Warum gibt es so viel Leid und Tod in der Welt – Werner Gitt

Wie zuvor erwähnt, auf Vorträge von Prof. Werner Gitt verweise ich nicht, weil ich seinen Aussagen und Schlussfolgerungen vorwiegend zustimme… eher das Gegenteil trifft zu.
Gleichwohl respektiere ich seine Person und seinen Vortragstil, denn Gitt widmet sich auf recht faire Weise vielen Fragestellungen, welche viele von uns zutiefst bewegen. Zu diesen Fragen liefert er wertvolle Denkanstöße.

Um zu verstehen, wo Tod und Leid herkommen, müsse man in Erfahrung bringen, wie das Leben und diese Menschheit entstanden sind – durch zufallsbedingte Evolution oder einen willentlichen Schöpfungsakt?

Dass er alle Anhänger der Evolutionstheorie als „gottlose Menschen“ bezeichnet, ist ein Unding – zumal heute ein großer Teil der Christenheit


→ Vgl. Die Religionen und die Evolutionstheorie (Welt, 2009)

Die katholische Kirche kann heute gut mit der Evolutionstheorie leben: „Biblische Schöpfungsaussagen sind ihrer literarischen Form nach keine protokollartigen Berichte über den Entstehungsvorgang der Welt, sondern ursächliche Sinndeutungen“, so ein Sprecher der Dt. Bischofskonferenz. Es  Zu erklären, wie die Welt entstanden sei, falle in die Kompetenz von Naturwissenschaftlern.

Die Evangelische Kirche in Deutschland sieht es ähnlich. Sie betrachtet den Kreationismus, der von der „wörtlichen Inspiriertheit“ der Bibel ausgehe, einen Irrweg.


Es ist immer problematisch, wenn ein Vertreter einer Glaubensrichtung allen anderen Konfessionen und Religionen den Stempel der Gottlosigkeit aufzudrücken versucht bzw. despektierlich über ‚Ungläubige‘ spricht.

.. diese Sichtweise zeigt zugleich, wie abgrundtief der Informationswissenschaftler Gitt auch den Gedanken einer theistischen Evolution1) (von einem Schöpfer initiierten und gesteuerten Entstehung von Allem-was-ist) ablehnt. Eigentlich schade, konstruiert er ein striktes Entweder-Oder zwischen jener ‚gottlosen Sicht der Evolotionisten‘ und absolut bibeltreuen Sichtweise (vgl. → Junge-Erde-Kreationismus).
Hier liegt für mein Empfinden der größte Knackpunkt von Gitts Gedankengang – denn zahlreiche bekannte Naturwissenschaftler und Theologen sind sich in der Auffassung einig, dass die Evolutionstheorie und der Glaube an einen Schöpfergott vollkommen widerspruchsfrei miteinander vereinbar sind. Eben diese zweiwertigen Eins-oder-Null-Paradigmen führen m.E. in eine Sackgasse.

Hierbei macht es kaum einen Unterschied, ob Wissenschaftler alles Unerklärliche ignorieren oder religiöse Fundamentalisten sämtliche Forschungsresultate für nichtig erklären, sofern diese im Widerspruch zur Bibel oder zum Koran stehen. Schließlich sind weder die Schöpfungsaussagen der Religionen noch die Evolutionslehre in Laborversuchen rekonstruierbar – beide können nach heutigen wissenschaftlichen Kriterien nicht bewiesen werden.
Auch die chemische Evolution – also die Entstehung rekombinationsfähiger Makromoleküle (RNS/DNS) aus einer wässrigen Ursuppe – kann bis heute weder schlüssig rekonstruiert noch bewiesen werden A).
Weder ausschließlicher Zufall noch das mehrfach redigierte Gotteshandeln des A.T. sind als erste Ursache von Allem nach heutigem Wissensstand plausibel.-

Weil die gesamte Schöpfung durch Gott initiiert wurde, könne sie anfänglich nur gut gewesen sein, erklärt Prof. Gitt. Dieser Tatbestand müsste zur Folge haben, dass Leid und Tod erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Welt kamen.

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“
(Gen 1, 31 EU)

Der einzig denkbare Schuldige dafür: der Mensch, genauer gesagt, das erste Menschenpaar. Laut biblischem Bericht handelten sie gegen Gottes ausdrückliches Verbot (nicht die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu probieren) und setzten mit dieser ‚Erbsünde‘ eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang, die bis heute noch anhält.
Hier scheiden sich wiederum die Geister: Soweit sich die evolutionäre Entstehung von Raubtier-Arten heute anhand von Fossilien rekonstruieren lässt, betätigten sich vielfältige Karnivoren schon sehr lange auf der Erde, bevor der Mensch hinzu kam. Folglich ist es vernünftig anzunehmen, dass der Tod sowie jener endlose Zyklus aus Fressen und Gefressenwerden ebenfalls stattfand, bevor der Mensch ein (oftmals zugegebenermaßen unheilvolles) Wirken entfaltete.-

Warum existiert Leid und Tod, wenn es doch einen gütigen, allwissenden und allmächtigen Gott gibt?, Prof. Werner Gitt

Anmerkung

  1. Die These(n) einer theistischen Evolution (T.E.) stimmen nicht überein mit dem von Vertretern des Kreationismus befürworteten Intelligent Design. Wesentlicher Unterschied: Intelligent Design steht in direktem Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Dagegen versucht die T.E. gewissermaßen, die Rolle eines Schöpfers mit den Erkenntnissen der Evolutionslehre zu integrieren. Kritiker werfen ihr deshalb vor, Gott ‚klein zu reden‘ und zum „Lückenbüßer unverstandener Phänomene“ zu machen.

Siehe auch:

  • A) Der Polymerchemiker Prof. Bruno Volmert erläutert die Schwierigkeiten eines solchen Kettenwachstums in der ‚Ursuppe‘, wo die geschützte Umgebing einer Zelle noch nicht zur Verfügung stand: „Die Entstehung der Lebewesen in naturwissenschaftlicher Sicht: Darwins Lehre im Lichte der makromolekularen Chemie“ (1995, pdf)

 

Dieser Beitrag wurde unter Bibel, Christentum, Glaube, Leben, Religionen, Schöpfung, Spirituelles, Tod und Jenseits, Wissenschaftlichkeit abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar