Lernen oder Leiden.

Kein Problem wird gelöst,
wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.

(Martin Luther King)

Die Annahme einer als universelle/r Problemlöser/in agierenden Gottheit setzt deren Allmacht sowie ihren Willen voraus, jeden Vorgang und jeden Sachverhalt willkürlich zu beeinflussen.-
Eben davon gehen viele aus: „Gott ist doch allmächtig.“ Und weil er außerdem  allwissend und wirklich gütig sei, könne er doch dem Leid unschuldiger Kinder entgegenwirken – sofern er denn wollte!

Oder: Wenn es überhaupt einen „Allmächtigen“
gäbe, dann würde er das alles – ‚unverdientes Leid‘ – nicht zulassen.

Diese beiden Sichtweisen seien so nicht stimmig: Der Vortrag von Dr. phil. Günther Schwarz  „Leid – Unrecht – Gewalt – Krieg – Warum lässt Gott das zu?“ befasst sich mit eben dieser Frage: Ist Gott im Hinblick auf die Erde allmächtig?

Das Wort „Allmächtiger“ sei ausschließlich in deutschsprachigen Bibel-Übersetzungen zu finden; in den Ursprachen der Bibel kommt es nicht vor – weil: «Das Wort passt nicht. Es ist kein angemessener Ausdruck. […]
»Gott kann jedes Ziel erreichen, das er erreichen will.
Und er kann jeden Weg gehen, den er dabei gehen will. Er kann aber nicht jedes Ziel auf jedem Wege erreichen.»

⇒ Gegen die freie Entscheidung von Menschen wird Gott seinen Willen nicht durchsetzen. Warum nicht? Schwarz bezeichnet die Willensfreiheit als „unser größtes Erbe, die größte Gabe, die er uns geben konnte“ – selbst sehe ich dies weniger positiv: ist es wirklich ein Geschenk, dass unsere Ethik weniger weit entwickelt ist als unsere Technologie, sodass wir unsere Lebensgrundlagen demontieren und in jedem Krieg, mit jedem Gewaltakt selbstzerstörerisch agieren können?

Tatsache ist wohl: Wir sind keine Roboter, …sondern frei wählende Wesen, die sich gegen ihn, gegen seinen Willen entscheiden können –und von Anfang an konnten!
Wenn wir aber die freie Wahl haben, dann tragen wir die Verantwortung selbst.

«[Die Macht Gottes] ist für uns unvorstellbar. Aber er hat sie, um uns so sein zu lassen, wie er uns haben wollte, beschnitten.
…Ich meine natürlich nicht nur die, die hier eingekörpert sind auf der Erde, sondern alle seine Kinder. Geistige Wesen im ganzen All, ob im Körper oder außerhalb des Körpers. Das war seiner würdig. War riskant, aber seiner würdig.»

Leid, Unrecht, Gewalt, Krieg sind gegen seinen Willen, gegen seine Ordnung, gegen die von ihm geschaffene Harmonie. Gott schreitet aber trotzdem nicht ein, „damit wir unseren Weg zu Ende gehen können und am Ende lernen, wohin es führt, wenn einer sich auf seinem Wege von Gott weg begibt“ – entsprechend dem Gleichnis vom verlorenen Sohn.

«Leid entsteht – weil du die Zeit deiner Prüfung nicht erkannt hast
Womit befassen wir uns die meiste Zeit unseres Lebens?
Vielfach dreht sich unser Denken und Handeln um vergänglichem Tand – dabei gegen die Ambitionen oftmals weit über den Bedarf eines bodenständigen Daseins hinaus – sowie mit seichter Ablenkung. Dem zugrunde liegt ein fataler Denkfehler: ‚Ich habe nur dieses eine Leben …und weil es ist so schnell vorüber ist, nehme ich mir, was ich kriegen kann… und genieße, solange es geht.‘
Auch etliche religiöse Menschen scheinen so zu denken, sofern sie ihr Herz an irdische Reichtümer hängen und von diesem Streben nach materieller Sicherheit, Prestige & Status regelrecht ‚besessen‘. So ganz bin ich selbst diese ungesunde Lebensausrichtung bis heute nicht losgeworden, wenngleich die Prioritäten nun verschoben sind.

«Ihr sollt vollkommen werden auf der Erde, wie Abba – der Vater – vollkommen ist in den Himmeln!»
Davon ist die heutige Menschheit weit entfernt. Ohne eine Vorgeschichte – lässt sich nicht einleuchtend erklären, weshalb wir vermeintlich grundlos vom Leid betroffen werden.

Wie konnte es so weit kommen?

In einem weiteren Vortrag (Die esoterische Lehre Jesu) erklärt Dr. Schwarz:

Harmonie ist das Urprinzip jener Ordnung. Und Kern der Harmonie ist die Liebe. Die Liebe zu sich selbst und die Liebe zum anderen verlangt Respekt vor dem anderen, Achtung vor ihm; das Seine zu schützen, nicht anzutasten, sich keine Übergriffe zu erlauben; nichts für sich wollen, sondern wollen für die Gesamtheit…

Dieses Prinzip war ein fruchtbares Prinzip. Es gestattete jedem, sich frei zu entfalten, mit der Möglichkeit grenzenloser Entfaltung in alle Zukunft.

  • Wir waren in jenen Anfängen da, in der geistigen, in der spirituellen Welt, als unmittelbar aus Gott Hervorgegangene. Wir waren da. Das heißt, wir leben jetzt seit undenklichen Zeiten – und sind nicht etwa mit unserer Geburt oder Zeugung ins Leben gekommen.
  • Was mit unserer Zeugung und Geburt begann, ist eine Episode,…das mit dem Tod nicht etwa endet, sondern weitergeht, und mit der Geburt nicht etwa begann, sondern undenkliche Zeiten an Leben bereits hinter sich hat.

Damit schließt sich so langsam der Kreis zu jenen Themen, Autoren und Überzeugungen, um welche ich auch mit diesem Blog seit Jahren kreiste:

Was wir heute ernten, haben wir in unsere früheren Leben mit all ihren Entscheidungen und Fehlern selbst gesät. Gott ist kein schlechter Pädagoge, der uns mit Strafen aus purer Rache belegen würde, welche von uns nicht in in einen Zusammenhang mit eigenem schuldhaften Handeln gebracht werden könnten.

«Er erzieht uns. Er schult uns,… er schult uns auf dem Wege, auf dem alleine das möglich ist: nämlich durch Selbstschulung, durch Selbsterziehung.
Aber bevor man das kann, sich selbst in Pflicht nehmen, muss man erkannt haben. Erkannt, woher komme ich. Erkannt, wozu bin ich hier. Erkannt, wohin führt mein Weg.»

Dargestellt habe Jesus das in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. «Dieser mein Sohn war tot und ist wiederbelebt worden.» Das Gleichnis vermittle einen Abriss, der unser ganzes Sein umspannt: von unserem Ursprung aus Gott und unsere lange währende, schrittweise Rückkehr zu ihm.

«An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?
»
Matthäus 7,16; Lukas 6,44:

Hier geht es um Saat und Ernte (was wir ernten, wurde von uns gesät), also um die Kausalität, das Prinzip von Ursache und Wirkung:
Wo Gesinnungen wie Härte, Herausforderung, Rachsucht, Hass, Unterdrückung wie Unkraut wuchern und zunehmen, ist ein harmonischer Zustand des Heil-seins, des Friedens und der Freude nun einmal nicht zu erwarten. (Falls Sie, liebe/r Leser/in, sich nun fragen „Was hat das mit mir zu tun? Ich trage weder Hass noch Rachsucht und auch keine unmenschliche Härte in mir“, dann geht es Ihnen im Grunde wie mir. Bloß, diese Einschränkung müssen wir uns wohl gefallen lassen: → Heute betreffen solche Wesensmerkmale uns nicht, vielleicht niemals in diesem Leben! Aber was wissen wir davon, wie wir davor – in früheren Leben – gesinnt waren, dachten und handelten?

Wer die Möglichkeit einer wiederholten Wiedergeburt (noch) ablehnt, kommt an dieser Stelle (noch) nicht weiter! Die furchtbaren Leiden eines gequälten oder unheilbar kranken Kleinkindes lassen sich niemals in akzeptabler Weise einordnen, solange nur diese eine winzige Lebensspanne jener geplagten Würmchen gesehen wird. Natürlich sind nicht allein Kinder in ihrem Leid gefangen, doch die Tragik ihres Nichtverstehenkönnens macht die Frage nach dem Sinn solchen Leidens um so dringlicher und berührender.
Auf diese Schwierigkeit, diesen Konflikt mit der üblicherweise vertretenen christlichen Glaubenslehre (katholisch wie evangelisch) geht Günther Schwarz explizit ein:

«Also doch Reinkarnation? Also doch Wiedergeburt? Hier kommen wir an einen kritischen Punkt. Wer da anderer Meinung ist, möge mir vergeben, wenn ich sage: Lies einmal genau nach in den Evangelien. Da wirst du genügend Belege finden aus dem Munde Jesu. Aber nicht nur bei Jesus, auch bei den Kirchenvätern.
Einer der Kirchenväter, Hieronymus, schrieb in einem seiner Briefe,  an Demitrias“:
„Die Lehre von der Wiedergeburt wurde seit ältesten Zeiten den Wenigen verkündet als ein überlieferter Glaube, der nicht öffentlich verbreitet wurde.»A

Warum lehrt Kirche die Reinkarnation nicht?

Die lutherische Kirche lehrt zwei Sakramente, die katholische sieben. Luther sagt von der Taufe und vom Abendmahl: „Sie erlösen von Sünde, Tod und Teufel.“
⇒ Nach der Lehre Jesu bewirkt… die Wiedergeburt die Rückkehr zum Vater, auf einem langen Weg; für die Kirche ist Erlösung bereits allein durch die Sakramente (und nur für zahlende Mitlieder) möglich. «Das eine schließt das andere aus. Und da die Kirche nicht von den Sakramenten lässt – noch nicht! – kann sie die Reinkarnation nicht lehren.»

Das ‚göttliche Schulungsprinzip‘ – Reinkarnation und Karma – fordert einen aktiven Beitrag ein: Streben nach (und Erbitten) spiritueller Erkenntnis.  Lernen, „die Lasten, die mich niederdrücken, abzuwerfen“. Es genügt nicht, wenn mir die Sünden durch einen Pfarrer nach der Beichte vergeben werden. Zum einen werde ich mir selbst vergeben müssen, mich alsdann um einen echten Aussöhnung mit von mir verletzten Personen bemühen.
Das Wichtigste jedoch:
Ich muss an mir arbeiten. Das schädliche Fehlverhalten abstellen – gar nicht leicht, sofern es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die meisten von uns sind keine Schläger, Raubmörder oder Vergewaltiger, doch ‚vollkommen‘ sind wir genauso wenig:

  • Welchen besitzt der Begriff Nächstenliebe im Denken, Trachten und Handeln der Menschen hierzulande – oder in den Medien? Dies ist einer der Punkte, wo ich mich getrost an die eigene Nase fassen sollte.
  • Wie oft verdrehen, verzerren wir die Wahrheit aus Bequemlichkeit und ‚Rücksichtnahme‘ …mitunter ein automatischer Reflex.
  • Üble Nachrede – was die Bibel ein falsches Zeugnis wider den Nächsten nennt – lässt sich täglich beobachten. In der Politik sowieso, aber auch im allgemeinen Umgang. Es ist so einfach, voller Selbstgerechtigkeit die Verantwortung für Unzulänglichkeiten auf andere abzuwälzen.
  • Mit sexueller Freizügigkeit habe ich kein Problem, sofern sie offen und aufrichtig gelebt wird. Doch längst werden Ehebruch bzw. heimliche Untreue in einer festen Partnerschaft vermarktet, ausdrücklich in der Werbung angepriesen – Apps und Online-Portale ködern mit dem Label „Fremdgehen“. Wer denkt schon daran, dass aus solchem Verhalten am Ende doch Streit, Unzufriedenheit, ggf. die Zerstörung der Partnerschaft sowie und womöglich eine fiese Geschlechtskrankheit resultieren.
  • Geiz ist nicht geil! Rücksichtslose Gewinnmaximierung zulasten der am Wertschöpfungsprozess Beteiligten stellt erst recht keine Tugend dar. Materielle und soziale Verlustängste eine Lebenseinstellung wie ‚Nie mehr lasse ich mir etwas wegnehmen‘ – mindern die eigene Lebensqualität erheblich.

Tja, aber wie Schwarz schon sagte: zu einer echten Veränderung im Denken und Wesen einer Person bedarf es einer hinreichend starken Motivation – etwa indem überhaupt erst der Wunsch entsteht nach dieser Rückkehr, diesem Einssein mit Gott. Nicht wenige der heute lebenden Menschen verspüren diesen Impuls kaum. Zum Ende hin, ja, sobald die verbleibende Zeit merklich knapper wird, kommt zuweilen furchtsames Nachdenken auf… bloß, dann ist es für größere Lernschritte reichlich spät, denn diese brauchen Zeit.
Tröstlich ist dennoch: wer vor lauter Trödeln und Konsumieren die zentrale Sinn- und Zielgebung seines Lebens verpasst, wird deswegen nicht einer zeitlosen Verdammnis überantwortet. Sondern er hat das ‚Klassenziel‘ nicht erreicht und wird diese Klasse in einem weiteren Leben wiederholen.B

(Keine) Gebetserhörung?

Beispiel Krieg und Frieden: Wenn wir Menschen den Frieden wollen … dann müsse dieser Wunsch anfangen in unseren Köpfen, spürbar werden in unseren Herzen. Und unser Handeln muss damit übereinstimmen. «Es ist geradezu töricht, Berge von Waffen zu schmieden und zu verkaufen und wenn es dann kracht, Gott um Frieden zu bitten, dass er den Frieden machen solle. Nö, so läuft das nicht, den müssen wir selber machen.»

Bei den Einstellungen, die wir haben, bei den Handlungsweisen, mit denen wir umgehen, sei einstweilen auf der Erde kein Paradies zu erwarten, sondern Leid, Unrecht, Gewalt und Krieg. «Wenn wir aber die Verursacher sind, wie könnten wir uns dann hinstellen und sagen: wenn es einen Gott gäbe, würde er das nicht zulassen? Es ist doch unser, der Menschen Wunsch und Wille! So sind wir doch, wir Menschen!»

Mit Gebeten verhalte es sich ganz ähnlich:
«‹Gibt es unter euch einen Vater, den sein Sohn um ein Brot bittet
und er gibt ihm einen Stein?› Nur müssen die Bitten stimmen. …Nämlich um Erkenntnis, um den Weg, den wir gehen sollen, und um den Einlass in …die geistige, in die spirituelle Welt. Also Bitten, die darauf zielen, Bitten, die dem dienen, da verfährt Gott so.-

Die Rolle Jesu im ‚göttlichen Schulungssystem‘

Aus diesem Blickwinkel kann, muss ich einräumen: Meine eigenen Bitten (um Erkennen, Verstehen, ‚um ein Weiterkommen in meinem Verstehen‘, was es mit dieser Welt und mit uns auf sich hat…) wurden erfüllt. Nicht immer sofort – das ist ja nicht wie bei der Zahnfee! Auch ist dieser Erkenntnisprozess noch lange nicht abgeschlossen, und die Umsetzung gleich gar nicht.
Doch es war schon so: in verkraftbaren Schritten, auch mit den (in meiner Ungeduld nicht immer als notwendig eingesehenen) ‚Verdauungspausen‘, wurde ich auf diesem Weg des Lernens und Verstehens voran geführt. Mitunter war erstaunlich, wie ich just im richtigen Moment dem neuen Text, dem bis dato unbekannten Autor begegnete, der ‚gebraucht‘ wurde, um das Puzzle ein wenig mehr zu vervollständigen.

Was mir indessen bis in diese Tage fehlte, war eine kohärente Integration der Person Jesu in mein Weltbild.
Denn zeitlebens war ich nur mit dem Kirchen-Jesus vertraut. Wenn der Weg zum Heil, zurück zu Gott so unsagbar schmal war (vgl. Mt 7,14), dass nur ganz wenige die erforderliche Vollkommenheit erlangen würden, …nun, dann wäre einer wie ich kaum Teil dieser elitären Kleingruppe. Träge, zu inkonsequent und oftmals halbherzig in meiner Veränderungsbereitschaft war ich, um solch besonderen Lohn zu erhoffen.
Auch hatte Jesus dem Vernehmen nach betont, nur durch ihn könnten wir (also einige wenige von uns) zum Vater gelangen – ich sah darin eine ähnliche Drohbotschaft, wie ich sie von der RKK kannte. Nein, mit diesem Jesus wusste ich nicht sehr viel anfangen.

Erst die Einordnung der Lehre Jesu in das ‚göttliche Schulungsprinzip‘ von Karma und Reinkarnation ermöglicht mir die Revision dieser doch reichlich verbohrten Sicht auf Jesus: Dass der Weg ’nach Hause‘ schmal und beschwerlich ist, bedeutet nicht, dass nicht jeder von uns ihn einmal beschreiten darf!
Sondern: ‚Nicht alle gleichzeitig‘ und ein Spaziergang wird das auch nicht. Denn die Voraussetzungen müssen erfüllt sein, d.h. der Erkenntnis- sowie vor allem der Lern- und Läuterungsprozess muss abgeschlossen worden sein. Damit wird klar: es kann unter Umständen noch viele Lebensspannen dauern, bis wir so weit sind.

Die Rekonstruktion der ursprünglichen Worte Jesu lässt so viele Zitate in einem völlig anderen Licht erscheinen,  Dr. Schwarz erläutert nun anhand zahlreicher Zitate und Beispiele, wie Jesus uns als Lehrer zum persönlichen Führer auf diesem langen, oft mühsamen Weg zurück werden könne. «Wenn wir also bitten um das, was wir zum Leben brauchen, körperlich-materiell, geistig-spirituell, dann werden wir das bekommen.»

Das ‚Zauberwort‘ indes lautet Selbstentwicklung («bitteschön nicht Selbsterlösung, das ist ein ganz anderes Thema»). Mit Betonung auf Selbst, also auf Eigenanteil, auf Eigenleistung:
«Der verlorene Sohn… er musste jeden Schritt, der ihn vom Vater trennte, gehen, auf eigenen Füßen. Das wird immer übersehen, wenn jemand sagt, die Gnade Gottes macht das alles. Nein, die Gnade Gottes habe ich eben erwähnt: das Herabströmen von oben. Aber wer das nicht tankt, dessen Benzintank ist leer. Fahren Sie mal mit einem leeren Tank.»

In unser Treiben, unsere Konflikte hier auf der Erde mischt Gott sich nicht ein. „Denn wenn er das täte, dann brächte er sich um den Effekt des ganzen. Und er brächte uns um den Effekt des ganzen. Nämlich, dass wir lernten, Unrecht, Gewalt, Krieg zu vermeiden.“

Einwand: Niemand verändert sich wirklich.

Falls es stimmt und wir viele Lebensspannen durchlaufen, um schrittweise zu reifen…nun, dies kann nur gelingen, sofern wir zu tiefgreifender charakterlicher Veränderung überhaupt imstande sind. Erfahrungsbedingte Zweifel daran sind verständlich – wie viele durch und durch geläuterte, zum Positiven gewandelte Personen kennt man denn so? Der Geist mag ja willig sein, aber das Fleisch bleibt eher schwach und träge…

An dieser Stelle sei wiederum auf die Vorgeschichte (s.o.) verwiesen, d.h. die möglichen Vorleben. Ein Prozess tiefgreifender Charakterformung geschieht überaus langsam, sichtbar würde er wohl nur, hätten wir die Vergleichsmöglichkeit, d.h. wie wir vorhergehenden Leben waren.

Der Blick auf den Homo Sapiens insgesamt fällt entmutigend aus: Das Bild einer kriegerischen, in hohem Maße selbstzerstörerischen Spezies hat sich abgesehen von technologischen Innovationen seit Jahrtausenden im Kern nicht verändert – die heutige Menschheit setzt zusätzlich alles daran, die Erde zu zerstören. «Sie morden sich gegenseitig, setzen radioaktives Material frei, vergiften die gesamte Biosphäre, heizen die Atmosphäre auf. Wälder werden ohne jedes Bedenken abgeholzt, Tiere aus ihren Heimen vertrieben oder ganz ausgerottet. Gleichzeitig feiert sie den technischen Fortschritt…»

Nur, ist diese diese Betrachtungsweise hilfreich oder mündet sie in eine Sackgasse. Wir Menschen sind zwar soziale, aber keine Schwarmwesen. Nein, wir sind Individuen – Einzelseelen, wie Schwarz schreibt – und den langen Weg zurück treten wir einzeln an, Anders wäre es auch kaum möglich, bedenkt man unsere ganz und gar unterschiedlichen Entwicklungsstände.
Dass die heutige Menschheit einen weithin ungünstigen Weg nimmt, lässt sich wohl konstatieren – dieser sagt indes nichts über den geistig-spirituellen Weg einzelner Personen aus.

Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst.” (Dante)

Quellenangabe und Literaturhinweis

Anmerkungen

A -Weitere angeführte Belege lassen sich in dem verlinkten Vortrag nachlesen, Schwarz verweist u.a. auf Johannes Kap. 3: Die entscheidende Frage, die der Rabbi Nikodemus hatte: «Wie kann man eingelassen werden in die Herrschaft Gottes, in die Himmelsherrschaft?»; Jesus sagt: «Ohne Wiedergeburt läuft gar nichts!»

B – Die aufgeführten und verwandte Aktivitäten sind nicht notwendigerweise verwerflich, soweit sie niemandem Schaden zufügen – nur: sie bringen uns spirituell kein bisschen weiter. Es ist zutiefst bedauerlich, wenn ein Leben außerhalb der Arbeitszeit weitgehend für Fußballgucken, Sauforgien und anschließendes Auskatern ver(sch)wendet wird – aber „böse“ ist daran wohl nichts.

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft & Soziales, Glaube, Leben, Psyche, Spirituelles, Vortrag abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar