Die Arche Noah und das Rätsel der Sintflut

TV-Dokumentation (Mai 2013)

Die Sintflut wird in den mythologischen Erzählungen verschiedener Kulturen als eine göttlich veranlasste Flutkatastrophe beschrieben, die die Vernichtung der Zivilisation zum Ziel hatte. Als Grund für die Sintflut nennen die Quellen meist Verfehlungen der Menschheit. Überliefert sind Sintflut-Berichte im 1. Buch Mose des A.T., im Gilgamesch-Epos und im Atraḫasis-Epos.

Eine sehr alte Darstellung der Sintflutsage findet sich auch in der sumerischen Königsliste, die von der Sintflut in Sumer berichtet.

Die biblische Darstellung (Gen 7,10–24; 8,1–14 ) weist viele Ähnlichkeiten mit dem Atraḫasis-Epos auf. Bibelkritische Wissenschaftler gehen deshalb davon, dass im A.T.  also die ältere sumerische Tradition aufgenommen wurde und im Sinne des monotheistischen Weltbildes gedeutet wurde.

Danach soll die Sintflut ein Kalenderjahr und 10 Tage gedauert haben; laut dem A.T. wurden alles menschliche Leben und sämtliche Landtiere auf der Erde vernichtet – wie es deren Urheber JHWH beabsichtigt hatte. Nur Noah, der auf Anweisung des JHWH hin eine Arche gebaut hatte, sei es mit seiner Familie und vielen Tieren gelungen, diesen Strafakt zu überleben. Die Arche soll schließlich auf dem Gebirge Ararat gelandet sein, von wo aus sich das Leben wieder über die Erde verbreitet habe. Das A.T. berichtet, dass JHWH im Anschluss einen neuen Bund mit Noah und den Menschen schloss, in dem er gelobte, die Menschen nie wieder durch eine Flut zu bestrafen. Das Zeichen dieses Bundes war der Regenbogen. (vgl. Wikipedia)

Was aber war der genaue Grund für diese Vernichtungsaktion?

Das ersten Buch Henoch (PDF), – einer Apokryphe, auf die auch der Judasbrief des N.T. Bezug nimmt und die bis heute zum kanonischen Schrifttum der christlichen äthiopischen Kirche gehört – bietet eine ausführlichere Erläuterung als das A.T. an.
Die Sintflut wird im Henoch-Buch als göttliche Reaktion auf die unentschuldbare Rebellion der sog. Wächterengel unter Führung von Azazel1) gedeutet. Diese gaben sich mit ihrer Nähe zu Gott nicht zufrieden, sondern lehrten die Menschen verschiedene Künste (ähnlich wie Prometheus in der griechischen Mythologie) und vermischten sich schließlich mit diesen sogar sexuell.

Während Azazel mit seinen Mitverschwörern zur Strafe für seinen Hochmut auf die Erde geworfen und gebunden wird bis zum endgültigen Gericht, muss der durch den Samen der abgefallenen Gottessöhne unrettbar verdorbene Teil der Menschheit flächendeckend ausgetilgt werden.

Eine jüngere christliche apokryphe Tradition widerspricht dieser Legende. Sie ist im Orientalischen Adamsbuch und in der in der Syrischen Schatzhöhle niedergeschrieben worden. Demnach lebten die Nachkommen Kains zunehmend sündhaft, und auch die meisten Nachkommen Seths ließen sich darauf ein. Die Sintflut erscheint als Säuberung von dieser Sünde.

Sintflut, Ölgemälde von F.Danby

„Und im siebten Monat, am siebzehnten Tag des Monats, ruhte die Arche auf dem Gebirge Ararat. Und die Wasser nahmen fortwährend ab bis zum zehnten Monat; im zehnten , am Ersten des Monats, wurden die Spitzen der Berge sichtbar.
Und es geschah nach Verlauf von vierzig Tagen, da öffnete Noah das Fenster der Arche, das er gemacht hatte, und ließ den Raben hinaus;  und der flog hin und her, bis die Wasser von der Erde vertrocknet waren. Und er ließ die Taube von sich hinaus, um zu sehen, ob die Wasser sich verlaufen hätten von der Fläche des Erdbodens; aber die Taube fand keinen Ruheort für ihren Fuß und kehrte zu ihm in die Arche zurück; denn die Wasser waren auf der Fläche der ganzen Erde; und er streckte seine Hand aus und nahm sie und brachte sie zu sich in die Arche. Und er wartete noch sieben weitere Tage und ließ die Taube wieder aus der Arche hinaus. Und die Taube kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, ein abgerissenes Olivenblatt war in ihrem Schnabel. Und Noah erkannte, dass die Wasser sich von der Erde verlaufen hatten.“ [Gen 8, 4-11 ELB]

Doku: Die Arche Noah und das Rätsel der Sintflut

Anmerkung

  1. Asasel (hebr., auch Azazel, Asael) ist ursprünglich der Name eines Wüstendämons, dem beim jüdischen Sühnefest, mittels des sprichwörtlichen Sündenbocks, die Sünden des Volkes Israel aufgeladen wurden.
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