Carolin Kebekus von religiösen Eiferern bedroht

„Madonna war schlimmer“

Wegen ihres kirchenkritischen Satirevideos „Dunk dem Herrn“ hat die Komikerin Carolin Kebekus Drohungen erhalten, berichtete der SPIEGEL am 17.10.2013.

Das betreffende Video bringt mich teilweise zum Schmunzeln, andere Elemente sind für meinen Geschmack ‚zu heftig‘. Auf humorvolle Weise harsche Kritik an der katholischen Kirche zu üben, muss zwar erlaubt sein…aber Kebekus räumte später selbst ein:

„Dass wir am Jesus geleckt haben, okay, da wussten wir, das wird ein bisschen heikel.“

Die entscheidende Frage für mich ist dabei: Lässt sich die ‚Botschaft‘ – die sich in Reimen äußert wie „hier kommt Gottes Wille: Keiner frisst die Pille“ – nicht auf eine Weise vermitteln, die ohne direkte Verunglimpfung auskommt? Verse wie „Jesus ist der Shit“ sind nicht mal lustig, sondern einfach nur daneben.

Dagegen trifft die Bezugnahme auf den Missbrauchskandal in der katholischen Kirche wohl ins Schwarze, wenn die als Messdiener („DJ Mess-Dee-Naa „) verkleidete Carolin Kebekus singt:

Ne eins in Reli hab ich und du nicht!
Denn ich bin Pastors Liebling, der mit Gott spricht
Drum schließ dich uns an, die Gemeinschaft ist stark
Deine Mitgliedschaft reicht bis in den Sarg!
Ich danke dir Herr, denn ich bin dabei
Bei der After-Show-Party in der Sakristei!
(um noch unübersehbarer zu machen, was gemeint, erhält der Messdiener im Video ‚ein Snickers oder’n Mars‘.)

Warum der WDR hatte den gesamten Clip nicht sendete, weil er – mit Blick auf die Achtung religiöser Überzeugungen – an einigen Stellen gegen die redaktionellen Richtlinien des Senders verstoße, ist so nicht nachvollziehbar. Es hätte ausgereicht, die betreffenden Stellen rauszuschneiden, wenn überhaupt. Oder der Sender hätte sich mit einer Einblendung vom Inhalt des Clips distanzieren können.
DerProtestant.de findet klare Worte über den vorauseilenden Gehorsam im WDR:

Geradezu harmlos ist es doch ein Kreuz abzulecken im Vergleich zu den Folterqualen die euer Gott für mich bereit hält, oder, wenn ich dummerweise die falsche Religion erwischt habe,(…). Das ist wie Scheiße am Schuh.

Ausgerechnet die Piusbrüder sahen sich verhöhnt und diskriminiert; sie riefen zu massenhaften Strafanzeigen auf – dort schaut man sich solche Videos an? Naja, fortwährend den Holocaust zu leugnen hat in deren Wahrnehmung wohl weniger mit Verhöhnung zu tun als dieser vergleichsweise harmlose Clip.

Dass fundamentalisische Katholiken(?) die Komikerin Kebekus sogar bedrohten, zeigt wiederum: Militantes Gebaren und Fanatismus sind eben nicht ausschließlich bei Islamisten anzutreffen!
Gefragt, wann sie ein Satirevideo über den Islam produziere, antwortete Kebekus:

„Bevor ich mich über eine andere Religion auslasse, kehre ich doch vor meiner eigenen Haustür. Ich bin katholisch.

Sie habe (wohl vor ihrem Kirchenaustritt) die Bischofskonferenz besucht und zur Kenntnis nehmen müssen, wie herablassend reformorienterte Teilnehmer behandelt worden seien.

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