Sockosophie

Eine/r unter Millionen Rechthabern?

Auch auf der Suche nach Denkanstößen, die über das alltägliche Kleinklein hinausreichen, aber nicht gleich Stunden über Stunden beanspruchen? Da ist der Song ‚Sockosophie‘ ganz gut geeignet, finde ich.

Am Schluss eine (nicht so sehr) überraschende Pointe: was geschieht allzu häufig, wenn wir Menschen unsere neue Religion/Philosophie/ Weltanschauung entdecken …die wir mit allen anderen teilen wollen …aber rasch feststellen müssen: die anderen sind schon versorgt und merklich weniger begeistert als wir?

»Halts Maul!! Du bist dumm, falsch, frech und faul!
Konvertiere!!«

Es sind nicht alle tolerant und ‚politisch korrekt‘  – die Unterdrückung und z.T. auch Verfolgung von vermeintlich Ungläubigen setzt sich bis zum heutigen Tage fort, obgleich wir hierzulande davon eher wenig mitbekommen.
Und die letzte Ermordung einer „Hexe“ durch einen fanatischen Mob oder ein Religions-Gericht fand auch nicht um 1850 statt, sondern bleibt eine beständige, aktuelle Gefahr.

Möglicherweise wären alle ‚Suchenden‘, die ihre bevorzugte Glaubens- und Weltanschauung noch nicht gefunden haben – gut beraten, sich schon jetzt eine bedeutsame Frage zu beantworten: Wie werde ich mit meinem neuen ‚einzigartigen, bedeutsamen Wissen und Glauben‘ umgehen, sobald ich meine Suche erfolgreich beendet habe?

  • Will ich das ‚Geheimwissen‘ nur für mich behalten oder ermögliche ich meinen Freunden, Bekannten, Zuhörern, …Lesern, sich ebenfalls mit jenen Gedanken und Erkenntnissen auseinander zu setzen?
  • Bin ich womöglich versucht, den anderen nun meine Denkweise aufzunötigen und bei Widerstand aufzuzwingen? Bleibt es bei Wutgebrüll und Verdammnis-Drohungen …oder werde ich sogar gewalttätig auf der Suche nach ‚Gläubigen‘?

Tatsache ist: Beobachter sehen eine  Zunahme religiöser Verfolgung weltweit (Jan. 2019), …wobei die Gesinnungskontrolle durch die Digitalisierung noch vereinfacht wird. Auch im 21. Jahrhundert bekämpfen sich immer noch Menschen aufgrund unterschiedlicher Überzeugungen von etwas, das objektiv nicht bewiesen werden kann.
(Zuzüglich der übrigen Konflikte, wo Gruppe/Nation B im Besitz von einem knappen Gut ist, welches Gruppe/Nation A für sich begehrt. Rasch wird B zum Feind gemacht und entweder überfallen oder ‚auf humanere Weise überzeugt‘, sprich brutal erpresst.)

Nun will ich nicht meine Unzufriedenheit über den Umgang von Menschen mit Ideologien, Überzeugungen (und materiellen Besitz) lamentieren. Durch diesen Song war mir halt wieder einmal bewusst geworden, wie leicht ‚man‘ vom Suchenden zum überheblichen Verfechter einer weiteren Ideologie werden kann.

Sockosophie – Käptn Peng u. die Tentakel von Delphi

Kernaussagen, soweit ich den Text verstehe:

Zunächst geht es um den Ursprung von Allem. Und darum, ob dahinter eine Erste Ursache, eine willentliche (göttliche?) Kraft steht.

  1. »Es war nie nichts vorhanden – Es ist immer was passiert«
    Nicht zuletzt die Große Urknall-Saga scheint zu suggerieren: es fand ein fulminanter, explosiver (wenn auch lautloser) Anfang von Allem statt. Und davor war nichts …oder, genau genommen, wisse man nicht was davor gewesen sein könnte, darum könne man auch so tun, als sei da ‚Nichts‘ gewesen.
    Und wie bei jedem Dogma wird der Eindruck erweckt, als sei diese Sichtweise ‚Nichts → Urknall → Alles‘ die einzige denkbare, zulässige Annäherung an die Wahrheit. Demgegenüber stellt z-B. Martin Bojowald (→ Zurück vor den Urknall) eine zyklische Betrachtung auf, welche die Begrenzungen des Grenzen des Standard-Urknall-Modells zu umgehen versucht.
  2. »Identität (= all das, was mich als Individuum von anderen unterscheidet) ist etwas Überpersönliches«
    Unser wahres, Höheres Selbst hält sich ziemlich verborgen… so als strippenziehende Graue Eminenz. Unsere ‚Einzel-Persönlichkeiten‘ – also auch jene, die wir im Spiegel zu entdecken glauben und zu der wir liebevoll Ich sagen – werden von unserem ursprünglichen oder Höheren Selbst bewusst „erzeugt“. Das wahrgenommene Selbst stelle somit lediglich eine von mehreren ‚Sockenpuppen‘ jenes höheren Selbst dar – und darum auch nicht weiter wichtig, egal was das Ego dazu meint.
    Darum umfasse die eigene Persönlichkeit weitaus mehr, als die eigene ‚Ich-Sicht‘ uns glauben lasse.

Mein Problem mit dem schnellen Sprechgesang (ist das alles Rap? oder gibt es da unterschiedliche Genres? Oje, ich bin sowas von ahnungslos:) Beim reinen Hören verstehe ich kaum ein Drittel des Textes – außer ich lese mit. Nachfolgend ein Auszug daraus – jene Passagen, die mir wichtig erscheinen:

»(Woraus) hat sich dieser ganze Kram erschaffen?
Hat er sich, von 0 auf 100 in den Raum gesetzt?
Ohne zu fragen, vom Nichts ins Jetzt?
Einfach so, und aus sich selbst heraus?

…‘Das Nichts, der Urknall, Menschheit, Untergang…‘
Nee Moment, Stopp, das ist zu einfach und zu ausgedacht
Wir werden schon von all den andern Weltraumrassen ausgelacht:
als die nichts Checkenden, sich selbst zerstörenden Verrückten, Deprimierten, die nichts sehen und nichts hören.

Und, huch, plötzlich bricht uns der Boden weg – 6000 Jahre fallen.
[…]Sie stoppen, denn sie schweben …und gestalten ihre Not um zu Tugend:
Sie bemerken, dass das Fallen zu Schweben wird
Wenn man aufhört sich an Dingen festzukrallen. [aber wohl nur so lange, bis man auf den harten Untergrund prallt, hm? So ein fest gefügtes Weltbild (anstelle von einem stetig wachsenden Wust unbeantwortbarer Fragen) stellt für manche von uns eine existenzielle Notwendigkeit dar. → Das  ängstliche Bedürfnis nach Sicherheit und Struktur unter Umständen dazu, dass  einige sich an der einmal übernommenen Überzeugung förmlich „festkrallen“. Lächerlich? Ach, wer in sich hineinblickt und dabei ehrlich ist, findet doch meist eigene Glaubenssätze, die vehement verteidigt werden…]

[Strophe 2]
Noch mal zurück zum Universum und zum Leben:
Genau genommen dürfte es das alles gar nicht geben
[…]Und genau genommen kann aus Nichts nichts entstehen
…Variante Zwei ist für mich auch nicht zu verstehen
Sie lautet irgendwas hat schon immer existiert
(Schon immer? Ich glaub ich hab’s noch immer nicht kapiert.)
Es war nie nichts vorhanden
Es ist immer was passiert

Alles um dich rum glüht – Nur dein Ich nicht
Denn dein Ich ist das Prisma
Durch das sich das Licht bricht
Es bündelt, selektiert und stellt sich dar wie deine Ich-Sicht
Doch in Wirklichkeit ist dein Ich viel umfassender
Ein Teil des Teils (der anfangs alles war)
Und wieder sein wird.
Wenn du dein Ich verschmelzen lässt
Mit Allem um dich rum
In dir drinnen und dem ganzen Rest
Licht mit Dunkel, die Null mit der Eins
Das Bewusstsein mit dem Körper
Und das Alles mit dem Keins
Und so vereinst du den Schein mit dem Sein
Demontierst dein altes Heim um dein Wesen zu befreien

(…Liefer‘ mir erst mal Beweise!)
Wofür?
Du meinst das mit der Quelle und der Null und der Eins?
(Jaa!)
Okay, lass mich grübeln
Ich kann dir deine Zweifel leider wirklich nicht verübeln
Doch du musst wissen, dass es hier ums Ganze geht
Nicht um den Namen, der auf deinem Schulranzen steht
Identität ist etwas Überpersönliches
Ja und Nein sind nichts Unversöhnliches
Schwarz und Weiß sind beide Licht
Und die Nonexistenz, die gibt es nicht


Du willst Erwachen, Enthüllung, Befreiung von allen Schleiern?
Dann bitt‘ ich um Verzeihung mit dem was ich dir zeige
Schock‘ ich dein Verstand:
In Wirklichkeit bist du ne Socke auf ’ner Hand!

Pass mal auf:
Also wenn du schon von Schocken redest
Du bist hier der Typ der grade mit ’ner Socke redet
Die auf deiner Hand sitzt
Und mit deiner Stimme spricht
Und du behauptest die Behauptung dieser Socke stimmt nicht?
Falsch! Ich bin die Quelle selbst
Das ist gar keine Hand mit der du dich unterhältst
Du glaubst wirklich, du bist ein abgetrenntes Wesen
Vom Kosmos, vom Urgrund, von mir, vom Leben?
Eigenständig, Unabhängig, mit eigenen Gedanken?


Erkenne! Widerstand ist vergebens!
Du bist die Socke auf meiner Hand
Bisher bist du vor der Wahrheit weggerannt!
(Aber Socke!)
Schweig!!
(Aber Socke! )
Halts Maul!!
Du bist dumm, falsch, frech und faul!
Konvertiere!!
Zur Sockosophie – Zum Sockismus
Jetzt oder nie!
…«

Anmerkung

  1. Ambiguitätstoleranz (v. lat.  „Mehrdeutigkeit erdulden/ertragen“),→ Fähigkeit und Wille, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu ertragen. Ambiguitätstolerante Personen sind in der Lage, Widersprüchlichkeiten, kulturell bedingte Unterschiede oder mehrdeutige Informationen, die schwer verständlich oder sogar inakzeptabel erscheinen, zur Kenntnis zu nehmen, ohne darauf aggressiv zu reagieren. Im Idealfall wird zudem darauf verzichtet, diese Ambguitäten einseitig negativ oder vorbehaltlos positiv zu bewerten.
    In psychologischen und pädagogischen Theorien wird diese Fähigkeit als Merkmal/Kriterium der Persönlichkeitsentwicklung benannt. 

     
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