Streitgespräch zwischen Hanna-Renate Laurien und Eugen Drewermann (1992)

„Der Mensch wird von der Kirche zum Glauben gerufen und nicht zum Denken.“

…schreibt Uta Ranke-Heinemann in der Einleitung ihres Buches ‚Nein und Amen‘. Der Mensch sei, „wenn es ihn nach Wahrheit verlangt und wenn er damit nicht nur die von den kirchlichen Vorgesetzten vorgesetzten Wahrheiten meint, auf sich selbst verwiesen“. Von Ranke-Heinemann ist es nicht sehr weit zu Eugen Drewermann, beide waren der innerkirchlichen Hierarchie ein Dorn im Auge und ihnen wurde die Lehrerlaubnis in katholischer Theologie entzogen.

Anscheinend wende ich meine Aufmerksamkeit zunehmend ‚historischen‘ Disputen zu, vielleicht weil ich in den gegenwärtigen Formaten die wünschenswerte Tiefe vermisse. Wahr ist aber auch: vor 25 Jahren, also 1992, fehlte mir persönliche bei weitem die Tiefe und die Geduld, mich auf einen zweistündigen theologischen Disput hörend einzulassen. Es ist also ein Glücksfall, in einer Zeit zu leben, in der solche Gespräche aufgezeichnet werden und Jahrzehnte später verfolgt werden können.

Am 19. Juni 1992 übertrug das ZDF ein Streitgespräch zwischen Hanna-Renate Laurien und Eugen Drewermann, das im Rahmen des 91. Deutschen Katholikentages in Karlsruhe.

Zur Erinnerung:
Hanna-Renate Laurien (1928 – 2010) war als CDU-Politikerin von 1976 bis 1981 Kultusministerin in Rheinland-Pfalz, von 1981 bis 1989 Schulsenatorin von Berlin und von 1991 bis 1995 Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin. Sie war damals Vorsitzende des Zentralkommittees der deutschen Katholiken, der größten katholischen Laienorganisation in Deutschland. Laurien zeigte sich durchaus mutig: „Für mich ist Ratzinger nicht die Kirche.“

Ausgangspunkt des Disputs ist Drewermanns Anliegen, die katholische Kirche menschenbezogener und -freundlicher zu gestalten und das Ziel des Heilen weit mehr in den Vordergrund zu stellen als jedes Festhalten an Dogmen, mit denen sich nicht erst seit kurzem nur noch sehr wenige Mitglieder vollständig identifizieren können, wenn sie selbst-kritisch über deren Gegenstand nachdenken.

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