Die beste und längste Beerdigung?

Hundertfünfzig Jahre früher hatte der Asteroidengürtel unerreichbar weit entfernt am Horizont geschwebt. Randvoll mit wertvollen Mineralien, die allerdings nicht wirtschaftlich abgebaut werden konnten – doch die äußeren Planeten waren nicht einmal in den kühnsten Träumen der genialsten Profitmaximierer der großen Firmen vorgekommen.

„Dann hatte Solomon Epstein einen leicht veränderten Fusionsantrieb konstruiert, auf seine Dreimannjacht gepflanzt und ihn eingeschaltet. Mit einem guten Teleskop konnte man sein Schiff immer noch mit einem Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit in die große Leere fliegen sehen. Die beste und längste Beerdigung in der Geschichte der Menschheit.“

Dankenswerterweise hatte er die Pläne für diesen Antrieb daheim in seinem Computer hinterlassen. Der Epsteinantrieb schenkte der Menschheit zwar nicht die Sterne, lieferte ihr ihr jedoch die Planeten des Sonnensystems aus – und den Asteroidengürtel weiter draußen.-

Der SciFi-Roman „Leviathan erwacht“ von James S. A. Corey (ein gemeinsames Pseudonym der Science-Fiction-Schriftsteller Daniel Abraham und Ty Franck) beschreibt also den Inbegriff einer ‚guten‘ Beerdigung? Kommt wohl darauf an, worauf man Wert legt? Wer ein bleibendes Zeichen hinterlassen möchte, in den Geschichtsbüchern oder, noch besser, für jedermann sichtbar, dem mag solch ein fliegendes Grab erstrebenswert scheinen.
Meine eigenen Überlegungen und Wünsche sind bei weitem profaner: Vor allem denke ich an die Zeitspanne vor meiner glanzlosen Feuerbestattung (nicht nötig, der Nachwelt ein Häuflein Schwermetalle und Sondermüll zu hinterlassen, das allmählich ins Grundwasser eindringt) – der Sterbevorgang jagt mir regelmäßig ein Schauern über den Rücken, doch was danach mit meinem physischen ‚Andenken‘ geschieht, ist mir relativ gleichgültig.

So gesehen ist kaum anzunehmen, Solomon Epstein hätte einen angenehmen Tod erlitten, wäre seine Person nicht fiktiv. Doch sind auch reale Personen von dem Wunsch beseelt, unter keinen Umständen in Vergessenheit zu geraten. Gelingt ihnen dies, indem sie der Nachwelt eine großartige Erfindung oder ein unvergessliches Kunstwerk hinterlassen, um so besser.

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