Glaube und Religion = überflüssige Atavismen?

„Hauptsache wir haben am Sonntag frei und können auspennen.“

Als sich Rolf Degen für den Buchtitel „Das Ende des Bösen“ entschied, konnte er sich gewiss sein: er würde in hohem Maße polarisieren. Ein sachlicher Titel hätte schlicht „Die Naturwissenschaft entdeckt das Gute im Menschen“ lauten können – zu langweilig für die primäre Zielgruppe? Die zentrale These dieses Buches:

„Die Menschen haben das Gute geerbt und nicht erlernt.“

Also Eine ‚Erb-Güte‘ anstelle der unseligen Erbsünde? Das Werk enthalte mindestens soviel atheistischen Sprengstoff wie die Bücher von R. Dawkins oder Christopher Hitchens, befindet die verlinkte Rezension auf Welt Online.
Um es kurz zu machen: die Rezension wird dem Buch nicht gerecht, wo sie mit platten Überschriften einen verzerrten Eindruck vermittelt:

„Denn wenn der Mensch gut ist, wovon soll er erlöst werden?“ Jeder Affe weiß, welcher Artgenosse ihm half.“

Hmm… bereits der tägliche Nachrichten-Überblick liefert ausreichend Hinweise darauf, dass der Mensch sicher nicht grundsätzlich ‚gut‘ ist. Ebenso wenig ist er per se ‚böse‘ – derart generalisierende Aussagen sind in meinen Augen so töricht unzutreffend, wie etwa „Alle Lebewesen sind Egoisten, gesteuert von Genen, die sich reproduzieren wollen“.

Verallgemeinernd von der Tierwelt auf ethische Verhaltensnormen beim Menschen zu schließen, ist denkbar unangebracht: Im Tierreich sind Verhaltensabläufe in weitaus höherem Maße instinktgesteuert als beim Menschen – die Fähigkeit, kausale Zusammenhänge und damit die Auswirkungen des eigenen Verhaltens abzuschätzen, ist stark eingeschränkt. Allenfalls einige Wirbeltiere (Primaten, Wale, aber auch einzelne Vogelarten) verfügen über erkennbar zielorientierte Verhaltensäußerungen. Hunde können ’schuldbewusst‘ reagieren, doch damit spiegeln sie den Unmut von Herrchen oder Frauchen – die Instanz eines Gewissens ist nicht in der Weise vorhanden wie bei uns Menschen.

Hinsichtlich ethischer Kategorien stellt genetische Determination allenfalls einen von mehreren Bestimmungsfaktoren für das moralische Leitbild eines Menschen dar. Hinzu kommt alles im Laufe der Sozialisation Erlernte und Anerzogene. Diese Komplexität zeigt sich schon bei der unterschiedlich ausfallenden, subjektiven Einordnung dessen, was als richtig oder falsch bewertet wird.
Auch wenn hier sicherlich ein Grundkonsens für ‚alle‘ bestehen könnte (obgleich nicht einmal Gewaltverzicht von allen Menschen als erstrebenswert erachtet wird), gelangt doch ein jeder zu einer persönlich-individuellen Verhaltens- und Bewertungssystematik.

Diese moralische Skala unterliegt einem stetigen Wandel: was ich mit 18 oder 20 für richtig oder wenigstens ‚annehmbar‘ gehalten habe (etwa im Hinblick auf ungehemmte Promiskuität), sehe ich heute z.T. ausgesprochen kritisch. Diese Anpassung entspringt jedoch nicht ausschließlich meinem Inneren, sondern sie wurde von gesellschaftlichen Entwicklungen mit beeinflusst. Zum Beispiel hat sich die Sexualmoral nachweislich seit den 80er und 90er Jahren drastisch verändert, u.a. infolge der sexuell übertragbaren Krankheit AIDS.
Allein dieser Wandel belegt deutlich, dass nicht allein die genetische Festlegung für moralisches Handeln zuständig sein kann.-

»“Man weiß nie, mit wem man schläft.“ Ein einziger Fehltritt kann ein ganzes Leben ruinieren – und das Leben anderer. Der Jubelschrei der sexuellen Revolution erstickt im Alptraum der jüngsten Plage.
(…) Angst war noch stets der grimmigste Wächter der Tugend.« ( → „Die Angst vor Liebe, Lust und Tod„, ZEIT, 1987)

Der Zankapfel „Wiegen für die Persönlichkeitsentwicklung nun die Gene schwerer oder die Umwelteinflüsse?“ blickt nach Jahrzehnten endlosen Durch- und Zerkautwerdens zurück. Die Epigenetik hat die Komplexität der Materie nochmals erhöht und auch die Zwillingsforschung liefert Beachtliches – ohne das  ein allgemeiner Konsens herstellbar wäre.

Auch der genetische Einfluss auf Religiosität wurde in Studien mit erwachsenen Teilnehmern untersucht. Es handelt sich um einen von den klassischen Persönlichkeitsmerkmalen wie etwa Risikofreude losgelösten Teil der Persönlichkeit. Einige Untersuchungen beziffern die den Einfluss der Gene auf die individuelle Religiosität mit 40 bis 55 Prozent. Welcher Konfession jemand angehört, hängt allerdings fast vollständig vom familiären Umfeld und der Sozialisation ab. Man kann also durch genetische Disposition sehr religiös veranlagt sein, in diesem Falle würde man sich vorzugsweise eine streng gläubige Konfession entscheiden1.
Mir ist nicht ganz klar, wie ein Merkmal wie Religiosität in unseren Genen berücksichtigt sein kann, wo diese zu knapp 99% dem Genom von Primaten entsprechen… von gläubigen Schimpansen las ich jedenfalls noch nie.

Nimmt Religion in der Gegenwartsgesellschaft heute noch eine unverzichtbare Funktion wahr?

Ein Atavismus ist das Wiederauftreten von anatomischen Merkmalen bei einem Lebewesen, die bei entfernteren stammesgeschichtlichen Vorfahren ausgebildet waren, bei den unmittelbaren Vorfahren jedoch reduziert wurden, da sie für die gegenwärtige Entwicklungsstufe keinerlei Funktion mehr besitzen.
Im soziologischen Kontext versteht man unter einem Atavismus den kulturellen Rückfall in überwunden geglaubte Zustände von menschlichen Gesellschaften …der Begriff ist negativ konnotiert.

Wenn man bedenkt, dass im Jahr 2015 nur ein Anteil von 16 Prozent der Weltbevölkerung sich keiner Religion zugehörig fühlte, ist die Kategorisierung von Religion als ein solcher „Atavismus“ ausgesprochen respektlos und überheblich. Über die Unentbehrlichkeit oder gar Schädlichkeit der organisierten Gottesverehrung streiten die Vertreter kontroverser Positionen:

  • Die Pro-Religion-Fraktion: Ohne Gott würde Mord und Totschlag herrschen: erst durch Moses mit den 10 Geboten sowie einer Fülle von Gesetzen und später durch Jesus seien aus Wilden humane Wesen geworden. Deren Bereitschaft zur Nächstenliebe wurde ihnen lt. dieser Annahme zunächst mehr oder weniger aufgezwungen … diesbezügliche Einsichten kamen ihnen erst später. (Was ist eigentlich mit den anderen Religionen?)
  • Die ‚Nix Gott, Alles ist Zufall‘-Fraktion: Das Gute gab es schon vor Moses – Sozialverhalten und ‚Güte‘ sind in unseren Genen angelegt. An der segensreichen Wirkung jeglicher Gottesverehrung sind Zweifel angebracht, zumal religiöse Auseinandersetzungen zu allen Zeiten in gewaltbetonten Konflikten eskalierten.
  • Dazwischen gibt es noch etliche gemäßigte Positionen; diese betonen zumeist die unbedingte Religionsfreiheit und sehen die Vielfalt der Religionen als nützliches Angebot von Erklärungsmustern und Orientierungshilfen. Deren Nutzen sei – auch im Hinblick auf soziale Funktionen nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die Nachfrage nach beidem derzeit eher stagniert.

Franz Buggele (‚Denn sie wissen nicht, was sie glauben‚) hinterfragt, ob es nichts Wichtigeres gebe, als sich mit dieser Fragestellung auseinander zu setzen :

Ist die hier aufgenommene Auseinandersetzung mit der biblisch-christlichen Religion angesichts der sonstigen drängenden Weltprobleme […] noch wichtig und aktuell? Ist das Christentum als verhaltens- und erlebensdeterminierender, psychologisch wirksamer Faktor überhaupt noch ernst zu nehmen […]?“

Durchaus kann hierzulande außerhalb Bayerns der Eindruck entstehen, das Christentum sei „psychologisch längst tot“ oder derart postmodern relativiert, dass es kaum noch Auswirkungen auf Menschen hervorbringen könne. Sobald man über den bundesdeutschen Tellerrand hinaus schaut, gewinnt Religiosität einen weit höheren Stellenwert: 2015 waren fast ein Drittel der Weltbevölkerung (31 Prozent) Christen2. Damit beantwortet sich die o.a. Frage im globalen Kontext fast von selbst – zumal nicht erkennbar ist, dass Unlust an Religion sich künftig ausbreiten werde.

Determination oder Prägung? …ein alter Streit

Unbestreitbar eröffnet Sozialverhalten – wie z.B. gegenseitige Hilfeleistung und Rücksichtnahme – einen Evolutionsvorteil. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sozialisation und erlerntes Verhalten mindestens gleichbedeutend zur genetischen Disposition sind. Wäre Herzensgüte tatsächlich genetisch festgeschrieben, müsste man wohl alle Gewalttäter als Mutanten betrachten, oder? Tatsächlich sind Gene bzw. Gensequenzen für bestimmte Eigenschaften zuständig, dabei können sie jedoch verschiedene Ausprägungen annehmen. In der klassischen Genetik sprach man hier von einem Allel, im Sinne einer von mehreren ‚Schalterstellungen‘ (Zuständen), die ein Gen bewirken kann.

Rolf Degen unterscheidet zwischen primären Überlebensstrategien (Nahrungs- und Fortpflanzungstrieb etc.) und den subtilen Erfordernissen eines sozialen Gefüges, welches ein ständiges Refklektieren und Bewerten des eigenen Verhaltens unabdingbar macht. Dieses Abwägen löst u.U. kognitive Dissonanzen aus – unangenehm störende Empfindungen, wenn ein Widerspruch bewusst wird zwischen moralisch korrektem Verhalten und den eigenen Trieben, Sehnsüchten und Wünschen.

Solche Widersprüche werden nicht selten hochgradig emotional von uns wahrgenommen: persönliches Versagen wie auch beständige innere Konflikte frustrieren, etwa wenn wenn die eigenen Wünsche/Triebe stärker sind als die Einsicht in moralische Notwendigkeit – oder angesichts einer mangelnden Befähigung, der besseren Einsicht auch zu folgen.
Bezüglich der Funktionalität der Instanz ‚Gewissen‘ kommt der Religion eine gewisse Bedeutung zu – doch was hat Religion hier seit Entstehung erster Zivilisationen bewirkt? Lediglich das Gewissen der menschlichen Individuen funktioniert (mehr schlecht als recht), doch das kollektive Gewissen der menschlichen Spezies hat die Steinzeit nie hinter sich gelassen. Hier siegen die niederen Triebe sowie Partikular-Interessen (etwa Profit durch objektiv schädliche Handlungen wie Kriege und das Abholzen großer Waldflächen zu generieren), finde ich.

Die Frage ‚Sind Gene oder Umwelteinflüsse die Grundlage für das Verhaltensrepertoire des Menschen?‘ lässt sich m.E. nur so beantworten, dass beides – Gene und Sozialisation – multiplikativ miteinander verknüpft ist…also gewissermaßen ‚Gene mal Umwelt‘: Verhalten kann sowohl aus genetisch festgelegte Potenzialen bzw. Reaktionsmustern entstehen als auch erlernt (oder durch Lernen ausgebaut und verfeinert) werden.
Je komplexer eine Verhaltensäußerung, um so größer ist der erlernte Anteil. Dabei wird unser Lebensweg eher von Grautönen bestimmt wird als von Schwarz oder Weiß: falsches, ‚böses‘ Handeln kann u.U. sehr wohl Gutes hervorbringen…und in unserem Bestreben, das Richtige zu tun, richten wir manchmal großes Unheil an. Und dann ist da noch die weit verbreitete Ansicht, ein guter Zweck heilige das schlechte, böse Mittel.

Güte in einer ich-süchtigen Welt – die Entdeckung des Altruismus

Jeder weiß: Handeln nach dem eigenen Vorteil kann sehr viel reizvoller sein als moralisches Handeln und Rücksichtnahme auf die Mitmenschen. Der Autor spricht hier von einer ‚Doktrin der Vorherrschaft des Eigeninteresses‘, die sich in Literatur und Volksmund wiederfinde: „Die Großen fressen die Kleinen“ oder weniger martialisch: „Geiz ist geil“. Einen Schritt weiter geht das Sankt-Florian-Prinzip:

Heiliger Sankt Florian, Verschon‘ mein Haus!
Zünd‘ andre an!

Die Natur als scheinbares Vorbild für einen Überlebenskampf auf Kosten des Schwächeren? Heute sorgen Gesellschaft, Erziehung und Religionen für den nötigen moralischen Unterbau und definieren wichtige Grenzen. Weshalb benötigen wir ein solches Konzept, um uns nicht gegenseitig zu zerfleischen? Wenn Schopenhauer Recht hat, dann liegt der Grund darin, dass wir nur uns selbst unmittelbar (körperlich) wahrnehmen und fühlen – während ‚die anderen‘ nur in unserer Vorstellung existieren.

Des Menschen Absichten und Ziele sind allesamt mit intensiven Empfindungen belegt – sie entfalten sich, um das eigene Dasein zu erhalten und Schmerz, Hunger etc. fernzuhalten. Wissenschaftliche Verhaltens- und Entscheidungstheorien basierten lange auf der Annahme, unser gesamtes Handeln sei ausnahmslos auf positive Konsequenzen für uns selbst gerichtet: wenn wir mal anderen helfen, dann geschehe auch dies letztlich nur, damit wir uns gut fühlen oder in den Himmel kommen.

Die Wirtschaftswissenschaften sprechen vom homo oeconomicus – ein amoralisches Subjekt, das seine Entscheidungen rational unter bestmöglichen Kosten-/Nutzen-Aspekten abwägt. Der Biologe und Atheist Richard Dawkins charakterisiert uns als Überlebensmaschinen, deren Gene auf Selbsterhalt und Weiterverbreitung programmiert sind. Jeglicher Altruismus lasse sich als verdeckter, zielorientierter Egoismus entlarven, der Umwege nur in Kauf nimmt, um sein primäres Ziel zu realisieren.

Träfe diese Darlegung zu, würde kein Mensch sein Leben zu Rettung eines anderen riskieren, es sei denn, der andere sei stinkreich und eine fette Belohnung beinahe sicher – oder halt etwas Publicity. Was motiviert beispielsweise einen Blutspender, der auf eine Bezahlung verzichtet? Woher kommt die Einsicht, dass (die selbst gezahlten) Steuern gut angelegt sind, um das Gemeinwesen Aufgaben erfüllen zu lassen, von denen man selbst nicht profitiert? Und was ist mit dem ehrlichen Wunsch nach wirklicher Gerechtigkeit?

Andererseits: auch Selbstgerechtigkeit tarnt sich gerne als Philanthropie und Altruismus. Anstelle einer Beweisführung sei auf das allabendliche TV-Programm verwiesen..
Rolf Degen äußert die Feststellung eines passiven Altruismus: zwar besteht wenig Motivation, aktiv den Benachteiligten einer Gesellschaft Hilfe zu leisten, aber die meisten Verbotsnormen werden eingehalten, auch wenn keine Überwachung durch Polizei etc. gegeben ist.
Diese Beobachtung beschreibt m.E. aus eine verbreitete Mixtur aus Bequemlichkeit und Vermeidungshaltung…bloß nicht als schräge Figur oder ‚bemitleidenswerter Gutmensch‘ in der anonymen Masse auffallen.

In einem ersten Fazit lasse sich festhalten, dass die ‚Goldene Regel‘ in ihrer abgemilderten Form (‚Schade niemandem‘)von den meisten Menschen bejaht werde. Jemanden zu verletzen oder zu bestehlen ist nicht nur verboten, sondern wird auch in sozial nicht toleriert. Ein ähnlicher Verhaltenskodex ist auch bei vielen Tierarten beobachten…

Wären wir ohne Religion besser dran?

Für bloße Überlebensmaschinen, die durch ihre Gene allein auf ihren eigenen Vorteil und das Überleben ihrer Spezies programmiert sind, bliebe trotz funktionierendem Verstand kein noch so kleiner Raum für den so genannten ‚freien Willen‘.
Es bestünden keinerlei bewusst wählbare Alternativen, welche eine moralische Entscheidung erforderten. Jeder Glaube hätte den Charakter einer Konditionierung, wie man sie im Prinzip auch einem Wellensittich antrainieren kann.

Damit wäre zwar der praktizierte Glaube nicht zwangsläufig ohne Zusatznutzen – doch der theologische Unterbau verlöre mächtig an Relevanz. Es käme nicht mehr auf das Warum an, sondern nur noch auf das Wozu; Religion verkäme zu einer Art Upgrade in unserer Programmierung, vielleicht als Kultivierung des reziproken Altruismus.
Erstaunlich ist dabei, dass gerade die Naturalisten von einer ‚Programmierung‘ sprechen – schließlich erfordert jedes Programm einen Programmierer, wie jede Information einen Urheber hat…

Quasi als Kontrastprogramm mag ich ein Blicke in das das Buch „Heilige Sch… – Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?“ von Anne Weiss und Stefan Bonner dienen. Darin wird der „Planet der Pfaffen“ zwar in flapsiger Sprache, aber dennoch ziemlich gründlich untersucht; zahlreiche Aspekte von Religiosität werden beleuchtet und Gregor Gysi zitiert: „Auch als Nichtgläubiger fürchte ich eine gottlose Gesellschaft.“

Damit der Humor ja nicht zu kurz kommt, häufen sich Einschübe wie: „Wenn man die katholischen Würdenträger beim Krisenmanagement beobachtet, dann bekommt der Begriff ›Scheiterhaufen‹ eine ganz neue Bedeutung“ und das Autorenpaar erzählt eine Filmsequenz aus ‚Das kleine Arschloch und der alte Sack‘ nach. Den ganzen Film kann man sich genau einmal anschauen, aber die betreffende Szene nötigt mir ein widerwilliges Schmunzeln ab…

Wichtiger sind die Kernaussagen weiter hinten im Buch.

  • Laut Allensbach-Institut sind drei Viertel der deutschen Führungskräfte der Ansicht: »Wenn in einer Gesellschaft die religiösen Bindungen schwächer werden, gehen auch wichtige Werte und Maßstäbe verloren.
  • Ganz ohne Orientierungspunkte verlaufe das menschliche Leben wenig erfolgreich – wir neigen nun einmal dazu, uns zu verzetteln.
  • Die Pro- und Contra-Seiten einer vergleichenden Gegenüberstellung zum Nutzen von Religion sind nach Ansicht der Autoren etwa gleich stark (so habe ich das Fazit jedenfalls verstanden. Es könnte gar ein Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg einer Gesellschaft und ihrer Religiosität herstellbar sein:

    „Weitere gern genannte Argumente für einen gottgefälligen Lebensstil: Gläubige Menschen sind glücklicher, sie bekommen im Durchschnitt mehr Kinder…, sie sind strebsamer, hilfsbereiter und ehrlicher. Für die Aufrechterhaltung …sprechen danach die Aufrechterhaltung von Werten, Moral und Sozialsystem.“

Anmerkungen

  1. Schon bei ‚Verletze Niemanden!‘ versagt die Menschheit wider besseres Wissen: Tiere werden in unvorstellbarer Anzahl gequält, Puschel und Hasso werden nach Belieben eingeschläfert, sobald die Medikation zu teuer wird. Mit seinesgleichen verfährt der Mensch oftmals nicht viel besser. Während zahlenmäßig kleine Eliten dem Lustprinzip und der Profitmaximierung frönen, übt die schweigende Mehrheit sich als Verdrängungskünstler – auch heute noch, obwohl Informiertsein noch nie so leicht war. Eine Doku pro Monat über an sich behebbare Mißstände wie Kinderprostitution und bittere Armut wird nicht selten als störende Belästigung empfunden…

    Mehr als ein Drittel der Menschen weltweit litt 2017 an Wassermangel, der Hälfte von ihnen steht kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, was Krankheiten und Todesfälle zur Folge hat. Täglich sterben weltweit fast 5.000 Kinder, weil ihnen sauberes Wasser fehlt. (Vgl.: „Trinkbares Wasser – (K)ein Menschenrecht?„) Und nein, dieser Mangel lässt sich nicht mit dem Hinweis rechtfertigen, eine bessere Versorgung sei halt nicht finanzierbar.
    → Kleiner Hinweis: Liste der Streitkräfte und Militärbudgets 

Quellenangabe:

  1. Die Biologie der Seele„, Zeit v. 14.10.2009
  2. Diese Religion haben die Menschen heute – und diese 2060„, evangelisch.de
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2 Antworten auf Glaube und Religion = überflüssige Atavismen?

  1. Lars Weber sagt:

    sehr interessanter Blog, gute Arbeit, habe schon vieles gelesen

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