Nix is‘ für immer… also tanz‘, als wär’s der letzte Tanz(?)

Kurze Gedanken zum Song Der Letzte Tanz (Bosse)

Tanzen – echt jetzt? Naja, gerade jetzt haben viele von uns ganz andere Dinge im Kopf als Ausgelassensein. Dabei bin ich persönlich bislang vor schweren Härten infolge der Covid19-Pandemie verschont geblieben, toi toi. Nichtsdestoweniger geht mir die bedrückende Lage mit all ihren Ungewissheiten (›Was kommt noch auf uns zu?‹) unter die Haut.

Am einschneidensten erlebe ich den Verlust von Sicherheiten, deren Vorhandensein ich wohl für selbstverständlich erachtet habe:

  • Freizügigkeit: jederzeit im Grunde alles machen können und dürfen, über meinen Aufenthaltsort gänzlich frei zu entscheiden und gar nicht mal so seltene Spaziergänge in den ruhigen Abendstunden zu unternehmen. In einigen Bundesländern bestehen diesbezüglich nunmehr erhebliche Einschränkungen.
  • Reisen: zwar dürfte ich wohl vor oder an Weihnachten ich zu meiner Familie in ein südlicheres Bundesland reisen, doch wir sind uns alle einig: das Risiko ist uns zu hoch. Die bloße Vorstellung, das Virus auf der Reise einzufangen und dann unbemerkt bei meinen Eltern einzuschleppen, würde mir jede Freude an der Begegnung nehmen.
  • Sofortige Verfügbarkeit sämtlicher Waren des täglichen Bedarfs, insbesondere auch dringend benötigte Medikamente (bis jetzt habe ich alles noch rechtzeitig bekommen, wenn auch z.T. nach 30-60-minütigem Schlangestehen vor der Apotheke.
  • Vor allem aber: Gesundheit.
    Klar tritt wenige Jahre vorm 60. Geburtstag das ein oder andere Zipperlein auf; und diese werden mit der Zeit auch tendenziell ernstzunehmender. Doch düstere Überlegungen wie »wer sich heute ansteckt, könnte an Silvester schon tot sein« (anscheinend ein beliebtes Twitter-Thema) habe ich niemals angestellt bzw. kaum je auf mich persönlich bezogen.
  • Über all dem schwebt das mulmige Gefühl, in einer völlig unbekannten Situation zu leben. (Pandemien gab’s zwar auch schon früher, doch ich kenne niemanden, der so etwas schon mal erlebt hat.

All dies ist kein Anlass zum Jammern, ich möchte auf etwas anderes hinaus: auch wenn mir ›theoretisch bewusst‹ war, nichts im Leben ist auf Dauer zugesichert und irgendwann bin ich ohnehin Geschichte.

Der Lerneffekt?

Hmm, da kommen mehrere in Betracht:

  • Nicht länger alles Erfreuliche und Notwendige einfach so als gesichert nehmen, eher mal dankbar sein für die Dinge, die ungeachtet der momentanen Schwierigkeiten gelingen bzw. relativ problemlos einkaufen lassen.

Und man weiß immer erst beim Abschied, was es ei’m bedeutet
…und wie schön es eigentlich war.
Und nix ist immer, für immer.

  • Kleine und größere Pläne für die Zukunft machen
    Jede Niedergeschlagenheit und Verzagtheit ist gerade in dieser außergewöhnlichen Vorweihnachtszeit zu verstehen. Als kleine Hilfe aus so einem Loch bietet es sich an, schon mal über die Zeit nach Corona nachzudenken.
    Ja ja, etliche hauptberuflichen KaffeesatzleserInnen unken laufend: »Nichts wird wieder sein wie vorher«. Andere Autoren hinterfragen diese Aussage immerhin kritisch. Und ja, einige Gewohnheiten dürften sich sicherlich verändern: ob ich nochmals fremden Personen sorglos und ohne jedes Zögern die Hand schütteln werde? Keine Ahnung, das wird sich einspielen, wenn diese Zeit dann mal erreicht ist.
    Was spricht dagegen, sich schon heute gedanklich mit dieser hoffentlich bald beginnenden neuen Epoche zu befassen? Der große Planer bin ich auch nicht; dennoch wächst meine Liste ›Was ich in der Zeit nach Corona auf-/nachholen und an Neuem erleben möchte‹ zusehends
    ..
  • Sobald/falls diese Ausnahmesituation dann einmal überstanden und so etwas wie Normalität wiederhergestellt sein sollte: Gedanken wie ›irgendwann möchte ich noch mal so richtig leben/lieben/reisen/feiern‹ hat wohl jede/r von uns – gerade in diesen Tagen.
    Bloß sollten diese nicht zu lange aufgeschoben werden – denn einerseits wird nichts davon mit zunehmendem Alter leichter…und zudem weiß nun wirklich niemand von uns, wie viel persönliche Zeit denn noch bleibt.

Nix ist für immer, nix ist für immer;
einfach alles ist nur einmal
Also tanz, als wär’s der letzte
der letzte, der letzte Tanz.
Also küss, als wär’s der letzte Kuss…

Allzu ernst soll dieser kurze Beitrag nicht werden – zumal wir ›das alles schon längst wissen‹. Dennoch hat dieser nicht übermäßig komplex gestrickte Song etwas in mir zum Klingen gebracht:

Warum merkt man immer erst beim Abschied
Was es uns bedeutet?
Warum merkt man immer erst beim Winken
Wie schön es war?

Siehe auch

  1. Wird nichts so sein, wie es vorher war?,
    Jürgen Knaube in der FAZ
Dieser Beitrag wurde unter Aktuelles, Leben, Musik abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar