Was wäre, wenn all diese Phantasien uns um die Ohren fliegen?

Es scheint, dieser Tage fange ich erstmals an, fremdsprachige Songs nicht nur zu hören und zu fühlen, sondern auch deren inhaltliche Bedeutung zu verstehen und zu durchdenken.
Dabei verfangen sich meine Gedanken an den Passagen, Zeilen, Aussagen, die auf irgendeine Weise mit meinem Leben zu tun haben…ist dies diese ‚Resonanz‘, von der Esoteriker so gerne sprechen?

Das Leben, das ist größer, größer als du
Und du bist nicht ich
Was ich alles auf mich nehmen würde…
Die Entfremdung in deinen Augen
Oh nein, ich habe zu viel gesagt
Ich hab’s vermasselt

Das bin ich dort in der Ecke, dort im Rampenlicht
Ich weiß nicht mehr weiter
Bin dabei, meine Religion zu verlieren.
Ich versuche, mit dir mitzuhalten
Und ich weiß nicht, ob ich das hinkriege
Oh nein, ich habe zu viel gesagt
Und doch nicht genug

Ich dachte, ich hörte dich lachen
Ich dachte, ich hörte dich singen
Ich glaube, ich dachte, ich sah, wie du es versuchtest

Mit jedem Flüstern einer jeden wachen Stunde
Wähle ich meine Geständnisse sorgfältig
Und versuche, auf dich aufzupassen
Wie ein verletzter, verlorener und geblendeter Depp – Depp!
Oh nein, ich habe zu viel gesagt, ich hab’s vermasselt.

Erwäge dies hier:
Sieh dies hier als den Ratschlag des Jahrhunderts an
Sieh dies als den Ausrutscher an
Der mich auf die Knie zwang, ich habe versagt
Was wäre, wenn all diese Phantasien
Uns um die Ohren fliegen?
Jetzt hab ich zuviel gesagt…

Aber das war nur ein Traum
Nur ein Traum…

Meine Geständnisse sorgfältig wählen…? Oh bitte, falls ich etwas zu gestehen habe, dann bestimmt nicht öffentlich;) Hm, das ist auch nicht die Passage, die mich eingehend beschäftigt.

All diese Phantasien…

Ja, dort stutze ich – jedesmal, wenn ich diesen REM-Song höre. Es ist, als streife mich eine unheilvolle Ahnung. ‚Losing my Religion‘ betrifft mich zwar nicht direkt …als Erwachsener war ich nie bereit (oder imstande), mich auf eine einzelne Religion festzulegen.
Gleichwohl habe ich einen Glauben, wie jeder von uns: Im Laufe des Lebens konkretisierte Vorstellungen von dem, was da noch sein könnte – größer als wir, umfassender, wissender, machtvoller. Eine übergeordnete, willentlich agierende Intelligenz, aus der wir hervorgegangen sind?

Wer zu keiner Zeit eine ultimative Gewissheit hinsichtlich solcher Vorstellungen und Überlegungen verspürt, bleibt anfällig für Zweifel – von außen, aber auch von innen (ganz ohne einen Anstoß, eine kontroverse Diskussion etc.). Einer dieser Zweifel ist genau dies: Was, wenn all diese Phantasien uns um die Ohren fliegen?
Der Songtexter scheint darin eine Gefahr zu sehen(?): What if all these fantasies come flailing around? – etwas, das über uns wie ein Dreschflegel  hereinbricht.

Tatsache ist aber: In diesem Fall würde nichts, aber auch gar nichts geschehen. Das ist es ja gerade, wir würden unseren Irrtum überhaupt nicht bemerken (können), weil wir dann bereits tot sind: Sofern sämtliche Jenseits- und Gottesvorstellungen reine Phantasien sind, existiert kein jenseitiges Leben.
(Es bliebe eventuell noch die Ausflucht zum Pantheismus, welcher das Göttliche wird im Aufbau und in der Struktur der Natur, des Universums verortet… es existiere in Allem was ist …alle Dinge würden von ihm beseelt.)

Aber keine Game-Welt mit Leveln und Avataren, deren ungeplante Tode vom Spieler jederzeit annuliert werden kann, indem er einen gespeicherten Spielstand neu lädt und sich nochmals der Herausforderung stellt. Naja, nicht ganz so banal, aber liegt darin nicht eine Faszination der VR-Welten, dass der ‚reale Tod‘ gewissermaßen ausgesperrt wird?

Das soll heute keiner meiner endlosen, kaum lesbaren Aufsätze werden…entscheidend ist: „diese Phantasien“ werden uns niemals um die Ohren fliegen, nicht in der Weise, dass wir etwas davon mitbekommen. Ein Grund mehr, jedem seine persönliche Überzeugung zu lassen und sich nicht deswegen gegenseitig abzuschlachten, oder?

 

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