Parallelwelten – Religiöse Sekten und Fundamentalismus in Deutschland

Dokumentation (ARD)

Was ich glaube, das möchte ich schon gerne selbst entscheiden.“

Die Aussage „Wie im Mittelalter!“ trifft in vielfältiger Weise zu, auch mitten in Deutschland. Was Menschen glauben, soll meiner Ansicht nach „Privatsache“ sein bzw. endlich werden.

Doch wie ist es unter dem Aspekt persönlicher Gewissens- und Religionsfreiheit zu beurteilen, wenn Kinder ab frühestem Alter im Sinne einer Religion oder Sekte indoktriniert werden? Religionsmündigkeit mit dem Ziel einer eigenständigen Entscheidung wird dadurch absichtsvoll ausgeschlossen.

 Religionsmündigkeit In Deutschland
Bereits ab Vollendung des 10. Lebensjahres ist das Kind zu hören, wenn es in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden soll. Ab Vollendung des 12. Lebensjahres darf ein Kind nicht mehr gegen seinen Willen in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden. Ab Vollendung des 14. Lebensjahres wird eine uneingeschränkte Religionsmündigkeit erworben.

Diese beinhaltet sowohl das Recht,
aus der bisherigen Religionsgemeinschaft auszutreten,
sich einer (anderen) Religionsgemeinschaft anzuschließen.
Der Jugendliche kann ab dann eigenverantwortlich entscheiden, ob er am Religionsunterricht teilnehmen möchte oder nicht (In Bayern und im Saarland wird bis zum 18. Lj. die Zustimmung der Eltern zur Nichtteilnahme verlangt; d.h. Jugendliche können sich dort gegen den Willen der Eltern nur durch Kirchenaustritt der Teilnahme am Religionsunterricht entziehen).
Für Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, wird z.T. das Fach Ethik als ordentliches
Unterrichtsfach (mit Teilnahmepflicht) vorgegeben.

Soweit die Theorie. Die Lebenspraxis sieht anders aus: Kaum ein Kind wird sich der religiösen Erziehung und ‚Fürsorge‘ seiner strenggläubigen Eltern entziehen, wenn sie schon im Kindergartenalter nahezu ununterbrochen massivem Druck ausgesetzt sind.

Wie diese Einflussnahme konkret verlaufen kann, zeigt nachfolgende Dokumentation:

Dabei geht es nicht um die Frage, ob eine religiöses Einjustieren von Kindern denn ‚gut oder schlecht‘ für ihr späteres Leben sei (dies ist ohnehin in jedem Einzelfall unterschiedlich). Sondern um das unbestreitbare Recht jedes Menschen, seinen Glauben, sein moralisches Konzept und seine Lebensweise selbst zu wählen – sobald er dazu geistig in der Lage ist.

In diesem Zusammenhang gibt mir ein Argument der Befürworter einer strengen, glaubensbezogenen Erziehung zu denken: ‚Um den Wert [des Glaubens bzw. einer religiösen Urschrift] zu erkennen, müssen wir mit den Augen des Glaubens sehen können.‚ Folgt man dieser Logik, so wird ein im entsprechenden Umfeld aufgewachsener Jugendlicher am leichtesten den gewünschten Zugang finden können.
Dennoch erachte ich diese Sichtweise als unvollkommen. Wirklicher Glaube erwächst nicht aus Indoktrination, sondern aus einer unvoreingenommenen Sichtung, Prüfung und Reflexion. Der Wert des betreffenden Glaubensinhaltes sollte von jedem Menschen erschlossen werden können, der sich ihm in dieser Weise nähert.

Somit wird der Weg selbst vollzogen, nicht aber von Kindesbeinen an eingeimpft und einstudiert. Wird das so erlangte Resultat nicht von ungleich höherem Wert sein und viel bewusster geschätzt werden?

Mir leuchtet ein, dass gläubige Eltern es nicht ‚darauf ankommen lassen‘ wollen, ob ihre Nachkommen sich für den Weg entscheiden werden, der ihnen selbst einzig scheint. Hier pauschal über Richtig oder Falsch zu befinden, maße ich mir nicht an – wohl aber die Feststellung: Angst und Schuld sind als Erziehungsinstrumente jedenfalls völlig ungeeignet.

Bliebe noch zu vermerken, dass Religionsmündigkeit auch im umgekehrten Fall wirksam werden kann – nämlich da, wo Kinder in einer atheistischen oder an Religion nicht interessierten Familie aufwachsen und ihren eigenen Weg gehen wollen.

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