Stichwort: Exklusivismus

Wenn ich meinen Blutdruck in Schwung bringen möchte, brauche ich nur kurz über diese Haltung nachzudenken, mit der diverse Religionen sowie weltliche Ideologien die Behauptung aufstellen, allein sie repräsentierten die einzig zutreffende ‚Wahrheit‘ – ohne einen Beweis oder auch nur eine schlüssige Theorie (im wissenschaftlichen Sinne) vorlegen zu können. Warum mich dieses anmaßende Selbstverständnis so aufregt und zornig macht? Nun, es stellt eine wesentliche Ursache für die für religiös motivierte Kriege und Gewalttaten dar – bis in unsere soo aufgeklärte, moderne Gegenwart. Sobald sich zum Exklusivismus ein Absolutheitsanspruch gesellt, der nicht nur theologisch artikuliert wird, sondern auch in Politik und Gesellschaft hineingetragen wird, sind kaum lösbare Konflikte unausweichlich.


Exklusivismus dient also der theologischen Abgrenzung von anderen Religionen – auf Grundlage der subjektiven Vorstellung, die eigene Religion sei „die einzig wahre, richtige oder heilbringende“ und andere Glaubensrichtungen hätten keinen Anteil an heilsentscheidenden Wahrheiten.

Christentum

Exemplarisch für diese Überzeugung ist die in der RKK lange vertretene Lehre Extra ecclesiam nulla salus (Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil). Relativiert wurde diese Position in der röm.-kath. Kirche erst durch die vom Zweiten Vatikanischen Konzil herausgegebene Erklärung Nostra Aetate, die eine inklusivistische Position im Verhältnis zu anderen Religionen widerspiegelt. Darin wird betont, nichts werde von dem abgelehnt, „was in diesen Religionen wahr und heilig ist“. Dennoch liegt nach Ansicht des Konzils die „Fülle des Heils einzig im Glauben an Jesus Christus“, der alle Menschen erlöst habe:

„[Die katholische Kirche betrachtet] mit aufrichtigem Ernst jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber verkündet sie und muß sie verkünden Christus, der ist ‚der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Jo 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat.“

Dieser Inklusivismus wird von von Außenstehenden mit Skepsis gesehen, insofern damit eine heilsgeschichtliche Vereinnahmung geschieht und weiterhin an dem Anspruch auf universale Gültigkeit festgehalten wird. Dieser Anspruch erschwert jeden interreligiösen Dialog, zumal er ja nicht einseitig, sondern ebenfalls von anderen Religionen vertreten wird.

Islam

Im Islam sind exklusivistische Auffassungen vor allem im Rahmen der charidschitischen und wahhabitischen Lehre von der Loyalität und der Lossagung entwickelt worden. Die Wahhabiten spalteten sich schon Anfang des 19. Jahrhunderts in ein exklusivistisches und ein inklusivistisches Lager. Während die Exklusivisten alle Nichtmuslime und auch diejenigen Muslime, die nicht ihrer Lehre folgten, als Ungläubige ansahen und zum Dschihad gegen sie aufriefen, meinten die Inklusivisten, dass die anderen Muslime nur in Sünde leben würden, so dass es nicht notwendig wäre, gegen sie zu kämpfen.

Eine gegenläufige Position zum E. ist also ein Theologischer Pluralismus.

Bisweilen wird der Eindruck erweckt, exklusivistische Positionen seien ausschließlich im Islam und im Christentum anzutreffen. Richtig ist vielmehr, dass Radikalisierung und Politisierung bei Vertretern nahezu aller Glaubensrichtungen  zu finden sind. Nicht zuletzt auch unter jenen Atheisten, die jegliche Religionsausübung am liebsten unter Strafe stellen oder ganz aus dem öffentlichen Raum verbannen würden.

Quellenangabe:

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