Irakkrieg 2003 – der Ausgangspunkt der Entstehung des Islamischen Staates

„Wie konnte es so weit kommen?“

Die Schaffung eines Machtvakuums im Irak durch einen nicht von den UN gebilligten Angriffskrieg der USA schuf die Voraussetzungen, unter denen 4-5 Jahre später die Vorläufer des IS begannen, einen brutalen Terrorkrieg anzuzetteln. Insoweit lohnt es sich, die ausführliche ZDF-Dokumentation „Amerika im Treibsand – Der Irak Krieg“ anzuschauen, um die Ursachen einer von Teilen der irakischen und syrischen Bevölkerung klammheimlich unterstützten Terrorbewegung zu verstehen.

Der Zweite Irakkrieg (oder Dritte Golfkrieg) war eine völkerrechtswidrige Invasion in den Irak durch die Streitkräfte der USA  und des Vereinigten Königreichs, unterstützt von einer „Koalition der Willigen“. Er begann am 20. März 2003 mit der Bombardierung ausgewählter Ziele in Bagdad.  Als der „von Gott berufene“ US-Präsident George W. Bush am 1. Mai 2003  nach der Eroberung Bagdads und dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein „seine Mission“ für beendet  erklärte, ahnte er vermutlich nicht, welche Folgen dieser Krieg für den Nahen Osten, aber auch für sein eigenes Land nach sich ziehen würde.

Der kausale Kontext zur 9/11-Katastrophe entpuppte sich rückblickend als Fehleinschätzung: Schon im Januar 2001, unmittelbar nach dem Amtsantritt von George W. Bush, begann die US-Regierung mit der Planung des Irakkriegs.
Jahre zuvor (1998) hatte sich der neokonservative Thinktank „Project for the New American Century“ (PNAC) in einem offenen Brief an den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton für eine militärische Intervention im Irak eingesetzt: der Sturz des Regimes von Saddam Hussein solle verhindern, dass dieser jemals wieder in den Besitz von Massenvernichtungswaffen gelangen könne.

Die Bush-Administration nutzte die Terroranschläge am 11. September 2001 dazu, diese bestehenden Planungen in den USA und gegenüber den „willigen Nationen“ durchzusetzen. Begründet wurde diese Invasion als Präventivkrieg, um einen angeblich bevorstehenden Angriff des Iraks mit Massenvernichtungsmitteln auf die USA abzuwenden.
Die inzwischen klar widerlegten Begründungen für den Irakkrieg werden meist als absichtliche Irreführung der Weltöffentlichkeit bewertet, nachdem im Irak weder Massenvernichtungsmittel noch Beweise akuter Angriffsabsichten gefunden wurden. Daher werden geopolitische und wirtschaftliche Interessen der USA als tatsächliche Kriegsmotive angenommen.

„Mission Accomplished“ – die unmittelbaren Folgen

Nicht wenige Befürworter des Irakkriegs verwiesen auf ethnische Verfolgung, Folter und grauenvoller Diktatur als entscheidende Gründe für den Sturz Saddam Husseins. Tatsächlich hatte das Regime chemische Kampfmittel gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt und Massenmorde angeordnet, z.B. 1988 an etwa 100.000 Kurden. Jedoch sind die Opferzahlen des Irakkriegs, einschließlich der radioaktiven Verseuchung durch Uranmunition, mindestens sechsmal so hoch:

Insgesamt wurden 15.000 Präzisionsbomben, 8.000 ungesteuerte Sprengkörper und 800 Marschflugkörper in 30.000 Einsätzen eingesetzt. Laut ORB (Opinion Research Business) kamen von März 2003 bis August 2007 sogar mindestens 946.000 Iraker ums Leben (Stand Jan. 2008). Die Anzahl von Leukämie und anderen Krebsarten stieg zeitweise um mehr als das Zehnfache; auch Missbildungen bei Kindern nehmen drastisch zu.
Erschreckende Berichte über Kriegsverbrechen im Irak liegen vor:

Söldner des US-amerikanischen privaten Sicherheitsunternehmens Blackwater verfolgten Zivilisten mit gepanzerten Fahrzeugen und erschossen einige wie auf einer Treibjagd.

(Vgl. →Massaker von Haditha, bei dem 2005 Angehörige des United States Marine Corps (USMC) im Zuge einer „Vergeltungsaktion“ 24 unbewaffnete irakische Zivilisten ermordeten, darunter auch Kinder. Die Dokumentation „Die Toten von Haditha“ (18+, z.T. erschreckende Bilder) versucht, die Ereignisse aus mehreren Blickwinkeln aufzuarbeiten)

Lässt sich eine Lehre ziehen?

Wenngleich ein abschließendes Fazit verfrüht wäre, lässt sich doch eines festhalten: Unrechtmäßige Gewalt, gleich von welcher Seite, löst keine Probleme  – vielmehr bewirkt sie eine Verschärfung und Ausweitung von Konflikten.


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