Grönemeyers Kühe oder ‚Was geht ab‘?

25 Jahre meines Lebens und immer noch versuche ich,
das Ziel, diesen großen Berg der Hoffnungen zu erreichen,

auf eine Bestimmung.
Ich begriff schnell, als ich wusste, es war an der Zeit.
Dass die Welt errichtet werde für die Brüderschaft der Menschheit.
…was immer das auch bedeutet.

Und so weine ich manchmal, wenn ich im Bett liege.
Nur um alles herauszubekommen, was in meinem Kopf ist.
Und ich, ich fühle mich ein wenig sonderbar.

So wache ich am Morgen auf und gehe nach draußen.
Ich nehme einen tiefen Atemzug.
Und ich werde ganz schön high,
Und ich schreie aus vollen Kräften:
Was geht hier ab?
(Refrain)

Und ich versuche, oh mein Gott, wie ich es versuche!
Ich versuche es die ganze Zeit …in dieser Einrichtung.
Und ich bete, oh mein Gott, wie ich bete!
Jeden einzelnen Tag bete ich für drastische Veränderung.

Und manchmal weine ich, wenn ich im Bett liege.
Um alles los zu werden, was in meinem Kopf ist.
Und ich, ich fühle mich ein wenig seltsam.

Was geht da ab?
25 Jahre meines Lebens und immer noch versuche ich,
das Ziel, diesen großen Berg der Hoffnungen zu erreichen.

In meinem Fall sind es 2 mal 25 Jahre, und noch ein wenig mehr. Wie hat sich mein Blick auf das Leben seit etwa 1993 verändert? Nun, meine Hoffnungen, Sehnsüchte sowie die Suche nach Antworten auf große Fragen haben sich geordnet und teilweise relativiert.
Was ist mit Gott, der in in diesem Song so eindringlich angerufen wird, wie dies auch in meinem Leben oft geschah? Kurze Antwort: Keine Reaktion, geschweige denn ein ‚Zeichen‘.

Die wichtigere, konkrete Frage: Was ist mit uns Menschen, die wir überwiegend in unreflektiertem Trott umher hetzen und Zielen nachjagen, die kaum unsere eigenen sind? Fast jeder von uns wird zwischendurch mal wach und fragt sich: Was tue ich eigentlich? Sollte so mein Leben aussehen, von dem behauptet wird, es sei einzigartig?

Sofern mein Blickfeld nicht allzu eingeschränkt ist, bleibt es bei dem kurzen Innehalten. Anschließend verhalten wir uns wieder wie Grönemeyers Kühe:

Wir werden dosiert zensiert,
Menschen achtlos diffamiert
wie eine träge Herde Kühe
schau’n wir kurz auf und grasen dann gemütlich weiter.

Das Fernsehen redet uns tot
Pflanzen sterben an Atemnot
wir warten immer zu lange…

Wer ewig schluckt, stirbt von innen.

Herbert Grönemeyer – Jetzt oder nie (Mai 1984)

Klingt das sehr desillusioniert? Dieser Eindruck wäre der falsche, was mich angeht. Mein ‚großer Berg der Hoffnungen – „Brüderlichkeit“, Liebe, Integrität als Leitbild, als real möglicher Konsens für alle, die noch lebendig sind – bestehen weiterhin – nur habe ich inzwischen begriffen: Idealisierung und Illusionen sind halt (leider) nicht mit Wirklichkeit und Gegenwart zu verwechseln… und kaum je in Übereinstimmung zu bringen.

Falls ich in den zweiten 25 Jahren zu einer Erkenntnis gelangt bin, dann ist es diese: Die Menschen um mich herum vermag ich niemals zu verändern – nur mich selbst. Und damit habe ich genug zu tun …möglicherweise bleiben mir ja nochmals 25 Jahre dafür?

Dieser Beitrag wurde unter Erinnerungen, Leben abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *