›Werde ruhig‹ – was in dieser Zeit wohltut

Da sind die Vorlieben sicher unterschiedlich. Für mich erwächst Wohltuendes momentan eher aus der Suche nach und dem Finden von Gemeinsamkeiten, die ›trotzdem‹ weiter bestehen.

Aggressives Aufbegehren, wie es in den News-Medien tagtäglich erscheint, mag aus persönlicher Lage und Sichtweise verständlich sein (gerade da, wo durch die Infektionsschutz-Regeln berufliche Existenzen gefährdet sind) oder der Ablenkung dienlich sein – mich selbst bringt es hingegen absolut nicht weiter. Eher schon die Haltung ›irgendwie da durch kommen, ohne es mir selbst und den Mitmenschen unnötig schwer zu machen‹.

Positiv aufgefallen ist mir etwa die musikalische Anregung von Pfarrer Heiko Bräuning:

Werde ruhig

Künstlerische Reflektionen über das Virus und die Krise

… und all die Auswirkungen gibt es inzwischen recht viele:

  • Dieter Hallervorden befasste sich in seinem Corona-Song mit den ökonomischen und politischen Implikationen: das Virus habe doch sicher nicht gewollt, dass ausgerechnet Söder ›sich durch mich das Kanzleramt holt‹
  • Carloline Kebekus besang im Song Zusammen Alleine, wie sie sich in der vielen freien Zeit den Würgereiz abtrainiert habe (»Ja was denn, zum Schwertschlucken – was denn sonst?«) und dass wir die Keime schon irgendwie killen würden …na dann…
  • Sarah Connor macht nun nicht unbedingt die Musik, welche ich regelmäßig höre. Indes trifft ihr neuer Song ›Bye Bye‹ gerade den rechten Nerv: Wer von uns hat gerade in den letzten Wochen nicht mehrmals gedacht »aus meiner Sicht reicht es langsam« – zumal man vielleicht nach den ruhigeren Sommermonaten heimlich eben doch gehofft hatte, es würde zumindest nicht noch viel schlimmer werden als im Frühjahr?

Könn’n wir vorspul’n
Und so tun, als wär alles wieder gut?
Und dann feiern wir ’ne fette Party
Laden alle unsre Freunde ein
Steh’n extra ganz dicht beieinander
Und stoßen an aufs Zusammensein
Alt und jung und groß und klein
Keiner mehr zuhaus‘ allein
Weißt du, wovon ich grad am liebsten träum‘?
Dass du mich weckst und sagst; »Es ist vorbei!«

Tja, diesem Wunschtraum schließe ich mich zu gerne und aus tiefstem Herzen an.


Dass dem Virus SARS-CoV-2 eine Art absichtsvoll-planende Vorgehens zugedacht wird (z.B. ›es‹ habe der Menschheit zu mehr Bewusstheit und Zusammenhalt verhelfen wollen), kommt auch in ernsteren Kommentaren vor:

»Das Virus spricht« via Instagram, Ness1_23

Da sind viele bedenkenswerte Gedanken und Überlegungen enthalten …in meinem Umfeld wurde dieses Video mit Begeisterung aufgenommen und geteilt. Mich selbst beschlich beim Anschauen ein wachsendes Unbehagen, wohl aus zwei Gründen:

  • Das winzige Virus selbst hat kein Bewusstsein, weder denkt es noch kennt es planendes Handeln – es scheint nicht einmal sämtliche Merkmale von Leben zu erfüllen. Also bräuchte es zum zielorientierten Vorgehen einen großen, übermenschlichen Konstrukteur – von dort ist es m.E. nur noch ein kleiner Schritt, die Pandemie mit all ihrem Leid als Strafe (oder ›Denkanstoß‹) von Gott zu betrachten.
  • Die Menschheit ›braucht‹ eine globale Katastrophe mit Millionen Todesopfern, um sich neu auf ihre Tugenden zu besinnen? …da flackert dann schon mal mal meine interne Zynismus-Warnlampe auf.

Auch anderes kommt recht belehrend daher …zuweilen gar mit einem unterschwelligen Beigeschmack von ›das habt ihr nun davon‹ – wer ist denn ›Ihr‹ und warum dieses Denken in einer Kategorie von kollektiven Bestrafungen?

Dergleichen kann ich grad überhaupt nicht brauchen – wohingegen der Hinweis ›Werde ruhig‹ (s.o.) mich im Grunde zu jedem Zeitpunkt erreicht…

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