Kontraste / Selektive Wahrnehmung

Mancher Gegensatz in unserer schönen modernen Welt macht mich betroffen und ratlos. Den einen ist es offensichtlich gegeben, selbst angesichts eines schweren Schicksals (wie dem der kleinen Madeline, die kaum zwei Jahre alt wurde) noch etwas Schönes, ja Wundervolles zu entdecken und zu besingen.

Wohingegen andere sich zu einem Songtext mit dem Refrain „Willkommen in meiner Welt voll Hass und Blut…“ inspiriert fühlten. Je nach eigener Verfassung veranlasst mich solch ein Gegensatz zu einer eigenen Positionsbestimmung:
Welche Ausdrucksform würde ich – in vieler Hinsicht ein Leben im Durchschnitt führend – wohl finden, wäre mein Kind älter als nur einen Tag geworden und hätte es ein ähnliches Leben wie Madeline führen dürfen …oder müssen?

Es wäre zu einfach zu behaupten, ich wäre für jeden einzelnen Tag mit meinem Sohn dankbar gewesen – dabei weiß ich doch nicht einmal, ob (oder wie lange) ich die belastenden Elemente einer so dramatischen Vaterschaft ertragen hätte. Nun, es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich meine Gefühle und Fragen ebenfalls sublimiert hätte – sicher nicht singend, aber möglicherweise mit einem hundertfach begonnen und 99mal weggeworfenen Gedicht.
Vor allem hätte ich das getan, was ich am besten kann: Rationalisieren, um eine Distanz zu allem einzunehmen, was mir wehtut. Auf eine ganze „Welt voller Hass und Blut…“ wäre ich definitiv nicht gekommen – zwar verkenne ich Leid und augenscheinliche Ungerechtigkeit keineswegs, jedoch würde immer im Bewusstsein bleiben, dass auch die Seite der Liebe in dieser Welt existiert – ohne diese wäre sie unrettbar verloren.

Aus dem Inhalt beider Stücke spricht keinesfalls Leichtfertigkeit oder etwas Gleichgültiges – zwei Songwriter haben sich mit ‚dem Leben‘ auseinandergesetzt. Es ist davon auszugehen, das Rich Mullins und Deso Dogg mit völlig verschiedenen Lebenssituationen konfrontiert wurden – wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann die: beide haben auch sehr negative Seiten des Lebens kennengelernt.

Keine der beide Sichten auf Leben, Leid und Tod habe ich zu kritisieren oder gar zu bewerten (ein direkter Vergleich beider Songs und ihrer Hintergründe käme dem von Äpfeln mit Birnen gleich) – soweit sie in den Songtexten Ausdruck finden. Gewalt und Terror lehne ich selbstverständlich ab und stehe beidem mit Verachtung gegenüber.

Madeline’s Song…(Rich Mullins)

Madeline’s Song wurde von Rich Mullins für die Tochter seines Freundes, Buchautor James Bryan Smith (‚Der Traum‚), geschrieben und vertont. Das Lied handelt von dem kleinen Mädchen, das einer schweren Behinderung und mehreren Missbildungen zur Welt kam. Die Ärzte gaben ihr kaum einen Tag zu leben …später sagten sie „vielleicht eine Woche“…dann „einen Monat“…und noch später sagten sie „höchstens ein Jahr“. Die kleine Madeline starb in ihrem zweiten Lebensjahr.

“Madeline fusses and Madeline laughs
The angel who watches says
“Hey look at that”

There’s your faith mountains will shake
Cuz God gladly bends just to hear Madeline
when she prays
Madeline stretches and Madeline kicks
The angels in heaven say
“Hey look at this”

There’s your faith mountains will shake
Cuz God gladly bends just to hear Madeline when she praysAnd the only angels that I’ve ever seen
Look like tears on the face of the sky
Though it sure breaks your heart to see heaven all streaked up
With sorrows like theirs still you know
all the while:
From where cobbles shine golden like emeralds shine green
From where gems stud the streets and the walls
God looks out a window at us just to see
If anything frail as a sparrow should fall.Madeline fusses and Madeline laughs
The angel who watches says “Hey look at that”
There’s your faith (there’s your faith)
mountains will shake (mountains will shake)
God gladly bends just to hear Madeline
when she prays
God gladly bends just to hear Madeline
when she prays
Madeline quengelt und Madeline lacht
Der Engel der zuschaut, sagt
„Hey schau dir das an“

Euer Glaube lässt Berge erzittern
Denn Gott neigt sich ihr gerne zu,
nur um Madeline hören, wie sie betet.

Madeline streckt sich und Madeline tritt

Die Engel im Himmel sagen:
„Hey schau dir das an“

Euer Glaube lässt Berge erzittern
Denn Gott neigt sich ihr gerne zu,
nur um Madeline hören, wie sie betet.
Und die einzigen Engel, die ich je sah
Sehen aus wie Tränen auf des Himmels   Gesicht
Obwohl es dein Herz schier bricht,
den mit Sorgen gestreiften Himmel
zu sehen(??)
,
bist du dir stets bewusst: Von dort,
wo Pflastersteine
goldglänzend wie Smaragde leuchten,
wo Edelsteine die Straßen und
Mauern bedecken,

schaut Gott aus einem Fenster
– nur um zu sehen,
ob irgendwer,
gebrechlich wie ein Spatz, fällt.
Madeline quengelt und Madeline lacht
Der Engel der zuschaut, sagt
„Hey schau dir das an“
Es ist euer Glaube (es ist dein Glaube)
der Berge erzittern lässt
Denn Gott neigt sich ihr gerne zu,
nur um Madeline hören, wie sie betet.
Gott neigt sich ihr gerne zu,
nur um Madeline hören, wie sie betet.
(??) Sorry, falls die dt Übersetzung  teilweise
daneben ist, über eine Berichtigung würde ich mich freuen)

(??) Sorry, falls die Übersetzung daneben ist, über eine Berichtigung würde ich mich freuen)

 Und nun das ‚Kontrastprogramm‘:

Willkommen in meiner Welt – „Deso Dogg“

Deso Dogg alias Denis M. G. Cuspert erlangte als deutscher Gangsta-Rapper eine gewisse Bekanntheit (der hier eingeblendete Song taucht in dem Fernsehfilm ‚Zivilcourage‘ mit Götz George auf). Seit 2010 ist er lt. Wikipedia als islamischer Prediger und Sänger aktiv.

Wegen seiner Aufrufe zum bewaffneten „heiligen Krieg“ gilt Cuspert als Extremist; 2012 ermittelte die Staatsanwaltschaft Berlin gegen ihn wegen des Verdachts der Volksverhetzung.  Mehrere seiner Lieder kamen in Deutschland als jugendgefährdend auf den Index.
Falls Cuspert noch lebt, dürfte er eine im  führende Position in der hoffentlich bald zerfallenen Terrororganisation „Islamischer Staat“ einnehmen. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten stuft ihn als „globalen Terroristen“ ein. Im Juli 2014 erschien Cuspert in einem Propagandavideo, das zeigte, wie Dschihadisten des „Islamischen Staates“ sich inmitten eines Leichenfelds aus Zivilisten und Soldaten bewegten und die Opfer verhöhnten.

 

„Willkommen in meiner Welt voll Hass und Blut
Ich schreibe Zeilen für meine Kinder und das mit Blut
In einer Welt, wo man nicht mehr weiß was der nächste Tag bringt
Kinderseelen wein‘ leise, wenn der Schwarze Engel singt

und mir kommen wieder Trän‘
mein Leben ist ein Chaos, jeden Tag wenn ich aufsteh‘
verrichte mein Gebet jeden Tag bevor ich rausgeh‘

jeder Tag ist ein Test,ich hab die Nase voll von dem ganzen Stress
ich bin alleine draußen ohne meine Kinder
mein Herz ist eiskalt geworden wie der schlimmste Winter

Und ich scheiß auf diese Welt, denn es dreht sich nur ums Geld
Deso Dogg der Schwarze Engel fällt, willkommen in meiner Welt…

Es ist fatal, wie das Leben manchmal seine Runden dreht
zum Bereu’n ist es zu spät, wenn der Tod vor mir steht

(und so weiter, der Kontext dürfte bis hierhin klar geworden sein)