Glaube an Reinkarnation im frühen Christentum? (Teil 2)

Fortsetzung von Teil 1


Tja, für den interessierten Normalbürger ist es fast aussichtslos, durch vergleichende Recherche zu ermitteln, welche von abweichenden Schilderungen lange zurückliegender Ereignisse nun zutrifft.

Die Konzilien waren vielfach von heftigen Auseinandersetzungen über den ›rechten Glauben‹ begleitet, in denen es weniger um Inhalte der Religion ging als um die Führungsrolle und den Einfluss in der Kirche. Folglich wurden auch politisch motivierte Entscheidungen zugunsten einer Auffassung getroffen, weshalb Zürrer davon ausgeht, dass in den diesbezüglichen Dogmen primär eigennützige kirchliche Interessen durchgesetzt werden sollten.

Notwendig ist eine sorgfältige und differenzierte Betrachtung jedes Einzelfalls. Allerdings erscheint es mir in Bezug auf die Streitigkeiten über Origenes‹ Lehren (insbesondere die Reinkarnation) mit Blick auf die geschichtlichen Ereignisse naheliegend und glaubhaft, dass die primäre machtpolitisch orientierte  Staatskirche alles unternahm, um ihre Autorität zu festigen. Dazu mag auch die Unterdrückung einer theologischen Konzeption zählen, welcher die Notwendigkeit einer universalen, exklusiven Kirche als Mittler zwischen Gott und den Menschen eher zweifelhaft erscheinen ließ.

Die Synode zu Konstantinopel sollte 543 die theologischen Differenzen um die Lehren des Origenes endgültig beenden. Diese Lehren wurden ohne Rücksicht auf die Haltung des damaligen römischen Papstes Vigilius, durch die Synode mit neun Anathemata (Bannflüchen) belegt, insbesondere auch die Lehren über Seelenpräexistenz und Reinkarnation.
Ebenso wurde verflucht, wer nicht glaubte, dass es eine ewige Bestrafung der Dämonen und gottlosen Menschen gebe. All diese Bannflüche folgten einer persönlich motivierten Anweisung von Kaiser Justinian I., der sich selbst als Oberherrn der Kirche verstand.

Ein wenig Tratsch, der bei aller Fragwürdigkeit manche Beweggründe veranschaulichen könnte: Justinians ehrgeizige Frau Theodora hatte ihren Aufstieg zur Herrscherin des Reiches als Kurtisane begonnen. Weil sie unsterblich werden wollte, anstatt nach dem Karmagesetz  in späteren Leben für ihre Taten büßen zu müssen, habe sie beim Kaiser einfach die Abschaffung der Wiedergeburtslehre erwirkt. Offensichtlich war sie von der Wirksamkeit dieser Aufhebung überzeugt – ein weiterer Beleg für die weit verbreitete Annahme, dass der Glaube der Menschen die Wirklichkeit insgesamt verändern könne…

Auf dem Konzil zu Konstantinopel (553) wurden Origenes‹ ‹ Lehren von der Präexistenz und der Reinkarnation nochmals verurteilt und offiziell als »heidnischen Irrlehre« abgeschafft.
Dieser Beschluss wirkt bis in unsere Zeit nach: bis heute ist es jedem kirchentreuen Katholiken untersagt, an die Reinkarnation zu glauben.

Man kann es drehen wie man will: letztlich fiel das urchristliche Wissen um die Reinkarnation im Jahre 553 dem fatalen Betreiben eines Machtpolitikers und seiner Gattin mit ihrem damals fragwürdigen Lebenslauf zum Opfer.

»Das Konzil zu Konstantinopel war praktisch eine ganz persönliche Versammlung Kaiser Justinians, auf dem er mit seinen von ihm abhängigen Vasallen (gegen den Protest des Papstes und der römischen Bischöfe) die Lehre von der Vorexistenz der Seele willkürlich mit Fluch und Bann belegte und damit der ursprünglich christlichen Lehre der Reinkarnation die Grundlage entzog

Dr. Robert Kehl fordert in seiner Schrift »Ein sonderbarer Heiliger Geist« von den Kirchen, »wenn sie wieder glaubwürdig werden wollen«, eine klare Distanzierung von jenen Konzilien und den dort (vor dem Hintergrund von Terror und Intrigen) gefassten Beschlüssen.

Ist der Reinkarnationsglaube unchristlich?

Bei aller Sympathie, die ich für ein Modell der seelischen Reifung im Laufe mehrerer Reinkarnationen besitze – in der hier kurz angerissenen Abhandlung von R. Zürrer behagt mir das Ausmaß an Spekulation nicht.

Sind die benannten Verfälschungen biblischer Texte in Bezug auf die Reinkarnation wirklich offensichtlich und kaum zu widerlegen? Einen Beweis  vorsätzlicher Manipulation legt Zürrer nicht vor, anstelle eines nachprüfbaren Quellenvergleichs werden lediglich Indizien konstruiert. Mit zunehmendem Ausmaß einer Fälschung würde es problematischer, diese auf sämtliche im Umlauf befindlichen Schriften auszudehnen.

Die erwiesenen Fakten:

  • Der Glaube des Origenes an eine vorgeburtliche Existenz der menschlichen Seele wurde per Konzilsbeschluss verurteilt. Ob damit eine Überarbeitung biblischer Texte einher ging, ist nicht bewiesen.
  • Der Bannfluch Kaiser Justinians gegen die Lehre des Origenes ist von der Kirche bis heute offiziell nicht revidiert worden. Vielmehr wurde und wird an diesem Anathema seitens der Kirche als einem Teil der gültigen Konzilsbeschlüsse festgehalten.
  • Als Gründe einer fortgesetzte Ablehnung wird angeführt, der Reinkarnationsgedanke stehe im Widerspruch zu verschiedenen christlichen Dogmen der Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) – etwa von der Auferstehung des Leibes oder zur Grundlehre, dass sich in diesem einen Leben das Heil oder Unheil des Menschen entscheide und dass die Seele unmittelbar nach diesem einen Erdenleben in den ewigen Himmel oder in die ewige Hölle gehe. Außerdem beinhalte sie von der Kirche verurteilte Meinungen wie die der anima separata (vom Leib unabhängige Seele) oder der Präexistenz der Seele.

Welche Relevanz einem kirchlichen Verbot des Reinkarnationsglaubens zukommt, hängt von der persönlichen Positionierung ab.
Hierzulande sind wir endlich im religiösen Pluralismus angekommen – inwieweit wir der Kirche gehorchen, dürfen bzw. müssen wir selbst entscheiden. Das persönliche Denken und intuitive Empfinden kann sie jedenfalls nicht abstellen.
Freilich kann und darf nicht vergessen werden, wie viele Menschen für ihre Glaubensüberzeugung eingeschüchtert, benachteiligt, diskriminiert und sogar gefoltert und getötet wurden. Derartiges Vorgehen ist strikt zu verurteilen (ganz gleich, durch wen Zwang im Glauben ausgeübt wird) – seligmachend kann ein Glaube nur sein, wenn er freiwillig gelebt wird!

Gerade vor dem historischen Hintergrund weiß ich unsere heutigen Freiheiten zu schätzen: Jeder religionsmündigen Person ist selbst überlassen, ob er/sie an Wiederverkörperung oder die Auferstehung des Fleisches glauben möchte – oder daran, dass mit dem Ende dieses einen Lebens sowieso alles vorbei sei!

Was bleibt, ist die persönliche Gewissens-Verantwortung. Und das ist auch gut so.-

B. Die Betrachtung von Till A. Mohr

  • Bezug: »Kehret zurück ihr Menschenkinder -Die Grundlegung der christlichen Reinkarnationslehre« (→ Auszug auf Origines.de)

Während Zürrer als klarer Befürworter der Reinkarnationslehre als Bestandteil früh-christlichen Glaubens wesentlich an Aussagen des Origenes festmacht, findet der evangelische Theologe Till A. Mohr deutliche Anhaltspunkte, wonach der Kirchenlehrer die Wiederverkörperung einer menschlichen Seele in einem Tierkörper klar ablehnte. Weniger eindeutig lasse sich beantworten, ob Origenes die Reinkarnation einer menschlichen Seele in einen neuen menschlichen Leib ablehnte oder nicht:

  • Sein Hauptargument liegt in der urchristlichen Eschatologie – wer mit dem baldigen Ende der materiellen Welt rechnet, erwartet keine Reinkarnation (was Wiederverkörperungen in der Vergangenheit nicht ausschließt). Die sichtbare, geschaffene Welt hatte für Origenes einen Anfang und ebenso ein Ende, das er schon bald erwartete.
  • Auch die Origenes heute manchmal zugeschriebene Rolle eines innerkirchlichen Revolutionärs passt nicht recht zu seiner Haltung, wonach man nur das als Wahrheit glauben dürfe, »was in nichts von der kirchlichen und apostolischen Überlieferung abweicht«.
    Zu dieser kirchlichen Überlieferung gehörte auch der Glaube an die leibliche Auferstehung, die Origenes so erklärt: »… dass im Tod nur eine Umwandlung des Fleisches geschieht, seine Substanz aber, das steht fest, bleibt und wird durch den Willen seines Schöpfers zu einer bestimmten Zeit wieder ins Leben gerufen, und dann geschieht eine neue Umwandlung.«
    (Ein durchaus fortschrittlicher Gedanke, der zumindest auf atomarer Ebene zutreffend sein dürfte – doch würden die atomaren Bausteine eines verwesenden Leichnams in den Kreislauf der Natur (d.h. in andere Lebewesen) eingehen und daher kaum für eine Auferstehung eines früheren Körpers zur Verfügung stehen, in welchem sich die Atome zuvor befanden)

Aber:

»Wenn er heute, nach 1750 Jahren, was einem Zeitraum etwa von Abraham bis Jesus entspricht, das Ende der sichtbaren Welt bedenken würde, sähe er [Origenes] es wohl in einem anderen Licht, nämlich weniger in dem des Endes als vielmehr der Vollendung der materiellen Schöpfung im Sinne des Übergangs, der Verwandlung und Vergeistigung in eine unsichtbare und ewige Wirklichkeit neuer, höherer Welten.«

Die Vollendung jedes Menschen sowie der ganzen sichtbaren Welt sei mit Blick auf die endgültige Apokatastasis panton (Wiederherstellung aller Dinge = Allversöhnung) zu verstehen – eine Sicht, die bei Origenes eine wesentliche Rolle spielte.

Dass Origenes die Präexistenz der menschlichen Seele lehrte, sei nicht zu bestreiten. Doch bedeute Präexistenz nicht unbedingt auch Reinkarnation.

Mohr erklärt diesen Zusammenhang so:

»Der Gedanke von der Präexistenz der Seelen ist also antihäretisch (=keine Irrlehre) und im Sinne der Theodizee zu verstehen. Durch den Missbrauch der Willensfreiheit haben sich die ursprünglich körperlosen, geistigen Wesen von Gott entfernt (Abfall von Gott s.o.). Dadurch wurden die ursprünglich körperlosen Geistwesen zu Seelen und je nach ihrer Verschuldung oder ihrem Verdienst zu Engeln, Dämonen oder auch Menschen und Tieren mit einem entsprechend mehr oder weniger verdichteten, lichten oder dunklen bzw. materiellen Leib – ein ›Kerker von Fleisch und Blut‹«.

Im übrigen habe Origenes praktisch nicht mehr mit einem erneuten Fall freier Geistwesen gerechnet – Denn die Wiederherstellung im Sinne der Vollendung werde den Anfang übertreffen, »weil die Geschöpfe dann die Erfahrung der Liebe Gottes gemacht haben und dadurch selbst in der Liebe gefestigt sind«.

Warum aber wird Origenes immer wieder unterstellt, er habe an Reinkarnation geglaubt? Es hat (für mich) den Anschein, als habe seine Auffassung sich im Laufe seines Lebens als theologischer Forscher und Denker zumindest in einzelnen Akzenten verschoben.

  • Die innere Logik der Präexistenzlehre legte den Gedanken sehr nahe, dass auch eine Form von Reinkarnation existiert. Beides hätte sich leicht integrieren lassen, wenn Origenes nicht an der leiblichen Auferstehung festgehalten hätte, mit der er sich ohnehin schwer tat:
    Mit Vollendung der Wiederherstellung von Allem sollten die ursprünglich körperlosen Geistwesen wiederum eine körperlose Erscheinungsform erhalten und somit dem Anfang der Schöpfung wieder entsprechen. Folglich wäre ein auch unsterblicher Auferstehungsleib überflüssig und stünde im Widerspruch zum Prinzip von der Wiederherstellung des anfänglichen Zustandes.

Ein Körper war aus Origenes Sicht alles andere als wünschenswert, denn er galt als etwas Unvollkommenes, das ein völlige Einswerden mit dem unkörperlichen Gott eher behindern würde. Als Endzustand war eine körperliche Existenz daher kaum denkbar.

  • Origenes benennt für das körperliche Sein der Vernunftwesen mehrere Phasen (zeitliche Abstände) und spricht von einer Mehrzahl von Körpern, sodass der Gedanke der Reinkarnation offenbar vorliegt.
  • An anderer Stelle beschreibt der Kirchenlehrer die Möglichkeit, dass die den Hades verlassenden Menschenseelen auf Erden inkarniert werden, wenn sie einen weiteren Aufenthalt verdient haben.
    Genau das besagt das Reinkarnationsprinzip (mit der Einschränkung auf menschliche Körper).
  • Das werde bestätigt durch Origenes weitere Aussage über als Menschen verkörperte Seelen, die einerseits aus »dem oberen Himmel in unsere Stätten« kommen, und andererseits Seelen, die aus dem Hades kommend »wieder nach oben gelangen und einen menschlichen Leib annehmen«.
  • Diesen Gedanken führt Origenes fort: so könne »ein Israelit, welcher der Lehre des guten Hirten nicht folgt und nach dem Tod in den Hades gelangt, bei der erneuten Menschwerdung unter die Skythen fallen und umgekehrt ein Ägypter nach Judäa hinab gelangen…«
    Auch für ein solches heilsgeschichtliches Pozenzial, welches auch jede Form von Rassismus und Nationalismus ad absurdum führt, muss eine Form von Reinkarnation wohl vorausgesetzt werden.
  • Vehement argumentiert Origenes gegen die Auffassung der Gnostiker, dass JHWH der Gott des Alten Testaments eine strenge, unbarmherzige Gerechtigkeit verkörpert und gelegentlich sogar böse Züge tragen kann, während der von Jesus im Neuen Testament offenbarte Gott ein anderer, gütiger und liebevoller Gott ist. Schließlich kommen unterschiedlich leidvoll Schicksale der Menschen nicht von Gott, sondern haben ihre Ursachen im schuldhaften Verhalten der Geistwesen mit ihrem freien Willen.
    Am Beispiel der Zwillinge Jakob und Esau (1 Mose 25 – 26) erläutert Origenes nun, dass Jakob auf Grund von Verdiensten eines früheren Lebens von Gott mit Recht geliebt wurde, so dass er auch nach Verdienst dem Bruder vorgezogen wurde. Erwarb Jakob diese Verdienste im Himmel oder auf Erden in einem früheren Menschenleben? »Wenn er sie im Himmel erworben hätte, dann wäre er durch sie erhöht worden, d.h. als Engel erhöht worden und gerade nicht zum Menschsein erniedrigt worden. Folglich hat er sich die Verdienste in einem früheren Menschenleben erworben,… – und das bedeutet Reinkarnation.«

Man dürfe davon ausgehen, schlussfolgert Mohr, dass Origenes sich primär durch das kirchliche Dogma von der ›Auferstehung des Fleisches‹ daran gehindert sah, die Wiederverkörperung mit voller Überzeugung öffentlich zu lehren. Es ist bemerkenswert, dass ein evangelischer Theologe somit die inhaltliche Nähe des Kirchenvaters Origenes zur Reinkarnation konzediert.

Tatsache ist aber: Weder mit kirchlichen Dogmen noch mit schwer auflösbaren Kontroversen über eine mutmaßlich ›frühchristliche Reinkarnation‹ kommt man einer Erkenntnis, ›wie die Dinge denn nun wirklich vor und nach dem Tode liegen‹, wesentlich näher.
Wie Sokrates und sehr viel später Goethe bekennt auch Origenes freimütig, dass wir manches nicht wissen und auch nicht wissen können.

Es bleibt nur der Versuch, eine möglichst treffende Vorstellung über die Prinzipien von Leben, Tod und Jenseits zu entwickeln – und dabei sind Denkverbote sicher nicht hilfreich.


Anhang

Ergänzende Zitate

Z1 Origenes über die unzählbaren Besserungsstufen (gar nicht leicht, das zutreffende Zitat in der deutschen Übersetzung von De Principiis ausfindig zu machen):
»…Ein solcher Zustand also muß es sein, in welchen die gesamte Körperwelt in der Vollendung aller Dinge, in der Alleinheit eintreten wird. Dies kann jedoch nicht auf einmal geschehen, sondern nur allmählich und teilweise, und im Verlaufe von unzähligen Aeonen, nachdem in jedem Einzelnen nach einander die Besserung und Wiederherstellung zustande gekommen sein wird.
Denn Einige eilen voraus, und streben rascher nach dem Ziele, Andere folgen ihnen in kurzen Zwischenräumen, wieder Andere kommen erst lange nachher: und nach den zahllosen Reihen von gebesserten und mit Gott wiederversöhnten Feinden kommt die Reihe auch an den letzten Feind, welches der Tod ist, so daß auch dieser nicht mehr Feind sein wird. Und wenn alle vernünftigen Wesen wieder in einen solchen Zustand versetzt sein werden, dann wird die Substanz unsers Körpers zur Verherrlichung eines geistigen Leibes eingehen.«

Anmerkungen

  1. Hier nur ein kurzer Auszug: »Gott sprach: Ich bin der Ursprung sowohl der spirituellen als auch der materiellen Welt. Alles geht von Mir aus. Die Weisen, die dies vollkommen verstanden haben, beschäftigen sich in Meinem hingebungsvollen Dienst und verehren Mich von ganzem Herzen. (Bg. 10.8)
    Alle Lebensformen werden durch Geburt in der materiellen Natur ermöglicht, und Ich bin der samengebende Vater. (Bg. 14.4)«
  2. Die Präexistenz -Lehre basiert auf der Annahme, dass die Seelen der Menschen oder auch anderer Lebewesen schon vor der Entstehung ihrer Körper existieren und in die Körper eintreten)
  3. In seiner Schrift »gegen Johannes von Jerusalem« zitierte er Origenes mit Hinweisen, die folgende Textrekonstruktion ermöglichen: »…Die Engel und Throne und Herrschaften, die Gewalten und Herrscher der Welt und der Finsternis und ›jeder Name, der genannt werden mag, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen‹ (vgl. Eph. l, 21) sind Seelen von solchen Körpern, die sie entweder aus Verlangen oder zum Dienste angenommen haben.
    Alle körperlosen und unsichtbaren vernünftigen Geschöpfe gleiten, wenn sie in Nachlässigkeit verfallen, allmählich auf niedere Stufen herab und nehmen Körper an je nach der Art der Orte, zu denen sie herabsinken: z. B. erst aus Äther, dann aus Luft, und wenn sie in die Nähe der Erde kommen, umgeben sie sich mit noch dichteren Körpern, um schließlich an menschliches Fleisch gefesselt zu werden.
    Auf der Leiter Jakobs (vgl. Gen. 28, 12) steigen die vernunftbegabten Geschöpfe allmählich bis zur untersten Stufe herab, d. h. bis zu Fleisch und Blut. Es ist unmöglich, dass einer mit einem Male vom hundertsten zum ersten Rang herabstürzt; er gelangt vielmehr durch die einzelnen Ränge wie auf den Stufen einer Leiter bis zum untersten Rang. Dabei wechselt er seinen Körper ebensooft, wie er seinen Wohnsitz beim Abstieg vom Himmel zur Erde wechselt.«

Quellenangaben

  1. »Reinkarnation« « von Ronald Zürrer (Auszug via archive.org)
  2. »Kehret zurück ihr Menschenkinder -Die Grundlegung der christlichen Reinkarnationslehre« « von Till A. Mohr (→Auszug: Pdf auf der Webseite des AK Origenes, ISBN: 3-89427-275-9).
  3. »Über die Grundlehren der Glaubenswissenschaft« (De principiis), Origenes, Bibliothek der Kirchenväter (BKV) /
    PDF-Download /
    → Ausgewählte Auszüge aus De principiis auf der Webseite des AK Origenes

Literaturhinweise

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