„Sklavenrasse“ und Aliens – wie plausibel sind die Thesen von Zecharia Sitchin?

 Außerirdische Schöpfer der menschlichen Zivilisation?

Nach wie vor fasziniert mich das Thema ‘Präastronautik’, obgleich ich einen kritisch-distanzierten Standpunkt dazu einnehme. Um die Entstehung diesbezüglicher Überzeugungen und Thesen zu verstehen, kommt man an dem Buchautor und Altorientalisten(?) Zecharia Sitchin kaum vorbei. Dessen als „Theorie“ vorgetragene Schlussfolgerungen wurden im Zuge der 2012-Hysterie heftig kritisiert – wohingegen viele Befürworter der Präastronautik diese nicht nur als Grundlage für eigene Publikationen verwenden, sondern oftmals auch ungeprüft übernehmen (man könnte auch sagen ‘einfach abschreiben’:)

Zecharia Sitchin (11.7.1920 – 9.10.2010), nachfolgend mit ZS abgekürzt, war ein bekannter Vertreter der Prä-Astronautik. Die selbst vorgenommene Übersetzung sumerischer Keilschrift-Texte veranlasste ihn zu der These, dass Außerirdische die Erde kolonisiert und den Menschen als Arbeitssklaven erschaffen hätten. Zecharia Sitchin veröffentlichte 13 Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt wurden.

 

Dr. Klaus Richter von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) gesteht in seinem im Jahr 2003 fertiggestellten Aufsatz “Fehler und Fehlinterpretationen Zecharia Sitchins“ zu, dass “die Darlegungen Sitchins über Besuche Außerirdischer… in pseudoarchäologischen Kreisen außerordentlich populär sind…”

Ungeachtet dessen gelange man bei intensivem Studium seiner Thesen zu “niederschmetternden Ergebnissen über den realen Hintergrund”. Darum soll es im folgenden gehen.

Das von Sitchin 1976 verfasste Buch “Der 12. Planet” ist durchaus interessant geschrieben – für einen Laien mit ausgeprägtem Interesse für historische Mythen. Die anstrengende Ausführlichkeit seiner Herleitungen erschwert es bisweilen, seiner Argumentationskette zu folgen und dabei den Überblick zu behalten. Auffallend oft spricht ZS von „Beweisen“, wo aus meiner Sicht lediglich Annahmen getroffen und zu einer mäßig konsistenten Chronologie gebündelt werden.

Kernaussage: frühe menschliche Zivilisationen wurden mehrfach von Außerirdischen besucht, die sie u.a. in politischen Fragen, im Bau- und Ingenieurswesen, der Landwirtschaft usw. unterwiesen – und angesichts ihrer technischen und geistigen Überlegenheit als Gottheiten verehrt wurden bzw. sich selbst als solche inszenierten.
Auf diese Hauptthese lasse ich mich zum Teil ein, denn in der ‘seriösen’ Geschichtsliteratur finde ich (Stand 2013) vorwiegend Spekulationen und Konjunktive bei dem Versuch, die neolithische Revolution (= die rasend schnelle Entstehung der ersten Kulturen, nachdem sämtliche vorhergehenden Entwicklungsschritte viel, viel mehr Zeit beanspruchten) zu erklären.

Nach knapp 100 Seiten steige ich aus: mein Verstand weigert sich, goldschürfende und menschenzüchtende Alien-Gottheiten zu akzeptieren. Hindern Schulbildung und Erziehung mich daran, wirklich unvoreingenommen zu sein?
Oder ist es eher vorstellbar, dass Persönlichkeiten wie Sitchin oder Däniken von ‘ihren außerirdischen Gottheiten’ absolut überzeugt sind und deshalb nicht mehr zwischen objektivem Befund und subjektiver Interpretation differenzieren? Schlimmer noch: “was nicht passt, wird passend gemacht”. Häufige Manipulationsversuche im Umfeld der sog. Grenzwissenschaften erzeugen ein Zwielicht mangelnder Glaubwürdigkeit, in welchem diese meist gesehen werden.

Klaus Richter geht noch weiter: er glaubt belegen zu können, dass Sitchin

„… Tatsachen verdreht, sie manipuliert oder erfindet, um seine Theorie von einem außerirdischen Einfluß auf die Entstehung des Menschen zu untermauern“ und
„(…) Rätsel erfindet, wo keine sind, und sie anschließend in seinem Sinne löst.“

Ancient Aliens? Sitchin vs. Mary Shelley

Die wissenschaftliche Qualifikation von Zecharia Sitchin als „anerkannter Altertumsforscher“, (er besitzt keinen akademischen Grad in Orientalistik oder einem angrenzenden Fachgebiet), hat für mich weniger Relevanz als die überprüfbare Konsistenz seiner Thesen: Ist seine Argumentation in sich plausibel bzw. inwieweit widerspricht sie gesichertem Wissen?

Seit 1976 behauptet ZS, er habe Beweise gefunden, dass die Erde in vor-geschichtlicher Zeit durch Außerirdische besucht worden sei.

“Diese Außerirdischen, die von einem 12. Planeten stammten, sollen die Erde kolonisiert und den Menschen als Arbeitssklaven erschaffen haben, der im Auftrag der Außerirdischen vor allem quälende Bergwerksarbeiten verrichten mußte.” (Richter)

Ausgangs- und Schwerpunkt außerirdischen Aktivitäten soll Mesopotamien (‘Zweistromland’) gewesen sein, belegbar durch eine Vielzahl religiöser Texte und Mythen. Zur Entstehungszeit unseres Sonnensystems sei ein Planet („Nibiru“, der Vorzeigeplanet vieler Weltuntergangsbefürworter) eingedrungen und mit einem zwischen Mars und Jupiter ansässigen Planeten („Tiamat“) kollidiert. Aus dieser Kollision sollen der Asteroidengürtel sowie unsere Erde hervorgegangen sein, die in einen neuen Orbit geschleudert wurde und sich dabei den Mond einfing. Jener Nibiru sei nun der 12. Planet unseres Sonnensystems geworden – mit einer stark elliptische Sonnenumlaufbahn von 3.600 Jahren. Dessen Bewohner sollen vor ca. 450.000 Jahren die Erde erstmals aufgesucht haben.

Gold hätten sie gebraucht, um die Atmosphäre ihres Heimatplaneten vor weiteren Schäden zu schützen; hierfür seien große Mengen des anscheinend intergalaktisch begehrten Edelmetall auf der Erde abgebaut und nach Nibiru verfrachtet worden. Gewaltige Raumhäfen seien auf der Erde errichtet worden – in “Nippur“ und im heutigen Baalbek.

Der Jupitertempel mit Podium, das die drei größten je verbauten Steine der Welt enthält

Baalbek: Der Jupitertempel mit Podium,
das die drei größten je verbauten Steine der Welt enthält

Die Pyramiden auf dem Gizeh-Plateau seien als Flugleitsystem für außerirdischen Piloten errichtet worden. Die genetische Weiterzüchtung ziellos vagabundierender Primaten zum homo sapiens sapiens habe vor etwa 300.000 Jahren der Schaffung geeigneter Arbeitskräfte gedient, die nun anstelle der Mannschaftsgötter (‘Anunnaki’) in den Goldbergwerken die dreckige Minenarbeit erledigen sollten. Als genügsamer Arbeitssklave gedacht, habe sich der Mensch ungeplant mit den Annunaki vermischt und vermehrt.

Als Beleg für diese Anreicherung des menschlichen Genpools muss u.a. die Genesis, das erste Buch des Alten Testaments herhalten:

„Und es geschah, als die Menschen begannen, sich auf der Fläche des Erdbodens zu mehren und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Söhne Gottes, dass die Töchter der Menschen schön waren, und sie nahmen sich die zu Frauen, die sie irgend erwählten.
Und der Herr sprach: Mein Geist soll nicht ewig mit dem Menschen rechten, da er ja Fleisch ist; und seine Tage seien 120 Jahre. In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde, und auch nachher, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und diese ihnen gebaren. Das sind die Helden, die vor alters waren, die Männer von Ruhm gewesen sind. “ [1 Mose 6,1-4]

Vor 13.000 Jahren habe eine große Flut, ausgelöst durch den Vorbeizug Nibirus, zahllose Menschen getötet. In späteren Jahrtausenden folgten weitere Zivilisationsgründungen durch die ‚vom Himmel herabgestiegenen Götter‘, zudem hätten (Atom-)Kriege2) und Erbfolgestreitigkeiten zwischen den verschiedenen außerirdischen Fraktionen hätten stattgefunden.-

Mit solchen Thesen brachte Sitchin nicht nur Wissenschaftler gegen sich auf, sondern insbesondere auch Personen des kirchlich-theologischen Umfeldes– schließlich deutet er auch Elemente des Alten Testaments und Identität sowie Rolle des Gottes JHWH weitreichend um.

Der Buchautor und seine Nachahmer entwerfen ein ‘alternatives’ Entstehungsszenario menschlicher Zivilisation, welches diametral von dem abweicht, was einerseits Wissenschaften, andererseits religiöse Überlieferung (bzw. deren herkömmliche Übersetzungen) bislang vermittelt haben. Richter betont:

…eine solche Theorie kann nur Bestand haben, wenn die von ihr gebrauchten Argumente stichhaltig genug sind, um eine ernsthafte Alternative zu anderen, etablierten Theorien zu bilden.

Darin kann ich nur zustimmen: ein paar Indizien und deren Interpretation ist eben noch kein Beweis für ein alternatives Weltbild. Misstrauisch macht auch, das Sitchin in fachlicher Hinsicht ziemlich alleine dasteht: seine Gefolgschaft betreibt das, was Wissenschaftler gerne mit dem abfälligen Terminus ‘Populärwissenschaft’ versehen.

Und was hat Mary Shelley damit zu tun?

Tja nun, im Jahre 1818 wurde der Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ anonym veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte des jungen Schweizers Viktor Frankenstein, der einen künstlichen Menschen erschafft. Der Unterschied zu Sitchin und dem Heer seiner Kopisten liegt auf der Hand: Die Frankenstein-Geschichte und ihre Verfilmungen erfreuen sich trotz unzweifelhafter Einordnung als Fiktion großer Beliebtheit, während das Sichtchin-Lager seit mehr als 30 Jahren „Beweise“ verspricht, aber nichts von substanzieller Beweiskraft vorlegt.

Sitchins Thesen en detail betrachtet

Kosmologie/Astronomie

Um 12. Planeten in unserem Sonnensystem auszumachen (bis heute sind zehn Planeten bekannt, bzw. neun, weil der arme Pluto ja 2006 zum Zwergplaneten degradiert wurde), müssten die Sumerer überaus detaillierte Kenntnisse besessen haben.

Die moderne Astronomie will ZS auf die Existenz des 12. Planeten aufmerksam gemacht haben, deshalb verlangt er in seiner Bescheidenheit, jener 12. Planeten solle mit einem von ihm ausgewählten Namen belegt werden…wenn/falls er denn eines Tages gefunden wird. . In der Tat vermuten manche Astronomen einen “Planeten X” im Sonnensystem, aber nicht infolge der Untersuchungen Sitchins, sondern wegen Bahnstörungen Neptuns und der exzentrischen Umlaufbahn Plutos – ein bis heute sehr umstrittenes Thema in der Astronomie.

Offenbar umkreist ein bislang unbekannter Begleiter der Sonne in einer Entfernung von maximal 32.000 Astronomischen Einheiten.

Unabhängig davon ist die von ZS eingeführte ‘sumerische Zählweise’ der Planeten im Sonnensystem alles andere als einleuchtend: Wenn der Erdmond als Planet mitgezählt werden soll, dann dürften weitere Monden anderer Planeten (d.h.natürliche Objekte, die sich in einer Umlaufbahn um einen Planeten befinden) nicht außen vor bleiben. Auch die Größe (z.B. der Jupitermonde Ganymed und Callisto) taugt hier nicht zur Unterscheidung.

Richter erläutert die Fehler in dieser Zählweise sehr ausführlich und kommt zu dem Fazit:

Logik fehlt hier, eher ist Manipulation am Platz.

Der 12. Planet – bewohnt von einer außerirdischen Intelligenz?

Seine mutmaßliche Sonnenumlaufdauer von 3.600 Jahre würde diesen Planeten in die äußersten Bereiche des Sonnensystems führen, wo bereits interstellare Kälte herrscht und die Sonne einer von vielen Sternen am Himmel ist.

“Und doch soll auf dem Planeten nach Überzeugung Sitchins eine technologische Hochkultur entstanden sein, die sich schneller als die Menschheit auf der viel günstiger gelegenen Erde entwickelt hat.”

Zumindest mit heutigem Wissensstand kann dieser Annahme klar widersprochen werden: Diese Annahme kann getrost ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Leben, insbesondere intelligentes oder gar humanoides Leben ist nur auf Planeten denkbar, die sich dauerhaft in der habitablen Zone befinden. Stabile Atmosphäre, dauerhaft ‘angenehme’ Temperatur sowie die Existenz von flüssigem Wasser stellen Grundvoraussetzungen für die Entstehung einer Zivilisation dar, wie ZS sie für seine Götter beschreibt. Es mag andere Lebensformen geben, die nicht auf solche Umweltbedingungen angewiesen sind – doch solche Wesen wären in Anatomie und Lebensweise grundverschieden von irdischen Lebensformen, folglich würden sie die Erde nicht aufsuchen, geschweige den Menschen ähnlich sein und mit ihnen kommunizieren.

Sitchins 12. Planet wäre nach heutigem Wissen absolut lebensfeindlich, weil er sich die meiste Zeit außerhalb der habitablen Zone befände. Die kurzen Zeiträume der Erwärmung bei Annäherung an die Sonne reichen definitiv nicht aus, um hochentwickeltes Leben zu ermöglichen. Sitchins Gegenargument – Nibiru könne eigene Wärme erzeugen und mit Hilfe seiner Atmosphäre bewahren – lässt Richter nicht gelten:

“Dazu ist immer auch die Energie erforderlich, die von der Sonne abgestrahlt wird. Erst recht kann dies nicht bei einem Planeten der Fall sein, der sich die meiste Zeit in tiefster Dunkelheit und Kälte befindet. Seine Atmosphäre würde gefrieren und den Planeten mit einem Eispanzer bedecken, bis er wieder nahe genug an der Sonne wäre. Wie kann sich hier Leben entwickeln? Wie können hier Pflanzen wachsen und Photosynthese betreiben?”

Gerade im Hinblick auf die astronomischen Fragen kommt es mir so vor, als habe Sitchin sich in deinem Modell geradezu verbissen und tue alle berechtigten Widersprüche pauschal mit ‘Irgendwie wird es schon gehen…schließlich waren die Außerirdischen ja auf der Erde…’ – ein klassischer Zirkelschluss.

Lassen wir Nibiru mal beiseite – wäre es nicht denkbar, dass ZS sich zwar in diesem Punkt irrte, d.h. dass ‘seine’ außerirdischen Götter von außerhalb des Sonnensystems zu uns gereist sind?

Eine so weite interstellare Reise kostet jede Menge Ressourcen (und Personal) – sie setzt eine ausreichend große Motivation voraus, ausgerechnet die Erde aufzusuchen. Reicht Gold als Erklärung für eine derart große Motivation aus? Sollten nicht anderswo im Weltall größere Goldreserven abgebaut werden können als hier auf unserem vergleichsweise kleinen Planeten?

In jedem Falle aber müssten wir heute die Spuren der damals angelegten Bergwerken finden, falls hier wirklich in so großem Stil Gold abgebaut wurde.

Die Gizeh-Pyramiden als Navigationshilfe lassen sich in wenigen Worten als nicht plausibel abhaken: : wozu braucht eine technologisch versierte außerirdische Zivilisation überaus kostspielige Pyramiden, um ordentlich landen zu können? Schon heute erfüllt unsere satellitengestützte GPS-Navigation u.a. Aufgaben wie die Navigation und die Landung von Flugzeugen. Man darf mit Gewissheit unterstellen: sämtliche zu interstellarer Raumfahrt befähigte Aliens werden keine Pyramiden zur Navigation benötigen…

Manipulation des menschlichen Erbgutes

Bezüglich der „Erschaffung des (modernen) Menschen“ zeigt sich sowohl bei Sitchins Befürwortern als auch bei seinen Kritikern, wie sehr deren jeweilige Sichtweise an persönliche Überzeugungen gebunden ist. Eine sachliche Auseinandersetzung würde erfordern, solche persönlichen Überzeugungen samt übernommenen Traditionen außen vor zu lassen und sich auf Evidenzen oder zumindest schlüssige Indizienketten zu beschränken.

Bis heute ist weder die Evolutionslehre letztgültig bewiesen noch kann die Entstehung des Lebens (chemische Evolution) befriedigend erklärt werden.  Zu diesen Fragen wie auch zum Werdegang des modernen Menschen bestehen jeweils wissenschaftlich fundierte Theorien, das ist wahr. Aber um die Makroevolution (evolutionsmäßige Entstehung neuer Arten) zu belegen, müssten sog. missing links gefunden werden, d.h. Übergangsformen, z.B. vom Reptil zum Vogel1).

Auf diesen überaus wichtigen Aspekt geht Dr. Richter  nur kurz ein – er zitiert das – bekanntlich lückenhafte – wissenschaftliche Jeweilsbild unserer Zeit:

  • Homo Sapiens sei „vermutlich“ vor etwa 110.000 Jahren im südlichen Afrika aus dem Homo Erectus hervorgegangen und habe sich über mehrere zehntausend Jahren nach Nordafrika, Europa, Asien, Ozeanien und Amerika bewegt.
  • „Bislang gibt es von Seiten der Paläoanthropologie keine ernstzunehmenden Hinweise auf außerirdische Eingriffe in die menschliche Evolution. Übrigens: Die ersten Vertreter des Homo Sapiens waren keine Arbeitssklaven, sondern Jäger und Sammler…“

Mit diesen kurzen Statements lässt sich die Frage nach einer genetischen Manipulation des frühmenschlichen Erbgutes kaum überzeugend widerlegen. Nichteinmal liegt in den Aussagen Richters ein Widerspruch zu einer Intervention ‚von oben‘, d.h. durch intelligente Lebewesen, deren genetisches Wissen nur geringfügig weiter war als unser heutiges KnowHow.–

Entstehung des Lebens auf der Erde

Zur chemischen Evolution stellt ZS einige Überlegungen an:

„Wieso gibt es für alles terrestrische Leben auf der Erde nur einen genetischen Code? Wenn das Leben, wie die meisten Biologen glauben, in einer ‚Ursuppe‘ begonnen hat, dann hätten sich vielfältige genetische Codes entwickeln müssen. Und wieso spielt der chemische Grundstoff Molybdän eine Schlüsselrolle bei enzymatischen Reaktionen, die lebenswichtig sind, wenn Molybdän doch so selten vorkommt?“

Das alles lasse nur zwei Schlüsse zu: entweder gab es am Anfang nur eine ursprüngliche Lebensform – oder alle anderen Lebensentwürfe wurden im Laufe der Evolution durch eine einzige ‚Urlebensform‘ eliminiert (Leitenberger).

Sitchin verweist auf die 1973 von Nobelpreisträger Francis Crick mit Dr. Leslie Orgel veröffentlichte Theorie der gerichteten Panspermie, d.h. dass „das Leben auf der Erde winzigen Organismen von einem fernen Planeten entsprungen ist.“
Danach sind die ‚Sporen des Lebens‘ nicht zufällig ins Weltall geraten, sondern absichtlich von einer außerirdischen Zivilisation losgeschickt worden. Das Versenden von kleinen Körnern mit Bakterien ist nach Crick der kostengünstigste und effektivste Weg, um Leben auf einen potentiell lebensfähigen Planeten zu transportieren. (→ „Die Entstehung des Lebens auf der Erde„, Bernd Leitenberger)

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Details des Meteoriten ALH 84001Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Details des Meteoriten ALH 84001

Diese Variante hat den Charme, dass nur eine Reihe widerstandsfähiger Mikroben durchs All reisen musste, was eher praktikabel erscheint als interstellare Raumfahrten einer intelligenten Spezies.
ZS behauptet nun: Crick und Orgel hätten erklärt, daß „intelligente Lebewesen von einem anderen Planeten die ‚Saat des Lebens‘ von ihrem Stem in einem Raumschiff auf die Erde gebracht haben…“. Soweit nachvollziehbar, sprechen Crick und Orgel lediglich von einem Versand (sonst macht das Kostenargument keinen Sinn), nicht aber von einem Begleitpersonal samt Raumschiff!

Bewertung

So wie Sitchin es beschriebt, wird es sicher nicht gewesen sein. Kein Nibiru und auch keine intelligenten Aliens als Mitbewohner ‘unseres’ Sonnensystems. Und erst recht keine Pyramidenbauten zwecks Flugnavigation. Für keine der Präastronautik-Thesen wurden bislang belastbare Beweise vorgelegt.

Anderseits entwickelten alle alten Kulturen Erzählungen und Mythen von göttergleichen Wesen, die aus dem Himmel auf die Erde kamen und durch ihr Wissen große Fortschritte in allen Lebensbereichen herbeiführten. Durchaus lassen sich auch Teile des A.T. in diesem Sinne interpretieren.

Bei der Entstehung des modernen Menschen und seiner zunehmend auf Technologien gegründeten Lebensweise wirkten m.E. ‘äußere Einflüsse’ mit, die wir bislang noch nicht gefunden bzw. verstanden haben. Die Erklärungsmuster der Präastronautik sind fraglos noch unausgegoren, lassen wichtige Fragen unbeantwortet. Zudem werden ihre Thesen meist in einer pseudowissenschaftlichen Form („Beweise…“) präsentiert – dies macht sie leicht angreifbar durch eine Wissenschaftsgemeinde, die sich im Besitz der einzigen Wahrheit wähnt und Irrtümer nur dann einräumt, falls dies unausweichlich wird.

Indessen lässt sich die Hauptannahme – eine oder mehrere außerirdische Intelligenzen hätten in der Frühzeit der Menschheit die Erde besucht und die menschliche Zivilisation beeinflusst oder sie sogar erst geschaffen – mit dem heutigen Wissensstand weder final widerlegen noch beweisen.
Den Vorwurf, die
Präastronautik vernachlässige den wissenschaftlichen Grundsatz, dass die Theorie mit der einfachsten Annahme auch die am besten passende sei (Ockhams Rasiermesser), lasse ich gelten. Trifft dies aber nicht mindestens ebenso sehr auf eine Urknalltheorie zu, bei der physikalische Gesetze keine Gültigkeit besitzen (Singularität als Zustand des Universums)?

Ein (unwissenschaftliches?) Beispiel: Schon einige hundert Millionen Jahre nach Entstehung der Erde sollen sich einfachsten Einzeller ‚gebildet‘ haben. Am Beginn dieser höchst unwahrscheinlichen Kette von Zufällen standen Zellstrukturen und rekombinierbare Erbinformation (DNA), an deren Ende stand der moderne Mensch. Entspricht dieses Zufalls-Konstrukt dem Prinzip der einfachsten = besten Theorie – wenn aus der Fülle von zufälligen Möglichkeiten stets die ‚richtige‘ eintrat? In dieser Gleichung fehlt mindestens ein(e) Unbekannte(r)…

Als naturwissenschaftliches Modell eigner sich die Präastronautik sicher nicht, dies wird von den meisten ihrer Befürworter auch eingestanden. Mir scheint, die Widerstände haben eher damit zu tun, dass die Einflussnahme außerirdischer Intelligenzen nicht in das mit Traditionen und religiösen Überzeugungen durchsetzte ‚abendländische‘ Weltbild passt…

Anmerkungen

  1. Solche missing links hat man bis heute aber nicht gefunden, der Archäopteryx ist nach neuesten Forschungsergebnissen keine Übergangsform vom Reptil zum Vogel, sondern lediglich ein ‚gefiedertes Reptil‘. Aber auch darüber wird weiter gestritten..)
  2. Gewaltige militärische Auseinandersetzungen, deren Beschreibung durchaus an die verheerenden Folgen von Nuklearschlägen erinnert, werden u.a. in den indischen Veden geschildert. Die Veden berichten zudem auch von gottähnlichen Gestalten in ‘Himmelsstädten’. 

Quellenhinweise/Links

Dieser Beitrag wurde unter Alter Orient, Bibel, Esoterik, Geschichte, Mythen, Spirituelles, Sumerer, Wissenschaftlichkeit abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.