Flucht und Migration: Wir dürfen Schicksale nicht abstrahieren!

Mehrfach hat Papst Franziskus Hilfe für Flüchtlinge angemahnt, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen:

“Es ist nicht hinnehmbar, dass das Mittelmeer zu einem Massengrab wird.”

Auch Menschenwürde ist eines seiner zentralen Themen: Menschen würden zu oft wie Objekte behandelt und einfach weggeworfen, wenn sie schwach, krank oder alt seien.

Der Papst – Oberhaupt der in ihrer Vergangenheit alles andere als all-barmherzigen Katholischen Kirche – als moralisches Gewissen für Europa? Ihm, Franziskus persönlich, kaufe ich dies ab. Dieser Kirche als Institution eher nicht – es wird sich erweisen, inwieweit Franziskus seinen Einfluss konkret wirksam werden lassen kann.

Wie immer dies ausgehen mag, die Notwendigkeit einer Neubesinnung auf die eigentlich bedeutsamen Werte ist offenkundig – sowohl in Deutschland als auch in Europa. Zu sehr haben Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sich auf einen in Kälte erstarrenden, vermeintlich rationalen Pragmatismus zurückgezogen – in welcher der Mensch und Menschlichkeit längst nicht mehr im Mittelpunkt stehen.

Es besteht die Gefahr, dass Europa sich ‚einmauert‘ – in der realitätsfernen Hoffnung, als ‚Insel der Glückseligen‘ die gewaltigen weltweiten Verwerfungen auszuwittern. Das kann so nicht funktionieren.

Schiffstragödien: Wird das Mittelmeer zum „Friedhof“ für Flüchtlinge?

Angesichts solcher Szenen wird mir klar: Es ist entscheidend, spontane Impulse des Mitfühlens nicht stehen zu lassen, man muss sie zuende denken! Kaum jemand, glaube ich, steht Menschen wie in diesem Filmbeitrag gleichgültig oder ablehnend gegenüber – niemand wünscht ihren Tod.
Doch ihre Rettung aus dem Meer ist nur ein erster Schritt.

Ist es moralisch vertretbar, sie anschließend in ihr Herkunftsland abzuschieben, sofern Asylvoraussetzungen etc. nicht gegeben sind – selbst für den Fall, dass sie dort wahrscheinlich sterben werden?

In hitzigen Diskussionen wird an dieser Stelle oft etwas wie „Aber wir (d.h. Deutschland) können sie doch nicht alle aufnehmen!“ Was fraglos zutrifft – ich habe Verständnis für diese Sichtweise und die dahinter liegende Sorge, man selbst (oder die eigene Familie, Freunde usw.) werde womöglich zu kurz kommen.
Hier tut sich ein Zwiespalt auf, der alles andere als leicht zu lösen ist.

Ich mache mir dann eines bewusst: Wir dürfen Schicksale nicht abstrahieren. Es geht in dem o.a. Beitrag nicht um „sie alle“ – sondern ganz konkret um Kinder uns Erwachsene in einer lebensbedrohlichen Lage!

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