Die Natur des Bösen

„Warum tut er das? Warum erschafft er (Gott) einen Garten, in welchem der Mensch von vornerherein versagen wird…der Sünde sich preisgibt…?“

Der vorherige Beitrag „Den Teufel nicht an die Wand malen…“ lässt die tieferen Fragen – insbesondere zur Rolle und Verantwortung Gottes in Bezug auf die Existenz des Bösen – gezwungenermaßen offen. Denn in der christlich-katholischen Lehrtradition wird alles Leid kausal auf die Person Satans projiziert, der ‚von selbst böse geworden sei‘. Damit ist Gott raus aus der Nummer – zumindest was die Ursache des Bösen betrifft.
Freilich bleibt auch dann ein Geheimnis bestehen: warum lässt Gott es zu, dass Satan und seine Helfer den Menschen zur Sünde verführen und ihm beinahe unendliches Leid zufügen?

Nachfolgende Dokumentation klammert dieses einseitige Erklärungsmuster aus und versucht, u.a. anhand des psychischen Profils von Schwerstverbrechern die Natur des Bösen zu erschließen:

…die Dokumentation „Die Natur des Bösen“ begleitet auf der Suche nach einer Antwort verschiedene Menschen, die sich wie der Profiler Axel Petermann oder der Psychotherapeut Arno Gruen bei ihrer Arbeit täglich mit dem Bösen auseinandersetzen.“

  • An der Münchner Hochschule für Philosophie fand 2006 ein Seminar mit dem Titel „Das Böse als Problem“ statt, dessen Kerninhalte in einem Referat von von Oliver Nieto und Stefan Geiger zusammengefasst sind, basierend auf Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft von Immanuel Kant.

Das radikal(e) Böse“ ist ein Gegenstand der Geschichts- und Moralphilosophie. Immanuel Kant sprach über das „radicale“ Böse als eine anthropologische Konstante, eine Anlage zur Neigung, dem Sittengesetz zuwider zu handeln. Hannah Arendt verwandte den Ausdruck „das radikal Böse“ mit Bezug auf Kant in ihrem Frühwerk hinsichtlich ihrer Suche nach Erklärungen für den Holocaust als Chiffre für ein Denk- und Handlungsmuster, welches dem industriellen Massenmord zu Grunde liegt.
Beide Positionen gebrauchen „radikal“ (von lat. radix, Wurzel) also in verschiedener Weise: Kant geht es darum, die „Wurzel“ des Bösen zu bestimmen, während Arendt damit ein Extrem, eine Maximalform des Bösen ohne jede Beschränkung meint.
Zur Vertiefung mag sich das Werk von Kant eignen, auf das in diesem Kontext häufig Bezug genommen wird: → „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. Die Metaphysik der Sitten.

Siehe auch

  • Kommentar zur Dokumentation ‚Die Natur des Bösen‘ auf katholisch.de
  • Vortrag (mp3) von Prof. Dr. Franz M. Wuketits: „Die Natur des Bösen und die Illusionen der Moral“ im Forum Grenzfragen
    „Der Blick in die Evolution des Menschen zeigt uns Grenzen der Moralfähigkeit auf. Gibt es Hoffnung auf ein universales Wertesystem?“
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