Brauchtum: Tiersegnung und Dackelwallfahrt

Kreuzweg mit Dackel? Die eigene Religiosität mit dem Pferd teilen? Nun ja, die Zugänge sind halt verschieden.
Bedenkt man, welche Bedeutung Haustiere für viele Menschen erlangt haben – u.U. auch als Ersatz, etwa nach dem Tod des Lebenspartners – dann ist der Wunsch vielleicht gar nicht mehr so verwunderlich, das eigene Tierchen dem Himmel etwas näher zu bringen.

»Ich weiß natürlich nicht, wie er das sieht«

Ach, ob Bella, Puschel und die Lieblingsechse (sowie nicht wenige Stofftiere) überhaupt etwas von der Segnung mitbekommen, ist eher unerheblich.
Andererseits, wo die segnenden Worte des Landpfarrers von permanentem Gebell und Gejaule überlagert werden, nimmt der ganze Vorgang schon einen erstaunlichen, evtl. auch gewöhnungsbedürftigen Charakter an.

Jedenfalls hatte ich noch nie von solchen Veranstaltungen gehört, die vornehmlich im katholischen Umfeld stattfinden. Interessant ist auf jeden Fall, dass auch in dieser ach so modernen, nüchtern-ernüchternden Zeit ein reges Interesse an ihnen fortbesteht. Sympathischer als Waffensegnungen (welche hierzulande ohnehin nicht mehr vorgesehen sind) ist mir solches Brauchtum allemal.

Bloß eine Trendwelle?

Im ›Benediktionale‹ der Katholischen Kirche, einem Buch mit Segensformularen für verschiedene Anlässe, sei auch »eine Segnung von Tieren vorgesehen. Eine Tiersegnung soll in Form eines Wortgottesdienstes erfolgen. Unter anderem sind dabei Gebete, Lesungen, Lieder, Fürbitten und eine Ansprache vorgesehen. Tiersegnungen können bei besonderen Anlässen stattfinden, etwa an den Gedenktagen von Heiligen, die Schutzpatrone bestimmter Tiere sind«. (Vgl. → Stellungnahme der Bischöflichen Pressestelle im Bistum Mainz)

In der Dokumentation wird deutlich, dass Veranstaltungen auf seit langem bestehende Traditionen zurückgehen; lediglich die konkreten Gestaltungsformen mögen sich gewandelt haben.
In diesem Kontext liegt es auch nahe, die Vergegenständlichung von Tieren – d.h. ihre Reduzierung auf eine Sache, ein bloßes Objekt der Schlachtung oder Opferung – verstärkt zu hinterfragen.

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