Physiker und ihr spezieller Humor

Vor fünf Jahren leisteten sich ein paar Kernphysiker einen Aprilscherz, den nicht jeder lustig gefunden haben dürfte – vor allem nicht verschwörungstheoretisch angehauchte Gegner des LHC in Genf. (Vgl. dazu: „Angst vor Weltuntergang – Amerikaner klagt gegen Teilchenbeschleuniger“ – Tenor: Die Wissenschaftler gingen mit ihren Experimenten ein Risiko ein, das sie nicht einschätzen könnten. Um ehrlich zu sein: Für die Strategie der LHC-Skeptiker hatte ich seinerzeit durchaus Verständnis: die Inbetriebnahme des LHC auf juristischem Wege zu verzögern, bis die Unbedenklichkeit des Beschleunigers bewiesen oder widerlegt sei.
Andererseits ist es auch Laien wir mir möglich, derlei Befürchtungen durch eine einfache Recherche mindestens zu relativieren: „Das beste Argument gegen eine mögliche Gefahr von MBHs (mikroskopische Schwarze Löcher) stellt die kosmische Strahlung dar. Diese Strahlung, die unseren Planeten von der Sonne und anderen kosmischen Objekten erreicht, besteht aus Teilchen mit einer millionenfach höheren Energie, als die im LHC erreichbare Energiegrenze. Und da die Erde auch nach 4.5 Milliarden Jahre Dauerbeschuss dieser Teilchen immer noch existiert, kann davon ausgegangen werden, dass MBHs, sofern sie existieren und im LHC produziert werden könnten, keine Gefahr für unsere Welt darstellen“., Vgl. LHC-Facts)

Der Aprilscherz aber ging so:

„Am Teilchenbeschleuniger LHC am CERN ist eine physikalische Sensation gelungen, mit der niemand gerechnet hat: Es wurde ein stabiles, mikroskopisches Schwarzes Loch erzeugt. Dies gab CERN-Direktor Rolf-Dieter Sold gestern Abend in einer Eilmeldung bekannt. (…)

Die Erzeugung eines stabilen und stationären Wurmlochs Schwarzen Lochs am LHC ist höchst unwahrscheinlich. Falls dennoch ein plötzlicher Verlust an Strahlungsintensität ohne ersichtlichen Grund auftritt, ist es denkbar, dass ein schwarzes Loch entstanden ist, dass große Teile des Protonenstrahls absorbiert hat. Die resultierende elektrische Ladung des Schwarzen Lochs erlaubt es, es durch die Dipolmagnete zu kontrollieren, die deshalb nicht heruntergefahren werden dürfen.“

Im April 2012 hatte ich diesen Joke verpasst, aber der Terminus „Wurmloch“ hätte mich stutzig werden lassen. Diese Vorstellung einer Einstein-Rosen-Brücken (ER)  ist zwar nicht pure Science Fiction – wird aber vorzugsweise von SF-Autoren aufgegriffen und zu ausgedehnten Zeitreisen, Dimensionssprüngen sowie Alien-Landungen auf der Erde ‚verfeinert‘. (Die Aliens haben nämlich ein reisetechnisches Problem: schneller als mit Lichtgeschwindigkeit reisen geht bekanntlich nicht – um also die Entfernung zwischen ihrer Heimatwelt und unserer Erde zu überbrücken, benötigen sie eine Art ‚Abkürzung‘.)

Eben dazu werden dann Wurmlöcher phantasievoll eingebunden, um  einigermaßen plausibel zu erklären, wie die Aliens es bis zu uns schafften, ohne vorher entweder an Altersschwäche zu sterben oder sich wahlweise in einem Generationenraumschiff gegenseitig an die Gurgel zu gehen …oder allmählich zu degenerieren.
Nur daher kenne ich den Begriff – als begeisterter SF-Leser. Unter ernsthaften Kernphysikern ist die 1957 von John Archibald Wheeler geprägte Idee der Einstein-Rosen-Brücke bestenfalls umstritten. Der Fachliteratur ist auch zu entnehmen, Wurmlöcher seien in der allgemeinen Relativitätstheorie instabil.

Wurmloch in einem zweidimensionalen Universum. Sowohl ein Weg entlang des roten als auch einer entlang des grünen Pfeils ist im blauen, zweidimensionalen Raum eine Gerade.

Auf die Idee, diese theoretische Konzeption in einen Aprilscherz über den LHC einzubinden, muss man trotzdem erst mal kommen. Der Artikel ist also durchaus lesenswert, aber halt bitte nicht ernst zu nehmen.

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