Exobiologie – ein Kompositum von Unsicherheiten?

Unsere Erde wird kaum der einzige Ort im Universum sein, der halbwegs intelligentes Leben beherbergt. Alles andere wäre eine ‚unfassbare Platzverschwendung’…diese Ansicht wird zunehmend auch von Astrowissenschaftlern vertreten, seit bekannt wurde, dass Milliarden Galaxien mit jeweils Milliarden Sonnen existieren, welche z.T. von potenziell lebensfreundlichen Planeten umgeben sind.

Aufgrund der riesigen Entfernung bleibt es freilich bei einer gut begründeten Vermutung – ein Nachweis von außerirdischen Lebensform steht nach wie vor aus. Während Exobiologie als ernstzunehmende Wissenschaft betrieben wird, haftet der sog. ‚Ufologie‚ ein Negativimage von Pseudowissenschaft und faktenresistentem Verschwörungsgefasel an – sie befasst sich halt mit einer bislang kaum durch substanzielle Information anzureichernde Fragestellung: Waren oder sind ’sie‘ schon hier auf der Erde?

Ob heute noch Leute in der westlichen Hemisphäre leben, die keine Meinung dazu haben? Das Spektrum der Ansichten reicht von kategorischer Ablehnung bis hin zu kruden Phantasien.
Die meist emotional geführten Diskussionen werden durch Filme wie Independence Day, Signs oder Arrival jeweils neu angeheizt; leider fördern sie wenig an neuen Argumenten und kaum etwas an harten Fakten zutage.

Dokumentationen über Außerirdische ähneln einander: Es werden lediglich die alten Fragen gestellt, mit pseudodramatischer Mucke unterlegt. Die so erzeugte Erwartungshaltung bleibt gänzlich unerfüllt, denn es gibt nun mal keine eindeutige Antworten – weder auf die Frage nach der Existenz von extraterrestischem Leben noch in Bezug auf vermeintliche oder ‚echte‘ UFOs. Hauptsache ist wohl, der Zuschauer tut sich die Werbeblöcke an.
Eine Reihe von Szenarien wurde entworfen, wie ein Besuch von E.T.’s verlaufen und welche Reaktionen er auslösen könnte: Weltweite Panik und Destabilisierung der Wirtschaft? Zerfall der klassischen Religionen zugunsten einer diffusen NewAge-Esoterik? Oder eine Woge der Begeisterung und Einigkeit unter den Völkern der Erde?

Vieles dürfte auch davon abhängen, ob die weitgereisten Besucher friedliche Absichten haben oder in etwa so drauf sind wie Menschen bei der Erschließung neu entdeckter Kontinente. Interessanterweise hat das amerikanische Militär konkrete Pläne für den Fall einer Invasion durch Außerirdische, wie Prof. Paul Springer vom U.S. Air Command and Staff College erklärt.

Neben Stephen Hawking vertritt auch Prof. Springer die Ansicht, dass hochentwickeltes außerirdisches Leben wohl räuberisch sei und dass die Menschheit sich tunlichst auf Kontakte mit feindseligen Besuchern aus anderen Welten vorbereiten sollte.
Ein Kerngedanke dieser Planspiele: „Außerirdische würden Nuklearwaffen ausschalten (…), da Nuklearwaffen eine Bedrohung für das darstellen, weshalb die Außerirdischen hier sind und was sie zu sammeln gedenken.“

Wie dachten Reagan und Gorbi darüber?

Unvergessen ist die Rede des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan vor der UN-Generalversammlung im September 1987:
“In unserer Obsession von Gegensätzen des Moments, vergessen wir oftmals wie sehr es uns alle verbindet Mitglieder der Menschheit zu sein. Vielleicht benötigen wir eine universelle Gefahr von außen, damit wird dieses Band erkennen. Ich denke dabei zeitweilig wie schnell unsere Verschiedenheiten weltweit verschwinden würden, wenn wir einer fremden Bedrohung, von jenseits dieser Welt begegnen. Und, ich frage Sie, ist eine außerirdische Macht nicht bereits unter uns?“

Wurde der alternde Präsident „im geheimen über außerirdisches Leben und möglichen Gefahren instruiert“, wie es auf exopolitik.org dargestellt wird? Deutete er vor einer internationalen Zuhörerschaft ‚geheimes Alienwissen‘ in US-Regierungs- und Militärkreisen an, welches vor der eigenen Bevölkerung wie auch allen übrigen Nationen zurückgehalten werde?
Oder entwarf er lediglich ein eindrucksvolles, aber fiktives Szenario – etwa um auf die Nichtigkeit vieler Kriegsgründe zwischen den Völkern hinzuweisen?

Michail Gorbatschow war 1987 offenbar mehr daran interessiert, den Ball flach zu halten:
„Der US-Präsident sagt, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Falle eines Überfalls auf die Erde durch Außerirdische ihre Kräfte vereinigen würden, um diese Invasion abzuwehren. (…) Ich will diese Hypothese nicht bestreiten, dennoch glaube ich, daß es noch zu früh ist, sich über so ein Eindringen Gedanken zu machen.“

Immerhin bestätigte Steven Spielberg im Jahre 2011, Reagan habe nach der Vorführung von „E.T.“ im Jahre 1982 Besuche Außerirdischer auf der Erde vor allen Anwesenden als reale Tatsache bezeichnet. Allerdings geht der Hollywood-Regisseur eher von einem Scherz Reagans aus.

  • Bei Interesse findet man hier eine Sammlung weiterer Aussagen von führenden Persönlichkeiten aus Politik und der Armee über eine mögliche außerirdische Bedrohung. Diese Zitate enthalten kaum eindeutige Statements, dass das ‚UFO-Phänomen‘ real sei, doch sie lassen eine tiefe Verunsicherung auch bei bestinformierten Personen erkennen.

Hält man sich lieber an Fakten als an verstörende Spekulationen, so bleibt ein Umstand gleichwohl bestehen: nicht allein das Pentagon denkt intensiv über extraterrestrisches Lebensformen, deren Technologie und die Folgen für die nationale Sicherheit nach. Dass dafür in einer Zeit der Einsparungen überhaupt Ressourcen aufgewendet werden, verrät sicherlich einiges darüber, dass Regierungen, Militärs und Geheimdienste das Phänomen sehr viel ernster nehmen, als sie bislang öffentlich zugegeben haben.

Die sog. Drake-Gleichung – wissenschaftlich oder spekulativ?

Einen gewissen Informationsgehalt bietet auch nachfolgende Dokumentation zur Suche nach außerirdischen Lebensformen:

Einen Meilenstein habe der Astrophysiker Frank Drake mit der „bahnbrechenden“ Drake-Gleichung gesetzt, mit der sich die Wahrscheinlichkeit von extraterrestrischer Intelligenz berechnen lassen soll:

N = R_* \cdot f_p \cdot n_e \cdot f_l \cdot f_i \cdot f_c \cdot L \!\,

N steht dabei für gibt die mögliche Anzahl der außerirdischen Zivilisationen in der Galaxis, die technisch in der Lage und gewillt wären, zu kommunizieren. Doch wie aussagekräftig ist eine Gleichung, durch die berechenbare und vermutete Faktoren multiplikativ miteinander verknüpft werden?

= Anzahl intelligenter Zivilisationen in der Galaxis, die technisch imstande und gewillt wären, (mit uns Menschen) zu kommunizieren
R = Mittlere Entstehungsrate von geeigneten langlebigen Sternen in der Galaxis pro Jahr
fp = Bruchteil der Sterne, die Planeten bilden, besitzen und halten
ne = Bruchteil der bewohnbaren erdähnlichen Planeten, die ihren Stern im richtigen Abstand (habitable Zone) umlaufen
fl = Bruchteil der Planeten, auf denen tatsächlich Leben entsteht
fi = Anteil der Planeten, auf denen sich intelligente Lebensformen entwickeln
fc = Bruchteil der intelligenten Zivilisationen, die die Technologie und Motivation haben, eine interplanetare Kommunikation zu etablieren
L = Lebensdauer einer technologischen Zivilisation; die Zeitdauer, in der E.T. auf Sendung ist

Neben recht konkreten Werten wie der mittleren Sternentstehungsrate pro Jahr in unserer Milchstraße werden also auch ‚Daten‘ berücksichtigt, welche uns Terranern gänzlich unbekannt sind – etwa der Anteil an Planeten mit intelligentem Leben / mit Interesse an interstellarer Kommunikation und die mittleren Lebensdauer einer technisch versierten Zivilisation.
Für diese Faktoren lassen sich allenfalls begründbare Annahmen treffen, aber es gibt keine wissenschaftlich belegbaren Zahlen. Denn das einzig mögliche Bezugssystem ist unser Sonnensystem, dessen Merkmale leichtfertig auf andere Sternsysteme projiziert werden.

Sofern nur einer der Faktoren mit einem unzutreffenden Zahlwert belegt wird, kippt die gesamte Gleichungen und hat überhaupt keine Aussagekraft mehr. Auch der Biologe Ernst Mayr wies darauf hin, dass sich unter den circa 50 Milliarden Arten, die die Erde hervorgebracht hat, lediglich eine Intelligenz entwickelt habe (und sogar über die Intelligenz dieser einen Spezies lässt sich streiten, wo sie sich doch gerade selbst ausradiert…). Tatsächlich wurden aus der Drake-Gleichung verschiedene Modelle entwickelt, die aus meiner Sicht nur durch ihre Verschiedenheit beeindrucken:

  1. Konservatives Modell: 1 Zivilisation in der Milchstraße, nämlich unsere.
  2. Optimistisches Modell: 100 Zivilisationen in unserer Heimatgalaxie,
    5000 Lichtjahre mittlerer Abstand zweier sendender Zivilisationen.
  3. Enthusiastisches Modell: 4.000.000 Zivilisationen in unserer
    Galaxie, 150 Lichtjahre mittlerer Abstand zweier sendender
    Zivilisationen.

Auch Harald Zaun spricht angesichts dieser Bandbreite von einem ‚Kompositum von Unsicherheiten‚. Am stärksten ins Blickfeld rückte dabei ihr letzter Faktor, den Drake mit L umschrieben hatte und den Carl Sagan Jahre später als „Hauptunsicherheitfaktor“ bezeichnen sollte. Die Einschätzungen zur Langlebigkeit einer mit Massenvernichtungswaffen ausgestatteten Zivilisation sei maßgeblich vom Zeitgeist bestimmt worden, so Zaun. Vor allem aber orientiert sie sich allein an dem Wissen des Menschen über sich selbst.

Sicherlich ist lobenswert, wenn Fachleute sich bemühen, der Suche nach Außerirdischem Leben eine wissenschaftliche Grundlage zu verleihen. Andererseits, so ein Kritiker:

„Wenn ein Wissenschaftler sich ein Auto kauft, macht dies den Autokauf noch lange nicht zu einem Gegenstand der Wissenschaft…“

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