Wie ist die Stimmung?

Es ist schwer, das Glück in uns selbst zu finden,
und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden.

Nicolas Chamfort

Es hat mehrere Monate gedauert, bevor ich mich nun wieder zu Wort melde. Der Grund dafür ist rasch erklärt: die aktuellen Themen und Diskurse unterliegen einer drastischen Emotionalisierung bei sichtbar schwindender Zuversicht… was angesichts der Pandemie sowie der vermutlich noch vor uns liegenden Schwierigkeiten durchaus zu verstehen ist.
Dieser Schwund an Zuversicht hatte auch mich zeitweilig erfasst – eine Stimmungslage, in der ich nur wenig Sinnvolles ‚zu Papier‘ bringe.-

Die Nachrichtenlage bleibt weiterhin reichlich be- oder sogar erdrückend. Auch mit der ‚allgemeine Stimmungslage‘ steht es weiterhin nicht zum Besten.
Was kann man da tun? Mir sind besonders zwei Tendenzen unangenehmen aufgefallen, welche sich durch eigenes Verhalten ein Stück weit beeinflussen lassen:

„Wenn zwei sich streiten, lächelt die Wahrheit.“

Es steht uns frei, tagtäglich in die endlosen, zusehends verbissener geführten Diskussionen auf den Seiten und Apps sozialer Medien einzutreten. Damit hat man einen effizienten Timewaster gefunden – sowie eventuell noch die Zustimmung von Unbekannten in Form von Likes und Retweets – mehr aber auch nicht.
Denn, so ist jedenfalls mein Eindruck, dort geführte Streits sind denkbar unproduktiv: vielfach geht es allein darum, eigene Ansichten und ‚daraus erwachsende Identitäten‘ zu artikulieren.
Das Anliegen, den eigenen Horizont zu erweitern und ggf. auch selbstkritisch zu verändern, scheint hingegen aus dem Blick zu geraten. Dazu passt auch, dass Vertreter abweichende Ansichten immer häufiger geblockt werden.

Momentaufnahme: Das Gezänk über den „Maskenzwang“ nimmt gerade etwas ab, denn es werden Rettungspakete und ein Wiederaufbaufonds verabschiedet – und lange bevor die Tinte unter den Verträgen getrocknet ist, beharken sich gefühlt 80 Millionen Ökonomie-Experten allein in Deutschland sogleich über das Warum. Und das Für Wen.
Natürlich ist manches kritisierbar, wenn ausgabefreudige EU-Länder nun Milliarden an nicht rückzahlbaren Zuwendungen erhalten… und sich einige der Empfänger-Staaten sich immer weiter von den rechtsstaatlichen Prinzipien der EU-Verfassung entfernen.

Doch angesichts reflexhafter Urteile mit Schaum vor dem Mund fehlt mir oft ein Innehalten und Bewusstwerden: 

„Wir denken selten an das, was wir haben,
aber immer an das, was uns fehlt“

…stellte Arthur Schopenhauer fest. Permanente Fokussierung auf das Unvollkommene mündet in ebenso permanente Unzufriedenheit… gesund ist das nicht und innerlich ausgeglichen wird man dadurch auch nicht.-

Nostalgie

Meine Generation, die ‚Boomer‘, tappen mit Vorliebe in eine etwas andere Falle: „§ 1. Die Vergangenheit war immer besser.“
Unsere Erinnerung ist gefärbt von dem Umstand, dass wir uns ‚damals‘ mit 25 oder 30 eben jünger und oftmals auch besser gefühlt haben. Folglich erscheint uns die Musik der 80er origineller, die Politik der 90er klüger,  und die D-Mark hatte viel mehr Kaufkraft als der €  (letzteres stimmt ja auch;)

Obgleich ich mir nicht einrede, früher sei alles besser gewesen, ist diese Sehnsucht nach Vergangenem häufig präsent. Das emotionale Gedächtnis funktioniert fehlerhaft, denn negative Emotionen geraten mit der Zeit in Vergessenheit. (Vgl. Warum früher alles besser war“ auf SPON)

Auch hier gilt: Weder Rechthabenwollen noch Besserwisserei verbessern die gegenwärtige Situation auch nur minimal. Selbst wenn man für einen Moment so tut, als wäre früher alles besser gewesen – meine Oma war übrigens auch dieser Ansicht, bezog sich aber auf die 1930er Jahre – was nützt uns das jetzt?
Wir als ‚Ältere‘ sind dennoch gut beraten, uns an die eigene Jugend zu erinnern – aber selbstkritisch und ehrlich:
Was konnten wir seinerzeit partout nicht ausstehen?

→ Altkluge, herablassende Belehrungen derer, die wir damals für alt hielten.
Könnte es sich also als zweckmäßig erweisen, wenn wir heute auf eben dieselbe Überheblichkeit verzichten? Hilfreiche Ratschläge sind gut und schön, doch angenommen werden sie wohl nur da, wo sie nicht ungebeten erteilt werden.-

Alternativ zu dem niemals endenden Gezerre und der Flucht in vergangene Zeiten bietet sich an, gezielt nach kleinen Orten und Momenten der Besinnung zu suchen. Ideal zum Erholen und Auftanken sind stille Orte mitten in der Natur, fernab von all dem Gekeife, dem Geschrei und dem Sich-gehetzt-fühlen. Doch zur Not tut es auch die ‚innere Einkehr‘, welche mir persönlich am besten mit Musik gelingt.

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Look To The Morning Light – Mike Terry

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A New Day Has Come

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