Weihnachten, eine abendländische (Konsum-)Tradition

Früher war nicht alles schöner – bekanntermaßen stellt die Erinnerung mit zunehmendem Alter fiese Fallen. Dennoch, im Laufe der Jahre ist das „weihnachtliche“ Getue verkommen zu einer dreitägigen Alibi-Veranstaltung:
Fressen-Saufen-Auspacken. Und Umtauschen.

Einzelhandel und Internetversandhäuser stellen sich auf massenhafte Retouren innerhalb der Rückgabefrist ein. Weitere 40 Prozent des verschenkten Geraffels werden alle Jahre wieder in Schuh- oder sonstigen Schränken verrotten, sofern sie nicht „fast unbenutzt“ auf Ebay vertickt werden.
Umweltbilanz? Drauf geschissen, es ist schließlich nur einmal im Jahr Weihnachten.

Sich dem gänzlich zu entziehen, ist alles andere als leicht – sofern man nicht in einer abgelegenen Almhütte überwintert.

Denn: Es weihnachtet, wohin man auch blickt. Durch hell beleuchtete Einkaufsgalerien schlurfen Weihnachtsmänner (jene Werbefiguren weihnachtlichen Schenkens, 1931 von CocaCola aufgegriffen und weltweit vermarktet) vorbei an Schaufenstern voll mit Rolf-das-rotnasige-Rentier-Socken, den nicht enden wollenden Klang von Zuckowski’s „Weihnachtsbäckerei“ in den dröhnenden Ohren. Für die ‚kaum‘ wahrnehmbare Glühweinfahne einzelner Nikoläuse habe ich vollstes Verständnis, auch um 14.20h.

Jahresendgeschäft für die Süßwarenhersteller – Deutsche können dieses Jahr 146 Millionen Nikoläuse (fr)essen – während sie sich via TV von Berichten über den Überlebenskampf von Bürgerkriegsflüchtlingen unterhalten lassen.

Brave Kinder schreiben in der Adventszeit Briefe mit Wünschen an’s Christkind – Orientierungshilfe für Eltern im vorweihnachtlichen Einkaufs-, Nordmann-Tannen- und Back-Stress. Das Fest der Liebe, der Kalorien und der Rührseligkeit naht unaufhaltsam.

Distanzierte Beobachter – jene Zaungäste, die an allem etwas auszusetzen haben, weil ihnen das Gespür fehlt für die verbindende Kraft abendländischer (Konsum-)Traditionen – stellen derweil Indizien unter dem Sammelbegriff „Geschmacklose Weihnachten“ zusammen:

Petri-Tanne

Eine Petri-Tanne zu Weihnachten?

Immerhin, mit der „Red Bull Weihnachts-Werbung“ aus dem Jahr 2007 schien das denkbar größte Maß an Respektlosigkeit erreicht zu sein:

Dagegen ist das diesjährige CocaCola -Motto zu Weihnachten bemerkenswert ehrlich:“Make someone happy“ – Mache anderen eine Freude …der Konsumindustrie, indem du möglichst viel Geld für nutzlosen Tand ausgibst.

Kein Wohlwollen hilft, falls ich es denn aufbrächte: Was ich sehe, sind Anzeichen sinnentleerten, unreflektierten Konsumterrors mit Terminvorgabe. Und doch:

Dieses Fest soll anders werden- dank Jesus:

Mit einer Jesusfigur aus Schokolade fülle der Duisburger F. Oynhausen eine „kulinarisch-religiöse“ Marktlücke, stellt Martina Herzog (→ „Jesus ist soo lecker“) fest.

Tja, in einer Zeit wie dieser ist Jesus patentiert und aus Schokolade.

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