissen. In den ersten Jahrhunderten n.Chr. war der Gnostizismus im Mittelmeerraum eine vielschichtige geistige Bewegung. Sie lebte in Zirkeln ohne zentrale Leitung und vermittelte nach eigenem Verständnis ein besonderes esoterisches (geheimes, elitäres und bisweilen ‚okkultes‘) Bewusstsein. Dessen Hauptmerkmale sind:

  • Es gibt eine vollkommenen, allumfassenden Gottheit („Alles was ist“)
  • Dieser bringt einen unvollkommenen Gott hervor (auch als Demiurg oder Schöpfergott bezeichnet, also ein Baumeister der Schöpfung), der seinerseits eigenmächtig das materielle All erschafft.
    Ebenfalls erschafft der Demiurg den Menschen und verbringt diesen in immer dichtere Materie.
  • Diesem Demiurg entspricht in vielen gnostischen Schriften der Gott des Tanach bzw. des Alten Testaments JHWH.
  • Daher ist Jesus nach Auffassung Gnostiker nicht der Sohn des Gottes der Juden, sondern – als eine Inkarnation des Christus – das Kind der vollkommenen Gottheit, also geistig verstanden, nicht etwa körperlich.
  • Die Schöpfung (und der Mensch) tragen jedoch grundsätzlich das Prinzip der ursprünglichen vollkommenen Gottheit in sich, von dem sie nicht zu trennen sind.
  • Das innewohnende geistige Prinzip, auch (Gottes-)Funke oder Samenkorn genannt, muss dem Menschen bewusst werden, um die Verhaftungen an die materielle Welt erkennen und lösen zu können.

Die Frage nach dem Ursprung des Gnostizismus sei bis heute ein ungelöstes Rätsel, erklärt Jaan Lahe (s.u.). Dagegen sieht Hans Jonas (Gnosis und spätantiker Geist, 1934) die Wurzeln der Gnosis nicht an einem bestimmten geographischen Ort oder in einer anderen Religion, sondern in der mentalen und sozialen Atmosphäre der Spätantike.

Zentral bei diesem Verständnis sei die Erfahrung der Entfremdung: der Gnostiker empfindet sich aus seiner natürlichen Umgebung entwurzelt und in diese schlechte, materielle Welt geworfen. (An dem Attribut ‚weltfremd‘ wird ein Gnostiker daher kaum Anstoß nehmen…)

So richtet sich der Erlösungsgedanke allein auf die transzendente Komponente (den ‚Gottesfunken‘), welche das eigentliche Selbst jedes bewussten Lebewesens bildet.

Den verschiedenen Systemen der Gnosis ist gemeinsam, dass als Erlösung die Rückkehr zur transzendenten Wirklichkeit angestrebt wird. Es besteht ein in in seiner Radikalität unterschiedlich ausgeprägter Dualismus  zwischen dem Geistigen und dem Materiellen.
Die materielle Welt galt als schlecht. Von dem unerkennbaren „höchsten Wesen“ ging eine Folge von Emanationen (Hervorgehen der Dinge aus einem höheren, göttlichen Ursprung) oder „Äonen“ aus – hohe Geistwesen, die mit dem „höchsten Wesen“ in Kontakt treten konnten. Einer der niedrigen „Äonen“, der nicht in unmittelbarem Kontakt mit dem „höchsten Wesen“ stand, war für die Erschaffung der Welt verantwortlich. 
 Die Schöpfung war daher, wenn nicht eindeutig schlecht, dann doch zumindest wenig gelungen und ohne Erkenntnis – eine Sphäre, aus der die Menschheit sich lösen musste.

Christus wurde als ein Abgesandter des höchsten Gottes verstanden, der die Erkenntnis (‚Gnosis‘) zu bringen hatte – das geheime Wissen über den wahren Gott. Unter Erlösung verstand man die Überwindung der Unwissenheit durch Selbsterkenntnis. Als göttliches Geistwesen nahm Christus weder einen echten menschlichen Körper an noch starb er. Entweder war er nur für eine begrenzte Zeit in einen menschlichen Körper – Jesus – eingegangen oder er hatte lediglich eine täuschende menschliche Erscheinung angenommen.

Die Gnosis neigte also zum sog. Doketismus, einer Lehre, welche die Menschlichkeit und das Leiden des irdischen Christus als bloßen Schein und nicht als Realität ansieht. Anhänger des Doketismus nahmen also an, Jesus Christus habe nur scheinbar einen physischen Körper. Diese Lehre trat in verschiedenen frühkirchlichen Gruppen auf – sie geht zurück auf die gnostischen Auffassung, alle Materie sei unrein weshalb der ewige Logos keine Stofflichkeit haben könne.

 

Gnosis, Licht aus einer anderen Welt – Rückkehr einer antiken Religion

„Christentum, Judentum, Islam und auch die Gnosis glauben an den einen allmächtigen Gott. Erst hier wird die Wirklichkeit des Bösen zu einem echten religiösen Problem. Die Gnosis wollte Gott nicht in die Schuldfrage verstricken und führte alles Böse auf den stümperhaften und eifersüchtigen Teufel zurück. Sie übersah dabei, daß auch ihr reiner Lichtgott sich die Frage stellen lassen mußte: Warum hast Du das böse Tun des Teufels nicht verhindert?“

Einige Gnostiker führten ein asketisches Leben, denn für sie bedeutete Gnosis, jeden Kontakt mit irdisch-körperlichen Lebensaspekten weitmöglichst zu vermeiden und sich allein auf das Geistige zu konzentrieren.

„Am besten wäre es, niemals in diese Welt geboren worden zu sein, gut war, sie möglichst schnell zu verlassen. Deshalb zeugten sie keine Kinder.“

Aus kirchlich-offizieller Sicht ist Gnosis eine Irrlehre, die schon im Neuen Testament mehrfach aufgegriffen und bestritten wird (siehe z.B. 2. Joh 7). Denn nicht wenige Gnostiker kamen zu der Erkenntnis, dass jener Gottesfunke unserem Inneren ruht – sodass ein spirituelles Bewusstsein allein durch uns selbst gefunden werden kann. Mit anderen Worten, religiöses Wissen sei intuitiv zugänglich und bedürfe keiner institutionellen Stütze. Damit aber wäre eine organisierte Kirche als Vermittler zwischen Gott und den Menschen sowie als Autorität in Glaubensfragen überflüssig. Vor diesem Hintergrund kann nachvollzogen, weshalb der Gnostizismus von der entstehenden Kirchenorganisation als potenziell existenzbedrohend angesehen und als ‚verderbliche Selbsterlösungslehre‘ heftig bekämpft wird.

Andere, die libertinistischen Gnostiker, zogen aus dem gleichen Weltbild gegenteilige Schlüsse: Man müsse das Böse in der bösen Welt noch steigern, damit endlich die alte Schöpfung zugrunde gehe. Der Kirchenvater Epiphanius (geb. 315) berichtet grob verallgemeinernd von gnostischen Orgien, Spermaopfern und -kulten sowie schwarzen Messen, in denen das christliche Abendmahl imitiert und verspottet werde.
(Libertinismus bezeichnet eine Haltung, die sich nicht an moralische und traditionelle sexuelle Normen gebunden fühlt und einen ausschweifenden Lebenswandel führt.)

Vgl. dazu:


Frühchristliche Apokryphen und Pseudoepigraphien

Die ersten Christen, darunter Paulus v. Tarsus, erwarteten das Wiedererscheinen Christi so bald, dass sie anfänglich keine Veranlassung sahen, eine eigene schriftliche Tradition zu begründen. Gleichwohl existierte das Bedürfnis, sich des Lebens und der Lehre Jesu zu erinnern und schriftlich festzuhalten. Bereits in den Jahren 50 bis 100 n.Chr. entstanden zahlreiche Texte, von denen etliche später im Neuen Testament zusammengefügt wurden.

Bis zum Ende des 2. Jahrhunderts war die Zahl christlicher Texte stark angewachsen, dabei war die Auswahl der in Gemeinden gelesenen Schriften regional verschieden. Neben der Notwendigkeit einer Sichtung und Ordnung kam auch die Frage nach dem Grad der Verbindlichkeit einzelner Texte auf. Auch der christlich-gnostische Theologe Marcion – der das A.T. aus theologischen Gründen verwarf (der strafende Gott des Alten Testaments und der liebende Vater Jesu konnten seiner Auffassung nach nicht derselbe Gott sein) – gab im 2. Jahrhundert zusätzlichen Anlass, über die Gültigkeit christlicher Texte zu reflektieren: er schuf einen ‚eigenen‘ Kanon aus dem Lukasevangelium und einigen Paulusbriefen.

Zu dieser Zeit waren die vier Evangelien allgemein akzeptiert, andere Texte blieben lange umstritten – insbesondere die Offenbarung des Johannes, die bis heute nicht von allen christlichen Konfessionen als Teil des N.T. anerkannt wird.

Texte, die keinen Anspruch auf kanonische Gültigkeit erheben konnten, wurden seltener oder gar nicht mehr überliefert. Solche Texte wurden apokryph, d.h. verborgen. Seit dem 4. Jahrhundert konnte das ‚verstaatlichte‘ Christentum sich auch weltlicher Machtinstrumente bedienen, sodass Schriften mit abweichenden theologischen Tendenzen auch gezielt unterdrückt wurden – beispielsweise das Thomas- und das Petrusevangelium.

Das Wort apokryph erhielt noch eine zweite Bedeutung: Manche frühchristliche Texte waren nur für ein ausgewähltes, elitäres Publikum bestimmt; wo solche Texte den Begriff ‚apokryph‘ auch direkt im Titel führen, bedeutet er so viel wie geheim. Auch derartige Schriften wurden bekämpft und wurden damit apokryph auch im ersten Sinne des Wortes.

„Alle apokryphen christlichen Texte sind Bestandteil der Literaturgeschichte des frühen Christentums und als solche wert, gelesen zu werden, abgesehen davon, dass viele Texte auch für sich genommen eine spannende Lektüre bieten. Die Kenntnis apokrypher Texte erweitert unser Verständnis des Neuen Testaments wie auch der Theologiegeschichte des frühen Christentums. Die […] Schriften waren Teil des breiten Stromes frühchristlicher Literatur in den ersten beiden christlichen Jahrhunderten. Sie zeigen die geistige Vielfalt, die der christlichen Literatur von Anfang an zu Eigen war.“ [vgl. „Was nicht in der Bibel steht. Apokryphe Schriften des frühen Christentums“ v. Uwe Karsten Plisch]

Pseudepigraphie – die fälschliche Zuschreibung eines Textes an einen bestimmten Autor – war in der antiken Literatur in zwei Formen verbreitet:
Ein zu Lebzeiten wenig bedeutsamer Autor verfasst einen Text und veröffentlicht ihn unter dem Namen einer prominenten Schreibers, um der eigenen Aussage stärkeren Nachdruck zu verleihen. Im N.T. können nur sieben der Paulusbriefe mit einiger Sicherheit Paulus v. Tarsus zugeschrieben werden, weitere könnten von dessen Schülern verfasst sein.

Auch wurden ursprünglich anonym verfasste und in Umlauf gebrachte Schriften  nachträglich mit prominenten Verfassernamen versehen, wiederum um deren Autorität zu stärken. So wurde das in umstrittene Johannesevangelium nur unter der Annahme, es stamme direkt von einem Jünger Jesu, in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen.

Gnostische Evangelien im Spannungsfeld zur offiziellen Kirchenlehre

Das Entstehungsumfeld mehrerer apokrypher Schriften wird dem Gnostizismus zugeordnet, dazu zählen unter anderem:

Diese Texte fanden keinen Eingang in den Kanon der offiziellen Schriften des N.T., vielmehr werden sie als eigenständige Literatur betrachtet, die das Frühchristentum ohne Zweifel mitprägte – jedenfalls bis ins vierte Jhd. n. Chr., als sie nach dem Konzil von Nicäa als Häresie verbannt und ihr Besitz unter Strafe gestellt wurde. So gesehen, sind Gnosis und Christentum zwar geschichtlich und inhaltlich miteinander verwoben – es ist aber notwendig, zwischen ausser- und innerchristlicher Gnosis zu unterscheiden. Leichter gesagt als getan, denn es existiert in der Fachwelt keine präzise Definition dessen, was Gnosis ist.

Es lässt sich aber sagen, dass den gnostischen Evangelium mindestens eine Kernaussage gemeinsam ist: Der Mensch könne durch Selbsterkenntnis und Reflektion seinen persönlichen Weg zu Gott finden. In diesem Kontext erklärt sich wohl auch, was Gnostiker unter ‚Erleuchtung‘ verstehen, wenn sie von Jesus sprechen.

„Dieser Umstand der Verwobenheit war und ist für die großen christlichen Konfessionen nicht unproblematisch, die stets die Unverträglichkeit von Gnosis und Christentum hervor gehoben haben und daran bis heute festhalten.“ (…)
„Die ‚Verteidiger des Christentums‘ befürchten offensichtlich, wesentliche Teile der Aussagen Jesu, also zentrale Bausteine christlichen Religion könnten „als Ausdruck der so hart bekämpften Gnosis dargestellt werden. Damit aber könnte der Einmaligkeitsanspruch des Christentums geschwächt werden“. (vgl. ‚Die Gnostiker‘ v. Micha Brumlik)

Vor dem Hintergrund dieser Befürchtungen und dem übergeordneten Ziel einer geeinten Kirche werden die Bemühungen beinahe verständlich, den Bibelkanon nach ihrem Maßstab für Rechtgläubigkeit im Sinne eines widerspruchsfreien ‚kirchlichen Christentums‘ zusammen zu stellen. Gleichzeitig verleihen sie Jesus eine unantastbare Autorität, indem sie ihn zum einzigen Sohn Gottes erheben.

Dies zeigt sich auch deutlich in dem bis heute gültigen apostolischen Glaubensbekenntnis – einem überaus praktischen Instrument gegen die sog. Häresien. Mit ihm hatte man eine kurze und griffige Formel gefunden, welche Jungfrauengeburt, auch die Höllenfahrt, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu festschreibt und vor allem auch die zukünftige, fleischliche Auferstehung der Gläubigen hervorhebt – bis heute! Ob diese Bewahrung der ‚christlichen Wirklichkeit‘ erfolgreich war, liegt im Auge des Betrachters…meiner Meinung nach ist Bedeutung dieser Sätze für die meisten heute lebenden Menschen unverständlich geworden.

Im Vorwort zur Textsammlung ‚Bibel der HäŠretiker, Die gnostischen Schriften aus Nag Hammadi‘ von Gerd LŸüdemann und Martina Janßen heißt es dazu:

„Die Nag-Hammadi-Bibliothek wirft ein neues Licht auf das VerhŠältnis von ‚RechtglŠäubigkeit und Ketzerei‘ im frŸühen Christentum. Die meisten Verfasser der Nag-Hammadi-Schriften wurden als Ketzer gebrandmarkt und aus dem kirchlichen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. …In den gnostischen Nag-Hammadi-Schriften düŸrfen sie endlich selbst reden und geben einen unverstellten Einblick in ihre Mythologie und Fröšmmigkeit.

Es legte sich nahe, die bei Nag Hammadi gefundenen Quellen als ‚Bibel der Häretiker‘  zu bezeichnen. ‚Bibel‘ ist hier jedoch nicht im Sinne eines festgesetzten Kanons
heiliger Schriften wie im kirchlichen Christentum zu verstehen, sondern als eine Sammlung von Schriften, die erahnen lŠäßt, wie die Bibliothek eines gnostischen HäŠretikers ausgesehen haben könnte.
Die Schriften gehören unterschiedlichen gnostischen Schulen an, zum Teil sind sie christlich, zum Teil zeugen sie von der Existenz einer äußeren bzw. vorchristlichen Gnosis. Der inhaltlichen Vielfalt, die selbst Widersprüche aushŠält und gelten lŠäßt, entspricht ein großer Reichtum an literarischen Formen…“

Siehe auch:

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5 Antworten auf Die gnostischen Evangelien von Nag Hammadi

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  2. Original und Fälschung

    (NHC II,2,016) Jesus sagte: Vielleicht denken die Menschen, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu werfen, und sie wissen nicht, dass ich gekommen bin, um Spaltungen auf die Erde zu werfen, Feuer, Schwert, Krieg. Es werden nämlich fünf in einem Hause sein. Drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden als Einzelne dastehen.

    (Lukas 12,51-53) Meint ihr, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei. Es wird der Vater gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

    Was hier das Original und was die gegenständlich-naive Fälschung ist (der Grad der Naivität ist nach dem Erkenntnisprozess der Auferstehung geradezu unfassbar), sollte auch demjenigen auffallen, der noch gar nicht weiß, worum es geht. Denn abgesehen davon, dass Vater + Sohn + Mutter + Tochter + Schwiegermutter + Schwiegertochter bereits sechs Personen ergeben und nicht fünf (möglicherweise war der Evangeliendichter Lukas der Ansicht, das „uneins“ noch hinzuzählen zu müssen), könnte man bei unvoreingenommener Betrachtung der Fälschung zu dem Schluss kommen, dass Jesus offenbar ein Wahnsinniger war, was auch die „heilige katholische Kirche“ bestreiten dürfte.

    Auch geht es hier nicht um natürliche Personen in einem Wohnhaus und schon gar nicht um eine Mutter, eine Tochter, eine Schwiegermutter und eine Schwiegertochter, sondern um Grundprinzipien des menschlichen Zusammenlebens in einer arbeitsteiligen Zivilisation.

    (NHC II,2,108) Jesus sagte: Wer von meinem Mund trinken wird, wird werden wie ich; ich selbst werde er werden, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren.

    Jüngstes Gericht

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