Reisebericht ins Jenseits? Der ‚Himmelsbeweis‘ von Dr.med. Eben Alexander

Buchtipp: „Blick in die Ewigkeit – Die faszinierende  Nahtoderfahrung“, Dr. med. Eben Alexander – (→ Leseprobe als Pdf)

Wann immer Menschen über ihr ‚Leben nach dem Tod‘ schreiben, landen sie damit weit oben in den Bestsellerlisten. Dieser Bericht eignet sich vor allem für Skeptiker („Um ein echter Skeptiker zu sein, muss man etwas tatsächlich untersuchen und es ernst nehmen.“), denn er wurde von einem erfahrenen Neurochirurgen verfasst, der seiner eigenen NTE (Nahtod-Erfahrung) nicht mal skeptisch war. Sondern überzeugt, solche Erlebnisse seien zwar subjektiv real, aber halt nur ein Produkt des Gehirns.

Erst im Zuge einer überaus seltenen (bakteriellen) E.-coli- Meningitis sei er infolge seiner persönlichen Erlebnisse zu einer völlig gegenteiligen Auffassung gelangt. Sein medizinisch-fachliche Hintergrund gab für mich überhaupt erst den Ausschlag, dieses Buch zu lesen: auf dem riesigen Markt esoterischer Eitelkeiten finden sich heute zahllose Berichte über Nahtoderlebnisse, doch stammen diese oftmals von Personen, die aufgrund ihres weltanschaulich-religiösen Hintergrundes für solche Erfahrungen prädestiniert sowie deren anschließende Vermarktung sein könnten …was auf Dr. E. Alexander halt nicht anwendbar schien.

Je intensiver ich mich freilich mit der Lebensgeschichte Alexanders befasse, um so deutlicher wird die fast zwangsläufig anmutende Verschränkung von Licht- und Schattenseite im Leben eines Menschen. Leider kommen die nachteiligen Aspekte in Proof of Heaven nur unzureichend zum Ausdruck …dabei hätte gerade dieses Typische dem eigentlichen Anliegen zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen können.

Kausalität und Spekulation – Wie kommt eine NTE zustande?

Ich behaupte, dass das menschliche Mysterium unglaublich erniedrigt wird durch den wissenschaftlichen Reduktionismus mit seinem Anspruch, der promissorische Materialismus erkläre letztlich die ganze spirituelle Welt in Form von Mustern der neuronalen Aktivität. Diese Annahme muss als Aberglaube eingestuft werden … wir müssen erkennen, dass wir sowohl spirituelle Wesen mit Seelen sind, die in einer spirituellen Welt existieren, als auch materielle Wesen mit Körpern und Gehirnen, die in einer materiellen Welt leben.“ Sir John C. Eccles4)

„Das Gehirn gehört dem Ich und nicht umgekehrt“. Eccles prägte einen „trialistischen Interaktionismus“: Nicht nur der Geist wirke auf das Gehirn. Das Gehirn und seine darin gespeicherten Erfahrungen beeinflussen auch das Bewusstsein. –

Im Anschluss an dieses Zitat, das so bemerkenswert ist wie sein 1997 verstorbener Urheber, stellt Dr. Alexander eigene Überlegungen vor, wie seine NTE zustande gekommen sein möge:
„…ein verzerrter Rückgriff auf Erinnerungen aus tieferen Teilen meines limbischen Systems, dem Teil des Gehirns, der die emotionale Wahrnehmung anregt? Wieder nein. Ohne einen funktionierenden Neokortex konnte das limbische System keine Visionen von derartiger Klarheit und Logik hervorbringen, wie ich sie gehabt hatte.“
Auch bewusstseinsverändernde Medikamente hatten ohne einen funktionierenden Neokortex keinen Boden, auf dem sie wirken konnten. Selbiges betrifft auch weitere Phänomene, wie REM-IntrusionA) oder DMT-AusschüttungB).

Spannender ist da schon das sog „Neustart-Phänomen“. Dieser Hypothese zufolge wäre eine Ansammlung von weitgehend zusammenhanglosen Erinnerungen und Gedanken ‚übriggeblieben‘, bevor sich der Kortex verabschiedete. Wie ein Computer, der nach einem Absturz bei einem Neustart möglichst viel an Daten rettet, hätte das Gehirn demnach die erlebte Erfahrung (d.h. die NTE), aus diesen verbliebenen Fragmenten zusammengesetzt. (→ Vgl. „Streich des Gehirns oder Seelenbeweis?„, Focus, Jan. 2016)

„Doch das scheint höchst unwahrscheinlich angesichts der Feinheit und der Interaktivität meiner vielschichtigen und in sich stimmigen Erinnerungen.“

Das ist je der entscheidende Punkt: Sofern allein das Gehirn Bewusstsein produziert, wie kommen dann solche Produkte‘ in komplexer Form und Anordnung zustande, obwohl alle höheren Teile des Gehirns deaktiviert sind, was sich ja auch anhand von Messungen belegen lässt?
Hier ließe sich höchstens noch einwenden, die neurophysiologische Forschung sei halt noch nicht so weit, diese Prozesse (gewissermaßen auf einem kaum messbaren ‚Reststrom‘ beruhend) in ihrer Gesamtheit darzustellen …nette Ausflucht. Wer als Wissenschaftler so argumentiert, muss vom logischen Standpunkt aus betrachtet die Möglichkeit eines nicht vom Gehirn abhängenden Bewusstseins und Erinnerns immerhin offenlassen.

“ Weil ich die nicht lineare Natur der Zeit in der spirituellen Welt so intensiv erlebt habe, kann ich jetzt verstehen, warum so viel, was über die spirituelle Dimension geschrieben wird, aus unserer irdischen Sicht verdreht oder einfach nur unsinnig erscheint.“

Für mich absolut glaubhaft. Schon meine ganz ‚normalen Träume‘ (welche vom Inhalt her soo normal gar nicht immer sind) finden in einem von der im Wachszustand wahrnehmbaren zeitlichen Realität abweichenden Kontext statt: Mitunter nicke ich am Abend schon mal kurz vor dem TV ein, meistens wenn gerade Werbung läuft.
Diese Naps dauern oft keine 10 Minuten, doch das Erlebte (Erträumte) darin dauerte gefühlte 2-3 Stunden. Und, anders als nach vielen nächtlichen Träumereien, an diese Sequenzen kann ich mich anschließend gut erinnern…ich schreibe sie dann in mein Tagebuch, weil die Erinnerung andernfalls nach wenigen Tagen verblassen würde.
Andererseits bin ich bislang weit davon entfernt, von meinen eigenen Traumerlebnissen auf eine solche Dimension außerhalb der Raumzeit schlussfolgern zu können – weshalb ich Alexander’s Bericht zwar Glauben schenke, ihn dennoch nur zum Teil in meine Vorstellungswelt integrieren kann.

Was Dr. Alexander en detail durchlebte? Nun, davon möchte ich nicht allzu viel verraten – um nicht nolens volens zu relativieren.
Folgendes sei aber dazu gesagt. So schockierend und bedrohlich die medizinischen Einzelheiten und die Vorstellung vom nahe bevorstehenden Tod eines Familienvaters, der noch mitten im Leben steht, auch auf mich wirken- die Worte von Dr. Eben enthalten viel Tröstliches:

„Letztlich ist niemand von uns ein Waisenkind. Wir sind alle in der Position, in der ich war (…): Wesen, die uns beobachten und über uns wachen; Wesen, die wir zeitweise vergessen haben, die aber, wenn wir für ihre Anwesenheit offen sind, nur darauf warten, uns während unserer Zeit hier auf der Erde zur Seite zu stehen. Keiner von uns ist je ungeliebt. Der Schöpfer, der uns mehr liebt, als wir überhaupt begreifen können, kennt jeden Einzelnen von uns ganz genau und kümmert sich um uns. Dieses Wissen darf nicht länger ein Geheimnis bleiben.“

Als Mediziner sei er sich natürlich über die Schwierigkeiten im Klaren, diese neue Sicht seinen Kollegen sowie Wissenschaftlern im allgemeinen nahe zu bringen.Als er sich mit ‚wissenschaftlichen‘ Erklärungen von Nahtoderlebnissen befasste, sei er schockiert über deren Fadenscheinigkeit gewesen. „Und doch musste ich zähneknirschend zugeben, dass es genau die Erklärungen waren, auf die mein altes „Ich“ vage verwiesen hätte, wenn mich jemand gebeten hätte zu „erklären“, was ein Nahtoderlebnis ist.“

Aber mal ehrlich – „proof of heaven“?

Die Amis lieben solche Wortkreationen, doch für einen renommierten Harvard-Wissenschaftler und ‚Hirnexperten‘, der zuvor ähnliche Erlebnisse häufig von Patienten zu hören bekam und als Phantasie abtat, mag eine Selbsterfahrung – zunächst „nicht als Person, sondern wie ein Wurm, oder ganz körperlos, einfach nur seiend“ – durchaus Beweischarakter besitzen. Seine Erfahrungen hätten ihm gezeigt, „dass der Tod des Körpers und des Hirns nicht das Ende des Bewusstseins sind, dass der Mensch Erfahrungen macht über den Tod hinaus.“
Für viele von uns, die bisher noch nicht durch dieses Nadelöhr (und wieder zurück) mussten, wäre es mutmaßlich sehr ähnlich …ob wir auch einen wunderschönen, weiblichen Engel an unserer Seite hätten muss freilich offen bleiben.
Drei zentrale Wissensbausteine seien ihm von diesem engelsgleichen Wesen („the girl on the butterfly wing“) mitgegeben worden:

„Du wird geliebt, für immer.
Du musst nichts fürchten.
Du kannst nichts falsch machen.“

Ich weiß ja nicht wie es Ihnen damit geht, doch sobald ich diese Aussagen höre, türmt sich in meinem Denken reflexhaft die leidige Warum? – Frage auf: Wenn „alles gut“ ist, warum und wozu sind wir dann hier und werden in beinahe jeder Stunde unseres irdischen Erwachsenendaseins mit menschlicher Unzulänglichkeit (oft bei uns selbst) und auch Boshaftigkeit konfrontiert?

Hier „ist es unsere Aufgabe,
dem Göttlichen entgegenzuwachsen“.

Diese Lehre vom seelischen Reifungsprozess findet sich in vielen spirituellen Lehren wieder. „Denken Sie an jede Enttäuschung, die Sie jemals erlebten. Ich spüre, dass alle Verluste, die wir hier auf Erden erdulden müssen, in Wahrheiten Varianten eines sehr zentralen Verlustes sind; dem Verlust des Himmels.“

Eine Objektivierbarkeit der Erfahrungen des Neurochirurgen sowie seiner späteren Interpretation ist natürlich nicht gegeben – es handelt sich um eine sehr persönliche Schilderung, die mit den reduktionistischen Methoden der Wissenschaft weder beschreibbar ist noch reproduzierbar.

„Den Himmel und die Engel hat nur Eben Alexander gesehen. Für die Leser beginnt hier das weite Feld von Glauben oder Nichtglauben.“1

Dr.Eben Alexander talks about his Near Death Experience

Wer solche Wörter kennt, kann kein Spinner sein? – Kritik und Glaubwürdigkeit

Zuerst stieß ich auf den Artikel von Lucas Wiegelmann (WELT) – Überschrift „Eben Alexander und die Leere Gottes“ – der sich in launig-humoriger Weise mit Esoterikautoren beschäftigt. Deren Glaubwürdigkeitsproblem überwinde Alexander mit Leichtigkeit: „…da Klappentexte lügen können, benutzt er viele Neurochirurgenvokabeln zur Beglaubigung. Zerebraler Vasopasmus, Status epilepticus, Hyponatriämie, zack! Wer solche Wörter kennt, kann kein Spinner sein.“

Okay, ein paar mal geschmunzelt, aber nichts Handfestes, um richtig meckern zu können, oder? Das Magazin Esquire berichtete in seiner August-Ausgabe 2013, vor der Herausgabe des Buches Blick in die Ewigkeit sei Dr.Alexander von einigen seiner Stellen entlassen worden; mehrfach sei er wegen Fehlbehandlungen (5 innerhalb von 10 Jahren) sowie Aktenfälschung medizinischer Unterlagen angeklagt worden. Die Verfahren wurden jeweils durch Vergleiche und Bußgelder beigelegt. 2007 wurde ihm die Erlaubnis zu operieren vorübergehend entzogen.Vor diesem Hintergrund habe Dr.Alexander ‚eine Neuerfindung‘ gebraucht. Die Beschreibung seiner Person als ein „Experte auf dem Gipfel der säkularen Wissenschaft“ relativiere sich insoweit.C)

Auch widerspreche Alexanders Darstellung, dass sein Koma durch eine schwere bakterielle Meningitis hervorgerufen war und er keine höheren Hirnfunktionen mehr hatte, der Aussage seiner behandelnden Ärztin Laura Potter: durch Medikamente sei er zeitweilig in ein künstliches Koma versetzt worden. Eine absolute Bewusstlosigkeit zum Zeitpunkt seiner Nahtoderfahrung wird von der Ärztin nicht bestätigt. Stattdessen soll er ansprechbar, aber im Delirium gewesenen sein („Conscious but delirious“)2.
Als Alexander seine Kollegin Potter um ein Feedback zum Buchentwurf bat, habe auf einzelne Bedenken die Antwort erhalten, im Rahmen der ‚künstlerischen Freiheit‘ seien Passagen seines Buches ‚dramatisiert und dadurch für die Leser interessanter gestaltet worden‘.

Es ist klar – an solch einem Fall scheiden sich die Geister. Dass im Zuge einer derartigen Auseinandersetzung zwischen kollidierenden Weltbildern auch die Glaubwürdigkeit von ‚Zeugen‘ in Zweifel gezogen wird, ist wenig überraschend. Andererseits wäre schon zu wünschen, dass ein Buchautor, der seine Fachkompetenz als Mediziner in nahezu jedem Kapitel betont, diese Schattenseite seiner beruflichen Karriere nicht ganz verschweigt. Seine zeitweilig durchaus ernsten Alkoholprobleme finden im Buch eingehende Erwähnung, wäre Dr. Alexander ähnlich off en mit den zurücklegenden Rechtsstreitigkeiten umgegangen, müsste er sich dann nicht mit boshaft-sarkastischen Charakterisierungen auseinandersetzen, wie sie im systematischen Demontagebemühen des Esquire zu lesen sind?

→ „Dr. Eben Alexander looks less like a messenger from heaven and more like a true son of America, a country where men have always found ways to escape the rubble of their old lives through audacious acts of reinvention.“2 Sinngemäß übersetzt: „Dr. Eben Alexander sieht weniger wie ein Himmelsbote und mehr wie ein echter Sohn Amerikas – einem Land, wo Menschen immer Wege fanden, den Trümmern ihres alten Lebens durch kühne Taten der Neuerfindung zu entkommen.“

Tja, und dann sah er das Licht.-

Was mich betrifft, so neige ich zu einer etwas anders gelagerten Kritik: Wie beschrieben, schildert Alexander seine Herausforderung, die eigene NTE im Kreis seiner Mediziner-Kollegen glaubhaft zu vermitteln. Dabei rennt er des öfteren gegen unsichtbare Wände an, was lt. seiner Darstellung ausschließlich dem materialistischen Weltanschauung seiner Kollegen geschuldet war. Die ganze Wahrheit hätte womöglich lauten müssen: Auch sein durchaus angekratztes Renommee als Neurochirurg mag mitgeschwungen haben, falls andere Mediziner seiner Schilderung nicht eben ungeteilte Begeisterung entgegen brachten.
Ein objektiver Gottes- oder Himmelsbeweis kann durch die subjektiv geschilderten Erlebnisse einer Einzelperson natürlich nicht erbracht werden …auch habe ich Zweifel, ob ein derartiger Beweis, könnte er jemals bewerkstelligt werden, überhaupt wünschenswert ist…

„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“?

Na jaa, ganz umsonst …ohne einen klitzekleinen Obolus zu verlangen?

Um etwas klarer zu sehen, lohnt sich auch ein Blick auf das kommerzielle Leistungsspektrum von Dr. Alexander – Webinare und Meditationen („Discover Your Own Proof of Heaven“) zum Schleuderpreis von nur 60,00 US$ laut dem o.a. Esquire-Artikel2. Neuere Angebote sind Veranstaltungen zur „Befreiung des Bewusstseins vom Gehirn“ (echt jetzt?) und Schalltherapie …bei Interesse an Geistheilung und so Sachen überhaupt nicht schwer zu finden…aber vorher bitte noch die Ratschläge und Hinweise des Dalai Lama5 lesen, ja?

Nun ja, Propheten wollen halt auch leben.

Für ‚Suchende‘, zu denen ich mich ungeachtet zeitweiliger Schübe von Zynismus weiterhin zähle, stellt sich dennoch eine Frage, wie sie weiter vorgehen wollen: Muss es jeweils der neuste Schrei sein, ein weitere Live-Reportage aus dem Nirwana, idealerweise mit Om-Bastelset nach alter YPS-Manier?
Oder macht es vielleicht mehr Sinn, sich den alten, dafür verlässlicheren Wurzeln zu widmen? → Tipp: auf rabhupada-books.de finden Sie genug Lesestoff über die Veda für Jahre. Darunter Bhagavad-gita und Srimad Bhagavatam – vollständig, auf deutsch + Sanskrit + Sanskrit-Transliteration – und mit einem Vers-für-Vers-Kommentar, den sogar ich verstehe.
Und alles für umsonst zum PDF-Downloas, aber bestimmt nicht vergeblich 😉


Anmerkunken/Erläuterungen

  • A) Während der REM-Phase im Schlaf, der an den schnellen Augenbewegungen (rapid eye movement) zu erkennenden Traumphase, kann es ebenfalls zu außerkörperlichen Erfahrungen (OBE) und anderen NDE-Phänomenen kommen, die heute niemand mehr für paranormal hält. Bei einigen Menschen treten diese REM-Phasen auch im halbwachen Zustand auf. Die Neurologen sprechen von einer REM-Intrusion.
    Vgl.: Todesnahe Erlebnisse nur ein Traum – Studie vermutet REM-Phänomen„,
    aerzteblatt.de 2006
  • B) Die Substanz DMT, N,N-Dimethyltryptamin, ist ein Tryptamin-Alkaloid, welches sich einerseits in Pflanzen und dem Hautdrüsensekreten einiger Kröten findet und in geringen Konzentrationen auch auch dem menschlichen Körper „fast allgegenwärtig“ erscheint. Die These der DMT-Ausschüttung geht davon aus, in besonderen Stress-Situationen könne der Körper diese Substanz freisetzen und ‚psychedelische Erlebnisse‚ auslösen.
  • C) Mit ärztlichen Fehlbehandlungen und „Kunstfehlern“ kenne ich mich nicht aus. Als medizinischer Laie ist mir immerhin so viel klar: Trotz besonderer Sorgfaltspflichten lassen sich Fehler in keinem Berufszweig ganz ausschließen. Der Fairness halber wäre ein statistischer Kontext zu betrachten: Welcher prozentuale Anteil von Fehlern ist denn im Bereich der Gehirn- und Neurochirurgie ‚üblicherweise zu erwarten‘? War die Erfolgs- bzw. Misserfolgsquote von Dr. Alexander signifikant anders als die seiner Fachkollegen auf dem Sektor der stereotaktischen RadiochirurgieD) ?
  • D) Die stereotaktische Bestrahlung ist eine technisch aufwendige Sonderform der Strahlentherapie. Hierbei wird ein relativ kleines, klar gegen benachbartes gesundes Gewebe abgrenzbares Volumen, z.B. ein Tumor oder eine Gefäßmissbildung, hochdosiert bestrahlt. Dabei können Zielpunkte im Körper des Patienten mit einer Präzision von wenigen Millimetern definiert werden. Nach dreidimensionaler computergestützter Bestrahlungsplanung wird der Tumor punktgenau aus mehreren Raumrichtungen bestrahlt. Im Zielbereich treffen alle Strahlen aufeinander und addieren sich nur hier zur Gesamtdosis, so dass das umgebende Gewebe optimal geschont wird.
    Soweit ersichtlich, handelt es sich hierbei zwar nicht mehr um völliges Neuland, aber doch um eine sehr moderne Therapiemehode, deren Technologie laufender Optimierung unterliegt – auch dies ist bei der Betrachtung von Behandlungsfehlern sicherlich zu berücksichtigen.

Quellenangaben/Literaturhinweise:

  1. 7 Tage im Koma – Die betörende Erfahrung eines Hirnexperten„,
    Die Welt, 2012,
  2. The Prophet -Before Proof of Heaven made Dr. Eben Alexander rich and famous as a „man of science“ who’d experienced the afterlife, he was something else: a neurosurgeon with a troubled history and a man in need of reinvention“, Esquire, August 2013,
  3. „The Doctor Whose Story Debunked Proof of Heaven“, Esquire, Juli 2013,
  4. Wanderer zwischen drei Welten“ – Mit John C. Eccles starb der letzte Neurophysiologe, der noch an die Seele glaubte, ZEIT v. 16.5.1997.Als Katholik beschäftigte sich Dr. Eccles mit der Frage, wie denn der von Gott geschaffene Geist auf das materielle Gehirn einwirken könne. Des Rätsels Lösung lag in der Reizleitung zwischen den Neuronen: „Jede Zelle besitzt bis zu 10 000 Schaltstellen (Synapsen) zu Nachbarzellen. Erreicht ein Nervenreiz eine Zelle, öffnen sich winzige Säckchen (sogenannte Vesikel) und setzen chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) frei. Diese Transmitter durchqueren den Spalt, der die Synapsen zweier Nachbarzellen trennt und leiten den Reiz weiter.“Allerdings führe nicht jeder einlaufende Nervenimpuls zwangsläufig zur Ausschüttung eines Transmitterbläschens. Eccles deutete diese Tatsache so: Das Bewusstsein modifiziere die Wahrscheinlichkeit, mit der die Botenstoffe freigesetzt werden – auf diese Weise wirke der Geist auf das Gehirn ein.
  5. Wer Interesse und Geduld hat, mag sich auch das Symposium with scientists and scholars entitled „Life and After Life“ am Maitripa College in Portland vom 10.5.2013 anschauen. Teilnehmer waren u.a. der Dalai Lama und Alexander Eben. Etwa ab der 45. Minute kommentiert der Dalai Lama, der kein native english speaker ist, den zuvor gehörten Vortrag von Alexander in auf seine  Weise:
    Der Buddhismus kenne drei Kategorien beobachtbarer Phänomene: 1. Evidente Ereignisse, welche objektiv feststellbar und messbar sind. 2. ‚versteckte‘ Phänomene, welche sich aber auf Basis der 1. Kategorie begründen und darlegen lassen. 3. Die Dritte Kategorie aber sei „extremely hidden phenomena“ vorbehalten, also äußerst schwer zugänglichen, bisweilen obskuren und kaum objektivierbaren Erscheinungen. Der einzige Zugang zu ihnen bestehe in persönlicher (Selbst-)Erfahrung oder einem Zeugnis einer dritten Person.

    „For him [E. Alexander] it’s something reality. Real. But those people who never sort of experienced that, still, his mind is a little bit sort of…“ Er zeigt mit dem Finger an seinen Kopf „…different!“ Also anders, sagt er. Lacht herzlich und seine Zuhörer lachen mit ihm. Das Lächeln im Gesicht Alexanders ist eher schmal.

    „For that also, we must investigate,“ spricht der Dalai Lama weiter, „Through investigation we must get sure that person is truly reliable ….When a man makes extraordinary claims, a thorough investigation is required, to ensure that person reliable, never telling lie,“ and has „no reason to lie.“ Es bedürfe eine sogfältigen Untersuchung, um sicher zu ehen, dass diese Person verlässlich sei, nicht/niemals lüge – und dass sie auch keinen Anlass zur Lüge hat. Die Körpersprache des Dalai Lama lässt keinen Zweifel daran, auf wen sich diese Worte beziehen.
    Bestimmte Erscheinungen lägen nun einmal außerhalb der Zuständigkeit von (Natur-)Wissenschaft – hierbei müsse unterschieden werden zwischen noch unerforschten Bereichen und solchen Dingen, die bereits klar widerlegt werden konnten.

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