Nicht-öffentliche Prozesse der kath. Kirche in Deutschland

„Die Kirche ist eine Institution, das haben wir auch gelernt in den letzten Jahren, die anders ist als andere Institutionen, die unter anderem eben ein eigenes Rechtssystem hat und eigene Gerichte hat.“[1]

Hierzulande gibt es 22 katholische Straf- und Ehegerichte. Dort finden Zeugenbefragungen und Verhöre statt; es gibt Ermittler, Gutachter, Kirchenanwälte, Vernehmungsrichter. Sämtliche Prozesse finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

„Nur selten dringt etwas nach außen und das ist gewollt.“

Diese Gerichte befassen sich unter anderem mit den Verfehlungen des eigenen Personals, etwa mit Missbrauchstätern. Ferner werden sog. „Ehenichtigkeitsverfahren“ geführt – die einzige kirchenrechtliche Möglichkeit, eine katholische Ehe aufzuheben, d.h. „eine Chance für hunderttausende Kirchenangestellte die trotz einer zweiten Beziehung ihren Arbeitsplatz nicht verlieren wollen“.

Resultat dieser Kirchengerichtsprozesse sind In-Group-Urteile, d.h. sie besitzen Relevanz (nur) für Personen, welche der betreffenden Gruppe angehören. Für Außenstehende besitzen diese Urteile meist weder eine Bedeutung noch haben sie spürbare Auswirkungen.

Der Film „Richter Gottes“ gibt zum ersten Mal einen Einblick in die Welt der deutschen Kirchengerichte und zeigt, welche Prozesse dort geführt werden:

Die kirchenrechtliche Abklärung des Fortbestehens einer (kirchlich geschlossenen) Ehe – ein durchaus nachvollziehbarer Vorgang. Dagegen fehlt mir für jegliche Formen einer Paralleljustiz im Strafrecht jedes Verständnis – ganz gleich ob nun nach der Scharia oder Prinzipien eines Kirchenrechts gerichtet werden soll. Wir leben Deutschland.

Zudem erweist sich die kircheninterne Aufarbeitung von Straftaten als intransparent. In jedem Falle bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn Geistliche, die Kinder missbraucht haben, von Kirchengerichten verurteilt und nicht von weltlichen, wie ’normale‘ Personen auch.

Quellenangaben

  1. Sprecher der Opfergruppe bewertet Kirchengerichtsurteil als zu milde: „Für den Täter ist das keine wirkliche Strafe“ (Missbrauch am Berliner Cusanius-Kolleg)
  2. Kirchengerichts-Urteil zu Missbrauch: „Das ist beschämend“ (SPIEGEL)

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