Irgendwo in dieser Welt…wird ein Mythen-Bärchen gaaanz traurig

Wann immer mit der Aussage »›Alles ist mit Allem verbunden, und jeder mit jedem‹ sagt die Quantenphysik« moralisch-ethische Forderungen verbunden werden, empfinde ich diese Vorstellung ein wenig überfordernd.
Denn, um ehrlich zu sein, mit einzelnen, ›ausgewählten‹ Personen mag ich viel lieber verbunden sein als mit 7 Milliarden Individuen. Und… mit manchen von ihnen mag ich weder verbunden sein noch fühle ich mich ihnen in irgendeinem Lebensaspekt nahe.

In seinem Artikel „Quantenmechanik – die beliebtesten Phrasen und was dahinter steckt“ auf Sciensblogs.de geht der Physiker Martin Bäker u.a. auf diese Aussage sowie zugrunde liegende Phänomen der Verschränkung ein. Er erklärt auch, weshalb wir Verschränkungsphänomene im Alltag nie beobachten können.

Sein Fazit hierzu:

»Ist Alles mit allem verbunden? – Vielleicht, aber leider nicht so, dass man irgendetwas damit anfangen kann. Für alle praktischen Zwecke schlägt die Dekohärenz zu.(…)«
(Dekohärenzeffekte ergeben sich, wenn ein bislang abgeschlossenes System mit seiner Umgebung in Wechselwirkung tritt. Dadurch werden sowohl der Zustand der Umgebung als auch der Zustand des Systems irreversibel verändert. ⇒ Nicht in allen Fällen ist dieser Effekt wünschenswert und zuweilen kann er sich destruktiv in Erscheinung treten.)

Eine geheimnisvolle Verbindung zwischen allen lebenden Personen lese ich da nicht heraus, jedenfalls nicht in der diesseitigen, materiellen Welt. Falls ein Jenseits existiert, nun, dann dürften ‚dort‘ andere Naturgesetze und Prinzipien wirksam sein als jene, die hier auf der Erde naturwissenschaftlich beobachten lassen.
Mit Naturwissenschaft lassen sich theologische und esoterische Modelle halt nicht belegen, was mit etwas Nachdenken selbst einem Laien wie mir einleuchtet: Wissenschaftliche Disziplinen, welche sich ausdrücklich auf das Beobachtbare, Messbare und ggf. Vorhersagbare beschränken, haben keinen methodischen Zugang zu den Fragen, deren Beantwortung halt im Feld des Glaubens liegt, nicht aber im Bereich objektivierbaren Wissens.-

Irgendwo

Eine Legende aus China besagt, dass jeweils zwei Personen – und zwar jeder von uns – durch den »roten Faden der Liebe« miteinander verbunden sind. Dieser Faden kann sich verwickeln, dehnen oder tausendmal um die Welt reisen – aber niemals zerstört werden.
Zeit und Raum seien bedeutungslos für dieses Band, diesen Faden.

»Der rote Faden begleitet uns von Geburt an, um ihn kreist unser Leben. Man sagt, dass ein alter Mann, der im Mond lebt, jede Nacht die Neugeborenen besucht, um ihre Seelen mit dem roten Faden, der an seinen Finger gebunden ist, zusammenzuführen.«

Der ewig zweifelnde Skeptiker in mir fragt sogleich, ob/wie denn sichergestellt sei, dass stets eine gerade (durch Zwei teilbare) Anzahl von Menschen auf der Erde leben. Und warum sich so wenige dieser ‚Duale‘ zu finden scheinen… eine Ehescheidungsrate von mehr als 40 Prozent belegt gewissermaßen, wie oft wir uns ‚vertun‘.

Die verlinkte Legende finde ich trotzdem schön, wie auch den PUR-Song „Irgendwo“, der eine etwas weiter gefasste Perspektive einnimmt. Nicht Zweisamkeit für alle, aber:

»Irgendwo in dieser Welt liegt ein bisschen Glück versteckt…«
– nur ein weiterer Mythos?

›…wer danach sucht, wer offen bleibt für Neues und Schönes hat durchaus Chancen, dieses Glück zu finden – wer hingegen resigniert, wer endgültig aufgibt, hat leider schon verloren…‹ – so setze ich den Text in Gedanken für mich fort.
So heißt es in einem weiteren PUR-Song: »Erst wenn dein letzter Vorhang fällt,
erst dann verliert die Welt d
en Mut für dich«.

Zwischen Lebensweisheiten und Mythen besteht halt ein elementarer Unterschied: Während der Mythos eine unbewiesene, oftmals hinterfragbare Behauptung aufstellt (›Das ist so‹) geben Lebensweisheiten vielfach einen Anstoß zum Nachdenken und Handeln. Ein Beispiel:

Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.

Solche Aussagen können intuitiv als zutreffend erfasst werden, ohne erst einen Wissenschaftler zu konsultieren. ›Alles ist mit allem verbunden‹ hingegen berührt Wissensbereiche, die nicht jedem von uns ohne weiteres zugänglich sind.

Irgendwo,
liegt Ruhe und Balance
und die Zufriedenheit im Blick.
Jaja, ich nutz die nächste Chance,
ich zieh’ mich raus,
hol’ mich zurück,
es liegt in meiner Hand,
in meinem Land.

Die ernsten Strophen davor habe ich nicht etwa übersehen, doch auf deren Inhalt einzugehen ist mir, nun ja, zu persönlich für einen Blog.
Den Zustand des Gequältseins werden nicht wenige Seelen während ihres ‚Interludiums‘ auf der Erde durchleben. Die Gründe sind vielfältig. Doch möglicherweise lautet die ‚Aufgabe‘ dann, nicht länger als unvermeidlich in diesem Zustand zu verharren…halt die nächste Chance zu nutzen (s.o)…und diese manchmal auch für sich selbst zu erschaffen.

Jedem von Ihnen, den/die dies betrifft, wünsche ich ganz viel Kraft.

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