Burn-Out-Syndrom Gottes?

Nichts liegt mir ferner, als gläubige Menschen – gleich, welcher Ausprägung – vor den Kopf zu stoßen. Auch deshalb ist die etwas flapsige Überschrift kein Vorbote einer (zum Scheitern verurteilten) Zustandsbeschreibung hiesiger Kirchen und Konfessionen. ‚Burnout‘ als Phänomen moderner Zivilgesellschaften zeigt sich (beim Menschen) als eine Erschöpfungs-Depression, wobei das Verkümmern sozialer Kontakte als symptomatisch gilt – ich weigere mich, dergleichen von Gott anzunehmen. Magnus Striet formuliert die zentrale Frage sehr klar, die viele suchende und zugleich zweifelnde Menschen bewegt: „Existiert ein Gott, der schweigt?“

Ich für meinen Teil bezweifle, dass er schweigt.

Gebete –  eine anmaßende Form des Selbstgesprächs?

Das Gebeten als Rezitieren auswendig gelernter Formeln entspricht nicht meinem Bedürfnis, eher schon eine gedankliche Zwiesprache mit Gott, fast wie eine Unterhaltung. Darin kommt Dank häufig vor, denn mir wird zunehmend bewusst, in welch privilegierter Lebenssituation ich mich als Mitteleuropäer befinde, der bislang weder Kriege noch existenzielle Nöte durchleben musste.
Gott direkt um etwas zu bitten (Gesundheit, Zufriedenheit, Zuversicht…) habe ich mir weitgehend abgewöhnt; die Aussage ‚Wenn Ihr wüsstet, worum Ihr bittet…‘ gibt mir sehr zu denken.

Und:  Nahezu jede Bitte an Gott würde wohl auf die Behebung eines scheinbaren Defizits abzielen, also würde ich aus einer unüberlegten Opferhaltung heraus die Verantwortung für Unvollkommenes auf Gott als Schöpfer projizieren. Trotz bisweilen meine recht große Klappe halte ich mich mit Kritik an Gott und möglichst auch an den von mir unverstandenen Aspekten seiner Schöpfung zurück…
Etwaige Defizite und Unzulänglichkeiten begründen sich meiner Ansicht in der Person des Menschen, nicht aber bei Gott.

Meist teile mich mit – meine Gedanken, Fragen und Zweifel – und obgleich ich mir nicht sicher sein kann, ob mir wer zuhört, geht von dieser meist abendlichen Gebetszeit eine wohltuende Wirkung aus.

Manchmal nehme ich zugleich die Rolle eines Beobachters wahr und betrachte  im Geiste den äußeren Anschein: Führe ich in Wahrheit gerade eine Art Selbstgespräch und mache mich zum Affen, indem ich zu einer Wesenheit spreche, die so vielleicht gar nicht existiert?
Setze ich diesen Gedankengang fort, wackelt bald mein ganzes synkretistisches Weltbild, das bislang nicht von einer ‚Festigkeit im Glauben‘ getragen wird. Dabei fallen mir sogar halbvergessene Ermahnungen ein, man möge doch ‚mit lauter, fester Stimme‘ zu Gott sprechen, damit das Gebet auch ‚ankomme‘ – nun ja, das Erhörtwerden setzt ein Gehörtwerden sicher voraus. Doch ich bezweifele, dass ein transzendenter Gott in irgendeiner Weise auf Schallwellen angewiesen ist oder gesteigerten Wert legt.

Gänzlich abwegig ist der Eindruck von einem Selbstgespräch beim Beten sicherlich nicht:

„Und so ist unser Gebet zunächst ein Selbstgespräch mit uns selbst, wie ER mit
dem Vater ein Selbstgespräch führt: mit uns und mit Christus in uns. Aber auch mit
uns, jedes Ich mit seinem Ich: der Betende – auch im Ritualgebet – spricht zunächst
mit sich selbst und sucht so zu sich selbst zu finden, indem er sich in sprachlicher Form darstellt und einen Prozeß der Selbstklärung durchwandert: was will ich, was will ich nicht, wer bin ich, wer bin ich nicht.

Mir antwortet keine Stimme aus der Wolke: zunächst bin ich auf mich selbst zurückgeworfen, auf den weiten Weg in die Tiefe der eigenen Person, unter deren Tiefen Christus verhüllt ist wie Gott auf der Bergeshöhe. Und im Selbstgespräch des Gebetes wird die Differenz zwischen IHM und mir in mir selbst deutlich. Beten ist Kennen – Lernen des Ich.“
(‚Gebet‘ – Peter Walter über theologische Meditationen)

In solchen Momenten beneide ich fast jene Strenggläubigen, die ihren spirituellen Weg unbeirrbar gehen und sich auch nicht im geringsten durch wissenschaftliche Erkenntnisse, die heute als gesichert gelten, aus der Bahn werfen lassen. Freilich schauen viele dieser Menschen so gar nicht über den Tellerrand ihres Glaubens hinaus; aber das ist es wohl, was ihnen Kraft und innere Stärke verleiht.

Vielleicht ist es mit dem Beten wie mit so vielen Handlungen, deren Sinn und ‚Nutzen‘ schon aus der Handlung selbst entsteht – ‚der Weg ist das Ziel‘?

Mit rationalen Abwägungen wird sich das Wesen des Gebetes ohnehin kaum ergründen lassen: Wenn ich das Gespräch bzw. den Austausch mit Gott suche, dann sind Fragestellungen wie ‚Kann das denn sein?‘ oder ‚Das gibt es doch gar nicht‘ wenig hilfreich. Auch wenn ich in meinen Ansichten schwanke und von Glaubensgewissheit meilenweit entfernt bin –  das Modell ‚Zufall statt Schöpfung‘ erscheint mir noch irrationaler als starre bzw. in Ritualen und Zitaten erstarrte Religiosität.
Weitaus mehr beschäftigt mich eine andere Frage:

Kommuniziert Gott nicht mehr mit uns?

Christentum, Islam und auch die jüdische Religion entwerfen ein festes Bild von Gott als dem Einen, Ewigen – der allmächtig, allwissend und ‚allgütig‘ sei. 

Über die Kommunikation zwischen diesem als Person dargestellten Gott und den Menschen besagen dogmatische Lehren der drei abrahamitischen Religionen zweierlei:

  • die religiösen Urschrift jeder der Religionen, also Tora, Koran und die christliche Bibel (AT + NT im jeweils definierten Kanon), stellen für den jeweiligen Glauben das ‘einzige und einzig wahre Wort Gottes‚ dar, durch das er der Menschheit seine göttliche Weltordnung offenbart habe
  • Seit dem dieses als von Gott überlieferte bzw. inspirierte Schriftwerk zum Abschluss kam, herrscht Funkstille1).

Angesichts dieser Aussagen stellt sich selbst die Frage, weshalb Gott sich seit 1400 oder 2000 oder noch mehr Jahren nicht mehr offenbaren sollte.  Und vorher – weshalb soll Gott sich derart widersprüchlich oder rätselhaft geäußert haben?

Das unvollkommene menschliche Denkens vermag das Wesen dieses Gottes nicht eigenständig zu erfassen, vielmehr sind wir Menschen mit unserer gegenwärtigen seelisch-geistigen Reife darauf angewiesen, dass Gott sich uns verständlich macht und so Teile seines Wesens erkennen lässt – in dem gewünschtem Maße.

Offensichtlich lassen sich große Teile von Tora, Bibel und Koran jedoch unterschiedlich interpretieren. Zudem bestand im Kontext der christlichen Bibel stets Unklarheit, welche der überlieferten Texte denn nun zu ‚Gottes Wort‘ zählen. Von unterschiedlichen Übersetzungen ganz zu schweigen…
Würde ein Überwesen wie Gott (entsprechend dem christlichen und islamischen Gottesbild) nicht sicher stellen, dass sein Wort und Gesetz in eindeutiger, unwiderlegbarer und unzerstörbarer Weise übermittelt wird?

Wäre es göttliche Intention, dass die Menschen einem ‚göttlichen Gesetz‘  widerspruchslos und womöglich unreflektiert Folge leisten, dann hätte jene höchste Wesenheit seine Gebote ein für alle mal so fixiert, dass sich Interpretationen und Streitigkeiten darüber erübrigten… vorsätzliche Manipulationen wären undenkbar und versehentliche Transkriptionsfehler kämen nicht vor.

Doch jene Worte präsentieren sich uns eben nicht in eindeutiger, widerspruchsfreien Weise. Die Vielfältigkeit und Interpretierbarkeit religiöser Schriften sind für mich ein Indiz, dass den Menschen zu jeder Zeit die ihrem individuellen Verständnis angemessenen Impulse, Denkanstöße und Erfahrungsmomente zuteil werden.

Die verschiedenen Urschriften der Religionen lassen sich als alternative (einander ergänzende?) Orientierungshilfen auffassen – von denen sicher nicht eine ‚wahr‘ und alle übrigen unzutreffend sind, soweit sie von diesem einen Weg abweichen. Gott ist um vieles größer als unser menschliches ‚Entweder…Oder‘-Denken – auch wenn dies nicht die Auffassung einer um ihre exklusive Vermittlerrolle bemühte Kirche ist.
In seiner Theologie der Religionen liefert uns Wolfgang Raupach-Rudnick mit einer hilfreichen Metapher einen passablen Ansatz zur ‚Kohärenz‘ der Religionen:

„Der Weg von diesen traditionellen Haltungen der Ablehnung bzw. der Unterordnung des Fremden hin zu einer anerkennenden Theologie der Religionen geht, so weit ich sehe, über drei Brücken:

  1. Auf der ersten Brücke steht: „Es gibt viele Religionen; sie sind historisch gewachsen und relativ.“ Das ist die Einsicht, dass die Lehren und Erscheinungsformen jeder Religion – bis hin zu den zentralen Offenbarungen –durch ihren Entstehungszusammenhang und ihre Entwicklungsgeschichte geprägt sind.
  2. Auf der zweiten Brücke steht: „Die Geheimnisse Gottes sind unergründlich.“ Das ist die Einsicht, dass keine konkrete Religion mit ihrer Wahrheitsgewissheit die ganze Fülle der Wahrheit Gottes ausschöpfen kann.
  3. Auf der dritten Brücke steht: „Ethos“. Das ist die Einsicht, dass alle Religionen über Verhaltensregeln und Normen verfügen, die ihr Zusammenleben regeln, und ist die Hoffnung, angesichts der drängenden Weltprobleme könne es ein Zusammenwirken über die Religionsgrenzen hinweg geben.“

Die Realität einer zerstrittenen und mit Defiziten behafteten Menschheit dokumentiert auf beschämende Weise, dass sie auf keine der zentralen Lebensfragen eine eindeutige Antwort (erhalten) hat. In den Händen dieser Menschheit entfalteten Bibel und Koran als ‚einziges Wort Gottes‘ eine eher zweifelhafte Wirkung… bis hin zu Genoziden und Kriegen im Namen Gottes und der Schaffung von unzulänglichen, in Eigeninteressen verstrickten Institutionen.

Ein anderes Bild entsteht, wenn wir das häufige Versagen und Scheitern unserer Erkenntnisbemühungen akzeptieren und die Möglichkeit offenlassen, dass auch unsere Irrtümer und Irrwege ‘einkalkuliert’ sind – gleichsam als langer, gründlicher Weg des Lernens. Der Mensch verinnerlicht Erlerntes am besten durch Erfahrung und Einsichten aus Versuch und Irrtum; gerade auch in Bezug auf seine Potenziale und Grenzen.
Eine Art ‘göttliches Grundgesetz’ für alle Detailfragen, unwiderlegbar und über allem anderen stehend, würde eine derartiges Lebensziel (‘Erkenne dich selbst und lerne’) nicht unterstützen, sondern hinauszögern.

Freilich dürfte so etwas wie ein universales, göttliches Gesetz existieren – vielleicht im Sinne einer Reihe fundamentaler Prinzipien…wie etwa die Gesetzmäßigkeiten der Energieerhaltung und der Kausalität (Ursache und Wirkung). Sobald wir verstehen, dass jeder unserer Handlungen ebenso wie unsere Unterlassungen zu Konsequenzen führt, wird unser Dasein leichter verstehbar und erhält eine Sinngebung.

Persönliche Kommunikation mit Gott?

Wer kann und will schon von sich behaupten, in eine direkte und vor allem wechselseitige Konversation mit Gott eingetreten zu sein? Und doch enthält der Einleitungstext von Neale D. Walsch’s ‚Gespräch mit Gott‘ die Aussage, dass Gott mit jedem von uns kommuniziere:

„…die Frage ist nicht, mit wem ich rede, sondern wer zuhört. Lass uns zunächst das Wort reden durch das Wort kommunizieren ersetzen.“

Denn:
Worte sind die am wenigsten zuverlässigen Wahrheitslieferanten.

„Aus diesem Grund kommuniziere ich nicht nur mit Worten. Tatsächlich tue ich das ziemlich selten. Meine üblichste Kommunikationsform ist das Gefühl. Das Gefühl ist die Sprache der Seele. Wenn du wissen willst, was in bezug auf irgend etwas für dich wahr ist, dann achte darauf, was du fühlst.“

Die Kommunikation über Gedanken, Ideen und geistige Vorstellungen verwende oft Metaphern und Bilder, daher seien Gedanken effektiver als bloße Worte als Kommunikationsmittel. Als geradezu ideal aber erweise sich das Vehikel der Erfahrung.
Problematisch daran sei nur, dass wir Menschen dem ‚Wort Gottes‘ so viel und der eigenen Erfahrung so wenig Bedeutung zugemessen haben:

„Tatsächlich erachtet ihr den Wert der Erfahrung als dermaßen gering, daß ihr, wenn sich eure Erfahrung von Gott von dem unterscheidet, was ihr über Gott gehört habt, automatisch die Erfahrung abtut und euch an das Wort haltet – wo es doch genau umgekehrt sein sollte.“

Nun ja, wenn es zuträfe, dass gedankliche Bilder, Vorstellungen und Erfahrungen die primären Kommunikations-Instrumente Gottes sind, dann könnte kaum jemand für sich per se ausschließen, dass Gott auch mit ihm kommuniziert hat.

Lässt man naturwissenschaftliche Erklärungsversuche über die Entstehung bzw. Bewusstwerdung von Gedanken außen vor, eröffnen sich dennoch zwei Schwierigkeiten – die Gefahr der Selbsttäuschung und die Unterscheidbarkeit: wie können wir sicher sein, ob ein Gedanke, eine Idee, die ‚innere Stimme‘ oder eine sonstige Erfahrung tatsächlich von Gott kommt?

„Hier ist Urteilskraft gefordert. Die Schwierigkeit besteht im Erkennen des Unterschieds zwischen den Botschaften Gottes und den Informationen aus anderen Quellen. Diese Unterscheidung bereitet keine Schwierigkeit, sofern eine Grundregel beherzigt wird:
Von mir kommt dein erhabenster Gedanke, dein klarstes Wort, dein edelstes Gefühl. Alles, was weniger ist, entstammt einer anderen Quelle.

Diese Differenzierung ist leicht, denn selbst einem Schüler im Anfangsstadium sollte es nicht schwerfallen, das Erhabenste, das Klarste und das Edelste zu erkennen.“

Bis hierhin mag man sich dennoch fragen, woran genau denn eine ‚göttliche Botschaft‘ zu erkennen sei. Folgende Konkretisierung soll, so Walsch, dabei weiterhelfen:

Der erhabenste Gedanke ist immer jener, der Freude in sich trägt. Die klarsten Worte sind jene, die Wahrheit enthalten. Das nobelste Gefühl ist jenes, das ihr Liebe nennt. Freude, Wahrheit, Liebe.

Es liegt auf der Hand, dass eine klare Unterscheidung des subjektiv Erfahrbaren im Hinblick auf seine Quelle schwierig ist – besonders vor dem Hintergrund einer eindeutigen Erwartung. 

Kommunizierte Neal D. Walsch wirklich mit Gott?

Immerhin haben Erfahrungen („meine mächtigste Botin“) eine unbestechliche Komponente: das eigentliche Ereignis, aus welchem die Erfahrung erwächst, geschieht unabhängig von seiner gedanklichen und emotionalen Bewertung. Solches Geschehen ist ‚intersubjektiv‘, also nachvollziehbar für andere.

  • Andreas Englisch geht in seinem Buch ‚Gottes Spuren‘ der Frage nach dem konkreten Wirken des Überirdischen in dieser Welt nach: Für ihn sind Wunder, die sich auch in unserer Zeit ereignen sollen, „nichts anderes als eine Spur Gottes“. Mit jedem Eingriff in das irdische Geschehen hinterlasse ‚dieses rätselhafte Wesen‘ so etwas wie einen Fingerabdruck des Unerklärlichen. Mir selbst sind Wunderberichte etwas suspekt, denn ich traue der menschlichen Wahrnehmung nicht über den Weg und unterstelle im Einzelfall auch eine manipulative Berichterstattung.
    Gerade bei der der in diesem Buch auch thematisierten Stigmatisation2) sind sowohl der Ursprung als auch die vermutete Intention eines solchen Wunders, wenn es denn eines sein sollte, unklar und in hohem Maße verstörend.

Wie dem auch sei, eine Botschaft als von Gott kommend zu betrachten, kann sich sowohl als Segen als auch als Fluch erweisen. Die Kirchengeschichte kennt etliche Beispiele, wo ‚Verlorene‘ wegen einer vermuteten oder unverstanden Gottesbotschaft den Flammen überantwortet wurden. Andererseits lernt der Mensch durch nichts so gut wie durch selbst gemachte Erfahrung – es spricht nichts dagegen, dass solche Erfahrungen auch von Gott kommen können.

„Die Folge eures Nicht-Hörens auf eure Erfahrung ist, daß ihr sie stets von neuem durchlebt.“

Der Glaube vieler Religionsgemeinschaften, dass Gott nur mit auserwählten Menschen kommuniziere, enthebe die Masse der Verantwortung: Es ist sehr viel sicherer und leichter, die Deutungen anderer zu akzeptieren (auch wenn sie vor zweitausend Jahren lebten), als die Botschaft zu interpretieren, die man selbst erhält. Das zur Unterscheidung der Quelle notwendige Urteilsvermögen könne erlernt bzw. geübt werden.

In Bezug auf die Bibel und sonstige religiöse Offenbarungen gelte, dass wir unseren persönlichen Erfahrungen den Vorzug geben sollten (besonders für den Fall, dass wir sie als von Gott kommend einordnen):

„Du kannst Gott nicht hören, solange du nicht aufhörst zu meinen, daß du ihn bereits gehört hast.“

Anders ausgedrückt: wer alles über die Kommunikation Gottes zu wissen und diese auf die Bibel reduziert und einer klerikalen Elite deren Interpretation überlässt, wird sie für eine direkte Kommunikation mit Gott nicht offen sein.

„Denn Gott offenbart Gottselbst nicht aus der äußerlichen Wahrnehmung heraus oder durch die äußerliche Beobachtung, sondern durch die innere Erfahrung.“

Ich meine nicht, dass wir aufgefordert sind, die Schriften der Buchreligionen zu ignorieren – eher wird jeder einzelne von uns ermuntert, sich zusätzlich zum ‚Anlesen‘ selbst auf die Suche zu begeben und sich für Impulse, Gedanken und Ideen ‚von oben‘ zu öffnen und so spirituellen Erkenntnisfortschritt anzustreben.

In den Büchern von Walsch kommt die Auffassung zum Ausdruck, wir seien nicht hier, um zu lernen, sondern um uns selbst zu erfahren und letztlich an unser schöpferisches Naturell zu erinnern. Meine Intuition sagt mir in diesem Punkt etwas anderes:

Für ausgeschlossen halte ich, dass Gott jedem von uns ein vorgefertigtes, eng definiertes Lebensrezept liefert, dass ihn gleich einer Korsage in die gewünschte Form zwingt oder der ewigen Verdammnis überlässt (die nach Kirchenlehre dann Ergebnis einer freiwilligen Trennung von Gott ist). Warum sonst werden Menschen mit vielfältigsten Lebenssituationen, Chancen und Krisen konfrontiert, die nicht allein mit Hilfe eines noch so besonderen Buches meistern lassen?

Weil wir geistig und selig wachsen sollen, solange (und wann immer) wir leben. Die Ausübung unserer Willensfreiheit eröffnet uns die dazu sowohl Wahlmöglichkeiten als auch resultierende Konsequenzen.

Auf diesem langen, schwierigen Weg des Lernens und Verstehens sind Teile der Bibel und sicherlich auch des Korans eine wertvolle Hilfe…doch bleibt es kaum jemandem von uns erspart, auch die eigenen Fähigkeiten zu nutzen und zu erweitern, um die persönliche Lebensaufgabe zu realisieren.-

Siehe auch:

Wolfgang Raupach-Rudnick: Theologie der Religionen

Anmerkungen

  1. Diese Aussage bezieht sich vor allem auf allgemeingültige ‚Offenbarungen‘ Gottes. Der Katholizismus erachtet Neu- und ‚Privatoffenbarungen‘ auch nach der Entstehungszeit der biblischen Bücher für möglich – betrachtet deren inhaltliche Relevanz allerdings als nachrangig.
    Generell besteht die Auffassung, dass die Offenbarung Gottes in Christus vollendet sei: “Zuletzt hat ER gesprochen durch seinen Sohn
    .

    Laut Apostelgeschichte ist es aber nicht so, dass Jesus auf Erden ‚das letzte Wort‘ hatte – vielmehr wurden die Apostel durch den Geist Gottes geleitet und auch die Offenbarungen des Johannes stammt aus der Zeit nach Christi.
  2. Bezeichnung u.a. für das sich ärztlicher Therapie entziehende, plötzliche Auftreten der Leidensmale (Stigmata) Jesu am Leib eines lebenden Menschen
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