Kirchenkritik – „Verbloggung führt zur Verblödung“?

Kardinal Marx über innerkatholische Kritik am Kurs der Kirche

Dem Vorsitzenden der Dt. Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, wurde am 24.9.15 in Fulda eine Frage gestellt: „Werden Sie auch seitens der Deutschen Bischofskonferenz entschiedener gegen innerkirchliche Fundamentalisten vorgehen, wie sie zum Beispiel bei solchen Seiten wie ‚katholisches.info‘ oder anderen Bereichen sich austoben? Es wird ja immer so getan, als wenn es nur im Islam Fundamentalismus gibt, beide christliche Kirchen kennen den ja nun auch in allen möglichen Formen.

Des Kardinals‘ Antwort zeig das u.a. Video. Persönlich lasse er das gar nicht an sich heran, aber „Verbloggung führt auch zur Verblödung„:  Er vermisse, dass bestimmte Szenen, die sich untereinander träfen, gegenseitig hochjubelten und in ihrer eigenen Auffassung bestätigten, nicht argumentativ in den Diskurs mit Andersdenkenden einträten.

Ob die unterstellte Nabelschau auf die betreffenden Blogs zutrifft, wäre im Einzelfall zu prüfen. Doch selbst wenn: seit wann führt einseitige Positionierung automatisch zur Verblödung? Die betreffenden Blogs (sie werden im Video benannt, darum muss ich sie nicht auch noch verlinken) kenne ich selber auch kaum, darum gebe ich kein eigenes Urteil über sie ab.

Soweit Autoren sich auf diesen Blogseiten für die Verteidigung der klassisch-konservativen katholischen Ehe- und Morallehre einsetzen, sehe ich ich darin aber noch keinen Fundamentalismus, der mit radikal-islamisischen Strömungen gleichzusetzen wäre. Die ‚gut-katholische‘ Moral war bis vor wenigen Jahrzehnten das Normale, womit Kinder und Jugendliche aufwuchsen. Ein grob orientierter Blick auf katholisches.info zeigt mir, dass man dort gegen die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten eintritt – und natürlich gegen „Gender-Ideologie“ und erst recht gegen jede kirchliche Anerkennung von Homosexualität.

Solche Meinungsäußerungen müssen niemandem zusagen (mir gefallen sie jedenfalls nicht), aber an ihrer Zulässigkeit kann kein Zweifel bestehen: Unser Strafrecht verbietet es nicht, weiterhin jene konservativen Positionen zu vertreten, die über die  Adenauerzeit hinaus den moralischen Quasi-Standard in Deutschland bildeten.

Dass den konservativen Kreisen innerhalb der katholischen Kirche die Linie des amtierenden Papstes sowie der sog. „Franziskus-Geist“ missfallen, war absehbar. Meine Haltung dazu ist: ‚Dass sollen sie unter sich ausmachen …ich bin froh und erleichtert, mich von diesem Verein losgelöst zu haben‘.

Die Kritik von Kardinal Marx enthält durchaus auch ein konstruktives Element – die Mahnung, sich an der Diskussion über wesentliche Kirchenfragen zu beteiligen. Davon würden die Vereinsmitglieder fraglos am meisten profitieren…

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