Scobel – Aberglaube

Schnee von gestern?

Von wegen! Noch vor fünf Jahren fieberten Teile der aufgeklärten deutschen Nation den ‚Vorhersagen‘ eines wohlschmeckenden Orakels entgegen: „Krake Paul – Oktopus sagt Spanien Deutschland WM 2010 voraus. Sogar die durch Zwangsabgaben finanzierten öffentlich-rechtlichen Medien ver(sch)wendeten einiges an Sendezeit darauf, ‚Paul‘ bei seinen Ziehungen von WM-Resultaten zu begleiten. Tisch → Kopf.

Kurzum, in der modernen Welt ist Aberglaube längst nicht ausgestorben …er wurde lediglich den Erfordernissen der Zeit angepasst. Dank medialer Reizüberflutung wenden sich immer mehr Menschen ‚esoterischen‘ Angeboten zu: Serviceleistungen wie Kartenlegen und Kaffeesatzlesen lassen sich nun bequem per TV-Bildschirm ’nutzen‘ und bezahlen. Wie erklärt es sich, dass sich Aberglaube in unserer Gesellschaft weiter ausbreitet? Scobel geht dieser Frage nach und erörtert die Geschichte des Aberglaubens:

Freilich wird die Bezeichnung Aberglaube wird in der Regel polemisch auf sämtliche Glaubensformen und religiöse Praktiken angewandt, die nicht den eigenen (zu oft als ‚allgemeingültig‘ empfundenen) Überzeugungen und Lehrmeinungen entsprechen: „Da sich der Begriff von der jeweils herrschenden Welt- und Glaubenssicht her definiert, wird der Inhalt von dem jeweiligen wissenschaftlichen oder religiösen Standpunkt des Darstellers bestimmt.

Gerne werden Gegner in einem spirituellen/religiösen Dissens mit diesem Begriff belegt, um deren Mangel an theologischer Bildung ‚aufzuzeigen‘ sowie volkstümlicher und okkulter Glaubensrichtungen herabzuwürdigen.

  • Die ‚Hart Aber Fair‘ -Ausgabe vom 23.03.2015 („Von Impfgegnern bis zu Geistheilern – alles nur Aberglaube?„) befasste sich mit ‚zeitgenössischem‘ Aberglauben, wobei dieser Begriff mir hier gänzlich unangemessen erscheint. Eher ging es in dieser Talkrunde darum, den Risiken moderner Legendenbildung auf den Grund zu gehen: Wenn unreflektierter Glaube an wirklichkeitsferne Gerüchte sich auf die ‚Volksgesundheit‘ auswirkt, tut Aufklärung Not.
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