Atheismus: Der imaginäre Freund und die sexistische Phobien-Suppe

Es lohnt sich meiner Meinung nach, einen Moment über dieses Filmzitat aus der Serie Mr. Robot nachzudenken:

»Wenn ich nicht auf meinen imaginären Freund höre,
wieso soll ich dann auf euren hören?
«

Organisierte Religionen – nichts weiter als exklusive Gruppen, nur geschaffen um die Kontrolle zu behalten? … Dealer, welche die Menschen auf die ›Droge Hoffnung‹ bringen? Schlecht geschriebenes SciFi-Franchise?
Nun, auch wenn dieser Kurzvortrag interessant halte, stimme ich Elliot nicht unbedingt zu …oder nur zu einem Teil:

Man kann wohl sagen: nicht wenige religiöse Strukturen und Organisationen haben sich zu exakt solchen Überwachungsinstanzen entwickelt – z.B., als das Zentrum der RKK von einer taktisch cleveren Clique um die römischen Kaiser gekapert und zunehmend zu einer kontroll- und machtfixierten Krake (=Vatikan) verwandelt wurde. Doch sogar der heutige Katholizismus lässt sich nicht sinnvoll auf eine dermaßen eindimensionale Sichtweise verkürzen; der Vatikan ist nicht identisch mit mehr als einer Milliarde Katholiken.

Die Entstehungsgeschichte des frühen Christentums ist ohnehin eine völlig andere, Jesus oder auch die meisten Gnostiker waren eben keine von der Regierung entsandten Kontrollfreaks, wenngleich sie an das Gewissen als persönliche Kontrollinstanz eines jeden von uns appellierten.
In jener »sexistischen Phobien-Suppe« ertrinken Menschen nicht Seinetwegen, sondern – sofern die Feststellung in dieser Verallgemeinerung überhaupt zutreffen sollte – weil solche Normen, Konventionen und resultierende Ängste von Menschen geschaffen wurden. Wir machten es uns zu leicht, wollten wir unser soziales Versagen auf Gott schieben. (Freilich besteht durchaus ein Zusammenhang zwischen Religion und Sexismus, der sich aber nicht in wenigen Schlagworten abhandeln lässt.
)

Auch bliebe das unentwegte Suchen und Fragen des Menschen ja bestehen, würde man alle Religionsvereine sowie das ganze Kirchenrecht abschaffen.
Da ist Elliot zu kurz gesprungen, denke ich. Er trennt wohl auch nicht zwischen Religion und Gott, beides verschwimmt in seiner Betrachtungsweise.

Anmerkung/Hintergrund

Die Serie Mr. Robot behandelt schwerpunktmäßig etwas völlig anderes:
Elliot Alderson lebt isoliert von der Außenwelt, hat eine dissoziative Identitätsstörung (früher als multiple Persönlichkeitsstörung bezeichnet) und leidet unter schweren Angstzuständen, die er durch den ›maßvollen‹ Morphin-Konsum zu verdrängen versucht. In seiner Freizeit hackt er die Daten und Rechner seiner Mitmenschen – ›um sie vor Bedrohungen schützen‹.
Als Angestellter des New York er IT-Dienstleisters Allsafe in  ist er für den Schutz des größten Konglomerats der Welt, E Corp (von Elliot stets Evil Corp genannt), zuständig. Diesen Job verdankt er Angela Moss, mit der er seit seiner Kindheit befreundet ist.
Sowohl Elliots Vater als auch Angelas Mutter erkrankten an Leukämie und verstarben, nachdem sie Giftmüll ausgesetzt waren. Obwohl E Corp die Gefährdung von Menschenleben durch den Giftmüll mutmaßlich bekannt war, scheiterten bislang sämtliche Bemühungen gerichtlich gegen den Konzern vorzugehen.

Elliot stellt in den Dialogen mit seinem imaginären Freund häufig interessante Überlegungen an:

»Vielleicht geht es nicht darum, den Absturz zu vermeiden. Sondern darum, einen Breakpoint zu setzen und die Schwachstelle im Code zu finden – sie zu reparieren und weiter zu machen, bis wir zur nächsten Schwachstelle kommen… Die Aufgabe weiterzumachen, immer um ein Fundament zu kämpfen.
Vielleicht stolpern wir alle nur von den richtigen Fragen zu den falschen Antworten. Oder von den richtigen Antworten zu den falschen Fragen.«

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