Vom Stein zum Leben – Vortrag von Prof. Harald Lesch

Nach einer etwas langatmigen Einführung widmet sich der Erklärbär und Kosmologe Harry Lesch der Frage, wie das Leben aus unbelebter Materie entstanden sein mag. Dabei stellt er durchaus überraschende Thesen auf, z.B. „Heute kann kein Leben mehr entstehen!“ (weil die gegenwärtige Zusammensetzung der Erdatmosphäre dies nicht zulasse). Okay, so wie vor drei Milliarden Jahren würde eine Wiederholung dieses Prozesses nicht ablaufen können.

Wer primär an der Kernfrage – also wie Abiogenese und mikrobiologische Evolution abgelaufen sein könnten – interessiert sich wird sich in Geduld üben (oder vorspulen) müssen, denn Harry Lesch erläutert zunächst die Voraussetzungen zur Entstehung von Leben: Abkühlung der Erde, Vulkanismus, Wasserdampf→ Wasser, etc.

„Leben auf der Erde ist geronnenes Sonnenlicht, ist Manifestation kosmischer Energie. Auch eventuelles Leben anderswo im Universum braucht Sterne als Energiespender…“

Für Leser, de es kurz, knapp und präzise mögen, füge ich an dieser Stelle nochmals mein Lieblingsvideo zur Abiogenese ein, das die entscheidenden Vorgänge (genauer, ein Modell, wie Leben entstanden sein könnte) in nur 9 Minuten und 59 Sekunden skizziert.

Nun aber zurück zum Fabulierenden Harry (dessen ausführliche Art ich eigentlich schätze…nur in diesem Vortrag übertreibt er es für meinen Geschmack):

Die Theorie der Selbstorganisation erkläre, wie lebende Materie aus unbelebter Materie hervorgegangen sein könnte:

Der Physiker beschreibe Leben als Prozess der Selbstorganisation in einem dissipativen Nichtgleichgewicht-System, d.h. offenen offene Systemen, die in einem ständigen Materie- und Energieaustausch mit ihrer Umgebung stehen. Für solche Strukturen ist das Anwachsen von Entropie wesentlich: Energie wird der Außenwelt entzogen und gleichzeitig Abfallenergie in die Umwelt dissipiert (=verteilt). Mit anderen Worten, der Materie sei nach Vorliegen der o.a. Ausgangsbedingungen gar nichts anderes übrig geblieben, als sich zu organisieren.

Belebte Materie sei entstanden, weil die Einzelbausteine in diesem symbiotischen System Leben besser zusammenwirkten als vorher. Eingriffe eines Schöpfers (‚Gott‘) seien für diesen Organisationsprozess zu keiner Zeit notwendig gewesen; ein Merkmal selbstorganisierender Systeme, die durch solche Eigenschaften charakterisiert sind, nennt man Es können ohne externe Lenkung spontan neue Ordnungen entstehen.

Vortrag: Vom Stein zum Leben

Ergänzt und erklärt wird Leschs vermeintlich glaubensfeindliche Haltung durch ein etwas älteres Statement über Gott und die Wissenschaft (s.u.)

Die Theologie habe einen strategischen Fehler gemacht, als sie die Naturwissenschaften auf ihre Wissenslücken hinwiesen und dort Gott zu verorten. „Das ist dumm, denn jeden Tag, wo ein bisschen mehr gewusst wird, schrumpft Gott so Stück für Stück auf Bonsaigröße zusammen. Was soll das für eine Religion sein? Nein, beide Wissenschaften behandeln ganz unterschiedliche Probleme.“

Ich verstehe seine Aussagen so, dass sowohl Gott als auch das uns nach dem Tod möglicherweise erwartende Jenseits außerhalb von Raum und Zeit, d.h. außerhalb dieser materiellen Welt stattfinden. Innerhalb dieses Universums könne allenfalls die Feinabstimmung von Naturgesetzen und Naturkonstanten Hinweise auf die mögliche Existenz Gottes (gewissermaßen als ‚externe erste Ursache von Allem-was-ist‘) liefern. Das Geschehen innerhalb der materiellen Welt ohne Einwirken Gottes erklären – nicht aber die Sinnfrage („wozu das alles?“).

Naturwissenschaftler sehen sich aufgrund ihrer Kirchenzugehörigkeit bisweilen einem gewissen Rechtfertigungsdruck seitens ihrer atheistisch/agnostisch orientierter Kollegen ausgesetzt. Der gläubige Christ Harald Lesch, der sich als „Protestant vom Scheitel bis zur Sohle“ outet, bestreitet dagegen einen Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und Glaube, denn beide haben ihren eigenen, voneinander abgrenzbaren Zuständigkeitsbereich. An der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glauben besteht für ihn deshalb kein Zweifel.

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