Experimenteller Nachweis, ob die Bibel wahr ist?

Den Professor Gitt mag ich. Er ist einer der Menschen, denen ich wirklich gerne zuhöre. Trotzdem sind wir nur ganz selten ein und derselben Meinung…was meiner Wertschätzung für ihn keinen Abbruch tut.

Doch wünsche ich mir von einem Wissenschaftler, dass er unabhängig von seiner theologischen Ausrichtung auf ‚Tricksereien‘ verzichtet…besonders wenn er vorgibt, streng naturwissenschaftlich zu argumentieren. Es geht um die Fragestellung: (Wie) kann man prüfen, ob die Bibel wahr ist?

Aufgreifen möchte ich einen Auszug aus seinem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“ (pdf). Der kurze Auszug ist auch hier zu finden.

Gitt erklärt: Ob ein mathematisch formulierter physikalischer Ablauf oder eine beschriebene chemische Reaktion unter definierten Bedingungen stattfindet oder nicht, könne allein im prüfbaren Experiment entschieden werden. Tatsächlich nenne (ausschließlich) die Bibel konkrete Methoden, um ihre Wahrheitsgehalt durch ein Experiment zu verifizieren.

„Wer nicht nur philosophierend fragt, sondern zu einer echten Überzeugung kommen will, ist zu einem Experiment eingeladen, für das sich Gott selbst verbürgt.“

So weckt man hohe Erwartungen, das gebe ich zu. Gitt zitiert Josua 1,8 als eine dieser Anleitungen:

„Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten.“

Schon jetzt wird klar: wer allen Ernstes einen einen überschaubaren Versuchsaufbau erwartet hat, dürfte enttäuscht werden. In seiner wissenschaftsnahen Terminologie benennt der Professor nun die drei Teilschritte des ‚Experiments‘:

Dieses besteht danach aus :

  1. Experimentbeschreibung kennen lernen, d.h. „sich durch intensives Lesen mit dem Inhalt der Bibel vertraut machen“.
  2. Ausführung, d.h. alle erkannten Anweisungen in die Tat umsetzen. (auch die des A.T.? Das könnte, ähm, einiges an Konfliktpotenzial implizieren…)
  3. Prüfung der experimentell erzielten Daten: Alle Menschen wünschen sich ein gelungenes Leben in allen Bereichen. Ein absolutes Erfolgsrezept verspreche allein die Bibel – unter den obigen Bedingungen.

„Wer dieses Experiment durchführt, kommt immer zu einer positiven Bilanz. Es gibt weder Verlust noch Risiko, also keinen verlorenen Einsatz […]. Wer es mit der Bibel wagt, hat es mit Gott zu tun, und wird dadurch einen großen Gewinn haben.“

Ohne dieser Vorwegnahme widersprechen zu wollen (was einen Beweis erfordern würde, den ich offensichtlich nicht erbringen kann), kann ein Experiment ‚wissenschaftlich‘ oder auch nur objektiv sein (und diesen Eindruck will Gitt ja erwecken),

  • sofern der erwartete Werbereich erzielbarer Daten (=’ein gelungenes Leben‘) kaum allgemein definiert werden können
  • unklar ist, ob eine statistische Auswertung der erzielten Daten zulässig ist: ab wann sind diese Daten signifikant oder anders gefragt: nach wie vielen Misserfolgen dürfte der Großversuch als gescheitert angesehen werden?
  • wenn das Ergebnis (=experimentell erzielten Daten) erst nach dem Ableben des Experimentators abschließend ausgewertet werden können?
  • wenn diese Daten wieder objektivierbar noch unter genau den gleichen Bedingungen wiederholbar sind: Das Experiment endet mit dem Tod des Experimentierenden; erst dann ist eine abschließende Datenauswertung zulässig. Und eine Wiederholbarkeit, wie in der Wissenschaft nun mal üblich, erweist sich gemeinhin als schwierig.

Nur gegen ‚Vorkasse’…

Hier ließe sich noch weit mehr an Argumenten zusammenstellen; es ist aber fraglich, ob sich dies lohnt. Religiöser Glaube und empirische Wissenschaft lassen sich zumindest in der Wahl ihrer Methoden nicht zusammenführen – es kann keinen Gottes- oder ‚Bibelbeweis‘ in der von Gitt vorgetragenen Weise geben.

Abgesehen davon widerstrebt mir der Terminus ‚Experiment‘, denn er impliziert Ergebnisoffenheit. Wer mit Ernst und Konsequenz viele Jahre seines Lebens in den Dienst eines Glaubens stellt, erhofft sich mehr – nämlich dass die in Bibel, Koran usw. gemachten Zusagen auch wie ‚versprochen‘ eintreten. Aber kaum einer verfolgt die Haltung: ‚bin  gespannt und warte einfach mal ab, ob mein Leben sich als gelungen herausstellt.

Glaube hat immer auch mit Mut und Vertrauen zu tun: Zuerst muss man sich auf ein unübersichtliches Terrain wagen; eine Bestätigung ob dieser Schritt richtig war, wird allenfalls mit erheblichem Verzug eintreffen. Genau das macht es vielen Menschen so schwer, sich auf ein spirituelles Konzept einzulassen

Dieser Beitrag wurde unter Bibel, Christentum, Glaube, Religionen, Spirituelles abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.