Paradise Lost (‚Das verlorene Paradies‘) v. John Milton

Der Geist ist eine Welt für sich,
in der die Hölle zum Himmel
und der Himmel zur Hölle werden kann. 
(John Milton)

Paradise Lost, ein episches Gedicht des englischen Dichters John Milton, erzählt die Geschichte des Höllensturzes der gefallenen Engel, der Versuchung von Adam und Eva durch Satan, des Sündenfalls und der Vertreibung aus dem Garten Eden. Das 1667 veröffentlichte Gedicht ist in zwölf Gesänge mit jeweils zwischen 640 und 1200 Zeilen gegliedert. In einer Buchkritik bezeichnet Martin Klinkhardt „Paradise Lost“ recht treffend als ein „ein Buch, das man lesen muß, nicht lesen will, aber gelesen haben möchte“.
Eine vollständige Übersetzung findet sich z.B hier auf Zeno.org.

„Des Menschen erste Schuld und jene Frucht
Des strengverbotnen Baums, die durch Genuß
Tod in die Welt gebracht und jeglich Weh,
Die Eden raubte, bis ein größrer Mensch
Des Heiles Sitz uns wiederum errang…“

Satan und sein Gefolge haben gegen Gott rebelliert, wurden besiegt und als Strafe in die Hölle gestürzt. Sie errichten dort das Pandämonium, die Heimstatt aller gefallenen Engel, und beschließen, Gott ab jetzt durch List und Tücke statt auf dem offenen Schlachtfeld zu bekämpfen. Nach einer Beratung im ‚Teufelsparlament‘ bietet Satan sich an, die noch unbekannte Erde aufzusuchen und herauszufinden, ob eine himmlische Prophezeiung eingetroffen ist, nach der um diese Zeit eine andere Welt und eine andere Art Geschöpf erschaffen werden sollte, das den Engeln gleich sei, oder nicht um vieles unterlegen wäre. Nach Beelzebubs Rat hat es keinen Sinn, direkt gegen Gottes Allmacht vorzugehen – darum kommt eine Wiedereroberung des Himmels nicht in Betracht. Statt dessen man will versuchen, den Schöpfer in seinem neuen Lieblingsgeschöpf zu treffen, den Menschen zu verführen und so Gottes Ratschluss hohnvoll zu durchkreuzen. Möglich wird dieser Plan, weil Gott sowohl Engel als auch die Menschen und Engel mit freiem Willen ausgestattet hat; sündigen sie, so ist es ihre eigene Schuld und sie haben die Konsequenzen zu tragen.

„In nackter Hoheit und glücklicher Einfalt“ wandeln Adam und Eva durch den Garten Eden; Satan betritt den Garten und erfährt, dass es ihnen bei Strafe des Todes verboten ist, von dem Baum der Erkenntnis zu essen, und baut darauf seinen Verführungsplan.  Er sucht daraufhin Eva im Schlaf auf, hockt sich einer Kröte gleich an ihr Ohr und versucht, in der schlafenden Eva durch einen Traum das Verlangen nach der verbotenen Frucht zu wecken. Er wird jedoch von Engeln gestellt und aus dem Garten Eden verjagt.

Am nächsten Morgen erzählt Eva Adam von ihrem Traum, woraufhin Gott den Erzengel Raphael in das Paradies schickt, um die Menschen zu warnen. Raphael berichtet Adam die Geschichte von „Satan, seinem Abfall von Gott, dem großen Kampf zwischen Erzengeln und Satansscharen, dem Erscheinen des Gottessohnes, wodurch der Sieg entschieden wird, dem furchtbaren Absturz der Abtrünnigen und den neuen Schlichen Satans, der nun Gott zum Trotz den Menschen verderben wolle“ (vgl. klassiker-der-weltliteratur.de).

Satan schleicht sich als Nebel erneut ins Paradies, schlüpft in die schlafende Schlange, findet Eva allein und bringt sie durch Schmeicheleien und Halbwahrheiten dazu, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Sie bringt auch dem zunächst entsetzten Adam von der Frucht, der aus Liebe zu Eva sein Geschick an das ihre binden will und deshalb gleichfalls von der Frucht genießt. So verlieren sie ihre Unschuld, im ersten Streit machen sie sich gegenseitig Vorwürfe. Die beiden Höllentorwächter Sünde und Tod erscheinen auf der Welt und Gott schickt den Erzengel Michael mit weiteren Engeln, damit sie Adam und Eva aus dem Paradies vertreiben. Zum Trost darf der Erzengel vor Adam eine Vision der Zukunft eröffnen – das Geschehen bis zur Sintflut, die Geschichte der Welt bis hin zum Rettungswerk Christi, dem sich ein Ausblick auf das Jüngste Gericht anschließt. Adam weckt die schlafende Eva, der gleichfalls ein glücklicher Traum prophezeit hat: das verlorene Paradies kann wiedergewonnen werden.
Das erste Menschenpaar verlässt das Paradies, das hinter ihnen in Flammen aufgeht.

Satan, Stich von Gustave Doré, in John Miltons Paradise Lost

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