Pierre Vogel: Todesstrafe für Abtrünnige vom Islam?

Über den fundamental-islamischen Prediger Pierre Vogel ist gerade in den vergangenen Wochen und Monaten vieles geschrieben worden, bisweilen fallen auch Begriffe wie „Hassprediger“ etc.
Derartigen Einordnungen und Beschreibungen ‚von außen‘ stehe ich misstrauisch gegenüber, oft genug werden Sachverhalte verkürzt wiedergegeben und so auf Halbwahrheiten reduziert. Da liegt es näher, den Betreffenden selbst zu hören und sich eine eigene Meinung über dessen Positionierung zu bilden.

Nachfolgendes Statement Vogels spricht für sich – und lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Es bezieht sich auf die Frage: Wenn es [im Islam] keinen Zwang im Glauben gibt, warum sollen dann Abtrünnige getötet werden?

Zunächst beziehe sich „Kein Zwang im Glauben“ lediglich auf die Situation von Nichtmuslimen, denen ein Übertritt zum Islam nicht aufgezwungen werden solle.

„Aber wenn jemand vom Islam abfällt, dann gibt es die Todesstrafe!“

Es bestehe ein Konsens der maßgeblichen islamischen Gelehrten darüber, dass derjenige, der die Religion des Islam verlässt, getötet werde – außer in Fällen, wo das Überleben des Abtrünnigen von größerem Nutzen für die Gesellschaft sei.

Finden sich Grundlagen dieser Rechtsprechung im Koran? Offenbar nicht: Auf den Abfall vom Islam steht die Todesstrafe. Dies lt. Norbert Pressburg aufgrund eines einzigen Hadith: „„Diejenigen, die ihre Religion wechseln, tötet sie!
(Vgl. Hadith-Sammlung „Muvatta“ von Imam Malik / →Hadith und Jurisprudenz)

Im Sudan, Jemen und Iran sowie in Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, Afghanistan, Somalia und in Mauretanien kann Abfall vom Islam bis heute mit dem Tode bestraft werden – es werden vereinzelt auch Hinrichtungen durchgeführt.
In Fällen, in denen der Abfall vom Islam keine strafrechtlichen Konsequenzen hat, drohen in einigen islamischen Ländern zivilrechtliche Folgen, die mit dem klassischen islamischen Recht begründet werden. Strafen können sein:

  • die Ehe zwischen dem Apostaten und dem muslimischen Ehepartner wird aufgelöst,
  • die gemeinsamen Kinder bleiben Muslime und sind vom muslimischen Elternteil zu erziehen,
  • erbrechtliche Ansprüche von Apostaten sind islamrechtlich erloschen,
  • das Vermögen des Apostaten wird vom Staat eingezogen.

Pierre Vogel betont ausdrücklich, derartige Bestimmungen dürften in Deutschland keinesfalls befolgt werden – sie hätten allein in einem Islamischen Staat Gültigkeit und seien auch dort nur von staatlichen Organen (der Exekutive) auszuführen. Ein solcher Staat habe schließlich die Aufgabe, Religion und Gesellschaft zu schützen…

Nun ist aber bekannt, dass Vogel grundsätzlich für eine Einführung islamischen Rechts, insbesondere der Scharia, auch in Deutschland steht. Käme es jemals dazu, dann wäre auch die Sanktionierung von Austritten aus dem Islam (im Rahmen einer neuen Verfassung gemäß islamischem Recht) durch den Staat zumindest möglich (und wohl auch wahrscheinlich, wenn dieser Staat eine fundamental-islamische Prägung gemäß dem Idealbild eines Pierre Vogel aufweisen würde.

Mehr brauche ich über die religiös-politische Gesinnung von Menschen wie P.Vogel nicht zu wissen, um diese Haltung ohne Wenn und Aber abzulehnen.
Die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit impliziert auch das Recht, eine einmal gewählte Religion/Überzeugung zu wechseln bzw. abzulegen. Wir sollten dafür eintreten, dass nicht nur unsere verfassungsmäßigen Grundrechte im Wortlaut erhalten bleiben, sondern dass diese Rechtspraxis auch weiterhin gelebt wird, d.h. niemand darf hierzulande jemals wegen seiner religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung diskriminiert oder eingeschüchtert werden. Schon gar nicht darf derartiges durch den deutschen Staat oder die EU hingenommen werden. Dies setzt zugleich voraus, dass auch die abweichende Überzeugung Anderer ohne Wenn und Aber toleriert wird.

Fraglos hat dies auch für Fundamentalisten sämtlicher Religionen/Denominationen zu gelten, solange sie sich an hiesige Gesetze halten und nicht zu Gesetzesverstößen aufrufen. Anderseits: Ist der Versuch zulässig, sich die vom GG garantierten Freiheiten zunutze zu machen, die Scharia mitsamt enthaltener Körperstrafen einzuführen?

Der Fairness halber sei abschließend nochmals darauf verwiesen, dass Pierre Vogel ausdrücklich nicht die konkrete Tötung von Menschen hierzulande favorisiert, welche den Islam verlassen. Es ist insoweit auch nicht meine Intention, mit in das pauschale Horn der selbsternannten ‚Salafismus-Gegner‘ zu stoßen, sondern lediglich deutlich werden zu lassen, wie P.Vogel persönlich zur Religionsfreiheit im o.a. Sinne steht.

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