Warum gibt es so viel Leid und Tod in der Welt – Werner Gitt

Wie schon an anderer Stelle erwähnt: Auf die Vorträge von Prof. Werner Gitt verweise ich nicht des öfteren, weil ich seinen Aussagen und Schlußfolgerungen vorwiegend zustimme…eher das Gegenteil trifft zu.
Und doch respektiere ich seine Person und seinen Vortragstil, denn Gitt widmet sich auf recht faire Weise vielen Fragestellungen, welche die meisten von uns zutiefst bewegen. Zu diesen Fragen liefert er wertvolle Denkanstöße.

Um zu verstehen, wo Tod und Leid herkommen, müsse man in Erfahrung bringen, wie das Leben und diese Menschheit entstanden sind – durch zufallsbedingte Evolution oder einen willentlichen Schöpfungsakt?

Dass er alle Anhänger der Evolutionstheorie als „gottlose Menschen“ bezeichnet, ist ein Unding…diese Sichtweise zeigt zugleich, wie abgrundtief der Informationswissenschaftler Gitt auch den Gedanken einer theistischen Evolution1) (von einem Schöpfer initiierten und gesteuerten Entstehung von Allem-was-ist) ablehnt. Eigentlich schade, denn dadurch verurteilt er den Menschen dazu, entweder die ‚gottlose Sicht der Evolotionisten‘ oder die absolut bibeltreue Sichtweise einzunehmen. Hier liegt für mein Empfinden der größte Knackpunkt von Gitts Gedankengang – denn zahlreiche bekannte Naturwissenschaftler und Theologen sind sich in der Auffassung einig, dass die Evolutionstheorie und der Glaube an einen Schöpfergott vollkommen widerspruchsfrei miteinander vereinbar sind. Eben diese zweiwertige Entweder-Oder-Paradigmen führen m.E. in eine Sackgasse.

Hierbei macht es kaum einen Unterschied, ob Wissenschaftler alles Unerklärliche ignorieren oder religiöse Fundamentalisten sämtliche Forschungsresultate für nichtig erklären, sofern diese im Widerspruch zur Bibel oder zum Koran stehen. Schließlich sind weder die Schöpfungsaussagen der Religionen noch die Evolutionslehre in Laborversuchen rekonstruierbar – beide können nach heutigen wissenschaftlichen Kriterien nicht bewiesen werden.
Weder ausschließlicher Zufall noch das mehrfach redigierte Gotteshandeln des A.T. sind als erste Ursache von Allem letztlich plausibel.

Weil nach seiner Auffassung die gesamte Schöpfung durch Gott initiiert wurde, kann sie anfänglich nur gut gewesen sein:

„Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“
(Gen 1, 31 EU)

Dieser Tatbestand müsste zur Folge haben, dass Leid und Tod erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Welt kamen. Der einzig Schuldige dafür: der Mensch, genauer gesagt, das erste Menschenpaar. Laut biblischem Bericht handelten sie gegen Gottes ausdrückliches Verbot (nicht die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu probieren) und setzten mit dieser ‚Erbsünde‘ eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang, die bis heute noch anhält.

Anmerkung

  1. Die These(n) einer theistischen Evolution (T.E.) stimmen nicht überein mit dem von Vertretern des Kreationismus befürworteten Intelligent Design. Wesentlicher Unterschied: Intelligent Design steht in einem klaren Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Dagegen versucht die T.E. gewissermaßen, die Rolle eines Schöpfers mit den Erkenntnissen der Evolutionslehre zu integrieren. Kritiker werfen ihr deshalb vor, Gott ‚klein zu reden‘ und zum „Lückenbüßer unverstandener Phänomene“ zu machen.
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