Sockosophie

Auch auf der Suche nach Denkanstößen, die über das alltägliche Kleinklein hinausreichen, aber nicht gleich Stunden über Stunden beanspruchen? Und wenn’s geht, auch ohne bierernste Rechthaberei und bedrohliches Gezeter?
Da ist der Song ‚Sockosophie‘ ganz gut geeignet, finde ich. Zunächst geht es um den Ursprung von Allem, was ist. Und um die Frage, ob dahinter eine erste Ursache, eine willentliche (göttliche) Kraft steht.

Am Schluss dann eine (nicht so sehr) überraschende Pointe: was geschieht allzu häufig, wenn wir Menschen unsere neue Religion/Philosophie/ Weltanschauung entdecken …die wir mit allen anderen teilen wollen …aber rasch feststellen müssen: die anderen sind schon versorgt und merklich weniger begeistert als wir?

⇒ „Halts Maul!! Du bist dumm, falsch, frech und faul!
Konvertiere!!“

Es sind nicht alle tolerant und ‚politisch korrekt‘  – die Beschimpfung, Unterdrückung und z.T. auch Verfolgung von vermeintlich Ungläubigen setzt sich bis zum heutigen Tage fort, obgleich wir hierzulande davon eher wenig mitbekommen.
Und die letzte Ermordung einer „Hexe“ durch einen fanatischen Mob oder ein Religions-Gericht fand auch nicht um 1850 statt, sondern bleibt eine beständige, aktuelle Gefahr.

Möglicherweise wären alle ‚Suchenden‘, die ihre bevorzugte Glaubens- und Weltanschauung noch nicht gefunden haben – gut beraten, sich schon jetzt eine bedeutsame Frage zu beantworten: Wie werde ich mit meinem neuen ‚einzigartigen, bedeutsamen Wissen und Glauben‘ umgehen, sobald ich meine Suche erfolgreich beendet habe?

  • Will ich das ‚Geheimwissen‘ nur für mich behalten und niemanden sonst daran teilhaben lassen?
  • Ermögliche ich meinen Freunden, Bekannten, Zuhörern, …Lesern, sich ebenfalls mit jenen Gedanken und Erkenntnissen auseinander zu setzen, welche mich so faszinieren?
  • Oder entscheide ich für die anderen mit …geht meine ‚Erleuchtung‘ weit genug, meinen Mitmenschen nun meine Denkweise aufzunötigen und bei Widerstand auch aufzuzwingen? Gebe ich mich in diesem Fall mit Wutgebrüll und Verdammnis-Drohungen zufrieden …oder werde ich sogar gewalttätig auf der Suche nach ‚Gläubigen‘?

Die Antwort ist doch offensichtlich? Tja nun, das würde ich von mir ebenfalls sagen.
Doch allgemein gültigen Charakter haben Ambiguitätstoleranz1) und strikter Gewaltverzicht augenscheinlich nicht erlangt, denn Beobachter sehen eine 
Zunahme religiöser Verfolgung weltweit (Jan. 2019), …wobei die Gesinnungskontrolle durch die Digitalisierung noch vereinfacht wird. Unter Ausklammerung einer eng gefassten Definition von ‚religiös‘ lässt sich konstatieren: auch im 21. Jahrhundert bekämpfen sich immer noch Menschen aufgrund unterschiedlicher Überzeugungen von etwas, das objektiv nicht bewiesen werden kann.

(Hinzu kommen natürlich all die anderen Konflikte, etwa wenn Gruppe/Nation B im Besitz von einem knappen Gut ist, welches Gruppe/Nation A für sich begehrt.Rasch wird B zum Feind gemacht und entweder überfallen oder ‚auf humanere Weise überzeugt‘, sprich brutal erpresst.)

Und doch halten wir (als Spezies) uns für überaus zivilisiert…

Nun will ich nicht meine Unzufriedenheit über den Umgang von Menschen mit Ideologien, Überzeugungen (und materiellen Besitz) lamentieren. Durch den u.a. Song war mir halt wieder einmal bewusst geworden, wie leicht ‚man‘ vom Suchenden zum überheblichen Verfechter einer weiteren Ideologie und zu einem unter Millionen Rechthabern mutieren könnte…

Sockosophie – Käptn Peng u. die Tentakel von Delphie

Mein Problem mit dem schnellen Sprechgesang (ist das alles Rap? oder gibt es da unterschiedliche Genres? Oje, ich bin sowas von ahnungslos): ich verstehe beim reinen Hören kaum ein Drittel des Textes – außer ich lese mit:

Nach all den Jahren kann ich immer noch nicht fassen:
(Woraus) hat sich dieser ganze Kram erschaffen?
Hat er sich, von 0 auf 100 in den Raum gesetzt?
Ohne zu fragen, vom Nichts ins Jetzt?
Einfach so, und aus sich selbst heraus?
Und gibt den ganzen Tag heimlich sich selbst Applaus?
Während, billiarden Mal, billiarden Mal, billiarden Formen wachsen
Und sich zu halbbewussten Wesen formen lassen
Es war Gott!
(Aha – und wer hat Gott erschaffen?)

Hm, ich finde dabei will doch irgendwas nicht passen
Fassen wir, jetzt nochmal zur Übersicht zusammen:
Das Nichts, der Urknall, Menschheit, Untergang
Nee Moment, Stopp, das ist zu einfach und zu ausgedacht
Wir werden schon von all den andern Weltraumrassen ausgelacht
Als die nichts Checkenden
Sich selbst zerstörenden Verrückten, Deprimierten,
Die nichts sehen und nichts hören.
Und die um sich schlagenden Verängstigten, Bekloppten
Die vergaßen was sie waren und sich selber ständig foppten
Und sich toppten, in der Disziplin der Selbstverarschung
Unsere Labyrinthe übersteigen die Erwartung
Jedes möglichen Meisters der Labyrinthedichtkunst
(Wir folgen dem Kaninchen)

Und, huch, plötzlich bricht uns der Boden weg
6000 Jahre fallen
Leute, die versuchen sich mit Gurten festzuschnallen
Ein elegant gestaltetes, jedoch ebenfalls fallendes
Vom Wind schon ein erkaltetes
Das sich den Spaß gefallen lässt
Bis schallendes Gelächter durch den Wind hallt
Denn Manche machen plötzlich mitten im Wind halt
Sie stoppen, denn sie schweben
Und sie lachen sich halb tot
Haben aufgehört zu halten
Und gestalten ihre Not um zu Tugend:
Sie bemerken, dass das Fallen zu Schweben wird
Wenn man aufhört sich an Dingen festzukrallen.

[Strophe 2]
Noch mal zurück zum Universum und zum Leben:
Genau genommen dürfte es das alles gar nicht geben
(Warum?)
Naja, woher soll es denn kommen?
(Aus dem Nichts!)
Hey, wir haben gesagt: genau genommen!
Und genau genommen kann aus Nichts nichts entstehen
(Vielleicht kannst du’s nur aus deiner Sicht nicht sehen.)

Hmmm, möglich wär’s, vielleicht ist das mein Problem
Denn Variante Zwei ist für mich auch nicht zu verstehen
Sie lautet irgendwas hat schon immer existiert
(Schon immer? Ich glaub ich hab’s noch immer nicht kapiert.)
Es war nie nichts vorhanden
Es ist immer was passiert
(Seit wann?)
Mann, bleib mal bitte konzentriert
(Worauf?) – Auf dich und das Ewige, verdammt!
(Warum?) – Es ist der Ort aus dem deine Existenz stammt
(Na und? Ist doch nicht mein Problem.)

Wer spricht denn von Problem
Kannst du das Wunder denn nicht sehen?
Das sich dreht und entsteht
Und nie stoppt sich zu drehen
Und dabei Licht zu imitieren
Und in sich selbst einzugehen
(Licht, Welches Licht?)
Erzähl mir nicht du siehst das Licht nicht!
(Nee!)
Alles um dich rum glüht – Nur dein Ich nicht
Denn dein Ich ist das Prisma
Durch das sich das Licht bricht
Es bündelt, selektiert und stellt sich dar wie deine Ich-Sicht
Doch in Wirklichkeit ist dein Ich viel umfassender
Ein Teil des Teils (der anfangs alles war)
Und wieder sein wird.
Wenn du dein Ich verschmelzen lässt
Mit Allem um dich rum
In dir drinnen und dem ganzen Rest
Licht mit Dunkel, die Null mit der Eins
Das Bewusstsein mit dem Körper
Und das Alles mit dem Keins
Und so vereinst du den Schein mit dem Sein
Demontierst dein altes Heim um dein Wesen zu befreien

(…Liefer mir erst mal Beweise!)
Wofür?
Du meinst das mit der Quelle und der Null und der Eins?
(Jaa!)
Okay, lass mich grübeln
Ich kann dir deine Zweifel leider wirklich nicht verübeln
Doch du musst wissen, dass es hier ums Ganze geht
Nicht um den Namen, der auf deinem Schulranzen steht
Identität ist etwas Überpersönliches
Ja und Nein sind nichts Unversöhnliches
Schwarz und Weiß sind beide Licht
Und die Nonexistenz, die gibt es nicht

(Das sind keine Beweise!)
Nein, das ist nur Vorbereitung für das, was ich dir zeige
Du willst Erwachen, Enthüllung, Befreiung von allen Schleiern?
Dann bitt‘ ich um Verzeihung mit dem was ich dir zeige
Schock‘ ich dein Verstand:
In Wirklichkeit bist du ne Socke auf ’ner Hand!

(Nein) Doch!
(…)

Also kehren wir zurück
An den Ursprung des Ursprungs, des Ursprungs, des Ursprungs
Zurück an den sogenannten Eisprung des Ursprungs
Und was davor ist, ist dann quasi meine Quelle
An die ich jetzt mal, jene kühne Frage stelle:
(„Warum?“)
Sie antwortet nicht.
Nicht gerade eine Quelle, die durch Service besticht.
Vielleicht ist sie auch grad‘ nicht da
Oder wollte nicht gestört werden
Oder hat mich kommen sehen
Und wollte nicht genervt werden

Oh man, schon wieder dieser Peng
Der kommt hier immer an und sieht alles so eng
Und fragt Fragen Fragen, die ’nen hochgestellten Kragen tragen
Zerfragt seine Frage
Bis sich sogar seine Fragen fragen:
„Fragt er nur des Fragens Willen?
Will er wirklich Fragen stellen?“
Fatale Fragen …Fraktale, Die ihm aus den Poren quellen
Versucht mich zu umstellen, reitet fragende Wellen
Die sogar selber Fragen stellen
Wartet, ich verarsch ihn
Werd mal meine Stimme verstellen
Und ihm sagen
Antworten soll er bei Quelle bestellen

„Jo Peng, bestell doch all deine Antworten bei Quelle
Und nicht bei mir, der Quelle allen Seins. Oder?“

Pass mal auf:
Also wenn du schon von Schocken redest
Du bist hier der Typ der grade mit ’ner Socke redet
Die auf deiner Hand sitzt
Und mit deiner Stimme spricht
Und du behauptest die Behauptung dieser Socke stimmt nicht?
Falsch! Ich bin die Quelle selbst
Das ist gar keine Hand mit der du dich unterhältst
Du glaubst wirklich, du bist ein abgetrenntes Wesen
Vom Kosmos, vom Urgrund, von mir, vom Leben?
Eigenständig, Unabhängig, mit eigenen Gedanken?

Du spinnst wenn du nicht fühlst
Du bist Teil eines Ganzen
Von mir, der Socke des Lebens!
Ich bin Ursache all deines Strebens!
Manifestation eines höheren Wesens!
Erkenne! Widerstand ist vergebens!
Du bist die Socke auf meiner Hand
Bisher bist du vor der Wahrheit weggerannt!
(Aber Socke!)
Schweig!!
(Aber Socke! )
Halts Maul!!
Du bist dumm, falsch, frech und faul!
Konvertiere!!
Zur Sockosophie – Zum Sockismus
Jetzt oder nie!
Ich sockifiziere dich es geschieht
Jetzt grade hier
Im Takt zum Beat
Das hier ist mein Gebiet!

Anmerkung

  1. Ambiguitätstoleranz (v. lat.  „Mehrdeutigkeit erdulden/ertragen“),→ Fähigkeit und Wille, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu ertragen. Ambiguitätstolerante Personen sind in der Lage, Widersprüchlichkeiten, kulturell bedingte Unterschiede oder mehrdeutige Informationen, die schwer verständlich oder sogar inakzeptabel erscheinen, zur Kenntnis zu nehmen, ohne darauf aggressiv zu reagieren. Im Idealfall wird zudem darauf verzichtet, diese Ambguitäten einseitig negativ oder vorbehaltlos positiv zu bewerten.
    In psychologischen und pädagogischen Theorien wird diese Fähigkeit als Merkmal/Kriterium der Persönlichkeitsentwicklung benannt. 

     
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